Someone – Namenswechsel und musikalische Neuausrichtung

Someone – The Deep

Sie hat den Rundumschlag gewagt. Tessa Rose Jackson aus den Niederlanden hatte 2012 für einen Überraschungshit gesorgt. Wurden ihre Songs Change Time (2012) und Now I See (2013) für internationale Werbespots verwendet, hatte Jackson vorher bereits in London die renommierte The London School for Performing Arts & Technology besucht – auf der auch Adele, Kate Nash, Katie Melua oder Imogen Heap studierten. Zurück in Amsterdam veröffentlichte sie erste Songs und traf damit schließlich genau ins Schwarze. Das war zwischen 2012 – 2014. Dann wurde es still um Jackson. Bis ihre Facebookseite Mitte Mai 2017 schließlich einen Neuanfang verkündete. Mit den Worte …Die Welt hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Ihr habt euch vielleicht auch verändert. Meine Musik hat sich verändert und dadurch auch mein Name. Dass die Namensgebung mutig ist, zeigt ein klick auf Google – findet man unter ihrem neuen Namen Someone so ziemlich alles, nur keine Musik. Fügt man das Wort Musik hinzu, wird Google hier schon konkreter. Doch auch dann bleibt die Trefferquote gering. So bleibt zu hoffen, dass Someones Debütsingle The Deep viele Fans finden und von den Radiostationen in die Playlisten aufgenommen wird. Denn für The Deep wäre es zu schade, einem größeren Publikum verborgen zu bliebe. The Deep erinnert an Bands wie Portishead und beginnt mit dunklen Synthies und einem rauen Schlagzeug, bis schließlich Jacksons Stimme weich und lieblich einsetzt. Dabei hat sich Jackson vom Indie-Pop ihrer früheren Veröffentlichungen losgelöst und zeigt sich fast schon mystisch und introvertiert. The Deep ist ein Traum und passt perfekt zu einer emotionalen Serienszene. Tessa Rose Jackson hat sich neu erfunden und das steht ihr äußerst gut.

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Möwe – Der Sommer steht bereit

Möwe – Skyline

Genau vor einem Jahr, wurde auf SOML die Single Lovers Friends des österreichischen Produzenten-Duos Möwe, vorgestellt. Damals, wie die Faust aufs Auge, passend für den Sommer, sorgte Lovers Friends für die perfekte Untermalung heißer Junitage. Nun sind Melanie Ebietoma (25) und Clemens Martinuzzi (21) mit einer neuen Single zurück und bereiten uns damit auf den Sommer vor. Skyline ist ein Tropical House Song, der mit sommerlicher Gitarre, schnellen Bässen und einem treibenden Housesbeat der vorherigen Single Lovers Friends in nichts nachsteht. Sollten Melanie und Clements diesen Veröffentlichungsrhythmus beibehalten, ist uns ein wiederkehrender Sommerhit sicher – schließlich trumpft Skyline mit einem eingängigen Refrain auf und liefert mit seinem Pfeifpart sogar eine Garantie für einen Ohrwurm. Möwe liefern das ab, was viele Künstler nur all zu oft versuchen zu veröffentlichen – gute Housesongs, die sich festsetzen und dennoch Radiotauglich sind. Mit Skyline beweisen sie dieses Können einmal mehr und liefern den passenden Song für den eintägigen Sommer in dieser Woche ab. Also geht raus, nehmt Euch Möwe mit und genießt den Sommer!

 

Childish Gambino – Soul aus der Ferne

Childish Gambino – Redbone

Childish Gambino nennt sich der aus Kalifornien kommende Donald McKinley Glover und macht mit seinem Soul gerade alle verrückt. Macht Glover erst seit 2011 Musik, ist er bereits seit über 15 Jahren als Schauspieler, Comedian und Drehbuchautor tätig. Hört man sich seine, von Soul und R&B der 70er-Jahre geprägte, Musik an, wundert es fast, dass Glover unter dem Pseudonym Childish Gambino noch nicht durch die Decke gegangen ist. Dies verdankt er wohl dem entspannten, groovigen Sound, den ihr für sein Musikprojekt gewählt hat. Wie entspannt dieser ist, können wir bei dem Song Redbone sehen. So wird dieser bereits in den USA als „Sleeper Hit“ betitelt und beschreibt damit einen Song, der zu seiner Veröffentlichung selbst keinen nennenswerten Erfolg vorweisen konnte, allerdings über die kommenden Wochen und Monate durch Mundpropaganda zum Hit avanciert. Und so kam es dann auch, dass Redbone sieben Monate nach seiner Veröffentlichung als Neueinsteiger die Top-20 der Billboard-Charts knackte und bis auf Platz 14 kletterte. Hinzu kam hier, dass die Netflix-Serie Dear White People den Titel in der zweiten Episode spielte und damit nochmals die Nachfrage anfachte. Dabei hat Redbone dieses Pushen gar nicht nötig, ist der Song doch unglaublich entspannt und lässt Glovers gratziger Gesang an Macy Gray erinnern. Redbone ist ein UFO in der heutigen R&B-Szene und zeigt einen Künstler völlig losgelöst vom aktuellen Trend.

Ruelle – Zelebriert epische Momente ganz allein

Ruelle – The Other Side

Ein Jahr ist es her, dass Ihr hier den Listenbee Remix von Ruelles Until We Go Down finden konntet. Nun ist Ruelle – alias Maggie Eckford – mit einem neuen Song zurück und öffnet damit ein Buch, das vorher nur den wenigsten vorlag – denn Ruelle ist keine Newcomerin. Hat sie mit For What It’s Worth (2010) und Show and Tell (2012) bereits zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, folgte Up in Flames (2015) und Madness (2016) unter dem Namen Ruelle. Auch musikalisch veränderte sich ihr Sound vom Indie Pop, hin zu einem elektronisch, mystischen Pop, der episch und melancholisch klingt. Ruelle fährt damit so gut, dass ihre Songs zur Untermalung von Werbeclips und Serien verwendet werden. Auf ihrer neuen Single The Other Side zeigt sie einmal mehr, wie sehr sich ihre Melancholie auf den Hörer überträgt. Beginnend mit einem Klavier und Ruelles zarten Gesang, baut sich The Other Side während der folgenden 4 Minuten stetig auf und treibt die Dramatik so weit, dass eine Träne die Wange hinunter zu rollen scheint. Kraftvoll singt sich Ruelle durch die Zeilen, bei denen nicht klar wird, ob es sich um eine gescheiterte Beziehung handelt oder das Ableben eines wichtigen Menschen behandelt. Eines bleibt allerdings bei beiden gleich – das schwere, tragende Gefühl, das The Other Side transportiert. Ruelle klingt mit ihrem Sound, als wäre sie der perfekte Soundtrack gebrochener Herzen- Und The Other Side ist ein Kapitel daraus.

Kakkmaddafakka – Norwegens Lieblinge kehren zurück

Kakkmaddafakka – ÅÅÅ

Alles zurück auf Anfang – ist dies das Zeichen der neuen Single der norwegischen Indie-Helden vom Kakkmaddafakka? Hatten sie bei der Veröffentlichung ihres letzten Albums KMF noch verkündet, dass der typische Kakkmaddafakka-Chor beerdigt wurde, hören wir nun auf der ersten neuen Single All I Want To Hear in bester Kakkmaddafakka-Manier den Chor im Refrain. Ein simples Oohh-oh-oh-oh und die Welt ist wieder in love mit dem Sextett. Einmal mehr klingt die Stimme von Frontsänger Alex Vindenes nach einem nerdigen 15-Jährigen und spielen Schlagzeug und Gitarre eine Geschichte vom verspielten Leben einer Vorstadt. Dass dies kein Bruch ihres eigenen Fortschritts ist, braucht die Band uns nicht zu beweisen. Denn war die internationale Ausrichtung des Albums KMF unglaublich gut produziert, zeigt es auch, dass die Band etwas an Originalität verloren hatte. Diese haben sie nun auf der neuen Single All I Want To Hear wiedergefunden und spannen gleichzeitig den Bogen zum letzten Album. Wir dürfen gespannt sein, was auf Albumlänge auf uns zukommt und freuen uns über ein erneutes, kollektives Ausrasten, wenn wir den Song das erste Mal im Club hören werden.

Odesza – Mit Video zur zweiten Single Line Of Sight

Odesza – Line Of Sight

Bereits Anfang Mai konntet Ihr hier über die beiden Songs Late Night und Line Of Sight lesen. Nun hat das amerikanische Duo ein Video zu Line Of Sight veröffentlicht und erhält damit nochmal extra Aufmerksamkeit. Line Of Sight ist eine schwere, euphorische Elektronummer, die musikalisch neben Songs wie von The Chainsmokers und Bastille zu stellen ist. Hier übernehmen große Synthies die Führung und ähnelt die Stimme Wynnes die des Frontsängers Dan Smith von Bastille. Mit dem Genre Future Bass, das sich um 2006 in Großbritannien, den USA, Japan und Australien bildete, stehen Odesza in einem Raum mit Künstlern wie The Chainsmokers, Flume und PanamaLine Of Sight hat dabei ein, von Regisseur Daniel Brown geführtes, Musikvideo erhalten, welches an heutige Science-Fiction Filme anknüpft. In einer realistischen Welt, gibt es Roboter, die sich bekämpfen. Dabei greift Brown das Gefühl von Line Of Sight auf und präsentiert Melancholie und Hoffnung, welche durch einen Jungen transportiert werden, der im Dschungel einen Kampfroboter als Freund findet. Es ist die Erzählung eines modernen Dschungelbuches, das Brown hier inszenieren und Odesza mit Wynne und Mansionair liefern dazu den passenden Soundtrack ab.

Everything Everything – Verquerer Indie-Sound

Everything Everything – Can’t Do

Art-Pop beschreibt das Indie-Rock Quartett Everything Everything wohl am besten. Sind ihre Songs doch so speziell, dass man immer wieder zwischen Popkultur und einem eloquenten Kunstwerk pendelt – niemals ganz sicher, was man hier gerade vorgesetzt bekommen hat. Mit Songs wie Regret, Distant Past und Cough Cough beweisen sie immer wieder aufs Neue, dass sie sich nur schwer auf ein Genre festlegen können. Da hört man opernhafte Songparts genauso wie Synthies, Gitarren und Schlagzeug. Nicht zu überhören ist dabei der wunderbar, changierende Gesang von Frontsänger Jonathan Higgs und Background-Sänger Jeremy Pritchards – die sich mal mit Kopfstimme, mal rappend durch ihren neuen Song Can’t Do arbeiten. Dabei ist Can’t Do gleichzeitig noch elektronischer geworden und lässt die Band total verrückt spielen. Einmal mehr liefern Everything Everything damit eine Indie-Hymne ab, die sich durch den Sommer ziehen wird. Auch nicht verpassen solltet Ihr das dazugehörige Video, dass Everything Everythings Art-Pop noch ein deutliches Ausrufezeichen dransetzt.

Angus & Julia Stone – Voller Wärme zurück

Angus & Julia Stone – Snow

Es ist bestätigt, Angus & Julia Stones drittes, selbst betiteltes Album war keine Ausnahme. Dies hätte man durchaus vermuten können, hat das Geschwisterpaar schließlich nach seinem zweiten Album Down The Way eine, gar nicht so kurze, Zeit lang nicht miteinander gesprochen. Neues wollten sie damals ausprobieren, sich fordern und Soloalben veröffentlichen. Dies schafften sie dann auch recht erfolgreich und landeten die Alben auf Platz 2 (Angus Broken Brights) und auf Position 11 (Julia – By The Horns) der australischen Albumcharts. Nach vier Jahren ohne gemeinsame Songs zu veröffentlichen, kamen die Geschwister wieder zusammen und nahmen das Angus & Julia Stone, dritte Studioalbum, auf. Dieses wirkte deutlich frischer und hatte einen größeren Pop-Anteil als es noch die beiden Vorgänger besaßen. Hatte man hier noch vermutet, dass die Fans weitere lange Jahre auf ein neues Album warten müssen, haben die Stone-Geschwister nun mit der Single Snow deutlich gemacht, was man von ihnen erwarten kann. Da kommt eine sanfte Gitarre mit eingängigem Schlagzeug, sowie Julias und Angus‘ warmen Stimmen zum Tragen und weht uns eine friedvolle und gänzlich unaufgeregte Melodie entgegen. Im Duell singen sich die beiden durch den Song und spielen hier und da mit ihren Stimmen. Angus & Julia Stone sind fast schon ein Phänomen – entziehen sie sich doch jeglicher Diskussion ob Belanglosigkeit und sorgen weiterhin, nach jeder Veröffentlichung, für kollektive Genugtuung. Man könnte sie somit fast als Balsam für die Seele beschreiben.

George Ezra – Die Leichtigkeit eines Briten

George Ezra – Don’t Matter Now

Es brauchte nicht lange und die Zeilen My house in Budapest, my hidden treasure chest, golden grand piano, my beautiful Castillo waren in aller Köpfe. Der damals zwanzig jährige George Ezra hatte damit einen der Hits 2014 gelandet. Ezra sang sich so mit einer bezaubernden Leichtigkeit in die Herzen der Fans, dass auch die anschließende Tour im Handumdrehen ausverkauft war. Nach zwei Stillen Jahren des Song-schreibens und -produzierens ist Ezra nun mit einer neuen Single zurück. Don’t Matter Now kündigt damit auch das zweite Studioalbum des Briten an. Dabei hat sich Ezra nicht all zu weit vom Sound seines Debütalbums entfernt. Denn Don’t Matter Now bleibt bei der entspannt, fröhlichen Haltung Ezras. Dabei singt sich der 24-Jährige, der mit seiner dunklen – fast schon angetrunken klingenden – Stimme ein starkes Wiedererkennungswert besitzt, wieder in die Herzen der Fans. Was in den 2000ern Jack Johnson so wunderbar zelebrierte, liegt in den 2010ern bei Ezra – die Kunst des relaxten Sounds.

The Killers – Brandon Flowers ist The Man

The Killers – The Man

Sie haben uns lange warten lassen – sehr lange. Gefühlt waren die aus Las Vegas kommenden Rocker von The Killers schon abgeschrieben – wären da nicht Verlass auf mindestens einen Weihnachtssong gewesen. Doch zählt man diese Veröffentlichungen mal nicht mit ein, ist es bereits fünf Jahre her, dass das Quartett mit Battle Born ein Album veröffentlichte. Es brauchte Zeit, da waren sich alle Bandmitglieder einig. Hatten Sänger Brandon Flowers und Gitarrist Mark Stoermer zwischenzeitlich mit The Desired Effect und Dark Arts jeweils neue Soloalben veröffentlicht, bildete Ronnie Vennucci Jr. die Band Big Talk und veröffentlichte mit ihr 2015 das Album Straight In No Kissin‘. Somit hatten sich, bis auf Dave Keuning, alle Bandmitglieder ein Leben für die Zeit nach den Killers aufgebaut. Wie so oft heißt es allerdings viel zu schnell, dass Totgesagte länger leben. Und so haben The Killers gestern mit The Man die erste Single ihres fünften Studioalbums Wonderful, Wonderful veröffentlicht. Dass The Killers schon lange nicht mehr nur im Alternative Rock anzufinden sind, hatten bereits die letzten beiden Alben gezeigt. Auf The Man vereinen sie nun jedoch sowohl Alternative Rock, als auch groovigen Pop und 80er Jahre-Vibes. Mit Flowers‘ typischen Gesang, treibt The Man an und bildet einen Sound, der irgendwo zwischen Ray Parker Jr.’s Ghostbusters und Calvin Harris‘ ersten Alben liegt. Brandon Flowers und seine Band stellten sich die Frage, wie eine vierköpfige Band im Jahr 2017 klingen sollte und probierten sich einfach aus. Raus aus der Komfortzone – hinein in ungewohnte Soundstrukturen, das war es, was im Vordergrund für den Entstehungsprozess stand. Wie sich das anhört, beweisen die Amerikaner nun so richtig groß auf ihrer neuen Single. Denn eines ist klar, wie Flowers im Song mit den Textzeilen „Who’s the man? who’s the man? …. I’m the man!“ besingt – The Killers sind zurück und das selbstbewusst wie eh und je.