Lana Del Rey – Pianoballade mit verschachtelter Geschichte

Lana Del Rey hat es in den vergangenen acht Jahren zu einer Art Vamp im Musikbusiness geschafft – immer im Mainstream abspielend, hält sie den Eindruck einer Musikerin, die da nie rein gehört. Durch die nostalgisch und retro-wirkenden Produktionen und mit ihrem gemächlichen – fast schon lethargischen – Auftreten ist Lana Del Rey bis heute – trotz zurückgehender Verkaufszahlen eine der ganz großen Musikerinnen unserer Zeit. Mit ihrer neuen Single Hope Is a Dangerous Thing for a Woman like Me to Have – but I Have It könnte sie nicht nur Anwärterin auf den längsten Songtitel der Geschichte werden, sondern gibt uns gleich auch einen Vorgeschmack auf ihr neues, Ende März erscheinendes, sechstes Studioalbum Norman Fucking Rockwell. Zugleich ist Hope is a Dangerous Thing… eine ungewohnte stripped-down Ballade, die nur mit einem Klavier und Del Reys Stimme auskommt. Kennt man Balladen von ihr doch sonst vorrangig mit theatralisch, untersetzten Soundbetten, ist auf Hope is a Dangerous Thing… alles noch ein wenig reduzierter. Genau das übt den Reiz aus, Del Reys Musik zu lauschen und sich in ihr regelrecht zu verlieren. So schafft sie es immer wieder, den Hörer aus der hektischen Welt zu entführen und zu sich selbst zu bringen – und das im Mainstream, ganz ohne Mainstream zu sein.

Advertisements

Rhys Lewis – Ein Song mit Wow-Effekt

Würde Rhys Lewis auf einer Bühne einer Casting-Show stehen und seinen Song Better Than Today singen, wäre jetzt der Moment, Standing Ovations zu geben, obwohl sein Lied gerade einmal 20 Sekunden gelaufen wäre. Denn diese, so einfühlsame Stimme, die mal falsettartig hoch, mal kratzig und kräftig klingt beschert uns ein Gefühl der Empathie für ein Erlebnis, welches wir noch nicht einmal kennen. Dabei ist der britische Newcomer über die letzten 12 Monate so sehr gewachsen, dass seine Songs mittlerweile millionenfach aufgerufen werden. Hat alles mit kleinen Pub-Gigs begonnen, wurde ihm nur kurze Zeit später ein Plattenvertrag angeboten. Hat Lewis seine erste EP – Bad Timing –  vor knapp einem Jahr veröffentlicht, ist er nun mit der Single Better Than Today zurück und möchte den Song als Stütze wissen. Er habe den Song geschrieben, um mit seiner Angst vor den aktuellen Geschehnissen in der Welt umzugehen, und entlässt ihn als Trost in die Welt. Was sich pathetisch liesst, schafft Lewis mit nur einem Klavier wegzustoßen und Better Than Today als wunderbare Ballade zu präsentieren. Lewis steht damit ganz am Anfang seiner Karriere und wird 2019 sicherlich für den ein oder anderen Erfolg verantwortlich sein.

Fil Bo Riva – Wenn der Lebenslauf den Ton angibt

Es ist eine spannende Biografie. Als Kind einer Deutschen und eines Italieners in Rom geboren und aufgewachsen trieb es Filippo Bonamici – alias Fil Bo Riva – quer durch Europa. So stehen Länder wie Irland, Spanien und Deutschland auf seine Liste. Nach Berlin kam er schließlich durch eine erfolgreich bestandene Aufnahmeprüfung an der UDK für den Studiengang Produktdesign. Vom Freigeist der Stadt inspiriert versuchte sich der Musiker, der bereits mit zehn anfing Gitarre zu spielen, daran, selbst professionell Musik zu machen. Dies gelang ihm so gut, dass er binnen kürzester Zeit durch Europa tourte und als Support von Matt Corby oder den Milky Chance gebucht wurde. Mit dem Produzenten der Mighty Oaks – Robert Stephenson – arbeitete Riva schließlich an seiner Musik. Diese vereint die unterschiedlichsten Einflüsse Europas und zeigt dies besonders auf der ersten Single Go Rilla. Hier zeugt die Stimmung von den Weiten einer italienischen Küstenstraße, die es mit offenem Verdeck zu befahren gilt. Hinzu kommen Klänge von Indie und Folk und besticht der Song gesanglich durch eine soulige Klangfarbe. Riva selbst beschreibt seine Musik als europäischen Folk und Indie-Pop und trifft damit genau ins Schwarze. Go Rilla ist eine Ode an die Unbeschwertheit und dem Lebensgefühl des Vogelfrei im Sinne des ungebunden seins. Am 22. März 2019 erscheint mit Beautiful Sadness Rivas Debütalbum und wird von einer Tour durch die DACH-Region begleitet. Mit Go Rilla öffnen sich allerdings mit Sicherheit auch noch mehr Türen – weit über den deutschsprachigen Raum hinaus

Sunflower Bean – Rotzig, Laut, Indie!

Es gibt sie noch, die rotzigen Bands, die irgendwo in New York an ihrer Musik feilen und plötzlich durch die Decke gehen. So war es auch vor fünf Jahren mit dem, in Brooklyn residierenden, Trio Sunflower Bean. In diesem hippen Stadtteil New Yorks arbeitet die Band an neuen Songs, spielt ununterbrochen Gigs und hat so mittlerweile zwei Alben und zwei EP’s veröffentlicht. Mit ihrer Mischung aus Psychedelic Rock, Indie, Alternative und Punk-Rock lassen sich Sunflower Bean nur grob in eine Genre-Schublade schieben und zeigen, durch die Einflüsse von Bands, wie Tame Impala, The Cure, T. Rex, Sex Pistols, The Ramones, Fleetwood Mac oder Nirvana, wo dies seine Grundlage findet. Mit ihrer – für den 26. Januar 2019 – angekündigten EP King Of The Dudes kommt abermals, nur elf Monate nach ihrem zweiten Album Twentytwo In Blue, neue Musik auf den Markt. Dabei ist die Singleauskopplung Come For Me ein Stinkefinger, gegen die höfliche Normgesellschaft. Hier emanzipiert sich Frontsängerin Julia Cumming mit den Textzeilen Do you really wanna come for me? You know I got all night. Do you really wanna waste my time? If you do, then do it right und begründet dies mit den Worten, dass es Zeit ist, die Faust in die Luft zu strecken, sich auszudrücken und natürlich auch sexuell zu emanzipieren. Dabei ist Come For Me eine explosive Indie-Punk-Hymne, die mit viel rotzfrechem Pathos bestückt ist und sich keinen Zentimeter darunter verkaufen will. Dies haben Sunflower Bean auch gar nicht nötig und begeistern abermals mit ihrem rebellischen Punkrock.

Hayden James – Dunkler House mit heller Stimme

Es wird Zeit – mittlerweile gibt es im Netz über ein dutzend Songs des australischen Produzenten und Sängers Hayden James zu hören. Doch ein Album lässt nach wie vor auf sich warten. Nun wurde für Mitte 2019 endlich sein Debütalbum angekündigt und damit auch die neue Single Better Together. Diesen Song hat der in Sydney lebende James zusammen mit dem ebenfalls aus Australien kommenden Produzenten Running Touch aufgenommen. Mit seinem melodischen House und seiner prägnanten Stimme, sowie markanten Kollaborationen hatte James bereits mit den Songs Something About You und der Zusammenarbeit mit Boy Matthews auf Just Friends alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So konnte er Something About You sogar in die deutschen Charts bringen und wurde für Dieser und Just A Lover sogar jeweils für einen ARIA Music Award als Best Dance Release nominiert. Auf Better Together klingt James dunkler und scheint die Atmosphäre der Nacht für sich entdeckt zu haben. Als Symbiose aus zwei Menschen, die sich so viel geben, dass sie fast unschlagbar stark erscheinen, versteht James Better Together und hat damit den Soundtrack es Winters abgeliefert.

Seinabo Sey – Offener, kräftiger und voller Energie

Mit den Textzeilen There’s a conclusion to my illusion. I assure you this. There’s no end to this confusion. If you let it wish you well. Soul to sell […] When you know you ain’t getting any. Younger, younger, younger, are you? kam für die schwedische Sängerin Seinabo Sey 2013 der große Durchbruch. Mit der Remixversion des norwegischen DJs Kygo bekam Sey 2014 weltweit nochmals deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und so folgte im Oktober 2015 mit Pretend ihr Debütalbum und die gleichnamige Single. Für neues Material sollten dann allerdings erst einmal weitere drei Jahre vergehen, bis wir neues Material der eindrucksvollen Sängerin erwarten konnten. Dieses Jahr war es dann schließlich Zeit für neue Musik und so kann 2018 definitiv als das Jahr der Tochter einer Gambierin und eines Schweden angesehen werden – denn Anfang September folgte mit I’m A Dream ihr zweites Studioalbum auf dem die Sängerin deutlich gereifter klang. Mit ihrer aktuellen Single Good In You beweist sie uns genau diese neue Art Soul, R&B und Pop zu verbinden. Mit einem wirbelnden Sound und eingängigen Lyrics klingt Sey so frisch und neu, das die neuen Songs sich nicht hinter den großen Nummern des Debütalbums verstecken müssen.

Walking On Cars – Starke Rückkehr

Sie beginnen ein neues Kapitel – die irische Rockband Walking On Cars ist nach drei Jahren Pause zurück und hat am vergangenen Freitag mit Monster die erste Single aus dem kommenden, zweiten Album Colours veröffentlicht. Dabei bleiben sie dem Sound treu, der sie vor knapp vier Jahren europaweit in die Charts brachte. Mit der starken aber einfühlsamen Stimme von Frontsänger Patrick Sheehy, großen Rockhymnen und Melodien, die zu Ohrwürmern wurden, hatten es Walking On Cars binnen kürzester Zeit mit Songs, wie Always Be With You, Catch Me If You Can und Speeding Cars geschafft, die Radiolandschaft zu erobern und mit letzterer Single sogar in acht europäischen Ländern zu charten. Als SOML die Band im Mai 2016 zum Interview traf, zählten sie als zukünftige Ziele unter anderem auf, auf Festivals spielen zu wollen und ein zweites Album zu veröffentlichten. Waren die Festivals bereits zum Sommerende 2016 von der Liste abgehakt, gilt mit der nun folgenden Veröffentlichung ihres neuen Albums, die nächste Hürde als geschafft. Dabei klingt Monster tief und lässt die Kraft der Band spüren. Was sich als Frage – nach Veröffentlichung des ersten neuen Bandfotos – allerdings stellt, ist: wo ist Dan? Dessen Name findet sich zwar weiterhin auf den Infoseiten von Facebook und bei Wikipedia, doch fehlt er auf dem Foto und sorgt daher für Gerüchte. Doch solange wir nicht mehr wissen, genießen wir den satten Sound von Monster.

The 1975 – Ein Liebeslied an das Böse

Es sind die Zeilen And all I do is sit and think about you
If I knew what you’d do
 die uns Glauben schenken, dass uns The 1975 eines der besten Liebeslieder der vergangenen Monate schenken. Mit einem fesselnden Synthiebeat und Matty Healys sanft, poppigem Gesang klingt It’s Not Living (If It’s Not With You) so sehr nach einem 80er-Jahre Power-Lovesong, dass wir uns schon freuen, die heimliche Liebe Healys kennenlernen zu dürfen. Doch hört man den Lyrics weiter zu, wird klar, dass Healy hier von einem deutlich ernsteren Thema singt. Denn die Zuneigung, die er hier beschreibt, galt für einige Zeit den Drogen wie Heroin. Dies behandelt Healy in It’s Not Living (If It’s Not With You) so pur in direkt, dass man ihm nur gratulieren kann, wieder clean zu sein. Das dieser Weg schwer sein musste, zeigt die Band nun auch in dem dazugehörigen Musikvideo, indem Healy mit den Nebenwirkungen der Drogen – in Form von Panikattacken und Ängsten – zu kämpfen hatte und selbst auf der Bühne nicht davon verschont blieb. The 1975 stehen mit ihrem, gerade veröffentlichten, dritten Album A Brief Inquiry into Online Relationships gerade davor, weltweit zu einer der größten Rockbands unserer Zeit aufzusteigen. Da kommt die neu entfachte, drogenfreie Energie von Frontmann Healy genau richtig. Mit rotzigen Kommentaren, großen Songs und bereits einem vierten Album für Mai 2019, das Notes on a Conditional Form heißen wird, in der Pipeline, greifen The 1975 nun frontal an und sind auf dem besten Weg ihren Platz im Olymp einzunehmen.

Dean Lewis – Gut Ding will Weile haben

Es brauchte einige Anläufe um dort zu landen, wo der australische Singer/Songwriter Dean Lewis heute ist. So hatte er zu Beginn seiner Karriere mehr als 30 Demotapes an Plattenfirmen geschickt und von nicht einer einzigen eine Antwort zurückerhalten. Bereits kurz vor dem Aufgeben, sorgte ein Freund schließlich für den entscheidenden Moment. Dieser überzeugte auf einer Yacht nämlich einen Produzenten, in das Demotape von Lewis reinzuhören,und so hatte der 30 jährige Sänger kurze Zeit später einen Plattenvertrag in der Tasche. Bereits Ende letzten Jahres hatte Lewis mit der Single Lose My Mind für ein erstes Aufhorchen und dabei gleich mit einer Akustik- und einer Popversion des Songs für Aufsehen gesorgt.  Doch bis es zu seinem aktuellen Hit Be Alright kam, musste noch einige Zeit ins Land gehen. Denn war der Australier mit den Resultaten der ersten beiden Aufnahmen in Australien und mit bekannten Produzenten in den USA so unzufrieden, hatte er es schließlich in Großbritannien noch einmal versucht und hier endlich die Version aufgenommen, die wir heute alle hören können. Mit der wunderbaren Gitarrenballade Be Alright verarbeitet Lewis ein Beziehungsende auf so einfühlsame Art und mit einer so berührenden Stimme, dass wir uns alle wünschten, den Sänger in den Arm nehmen und trösten zu können. Dass er mit genau dieser Version so goldrichtig lag, zeigt sich aktuell in den Chartplatzierungen weltweit – bei denen er auf immer höhere Platzierungen kommt. Be Alright ist damit die perfekte Ballade für die kalten Wintertage.

Calvin Harris & Benny Blanco – Unstoppable

Der Output an neuem Material scheint bei dem Megastar Calvin Harris unendlich zu sein. Gibt es seit seinem Debüt 2006 mit 2008 nur ein einziges Jahr, in dem der Schotte keinen Song veröffentlicht hat, nimmt die Schlagzahl an Veröffentlichungen seitdem jedes Jahr eher noch zu. Waren es Ende der 00er Jahre noch zwei bis drei Singles pro Jahr, veröffentlichte er 2017 satte sechs Singles. Hierbei müssen die Songs auch gar nicht mehr zu einem Album gehören und werden mitunter frei von diesem – noch recht statischen – Veröffentlichungsstil rausgebracht. Für das Jahr 2018 hat er nun mit seiner neuesten Single I Found You ebenfalls sechs Singles veröffentlicht und überrascht immer wieder mit satten Sounds und frischen Beats. Gab es eine Zeit, in der Harris mit Rihanna, Florence Welsh und Ellie Goulding die ganz großen Stars mit dabei hatte, orientiert sich der Produzent und Sänger immer mehr auf Newcomer oder Künstler, die gerade erst im Aufbau sind. Auf I Found You hat er sich mit dem amerikanischen Produzenten Benny Blanco zusammengetan und erstmals seit zwei Jahren auch wieder selber die Texte eingesungen. Dabei mischen beide Produzenten ihre Musik – mal mehr nach britischen House, mal mehr nach amerikanischen Dance-Pop klingend und lassen auf I Found You 100% Pop mit tanzbaren Beats von der Leine. Calvin Harris schafft es so, die Teenager, 20 und sogar 30 Somethings anzusprechen und auf die Tanzfläche zu locken.