Mighty Oaks – Horsehead Bay – Documentary (Cinema Screening Premiere)

Mighty Oaks - Horsehead Bay - Documentary

Mighty Oaks – Horsehead Bay – Documentary

Es gibt diese Abende, an denen Künstler ihre Fans begrüßen und nicht den größtmöglichen Effekt daraus erzielen wollen. Dieser Abend fand gestern im ältesten, noch bespielten, Kino Deutschlands, dem Movimento in Berlin, statt. Luden doch die Mighty Oaks ihre Fans zur Uraufführung ihrer Dokumentation Horsehead Bay – Documentary ein. 100 Plätze fasste der Kinosaal und gab es die Tickets ausschließlich zu gewinnen, kam das Trio um 20 Uhr vor die Leinwand und begrüßte die Fans mit gewohnt und sympathisch, lockerer Art. Um dann, in diesem kleinen und intimen Rahmen zu ein paar Songs aus dem Album anzusetzen. Da war zum Beispiel das titelgebende Stück Horsehead Bay, dass Claudio Donzelli, Ian Hooper und Craig Saunders auf Gitarren in einer Akustikversion spielten, bei dem einen warm wurde. Oder dem Titelsong des zweiten Albums Dreamer, sowie der aktuellen Singlen Be With You Always, bei denen Ian noch hinzugefügt, dass der Song für die Band immer eine harte Nuss sei, da die Band hier etwas Überwindung braucht, um ihn zu spielen. Nach ungefährt zehn Minuten setzte dann der Film ein und zeigte drei Musiker, die auf den Pfaden ihrer Vergangenheit wandelten. Begleiteten wir Ian Hooper in den Bundesstaat Washington, der von Wäldern und Seen geprägt ist und bei dem er erzählt, was ihm dieser Fleck Heimat bedeutet.

Eine Band wie ein offenes Buch

Es folgen immer wieder Szenen, bei der man die Band im Studio wiederfindet und am Album arbeiten sieht, doch sind die persönlichen Szenen, die der Kameramann Andrew Saunders einfängt, die tragenden Momente dieser ganzen Dokumentation. Bekommt man doch ein Gefühl dafür, welche Persönlichkeiten hinter der Band Mighty Oaks stehen. So zeigt der Film auch ganz zurückgezogene Momente, in denen Ian Hooper beispielsweise über den Tod seiner Mutter spricht und ihre Seele in Verbindung mit den Adlern in seiner Heimat bringt. Dass diese am Tage des Todes da waren und damit Hallo und Auf Wiedersehen sagten und dabei sinnbildlich für das Vergängliche standen. Überhaupt spielt die Vergänglichkeit in dem knapp 50 minütigen Film eine große Rolle. Denn wenn Claudio Donzelli davon spricht, wie sehr seine Eltern und vor allem sein Vater, an der Firma hängen, die sie aufgebaut haben, ihre Söhne aber beide andere Lebenswege verfolgen und eine Übernahme dieser Firma nicht in dessen Leben passt, ist der Moment der Erkenntnis bei Donzelli ganz vorsichtig ausgearbeitet und man erkennt den Moment, an dem er feststellt, dass diese Firma so nicht mehr lange existieren und damit eine Erinnerung, an die Kindheit und der Zeit des Aufwachsens, verschwinden wird. Ebenso trifft auch Craig Saunders dieses Gefühl. Konnte er doch, im Zuge der Dokumentation, nochmal den Schulsaal aufsuchen, in dem er auf der Bühne stand und vor Familienangehörigen und Mitschülern erstmals sang. Diesen Moment als unbeschreiblich zu benennen und ab da an zu wissen, dass Saunders Musik machen will, veränderte sein Leben. Auch haben alle eine enorme Verbindung zu ihren Eltern und zeigen dies auf ganz unterschiedliche Weise. Saunders hatte in der Zeit der Albumaufnahmen zu Dreamer mit seinem, an Alzheimer erkrankten, Vater zu kämpfen und beschreibt hier den Verlauf der Krankheit mit den Worten, dass man jeder Zeit damit rechnet, vom eigenen Vater nicht mehr erkannt zu werden.

Die Macht der Bilder

Diese Eindrücke und eine unglaublich sensible Bildsprache lassen die Dokumentation um die Mighty Oaks zu einer unerwartet, persönlichen Vorführung werden. Hatte die Band auch schon vor Horsehead Bay – Dokumentary einen festen Platz bei den Fans, in Berlin und auch deutschlandweit, wird die Band durch den Film, der unglaublich reich und eine wunderschöne Bildsprache besitzt, auf eine neue, bedeutende Stufe gesetzt.

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The xx – Konzertkritik

The xx - I See You - European Tour www.soundtrack-of-my-life.com

The xx – I See You – European Tour http://www.soundtrack-of-my-life.com

Es war eine Art Heimspiel. Das britische Trio von The xx kamen, 4 Jahre nach ihrem letzten Berlinbesuch wieder in die Hauptstadt – und alle waren da. Spätestens nachdem ihr drittes Album I See You im Januar auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg, war klar, dass diese drei schüchternen Londoner keine kleine Indieband mehr sind. Dies sollte auch am vergangenen Samstag noch einmal eindrucksvoll bewiesen werden. Gaben sie doch in der Arena Berlin ein Konzert und füllten diese nicht nur, sondern sorgten für ein ausverkauftes Haus und spielten somit vor rund 9.000 Fans. Überraschend war auch, welches Publikum das Trio in die Arena zog. Hatten The xx 2013 noch im Spreepark mit ihrem eigenen Festival Night + Day vorrangig die, in Berlin so beliebten, Hipsters angezogen, fanden sich nun in der Arena von Hipsters, über Fanschal-tragende, bis hin zu Fans, nahe des Rentenalters alle Gruppen wieder. The xx sind zu einer Mainstreamband, fernab des Mainstreams geworden und erfreuen sich vor allem in Berlin einer enormen Beliebtheit.

Nur am Rande sei hier kurz erwähnt, dass die Arena Berlin keine ideale Location für Konzerte ist, die eine gewisse Klangästhetik voraussetzen. Ein James Blake oder eben The xx leiden deutlich unter der großen Halle und dem Stahlgebäude, das die Bässe blechern zurückwirft. Doch versuchen die Veranstalter und Tontechniker stets das beste und gaben so auch am Samstag alles, um die Defizite wettzumachen.

Die neue Leichtigkeit

Als Support legte der britische DJ Floating Point die erste halbe Stunde auf und untermalte das Warten mit Songs wie Argenté, Kuiper und Silhouettes (I, II & III). Floating Points moderner und entspannter Elektro war die perfekte Einstimmung auf The xx und ließ bei dem ein oder Anderen bereits die Tanzlust steigern. Um 21:15 sollte es schließlich soweit sein und Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie xx betraten die Bühne. Mit Say Something Loving eröffneten sie den Abend und präsentierten damit gleich die Richtung, in die es mit der Neuausrichtung von The xx gehen sollte. Ist doch ihr drittes Album deutlich poppiger und freundlicher geworden. Dies steht der Band so gut, dass man am Samstag auch auf der Bühne ein ausgetauschtes Trio sehen konnte. Da stand Jamie xx im Hawaiihemd erhöht an seinem DJ-Pult und Romy und Oliver in schwarz gekleidet (manche Dinge ändern sich dann doch nicht) an den Mikros. Auffällig bei Say Something Loving war, dass Romy deutlich direkter sang und sich fast schon wie eine Frontsängerin präsentierte. Dies war zuvor nie der Fall, waren die drei doch viel zu schüchtern und zurückhaltend. Mit Crystalised und Island folgten dann zwei der wohl beliebtesten Songs aus dem Debütalbum xx und sorgten so für Begeisterung beim kompletten Publikum.

Der Einfluss eines Soloalbums

In den fünf Jahren, die The xx kein neues Album veröffentlichten war vor allem Jamie xx rege unterwegs und veröffentlichte mit In Colour sein hochgelobtes erstes Soloalbum. Auf diesem präsentiert sich Jamie xx deutlich positiver als noch bei den Produktionen für The xx. Und genau das sollte sich schließlich auch auf die neuen Songs von I See You auswirken. So sind die Songs Lips und Performance, die als nächstes folgten, von der neuen Präsenz Romy und Olivers geprägt. Stehen sie doch jetzt deutlich im Mittelpunkt und versuchen sich nicht mehr als unbedeutendes Beiwerk zu präsentieren. Mit einem Cover des Drake Songs Too Good überraschten sie schließlich durch ein intimes Duett, um dann mit Brave For You gleich einen weiteren ruhigen Song des neuen Albums zu spielen. Mit Infinity und VCR starteten The xx dann auch richtig durch und bekamen hier auch den letzten Fan dazu mitzusingen und zu tanzen. War die Bühne als riesiges Spiegelkabinett aufgebaut, strahlten die Scheinwerfer diffus durch die Halle und ließen die Bühne in einem Farbenmeer erscheinen. Hinzu kam, dass sich einige Spiegel- und LED-Säulen bewegten und somit die Farben in alle Richtungen projizierte.

Pop hält Einzug

Mit I Dare You folgte schließlich eine positive Hymne, bei der man mitsingen und auch mal Oooohhhhhhooohoo rufen konnte. Allein ein solcher Gesangspart war vorher nie mit The xx in Verbindung zu bringen und stand ihnen doch am Ende so gut. Mit Dangerous folgte eine Clubnummer bei der die gesamte Arena zu tanzen begann und damit den größten Dancefloor des Abends in Berlin schuf. Mit dem ruhigen A Violent Noise brachen The xx dann noch einmal die Tanzwut des Publikums auf, um dann Jamie xx so richtig zum Zuge kommen zu lassen. Hatte er doch einen Remix der beiden Songs Fiction und Sunset gespielt. Dieser war mit einer Lichtshow versehen und ließ nicht nur die Beats in der Brust spüren, sondern gleichzeitig auch ein Gefühl der Zugehörigkeit aufkommen. Dass dieses mit den schnelleren Nummern geschah, kann man dem enthusiastischen Publikum zuschreiben, das jeden Song und jeder Version dankbar annahm und zelebrierte. Darauf folgte Shelter, ehe sie mit Loud Places aus Jamie xx Album In Colour zum vorerst letzten Song ansetzten. Hier kam es dann noch einmal auf, dieses Gefühl zwischen Tausenden zu stehen, die den Song ganz unterschiedlich aufnahmen aber alle bis zur letzten Sekunde genossen. Da tanzten ausgeflippte Südamerikaner und drückten ihre Freude mit Sprüngen und wilden Gestiken aus, sowie es den ruhigen bärtigen Mittzwanziger gab, der einfach nur die Augen schloß und man erkennen konnte, wie der Song ihn durchdrang. Diese Facetten und der Reichtum, den Songs wie Loud Places auslösen, sind das eigentliche Geheimrezept des Erfolges von The xx. Und so gingen die drei von der Bühne und ließ Jamie xx den Beat einfach weiterlaufen, um dann zwei Minuten später zurückzukehren und mit On Hold diese positive Stimmung noch einmal zu erhöhen. On Hold ist derart positiv und strahlt eine Weite aus, die gleichzeitig mit Sehnsucht verbunden ist und einfach nur zum genießen anregte. Was folgte war Intro, der als gewaltiger Instrumental-Song vom Debütalbum xx bereits seit seiner Veröffentlichung begeistert.

The xx & Berlin – Eine Verbindung die bleibt

Zum Schluß setzte Oliver schließlich, mit den Worten, dass Berlin schon immer eine besondere Stadt für die Band sei, ein und beschwor die Verbindung, die Romy, Jamie xx und er zu ihr und den Menschen haben. Mit einem danke in die Menge setzten sie zu Angels an und zeigten so, wie sehr sie dem Berliner Publikum dankbar sind. Heißt es in Angels doch They would be
As in love with you as I am, they would be, in love, love, love. The xx haben in Berlin das geschafft, was die wenigsten von ihnen für möglich gehalten hätten. Erfolgreich zu sein, große Hallen auszuverkaufen und sich dennoch fernab des Poprummels abzuspielen. Dieses britische Du, dass im Teenageralter angefangen hatte mit sensiblen und introvertierten Songs die Welt zu begeistern ist zu einer großen und wichtigen Band gewachsen. Dies haben sie in der Arena Berlin gezeigt. Und so wird die Fanbindung auch die nächsten Jahre eine konstante Bank für die Band sein.

Lea Porcelain – Konzertkritik

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Es war ein Abend, der erstaunte. Nicht nur, dass das Duo Lea Porcelain im Berliner Auster Club auf die Bühne trat und man erst dann in den Genuß des Konzertes kam, wenn man rechtzeitig vor Ort war – gab es die Karten doch nur an der Tür des Clubs – zeigte sich auch in der Auswahl des Support-Acts, dass das aus Frankfurt am Main kommenden und mittlerweile zwischen Berlin und London pendelnden Duos kein gewöhnlicher Act ist. Mit dem brasilianischen Poeten und Dadaisten Ricardo Domeneck, der bereits seit einigen Jahren in Berlin lebt, begann der Abend mit einer drohenden, poetischen Performance. Dabei wirkten die Worte ermahnend, sein kühler Ausdruck fast schon vernichtend und die akustische Untermalung verwirrend. Die kurzzeitige Assoziation mit Baz Luhrmanns Everybody’s Free (To Wear Sunscreen) wurde immer wieder durch die harten Worte zerrissen und konnte dennoch nicht ganz bei Seite gelegt werden. Nach knapp zehn Minuten beendete Domeneck seinen Auftritt mit einem kurzen Thank You, um wenig später Lea Porcelain, auf der Bühne zu viert, anzukündigen.

Ricardo Domeneck @Auster Club Berlin

Ricardo Domeneck @Auster Club Berlin

In den letzten 12 Monaten immer wieder in den Musikmagazinen Deutschlands und sogar Großbritanniens gelobt und verheißungsvoll einer großen Zukunft bescheinigt, trat an diesem Sonntagabend die Band auf die Bühne und schien, aus unterschiedlichen Richtungen, Nervosität, Spielwut, kindliche Freude und erwachsene Gleichgültigkeit auszusenden. Mit dem alles überragenden Out Is In begann die Band schließlich ihr erstes Konzert in 2017 und lieferte nicht weniger, als den grandiosen Industriel Sound ab, den man aus den Lautsprechern zu Hause schon seit Monaten hört. Allerdings reicht selbst Industriel nicht aus, um die Vielfalt von Lea Porcelains Sound zu beschreiben. Kommen doch elektronische Elemente vor, sowie die Songs melancholisch und dunkel klingen und fast schon eine Art rohe Gewalt ausdrücken. Mit Warsaw Street gingen sie in den nächsten, großen Song über, der perfekt als Untermalung einer langen Nacht dient, in der man sich verliert. Treibend, laut und betäubend schwillt die Gitarre an und kreist wabernd um die Ohren. Dabei singt Frontsänger Markus Nikolaus mit verzerrt, hallender Stimme in seiner ganz eigenen Welt.

Es folgten einige, noch unbekannte, Titel, die sicherlich ihren Weg auf das, für 2017 angekündigte, Album finden werden. Was mit Out Is In und Warsaw Street begann, sollte nun mit Bones und Similar Familiar beendet werden. So flackerten Stroboskope im Nebel auf und wurde die Bühne zu einem Ort, den viele als Untergrund beschreiben würden. Lea Porcelain sind weit weg von Pop, sie biedern sich auch nicht an. Ihre Auftritte sind ausgewählt, rar und speziell und zeigen eine Band, die, wenn das Glück und das richtige Management mitspielt, international deutlich bekannter werden könnte.

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

White Lies – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt Berlin)

White Lies @Huxley's Neue Welt, Berlin

White Lies @Huxley’s Neue Welt, Berlin

31. Oktober 2016 – Halloween! Der Tag, der vielen so viel Spaß am Verkleiden bringt, macht auch vor Konzerten keinen Halt. Und so haben sich die Briten von White Lies eine ganz besondere Show ausgedacht. Doch zuvor waren erst einmal die Jungs von The Ramona Flowers an der Reihe.

Das düstere ist der Freude gewichen

The Ramona Flowers sind als Support längst keine Unbekannten mehr. Hatten sie doch bereits vor zwei Jahre als Vorband von Bombay Bicycle Club im Berliner Postbahnhof gespielt. Damals noch mit einem eher melancholisch, wuchtigen Sound, sorgten sie dieses Halloween dafür, dass das Publikum im Huxley’s bereits im Vorfeld enorm angeheizt wurde. So spielten sie dann, mit Tokyo auch nur einen einzigen Song ihres Debütalbums Dismantle and Rebuild. Alle anderen sechs Songs kamen ausnahmslos vom aktuellen Album Part Time Spies und überzeugten durch mehr Direktheit und stadionlastigen Refrains. Selbst Steve Bird – Frontsänger der Band – zeigte mit einer offensiven und teils schon aggressiv gut gelaunten Art, dass sich die Band in nur zwei Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Sehr angenehm wurde es, nachdem sie durch Hurricane, Dirty World und Skies Turn Gold führten, mit dem Song Start To Rust, der demnächst als Single veröffentlicht wird. Hier zeigt sich sowohl die Band, als auch Bird in alter Form und begleiten einen durch ein ruhiges aber intensives Soundkostüm, das durch Birds mal defensiven, mal offensiven Gesang an Tempo zunimmt. Zum Ende führt ein opulenter Sound und intensiver Gesangsausbruch, der beim Publikum punktete. Es ist schön zu sehen, dass The Ramona Flowers sich weiterentwickelt und dennoch den Sound ihres Debüts nicht verloren haben.

Aus der Gruft zwischen Orgeln und Sorgen um eine Stimme

So konnte man den Konzertauftritt der White Lies beschreiben. Kamen sie doch in Halloweenkostümen auf die Bühne, waren umgeben von Spinnweben und einer Gruftathmosphäre und schienen selbst den Sound angepasst zu haben. So fiel bereits bei den ersten beiden Songs Take It Out On Me und There Goes Our Love Again auf, dass die Synths deutlich klarer und fast schon nach einer Kirchenorgel klangen. Verstärkt wurde das ganze durch Charles Cave am Bass, der hier an den Sound der Rocky Horror Picture Show erinnerte. All diese Nuancen wurden so fein in die Songs eingearbeitet, dass man es kaum merkte. Doch spätestens bei To Lose My Life kamen dann diese Nuancen deutlich hervor und vom Nebel umgeben, verwandelte sich das Huxley’s in eine Hiernach sollte dann auch eine kleine Erklärung zwecks des Bühnenoutfits folgen. So hatte der Tour-Manager der Band zwar gesagt, dass Halloween in Deutschland nicht ganz so groß zelebriert wird, wie bei Ihnen, doch war Frontsänger Harry McVeigh dennoch überrascht, dass es so wenig verkleidete Menschen gab. Denn die Quote ging gegen Null.

Zurück in die 80er

Mit Hold Back Your Love sorgten sie dann für ein sattes 80er Jahre Gefühl. So passten Nebel, lila-blaue Bühnenstrahler, Synthies und ein Retrobeat in die 80er, dass man sich kurzzeitig nach dem DeLorean aus Zurück in die Zukunft umsah. Abermals zurück zu den Orgeln ging es dann natürlich mit Unfinished Business, bei dem das Publikum ohne Aufforderung mit klatschte und den Text mit sang. Als nächstes folgte eine kleine Überraschung, spielten sie doch mit Price Of Love einen Song, den sie seit 5 Jahren nicht mehr live performten und sorgten so für viele zufriedene Gesichter. Hier war dann auch das erste Mal festzustellen, dass McVeigh’s Stimme zum Ende hin brach, was im Laufe des Abends noch häufiger der Fall sein sollte. So viel gerade bei den langgezogenen Gesangsparts auf, dass McVeigh die Tonlage auf Dauer des Öfteren nicht halten konnte. Dies tat allerdings der Dynamik und Sound keinen Abbruch und überzeugte die Band umso mehr mit einer energievollen Show.

In die Vergangenheit und zurück

Zwischen Farewell To The Fairground und E.S.T. fassten die White Lies zwei ihrer poppigsten Nummern des neuen Albums FriendsMorning In LA und Is My Love Enough, ein. Immer wieder sorgten McVeigh und Cave mit kurzen Smalltalks dafür, dass das Publikum dran blieb und bei Songs wie Getting Even mitsang und tanzte. Es kamen selbst Parts vor, an denen McVeigh aufhörte zu singen, da das Publikum so laut mit sang und so den Song weiter trug. Immer wieder in den Gesichtern der Band zu lesen, war die Freude und Dankbarkeit, die sie dann auch nach jedem zweiten Song zum Ausdruck brachten.

Mit viel Euphorie ins Finale

Setzt bei anderen Konzerten im letzten Teil des Konzertes eine Müdigkeit ein, trat bei Songs wie Streetlights, A Place To Hide , Don’t Want To Feel It All und Death eine Euphorie ein, die sich in Jubel und langanhaltendem Klatschen äußerte. Stimmlich von Cave unterstützt, beendete McVeigh das Konzert mit einem Danke und wenig später nochmals für Big TV, Come On und schließlich Bigger Than Us zurück auf die Bühne zu kommen. Nach mehrmaligen Verbeugungen und einem Versprechen, so schnell wie möglich wieder nach Berlin zu kommen, verschwand die Band im Dunkeln.

Nach dem Nummer 1 Debütalbum To Lose My Life… wurde es in den letzten Jahren nicht einfacher für das britische Trio erfolgreich zu bleiben. Spülte es doch in den letzten Jahren unzählige Bands an die Oberfläche, die einen langanhaltenden Erfolg kaum noch möglich machen. Doch mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung und der Öffnung zu Soundelementen, die man noch vor drei Jahren niemals bei den White Lies vermutet hätte, zeigen sie, dass die Band in Bewegung ist und ihr eigenes Erfolgsrezept nicht einfach nur kopieren wollen. Dies ist Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown mit dem vierten Album Friends gelungen. Sowohl im Studio, als auch Live.

Bear’s Den – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt Berlin)

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Sie retten den Folk und Alternative Rock. So hatte es kürzlich eine britische Zeitung vor dem Release des zweiten Bear’s Den Albums Red Earth & Pouring Rain betitelt. Und tatsächlich sind Bear’s Den eine Band, die genau das macht, ohne diese Aussage für sich selbst zu beanspruchen. Dass die, auf ein Duo geschrumpfte, Band eher zurückhaltend ist, bekam man an diesem Abend im Berliner Huxley’s Neue Welt zu spüren. Inszenierten sie sich doch groß und blieben dennoch bescheiden und unglaublich sympathisch. Doch krempeln wir den Abend mal von vorne auf.

Matthew And The Atlas @Huxley's Neue Welt Berlin

Matthew And The Atlas @Huxley’s Neue Welt Berlin

Matthew And The Atlas

Der Konzertabend begann pünktlich mit Schlag 20 Uhr, als die ebenfalls aus London kommende Band Matthew And The Atlas auftraten. Ist ihre Musik im Folk und Country angesiedelt, passte diese Beschreibung allerdings nicht immer zu jedem Song. Vielmehr ließen Matthew And The Atlas ein Lagerfeuer entfachen. Mit knisternd, wärmenden Licht und einer berührenden Stimme. Mit den Songs Temple, Graveyard Parade, Old Master und On A Midnight Street schafften sie es schnell, mit dem Publikum eins zu werden. Spätestens mit dem melancholischen Elijah wurden auch die letzten Herzen des Huxley’s erwärmt und sorgten für so manch rollende Träne. Emma Gatrill am Pedal Steel bedankt sich dann auch mit den Worten, dass es die Band unglaublich schön fand, wie still das Publikum während der Song war.

Hasta La Vista Baby

Dieser Ausspruch sollte nicht nur zu einem der meist genutzten Filmzitate der 80er Jahre avancieren, sondern Bear’s Den in die Höhle des Löwen schicken. So hatte sich das Duo als Intro den Film-Score des Terminators ausgesucht und ließ im Vorfeld das Huxley’s mit Duftstäbchen belüften. Nach einem kurzen ‚I’ll Be Back-Flashback‘ bei beim Ein oder Anderen im Saal, kamen die Jungs schließlich auf die Bühne und eröffneten das Konzert mit einem sehr starken Red Earth & Pouring Rain. In unfassbaren 30 Sekunden schafften Bear’s Den es, die Weite des Albums, die Melancholie und Verletzbarkeit zu transportieren und den Raum in eine Blase zu packen, aus der man erst nach 110 Minuten wieder entlassen werden sollte. Es war ein Moment der Reflektion, den die Band erzeugte, wenn sie sich zwischen den Songs immer wieder ungläubig anguckten und selbst überrascht über die Resonanz des Publikums waren. Denn was ihnen entgegen schrie, war das pure Glück und die Freude, diese Band live zu sehen. Dabei zu sein, wenn eine Band die Stimmung erzeugt, die man sonst nur alleine zu Hause oder über Kopfhörer unterwegs erlebte.

1.600 Gäste auf dem Badminton-Spielfeld

Weiter ging es mit dem epischen Emeralds, ehe sie, für den Anfang des Songs, Elysium zur Ruhe kamen. Doch mit Banjo und Trommeln bewaffnet folgte das Publikum dem Song wohl wissend zur Mitte und damit zu dem Moment an dem die Trompete durch den Saal hallte. Überraschend war dann auch die Nutzung von Synthies, die vor allem bei Songs wie Broken Parable und dem bereits gehörten Emeralds auffielen und diese gewisse Weite erzeugte, die der Band so gut steht. Nach einer kleinen Anekdote, dass die Band auf Tour immer Badminton spielt und die Hallen, in denen sie auftreten in ein Spielfeld verwandelt, folgten mit Greenwoods Bethlehem und Stubborn Beast zwei sehr unterschiedliche Songs. Der eine groß, mystisch und mit satten Klang und der andere akustisch und nach Lagerfeuerstimmung klingend. Worauf mit Isaac ein ebenso akustischer wie roher Sound folgte. War ein Banjo immer wieder mit dabei, fragte Kevin Jones – an der Gitarre und am Bass – rhetorisch, was denn besser wäre als ein Banjo. Das Publikum quittierte ihm die Frage mit der richtigen Antwort – zwei Banjos. Und so stöpselten die Beiden und ihre vier Tourmitglieder alle Instrumente ab und spielten den Song Sophie kurzerhand akustisch und mit zwei Banjos.

Das Gefühl von Glück

Es kam immer wieder auf, dieser Moment, des Glücks. Bear’s Den ließen einem bewusst werden, welche Menschen Wärme spenden, welche Momente in der Vergangenheit die stärksten Gefühle erzeugt haben – einfach, in welchen Moment man sich selbst groß, stark und voller Freude fühlte. Und sie zeigten auch, dass all diese Gefühle immer durch eine andere Person ausgelöst wurden. So sind die Texte der Briten voll von Aussagen rund um Liebe, Vertrauen, Sehnsucht und Hingabe. So passte es auch, dass mit Love Can’t Stand Alone wieder eine Ballade folgte, die mit sphärischen Bässen durch den Saal waberte. Mit Roses On A Breeze steigerte sich der Sound dann langsam wieder und wurde mit Andrew Davies warmer Stimme als Mantel umhüllt. Diese gefühlvolle Art hielt auch bei Fortress an, um dann schleichend von When You Break gebrochen zu werden. Rastete die Band doch in der letzten Minute dieses Song so sehr aus, dass mit Blitzlicht und intensiven Schlagzeug, Gitarren und Bass ein Moment der Ekstase entstand, um dann ganz scharf abzufallen und den Song mit den Zeilen „And I have seen all that you’ve seen, and I have been where you’ve been, no, our hands will never be clean, at least we can hold each other“ zu beenden.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Mit der Stärke eines einzelnen Songs

Mit Auld Wives folgte ihr wohl stärkster Song und zugleich auch ein Song, der als Referenz für die Band in den nächsten Jahren nachhallen wird. Bear’s Den schaffen es, dass Auld Wives eins zu eins klingt, wie man ihn vom Album kennt. Da steht ein starker Bass mit einem präsenten Schlagzeug genauso im Vordergrund wie die Synthies und Davies emotionale Stimme. So wünschte man sich, dass der Song für die nächsten zehn Minuten laufen würde um ja keinen Moment dieser Kraft zu verpassen. Doch irgendwann war auch dieser Song vorbei und Jones kündigte mit Above The Clouds Of Pompeii den letzten Song des Abends an. Zwischen – fast freundschaftlich klingenden – Buh-Rufen begann die Band das Intro zu spielen. Im Publikum setze, wie bei einem Startknopf, das Mitsingen ein. So wurde die Textzeile „Don’t cry, hold your head up high, she would want you to, she would want you to“ zur Hymne und durch den Chor von 1.600 so kräftig, dass sich die Band wieder anschaute und nicht glaubte, was ihnen passierte.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Ein Ende vom Ende

Kündigten Bear’s Den mit The Clouds Of Pompeii ihren eigentlich letzten Song an und verschwanden danach von der Bühne, verriet der Roadie, durch das Stimmen der Gitarren, dass es wohl doch noch mehr zu hören gab. Und so kamen die Jungs keine Minute später wieder auf die Bühne um mit Napolean nochmals ruhig zu werden. Mit Drew The Vines folgte dann noch eine schnellere Nummer ehe das passierte, was typisch für Bear’s Den war und gleichzeitig auch ein Moment war, den man so nur noch sehr selten auf Konzerten erleben kann. Hatte die Band Sophie schon akustisch gespielt, kamen sie nun für Gabriel in die Mitte des Saals und sangen inmitten aller Fans. Um sie herum setzte sich das Publikum hin, so, dass auch die, die weiter hinten standen, alles sehen konnten. Mit dieser Geste, sowohl von der Band, als auch vom Publikum zeigte sich einmal mehr, dass Teilen, so viel mehr wert ist. Im Anschluß verriet Andrew Davie, dass Berlin die einzige Stadt weltweit sei, die diese Geste zeige und sie dafür sehr dankbar seien. Wer bereits im Kesselhaus dabei war, kann das nur bestätigen, nahm doch beim Auftritt im Oktober 2015 das Publikum auch dort Platz und öffnete so die Sicht für alle.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Zum Abschluss spielten sie den Song, mit dem alles begann. Agape war 2012 plötzlich in aller Munde und geisterte mit zunehmenden Erfolg von Mumford & Sons durch diverse Blogs. An diesem Abend sollte Agape nochmal dafür stehen, das Publikum in ein großes Klassentreffen mit glücklichen Gesichtern zu verwandeln. So kam auch der 1.600 Mann starke Chor noch einmal hinzu und sang die Zeilen „I don’t want to know who I am without you“ bis der letzte Ton verstummte.

Dass diese Band, die mittlerweile zwei Alben veröffentlicht hat, die besten Musikkritiken der letzten Jahre in diesem Genre einheimsen konnte und in ausverkauften Häusern spielt, immer noch verwundert und überwältigt ist, wie sie das Publikum aufnimmt, zeigt, wie bodenständig und nah sie am Publikum sind. Da stehen diese beiden Musiker auf der Bühne und wissen wohl selber nicht, wie sehr sie ihr Genre retten.

Coldplay – Konzertkritik

Coldplay @Olympiastadion Berlin

Coldplay @Olympiastadion Berlin

Sie kamen, sie spielten, sie siegten. So könnte man das Konzert der britischen Band Coldplay, dass sie am vergangenen Mittwoch im Berliner Olympiastadion gaben, beschreiben. Doch es bei dieser kurzen Beschreibung belassen zu wollen, wäre eine pure Vernachlässigung dieses Abends. Denn war der Konzertabend doch sage und schreibe viereinhalb Stunden mit Musik gefüllt und spielten Acts wie Alessia Cara aus Kanada und die Britin Lianne La Havas das Publikum warm.

Sweet Little 19 – Alessia Cara

Cara, die mit ihren souligen Popsongs, die aktuell durch die Radios zu Hits avancieren, neu und unglaublich frisch klingt, hatte sich ein paar ihrer stärksten Songs zum singen ausgesucht. Die gerade einmal 19-jährige Sängerin überraschte mit einer Natürlichkeit und sympathischen Art, die sich auch durch Songs wie ‚I’m Yours‘, ‚Wild Things‘, ‚Overdose‘ und ‚River Of Tears‘ ziehen sollte. Immer wieder ging sie auf das Publikum zu und erzählte kleine Anekdoten. So präsentierte sie nach ‚Scars To Your Bautiful‘ den Song, der sie berühmt gemacht hatte und gleichzeitig ihr erster geschriebener Song war. ‚Here‘ hat den Groove und die Stimmung, um ein Stadion mit knapp 60.000 Menschen zum bewegen zu animieren.

Mit Stimmgewalt

Ein ganz ähnlicher Act und doch total anders war Lianne La Havas, die mit ihrem Neo-Soul und der warmen Stimme für ein paar sehr entspannte Momente sorgte. Vor allem funktionierten ‚Forget‘, ‚Tokyo‘, ‚Green & Gold‘ und ‚Unstoppable‘ auf der großen Bühne hervorragend und konnte La Havas mit ihrer Stimme das ganze Stadion ausfüllen. Doch auch das Cover von Aretha Franklins ‚I Say A Little Prayer‘ und ‚Midnight‘ zeigten die Vielseitigkeit La Havas. War die Franklin-Version doch eine smoothe Feelgood Variante, folgte mit ‚Midnight‘ ein dramatisch und mit viel Gefühl und Chorgesang gesungener Song.

Nach La Havas gab es eine 30 minütige Umbaupause in der sich das Berliner Publikum von seiner starken Seite zeigte. War die Stimmung im und um das Olympiastadion doch derart positiv, dass sich 60.000 Leute selbst unterhalten konnten und zu mehreren La-Ola-Welle ansetzte, die sich jeweils einmal durch das gesamte Stadion und den Innenraum ziehen sollten. Selbst ein, von einem Einzigen auf dem Oberang, begonnener Klatschtakt wurde umgehend vom ganzen Stadion kopiert und schaffte so einen ganz besonderes Gefühl des Zusammenseins.

3, 2, 1, Ready, Set, Go!

Mit einer Passage aus Maria Callas ‚O mio babbino caro‘, Einspielern von Fans auf der ganzen Welt, dem Einschalten der LED-Armbänder, sowie einer dramatischen Rede Charlie Chaplins, kamen schließlich um Punkt 21 Uhr die Briten um Chris Martin auf die Bühne und entfachten ein wahres Feuerwerk, dass mit dem Song ‚A Head Full Of Dreams‘, viel Lichtshow, Nebel, Hall, Konfetti und tatsächlich auch einem Feuerwerk alle zum ausrasten brachte. Von so einem Start in das Konzert einer der erfolgreichsten Bands unserer Zeit hatten wohl die wenigsten gerechnet und machten sich gefasst auf einen Abend voller Energie und guter Gefühle.

Das mit unzähligen Lautsprechern ausgestattete Olympiastadion konnte bei jedem Song, mit einem satten Sound und klaren Tönen überzeugen. Schwieriger wurde es allenfalls hier und da, als Chris Martin zum Publikum sprach. Nach einem der aktuellsten Songs folgte  mit ‚Yellow‘ einer der ältesten Songs Coldplays, bei dem das Publikum sofort mit sang. Beide Song zeigten, wie unterschiedlich die Band Coldplay sein kann und so sollte sich in der nachfolgenden Songreihenfolge ein ähnliches Bild abzeichnen. Folgte doch auf ‚Yellow‘ mit ‚Every Teardrop Is A Waterfall‘ wieder eine äußerst schnelle Nummer, bei der das Stadion regelrecht ausflippte, wurde man direkt im Anschluss mit ‚The Scientist‘ wieder komplett runtergeholt. Mit ‚Birds‘ folgte eine Uptempo-Nummer um danach,  von Chris Martin, mit einer Lobeshymne an Deutschland gerichtet, ‚Paradise‘ anzustimmen. Hier sorgten vor allem Martins Worte, die Bezug auf die aktuelle, politische Lage auf der ganzen Welt nahm, für Gänsehautmomente. Mit einer Deutschlandfahne in der Gesäßtasche sang er sich durch den Song und ließ viel Raum für das Publikum, um mitzusingen und den O’s und A’s zu folgen. Schließlich mündete ‚Paradise‘ in der vom niederländischen DJ Tiësto geremixten Version und lies alle tanzen und springen.

Politisch und trotzdem populär

Mit einer kurzen Überbrückung kehrten Coldplay auf der kleinen Inselbühne ganz vorne zurück und spielten ‚Always In My Head‘, ‚Princess Of China‘, bei dem sich wohl einige erhofft hatten, Rihanna als Überraschungsgast zu sehen, und ‚Everglow‘, welches in einer Rede von Muhammad Ali endete und den Istanbul gewidmet war. Nach nur drei Songs wechselten sie wieder zur Hauptbühne um nach einem kurzen ‚Army Of One‘-Teaser zu ‚Clocks‘ überzugehen, der die Stimmung im Olympiastadion noch mal auf ein neues Level heben sollte. Stand doch die Bühne in einer Glut aus rotem Licht und Lasern und blinkten alle Armbänder abwechselnd vom Nachbarn in rot. Dass man hier regelrecht anfing zu schweben und komplett vergaß, mit 60.000 in einem Raum zu stehen, war hierbei nur zu verständlich.

Mit einer kurzen Sequenz ihres fantastischen Songs ‚Midnight‘ ging es über zu ‚Charlie Brown‘, der wieder einmal das Konzept verfolgte, aus einem ruhigen Song kommende zum absoluten Ausraste-Hit zu werden. Sind es doch diese Gegensätze, die Coldplay nach wie vor vereint – die ruhigen und emotionalen Song genauso zu beherrschen, wie die großen Stadionhymnen. ‚Hymn For The Weekend‘ war dann auch ein Song der zweiten Kategorie, der im Anschluss in ‚Fix You‘ überging.

Die Huldigung eines Genies

Einer der absoluten Höhepunkte war die Version des David Bowie Songs ‚Heroes‘. Der Song, der eigentlich für sich selbst steht und bis heute in jeder Generation den Nerv traf, wurde von Coldplay noch einmal angehoben und in den Himmel getragen. Wo sonst hätte man die Songzeile ‚We can be heroes just for one day‘ besser verorten können, als auf einem Coldplay-Konzert?! Natürlich nur unter dem Gesichtspunkt, nie in den Genuß eines David Bowie Konzertes gekommen zu sein. Mit ‚Viva La Vida‘ und ‚Adventure Of A Lifetime‘ folgten schließlich noch zwei Songs, die den Kessel zum kochen brachten. Und während ‚Adventure Of A Lifetime‘ noch lief, kamen die Jungs durchs Publikum zu einer seitlich, aufgebauten Bühne auf der sie ‚Don’t Panic‘, ‚In My Place‘ und ‚Til Kingdom Come‘ akustisch spielten und bei dem auch Gitarrist Johnny Buckland zum Zuge kam und den Refrain von ‚Don’t Panic‘ überraschend gut sang. Während Martin ‚Til Kingdom Come‘ als Solo auf der Bühne vollendete, ging der Rest der Band bereits wieder zur Hauptbühne zurück und wurde nur durch ein kurzes ‚Du, Du hast, Du hast mich‘ rausgeholt, welches Martin auf der Seitenbühne noch zum Besten gab und für ein Schmunzeln bei den Fans sorgte.

Vom Akustiksong zu Rammsteins ‚Du hast‘

Mit einem extra langenIntro zu ‚Amazing Day‘ rannte Martin, durch das Publikum, zurück auf die Hauptbühne und vollendete das Konzert mit ‚A Sky Full Of Stars‘. Da um kurz vor elf nun auch der Himmel über Berlin dunkel war, kam die Lichttechnik und die abertausend Armbänder in voller Pracht zum Vorschein. So gab es ein grandioses Konfettifeuerwerk mit einer Lichtshow die einen sprachlos dastehen ließ. Dass danach noch ‚Up & Up‘ kam, war wohl eigentlich nicht mehr als der Versuch das Publikum nicht ganz ins Loch fallen zu lassen und ihnen einen Song mit auf den Heimweg geben zu wollen, den sie im Kopf behalten würden.

Doch nach diesem Konzert und der ganzen Glücksmomente, Tränen in den Gesichtern und der Gänsehaut wurde es dem Publikum nicht leicht gemacht, die letzten zwei Stunden zu verarbeiten. Coldplay schaffen das, was viele Bands wollen aber nicht erreichen. Die Massen zu begeistern, sie abzuholen und für ein paar Stunden mit in eine Welt zu nehmen, in der man in sich selbst reinhören kann und von innen heraus Emotionen freisetzt, die einen sprachlos dastehen lassen.

Eine Frage blieb uns Chris Martin dann aber noch schuldig. Wer war dieser Alex, dem er mehrmals während des Konzertes gratulierte?!

Coldplay @Olympiastadion Berlin

Coldplay @Olympiastadion Berlin

The Coronas – Konzertkritik

The Coronas @Auster Club Berlin

The Coronas @Auster Club Berlin

Sie füllen in Irland alle Stadien. Von der O2 über alle irischen Festivals sind sie die Headliner und verkaufen alle Konzerthäuser aus, doch in Deutschland kennt sie kaum einer.
Und genau hier lag der Reiz des nun stattgefundenen Konzertes in Berlin. Hatten die Iren doch den Auster Club in Berlin für ihr Konzert ausgesucht, der gerade einmal 200 Personen fasste. Ein solch intimes Konzert ist in Irland nur noch sehr schwer von den Jungs zu bekommen. Und so war der direkte Kontakt mit dem Publikum prägend für den Abend.

Róisín O @Auster Club Berlin

Róisín O @Auster Club Berlin

Angefangen hatte alles mit Róisín O’Reilly alias Róisín O., der Schwester des Frontsängers Danny O’Reilly. Hatte sie doch mit ihrer klaren und tiefen Stimme und dem leicht irischen Akzent eine so saubere Performance abgeliefert und war dabei so dankbar in Berlin spielen zu können, dass man sich regelrecht in ihren Songs verlieren konnte. So hatte sie ihre neue und sehr starke Single ‚Give It Up‘, sowie auch ein wunderschönes Cover des Sia Tracks ‚Chandelier‘ gesungen, bei dem einen die Gänsehaut nicht mehr verlassen wollte. So ist Róisín O. sicherlich nicht für solch kleine Bühnen geschaffen, sprengt doch ihr Sound den kleinen Auster Club regelrecht auf. Róisín O. ist ein Tip für jeden, der Gefallen an starken Frauen-Pop hat.

Nach einer kurzen Ruhepause kamen dann, unter tosendem Applaus, die fünf Iren auf die Bühne und begannen ohne Worte mit ‚How This Goes‘ und ‚Just Like That‘. Die Energie, die sich ab dem ersten Song freisetzte war ein enormer Pusher für das Publikum, dass durch Danny O’Reilly’s intensiven Gesang noch zusätzlich mitgerisen wurden. Und so spielten sie sich durch das Reportaire ihrer vier Alben ‚Tony Was An Ex-Con‘, ‚Heroes Or Ghosts‘, ‚Closer To You‘ und ‚The Long Way‘. Was folgte, waren die beiden Songs ‚My Fault‘ und ‚Tell Me Again‘ die so ruhig waren, dass sie das Publikum förmlich anflehten zu träumen. Bei ‚Tell Me Again‘ führte dann sogar der Leadgitarrist Dave McPhillips stimmlich durch den Song bei dem O’Reilly erst später einsetzte.
Bevor es mit den nächsten beiden, recht starken aber ruhigen Songs ‚What A Love‘ und ‚Someone Else’s Hand‘ weiterging, folgte mit ‚Get Loose‘ noch ein richtiges Aufbäumen, um dann direkt nach den beiden Songs abermals mit ‚All The Others‘ auf den Putz zu hauen und einen ihrer stärksten Songs, des letzte Albums, zu präsentieren.

Ein wahrlich starker, wenn auch ungewöhnlicher Song für ein Konzert war ‚Make It Happen‘ – bestand der doch zu großen Teilen aus einem Instrumental. Mit dem dadurch entstandenen verträumten Gefühl ging es dann auch in den nächsten Song ‚Closer To You‘, der so entspannt war, dass man ihn sich am besten mit ins Bett hätte nehmen wollen, wäre nicht der anschwellende Sound, der in einem drängend und anklagenden Gesang endete, gewesen.

Mit the ‚The Long Way‘ kündigten sie schließlich ihr letztes Lied an und erklärten, wie das ganze danach ablaufen würde. Dass die Band von der Bühne gehen werde, dass sie den Applaus abwarten werden, dass sie selbstverständlich zurückkommen würden – und natürlich auch noch ein paar Songs spielen würden.
So setzten die Jungs zur Zugabe an und begannen diese mit dem eher unpopulären Song ‚Give Me A Minute‘, der alle wohl etwas aus dem „wir-spielen-all- unsere-Singles-ab“, raus holen sollte.
Und so kam man nach dem euphorischen ‚Addicted To Progress‘ direkt zu einem ihrer wichtigsten Songs. Denn es war eine Single, die genau zum richtigen Moment gespielt wurde – ‚Heroes Or Ghosts‘. Auch heute ist ‚Heroes Or Ghosts‘ noch unglaublich präsent und wichtig. O’Reilly präsentierte den Song dann auch in zwei Teilen. Den ersten Teil sang er auf Englisch, den zweiten auf Gälisch und zeigte damit seine Verbundenheit zu seinem Heimatland.
Ein Wechselspiel aus großer Euphorie und kleinen intimen Momenten zu schaffen, das hatten sich The Coronas wohl zur Aufgabe gesetzt. Ist ‚Heroes Or Ghosts‘ doch bis heute ein fester Bestandteil der irischen Radiostationen und ist er ebenso bei Fans wie auch Kritikern hoch gelobt worden.
The Coronas verabschiedeten sich mit ‚Mark My Words‘, das den Moment nochmal so richtig aufbrach und in dem O’Reilly mit seinem Mikro erst durch das Publikum lief um sie dann später auch direkt anzusingen.

The Coronas, das sind vier bodenständige Jungs aus Dublin, Irland, die vor einigen Jahren noch nicht daran hätten denken können, auch international Erfolg zu haben. Dies merkt man ihnen in jeder Sekunde auf der Bühne an. Und so war es auch nur zu verständlich, dass die Band sich nach ihrem Auftritt noch unter das Publikum mischte und mit ihnen sprach.
Wer große Hymnen und satten Rocksound mag, sollte also unbedingt einmal in die Alben der Band reinhören oder sich auf ein Konzert besuchen.

Adele – Konzertkritik

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Sie kam, sie sah, sie siegte. So in etwas ist Adele’s Erfolgsgeschichte zu beschreiben. Keiner hätte im Herbst 2007 gedacht, dass dieses junge, pummelige Mädchen aus Nordlondon einmal zur größten Popdiva der 2000er werden würde. Drei Alben später weiß es jeder. Adele hat es geschafft innerhalb weniger Jahre alle Altersgruppen miteinander zu verbinden. So findet man auf ihren Konzerten ein derart durchmischtes Publikum, dass man sich gar nicht erst auf eine Zielgruppe festlegen könnte.
Am 8. Mai hatte man schließlich die Gelegenheit sie live in Berlin zu sehen – wohlgemerkt zu ihrem zweiten Konzert in der Hauptstadt. Wie eine Frau 12.000 Menschen begeistern kann, lest ihr in der folgenden Konzertkritik.

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Die Uhr zeigt 19:58 Uhr an, als sich der Großteil der Besucher auf seinen Plätzen eingefunden hatte. Denn es lag irgendwie in der Luft, dass das Konzert in Kürze beginnen würde. Und tatsächlich, um Punkt 20 Uhr wurde in der MBA-Arena das Licht gedimmt. Das übergroße Standbild ihrer Augen, dass im Hintergrund die ganze Zeit schon zu sehen war und sich nur einige male durch einen Windzug bewegt, wurde plötzlich lebendig. Öffneten sich doch die Augen dieses Vorhangs und schwebte Adele gleichzeitig aus dem Boden der mittleren Bühne nach oben. Mit einem kurzen zuwinken der Fans begann sie mit ‚Hello‘ den Abend und so wurde sofort klar, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden sollte. Stand da doch eine einzelne Sängerin in mitten Tausender ihrer Fans. Doch der eigentlich sprachlos machende Moment war, als Adele anfing zu singen und allen klar wurde, dass die Stimme, die sie auf ihren CDs hörten, eins zu eins die Stimme war, die nun vor ihnen, live sang und.

Hommage an Berlin

Mit ihrem zweiten Lied, welches ihre allererste Single aus 2007 – ‚Hometown Glory‘ – war, fuhr sie fort und zeigte auf der großen Leinwand im Hintergrund, London und Straßen rund um ihren Heimatkiez, bis der Punkt kam, als sie „… round your hometown..“ sang und jedem Fan klar war, dass dies nicht zum originalen Text gehörte. Denn nur Sekunden später sollten Bilder des Berliner Fernsehturm und weitere Berliner Sehenswürdigkeiten sowie Kiezmotive folgen, um diesen Song für jeden Fan ganz persönlich werden zu lassen. Emotionaler hätte diese Botschaft und der anschließende Kommentar, dass wir stolz auf unsere Heimat sein sollen, nicht sein können. Und so war ihr tosender Applaus sicher.
Es folgten mit ‚One And Only‘ und ‚Rumour Has It‘ zwei Songs aus ihrem zweiten Album ’21‘, bei dem vor allem der letztere so soulig mit Backgroundsängerinnen performed wurde, dass die Halle nur so vom Sound erfüllt wurde. Zwischenzeitlich hatte sie bereits bei ‚Hometown Glory‘ die mittlere Bühne, durch die Fans, in Richtung Hauptbühne verlassen.

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Natürlich hatte Adele auch Uptempo-Songs dabei die, wahrlich selten, aber dafür groß präsentiert wurden. Mit ‚Water Under The Bridge‘ und der basslastigen Ballade ‚I Miss You‘, folgten zwei Songs, die musikalisch gesehen eher ungewöhnlich für Adele waren. Sind doch all zu elektronische Produktionen bei ihr eher die Ausnahme.
Den Übergang zu ‚Skyfall‘ präsentierte Adele schließlich mit der Geschichte, wie es zu der Zusammenarbeit zwischen den Bond-Machern und ihr gekommen sei und, dass sie Adele gerne auch ein zweites mal für einen Bond-Song hätten haben wollen.

Immer wieder Überraschungen auf der Bühne

Mit ‚Million Years Ago‘ setzte sie hingegen wieder ein stilles Zeichen. War der Song doch so reduziert arrangiert worden, dass man, bis auf Adele und einen Gitarristen nichts weiter sehen oder hören konnte.
Und wie es sich für Adele, die stets viel auf ihren Konzerten spricht, gehörte, gab es zwischendurch immer wieder Einlagen und Selfies mit Fans. So wurde einmal ein, als Adele verkleideter Fan auf die Bühne geholt, sowie auch ein schwules Pärchen, bei dem der eine dem anderen auf er Bühne einen Heiratsantrag machte. Natürlich mit einem ‚Ja‘ beantwortet. So gab es die ganze Zeit etwas zu erzählen und man kam sich fast vor, als würde man sich mit einer – zugegebener Maßen recht großen – Clique über Gott und wie Welt unterhalten und einfach die Zeit unter Freunden genießen.

Über ‚Don’t You Remember‘ einer weiteren tragischen Ballade ging es zu ‚Send My Love (To Your New Lover)‘ der gerade veröffentlichten dritten Single. Die sie voller Rhythmus performte und abermals mit dem Background zusammen bis in die letzte Ecke der MBA-Halle schallen ließ. Mit der Bob Dylan Ballade ‚Make You Feel My Love‘ und ‚Sweetest Devotion‘ gab sie ihre volle Bandbreite zum besten und ging in der Musik förmlich auf. Es war der Moment, an dem auch das Publikum sich voll und ganz auf Adele einließ und die Handyblitze einschalteten um durch tausende dieser Lichter die Halle zu erleuchten. So formte sich eine neumodische aber zweifellos romantische Stimmung und Intimität, die man vorher sicherlich kaum für möglich gehalten hatte. Was folgte war ‚Chasing Pavements‘ und damit ein weiterer Klassiker aus ihrem Debütalbum ’19‘, um dann ein weiteres mal durch die Menge zurück zur mittleren Bühne zu gelangen. Hier warteten große, durchsichtige Vorhänge darauf, Adele zu umhüllen und eine Optik zu erzeugen, die sowohl irritierend als auch faszinierend war. So projezierten eine Kamera ihre Performance auf alle vier Seiten der Vorhänge und erzeugte somit fast schon ein Hologramm. Dadurch wirkte Adele nicht nur größer, sondern auch klarer als vorher. Dies wurde durch den Song ‚Someone Like You‘ zusätzlich unterstützt, sang hier doch die ganze Halle mit und rollten nicht wenige Tränen über die Wangen der Fans.

Barfuss im Regen

Schließlich wurden die Vorhänge aus Stoff gegen Vorhänge aus Wasser eingetauscht. Begann es doch plötzlich um Adele herum zu regnen. Gleichzeitig löste sich das, auf den Plätzen sitzende Publikum auf und fand sich zu einer Traube im die Bühne herum zusammen. Als ‚Set Fire To The Rain‘ anfing, war allen klar, dass dies ein weiterer Höhepunkt des Konzertes war – doch auch das letzte Lied sein sollte. Schließlich verschwand Adele wieder durch den Boden der Bühne und wurde gekonnt, durch die Menge, aus der Halle gebracht.
Unzählige Minuten und tosenden Applaus später folgte mit ‚All I Ask‘ die Rückkehr der Britin auf der Hauptbühne. Mit der unglaublich emotionalen Performance von ‚When We Were Young‘ bei dem sie auf allen Leinwänden mal charmante und mal weniger gut getroffene Bilder aus ihrer Jugend zeigte. Doch wie es zu Adele passt, waren diese Bilder genau so gewollt, sollten sie doch ausdrücken, sich an seine Kindheit, seine Vergangenheit nie schlecht zu erinnern und stolz auf das zu sein, was man bereits erleben konnte. Durch diese Fotos kam das Publikum der Sängerin so nah wie man es nicht für möglich gehalten hatte und zementierte das Gefühl eine gute Freundin auf der Bühne zu sehen.

 

 

Das Final als bombastischen Höhepunkt zelebriert

Mit ‚Rolling In The Deep‘ läutete Adele schließlich das ultimative Finale ein und fuhr alles auf, was an diesem Abend zu erleben war. Von lauten Chorgesängen mit ihren Backgroundsängerinnen, einer Strophe nur für die Fans zum mitsingen, einer verlängerten Version des Songs und schließlich einem riesigen Konfettiregen war alles in nur fünf Minuten gepackt und schaffte einen Abschied, der sowohl wohlwollend als auch befriedigend für das Publikum war.

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Adele @Mercedes Benz Arene Berlin 08. Mai 2016

Und dann, ganz plötzlich war sie weg, das Licht ging an und alle guckten sich zufrieden an und wussten, dass dieser Abend für Adele wohl noch hunderte Male kommen wird, doch für die Fans eine unvergessliche Erinnerung bleiben wird, die sie lange im Gedächtnis behalten werden.

Walking On Cars – Konzertkritik (Frannz Club Berlin)

Nun sind sie da. Walking On Cars haben vor wenigen Tagen auch in Deutschland ihr Debütalbum ‚Everything This Way‘ veröffentlicht und kamen dafür nochmals nach Berlin um ihre Songs einem größer gewordenen Publikum zu präsentieren. Und vor allem, im direkten Vergleich mit dem Showcase-Konzert im Privatclub im Frühjahr, kann man sagen, dass hier eine enorme Steigerung stattgefunden hat.

Causes @Frannz Club

Causes @Frannz Club

Die Niederländer von Causes wärmten auf

Doch erst einmal machten die Niederländer von Causes eine gute, wenn auch ungewöhnliche Figur. Standen da doch vier gestandene Männer auf der Bühne, hörte sich der Sound zeitweise eher nach ein paar jungen Nerds an. Dies allerdings nur im positivsten Sinne, waren Songs wie ‚Teach Me How To Dance With You‘, To The River‘ und ‚All For Us‘ doch Gefühlsgaranten, die dem Start in den Abend keinen Abbruch tun sollten. So blieb festzustellen, dass Causes, trotz der Authentizitätsfrage ihres Wirkens, einen wunderschön, melodischen Pop ablieferten.

Tick Tock und die Iren waren da

Es war nicht einfach nur die Bühne, sondern auch die großen Gesten, der Sound und das Publikum, dass dieses Konzert so sehr hatte anders wirken lassen. Schon direkt zu Beginn legten die Iren mit ‚Tick Tock‘ los und hatten das Publikum sofort auf ihrer Seite. Anders als beim Showcase waren nun deutlich mehr junge Mädchen dabei, die mit Eddingen und Postern auf ihre Lieblinge warteten. So war es auch nicht verwunderlich, dass ordentlich mitgesungen wurde.
Es folgten ‚Ship Goes Down‘ und ‚At Gunpoint‘ bei denen Frontsänger Patrick Sheehy deutlich direkter und losgelöster wirkte als beim ersten Konzert.

Mit ‚Always Be With You‘ folgte dann auch der erste große Song, den die Band gemeinsam mit dem Publikum performte. Doch der eigentlich, erste emotionale Höhepunkt fand bei einem neuen Song statt. ‚Find Me Now‘ war eine brachiale Wand von einem Rocksong und klang dennoch zerbrechlich. Hier wirkte selbst die so neue Freiheit der Band noch ganz dünn. So sah man Sheehy an, dass hier etwas in ihm anschwoll und er zwar mit der Band das Gefühl des Songs bestimmte, sich diesem aber dennoch auch völlig hingeben konnte. Kurzzeitig sollte man denken, dass dies wohl der authentischste Moment sein sollte, den wir an diesem Abend erleben sollte, um nur kurze Zeit später, von neuen belehrt zu werden, dass die ganz großen Gefühle einfach zur Band passen. Hatten sie doch nach ‚Loves Back Down‘ direkt zu ‚Flying High Falling Low‘ eingestimmt und den Moment der Entstehung beschrieben. So hatten sie eine Vorweihnachtszeit, in der alle Bandmitglieder sich vollständig auf die Band konzentrierten und jeden Euro in diese steckten, allerdings zu Weihnachten kein Geld hatten um ihren Liebsten etwas zu schenken und ihnen so, aus Dankbarkeit, auch nur eine kleine Freude zu machen.
Hörte man sich diese Geschichte an, hatte man gleich dieses Gefühl, jemanden nicht genug gedankt zu haben. Und so war ‚Flying High Falling Low‘ nicht von ungefähr, genau darauf aus, dieses Gefühl zu erzeugen.

Walking On Cars @ Frannz Club

Walking On Cars @ Frannz Club

Zum Finale immer größer

Es folgten ‚Two Stones‘ und ‚Hand In Hand‘ die abermals zum mitsingen animierten und das Publikum nicht lange bitten musste. Hier geriet Sheehy sogar so in Ekstase, dass ihm glatt bei seinen großen Gesten das Mikrofon aus der Hand fiel. Doch wer glaubte, dass es ausschließlich Teenager in den Frannz Club gezogen hatte, wurde überrascht. Waren doch nicht wenige Mittdreißiger, die nur weiter hinten standen und dennoch jeden Song textlich beherrschten, anwesend.

Nach einem, fast schon obligatorischen, Abgang und einer Verabschiedung dauerte es nicht lange, bis die fünf für eine Zugabe wieder auf die Bühne kamen und mit ‚Don’t Mind Me‘ und ‚Catch Me If You Can‘ nochmal das ganz große Geschütz ausfuhren. Was folgte war keine geringere als die erste Singleauskopplung in Deutschland –  ‚Speeding Cars‘, die den Abend so sehr abrundete, dass selbst eingefleischte Rockfans fragten, was das denn gerade für ein wahnsinnig gutes Konzert war.

Sheehy, konnte sich, obwohl er groß und schlaksig gewachsen ist, überraschenderweise sehr galant und fließend zu seinem Sound bewegen und blieb dabei die ganze Zeit authentisch. Die Bandmitglieder um Patrick Sheehy – Sorcha Durham, Dan Devane, Paul Flannery und Evan Hadnett steuerten ihr übriges dazu bei, einen Liveauftritt Walking On Cars als Belohnung zu empfinden. Eine Belohnung für was? Das blieb dem Publikum 12 Songs lang selbst überlassen herauszufinden.

L’aupaire – Konzertkritik (Lido Berlin)

Wenn man das dritte mal auf ein Konzert ein und desselben Künstlers geht, könnte man annehmen, dass sich nichts mehr großartig verändern kann. Doch im Falle von L’aupaire waren alle drei Konzerte so unterschiedlich, dass man fast meinen könnte, es wäre jedes mal aufs neue das erste Konzert. Genau so lief es vergangenen Donnerstag im Berliner Lido mit L’aupaire und seiner Band ab.

Marc O'Reilly @Lido Berlin

Marc O’Reilly @Lido Berlin

Alles fing mit dem Trio um Marc O’Reilly an, das mit einer Mischung aus Südstaaten Blues, Folk und Rock die Bühne gekonnt zu füllen verstanden. Die sympathischen Jungs waren darüber hinaus recht redselig und sprachen über Ihre Europatour und ließen die Eltern des Schlagzeugers Pete, die stolz in der Menge standen, feiern. Mit ‚The Wayward Shepard‘, ‚Bleed‘ und ‚Letting Go‘ und amüsanten Anekdoten über die schnellen Straßen Deutschlands und eines noch schneller fahrenden Pete’s, der anschließend von der Polizei angehalten wurde, unterhielten sie das Publikum durchweg. Schließlich waren die drei nach gut 45 Minuten fertig und überließen L’aupaire die Bühne.

Marc O'Reilly @Lido Berlin

Marc O’Reilly @Lido Berlin

L'aupaire @Lido Berlin

L’aupaire @Lido Berlin

Nach einer viertelstündigen Pause kamen um Punkt 21 Uhr L’aupaire auf die Bühne und eröffneten den Abend mit ‚Hometown‘ in einem langsam einsetzenden Takt und einem entspannt singenden Robert Laupert. So holten sie das Publikum vom ersten Song an ab und luden es ein diesen Abend als große Freundesclique zu erleben – aber dazu später mehr.
Mit ‚Start All Over Again‘ folgte ein etwas älterer Song, der auf der ‚Rollercoaster Girl EP‘ im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Dieser Song besticht noch durch einen prägnanten, minimalistisches Arrangement. So treibt ein gleichbleibender Beat mal Trompeten, mal Laupert an und zeigt eine musikalische Richtung, die man auf dem Album ‚Flowers‘ nicht mehr findet, sie aber nicht minder schön ist. Weiter ging es mit ‚You Will Be Loved‘, welches mit einem Bass versehen war, der den eigenen Herzschlag sich verändern ließ. In Tagträumen versinkend sang das Publikum stimmlos mit und genoß den Moment.
Auf ‚All You Gotta Do‘ und ‚You‘ folgte ‚Hold On‘. Hatte ich in der Konzertkritik von L’aupaire’s Auftritt im Privatclub am 5. Dezember 2015 noch gesagt, dass ‚Rollercoaster Girl‘ der stärkste Song sei, kann das nun auf ‚Hold On‘ übertragen werden. Dieser so weite Song mit Pedal Steel, Gitarren und Lauperts ruhiger Stimme entfaltete eine unglaubliche Strahlkraft. Hier versank man und fand ganz zu sich selbst. Wer schon mal an einem Ort war, der von Natur und Einsamkeit geprägt war, wird dieses Gefühl verstehen können, das durch ‚Hold On‘ hervorgerufen wurde.
Hierbei war schön zu sehen, wie glücklich und wertschätzende die Bandmitglieder miteinander umgingen. War doch Laupert bei ‚Hold On‘ zwischenzeitlich, während des instrumentalen Parts, so in sich versunken, dass es schien als würde er für einen Moment ganz woanders sein. Allerdings war hierbei ebenso bemerkenswert, wie Peppa darauf reagierte. Schaute sie Laupert doch an und zeigte mit ihrem aufkommenden Lächeln, dass sie wusste, was Laupert genau in diesem Moment fühlte. Diese Verbundenheit sollte noch so einige Male während des Konzertes aufkommen, doch nie so stark wie in diesem.

Um aus diesen Moment der Zerbrechlichkeit auszubrechen, musste eine Up-Tempo-Nummer folgen. Und so kam es mit ‚I Will Do It All Again‘ schließlich auch. Hier setzte dann auch das Gefühl, mit einer Clique unterwegs zu sein, ein. Sang doch der komplette Saal mit und tanzte dazu als wäre es ein Clubabend. Drehte man sich um, sah man in glücklich, lächelnde Gesichter.
Wer L’aupaire beim RadioEins-Loungekonzert sehen konnte, wurde schnell daran erinnert, wie schwer es ihm dort fiel, ruhig auf einem Stuhl zu sitzen. Da war die große Bühne im Lido wie für seine Auftritte geschaffen und so sprang und tanzte er sich durch die Songs.
Mit dem folgenden Song überraschte die Band dann alle. War es doch ‚Dancing In The Moonlight‘ von King Harvest, vielen bekannter durch die Coverversion von Toploader, und kamen dafür noch Marc O’Reilly und seine Band auf die Bühne um den Song so richtig groß zu machen. Und so kam man sich plötzlich vor wie bei einer privaten Party, bei der jeder mal Energie loslassen kann. Da wurde auf der Bühne gelacht, getanzt und gesungen und vor der Bühne euphorisch mitgesungen und angestoßen, dass man einfach nur genießen konnte, was da gerade passierte.

War dieses Highlight gerade erst vorbei kündigte Laupert bereits das nächste an und setzte zu ‚The River‘ an. Nach einigen Sekunden des Mitklatschens, setzten die Trompeten ein, die erstaunlich nach Dolby Surround klangen, um einen nur Sekunden später realisieren zu lassen, dass drei Trompeter durch die Menge Richtung Bühne unterwegs waren. So holte Laupert die drei auf die Bühne und führte durch den energiegeladenen Song.
Alle drei Trompeter sollten auch noch bei ‚Always Travelling‘, ‚Uptown Diva‘ sowie ‚Flowers‘ Teil der Show bleiben und diese bereichern.

L'aupaire @Lido Berlin

L’aupaire @Lido Berlin

Amüsant wurde es ein weiteres mal, als die Band nach ‚Flowers‘ ansetzte und ein Abschiedsfoto mit der Menge machen ließ um kurz darauf, im Jubel der Menge, den eigenen Abgang zu verhauen. So kommentierte Laupert dies so „stellt euch vor wir würden jetzt abgehen, ihr jubelt und wir kommen zurück“. Was folgte war Jubel, Lacher und Applaus und der Übergang zu ‚Rollercoaster Girl‘, immer noch eine der stärksten Nummern.
Wie bei jedem Konzert beschloß L’aupaire seinen Auftritt mit ‚When The Music Is Over‘, der abermals so verträumt und beruhigend wirkte, dass man vom ganzen Auftritt beseelt das Lido verlassen konnte.

Nach diesem Konzert, dass den Abschluß seiner Flowers-Tour darstellte, war man einmal mehr überrascht, wie sehr sich dieser Auftritt von dem im Privatclub und dem bei RadioEins unterscheiden sollte. Die ganze Band ist so gewachsen, so glücklich und voller Lust, dass es zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gab, als Publikum auszusteigen oder sich gar zu langweilen.

L’aupaire bleibt eine heiße Empfehlung und sollte unbedingt live gesehen werden!