Schiller feat. Schwarz – Eine Lawine ohne Halt

Nach und nach veröffentlicht Christopher von Deylen als Schiller immer mehr Songs seines, am kommenden Freitag erscheinenden Albums Morgenstund und gibt damit auch immer mehr Einblick in den Sound, der sich bereits mit der Single Morgenstund aus dem gleichnamigen Album andeutete. An den Sound seiner ersten Alben erinnert, ist der geschätzte Musiker und Produzent mit viel Epos, welches von Freiheit, Weite, Liebe, Wärme und Antrieb erzählt, mit einem frischen und doch bekannten Sound zurück. Dabei passt Schwarz‘ Stimme so unglaublich gut zum produzierten Sound, dass man sich fast wünscht, diesen Song einmal in einem emotionsgeladenen Werbeclip zu sehen, der auch schon Bag Riders, Jonah oder Empire Of The Sun zu der verdienten Aufmerksamkeit verhalf. Dass Schiller diese Aufmerksamkeit gar nicht nötig hat, zeigen die – wiederholt – auf Platz 1 der Albumcharts gelandeten Alben. Allerdings konnten die Singles nicht mehr den Erfolg wiederholen, den er noch Mitte der 2000er erzielen konnte. Schwarz ist dabei der perfekte Featuring-Act, der dem Song einen ganz eigenen Drive gibt und mit seiner hohen Stimme fast schon zu einer Dream-Pop Nummer werden lässt. Für Schwarz dürfte es rund um seine, aktuell mehr als umtriebige, Arbeit an neuer Musik sehr passend sein, dass er auf der Schiller Single Avalanche mit Synthies in Berührung kommt – ist er doch selbst in einem voluminösen Elektrosound aus Synthies und Beats zu Hause. Auf Avalanche bilden Schiller und Schwarz eine Symbiose und klingen dabei so organisch, dass man eine langjährige Zusammenarbeit fest vermutet hat und dann doch überrascht wird, dass es der erste Song der beiden Musiker ist. Somit werden die letzten Tage vor der Albumveröffentlichung von Morgenstund gefühlt nochmal verkürzt und bildet der Song eine wunderbare Klangwolke aus Kreativität und Kraft.

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All The Luck In The World – Traumhaft schön und endlich zurück

Im April 2014 kroch ein kleiner, leiser Song in die Gehörgänge der Europäer. Durch die Benutzung des, 2013 veröffentlichten, Songs Never in einem Werbeclip eines Reiseinformationsportales erreichten die drei Iren von All The Luck In The World plötzliche Aufmerksamkeit. So ruhig und intensiv, so liebevoll und schmachtend war Never plötzlich da und fortan wollten wir mehr von der Band hören. Nach der Veröffentlichung von Never folgte 2014 das Debütalbum All The Luck In The World. Nun haben wir bereits Ende 2017 und lange dreieinhalb Jahre könnte man von dem Trio keine neue Musik hören. Bis es schließlich vor einigen Wochen auf deren Facebookseite wieder frische Posts von älteren Songs gab und somit eingeschlafene Kanäle wieder aktiviert wurden. Nun haben All The Luck In The World endlich eine neue Single veröffentlicht und kündigen mit Golden October nach 3,5 Jahren Stille, ihr zweites Album an. Dabei klingt Golden October genau nach diesem Monat, der so dunkel, grau und kalt, wie farbenfroh, sonnig und mild sein kann. Golden October ist eine weitere, stille Folkballade, die mit Orchester und flehender Stimme Neil Foots eine Heimeligkeit erzeugt, die an Kaminabende an verregneten Abenden mit einem liebsten Menschen erinnern lässt – ohne, dass dieser Moment vorher je passiert sein muss. Wunderschön und so vertraut fällt fast schmerzlich auf, wie sehr wir All The Luck In The World vermisst haben. Doch die Zeichen stehen gut, dass es in naher Zukunft mehr Musik geben wird, denn ist das Trio mittlerweile zum Quartett angewachsen und sind von 114 Facebook-Likes im April 2014 zwischenzeitlich über 15.000 geworden, sind All The Luck In The World beim Düsseldorfer Barfilm Records Label untergekommen. Somit dürfte Deutschland ganz oben auf der Promoliste stehen.

MGMT – Die Kurve bekommen

Mit ihrem Debütalbum Oracular Spectacular hatte das amerikanische Duo MGMT 2007 für einen absoluten Hype gesorgt. Noch heute werden die Songs Kids, Time To Pretend  und  Electric Feel auf jeder Party gespielt – und das selbst bei Musikhörern fernab des Indies. Ausverkaufte Konzerte und Einsätze in Werbeclips führten zu einem Run auf die Band, dass sich Andrew VanWyngarden und Benjamin Goldwasser erst einmal eine Auszeit verabreichten und mit Album zwei alles anders machen wollten. Congratulations wurde dann allerdings so derart anders, dass sich die Fans nicht mehr in der treibenden und tanzbaren Musik wiederfanden, die sie einst von dem Duo kennen- und lieben lernten. Album Nummer drei sollte schließlich beide Sounds zusammenführen und war eine Zäsur der musikalischen Arbeit, die sich auch im Albumtitel widerspiegeln sollte – schlicht MGMT. Nun sind sie mit der ersten Single Little Dark Age aus dem gleichnamigen, vierten Album Little Dark Age zurück und zeigen abermals, dass Stillstand für sie nicht in Frage kommt. Mit einem satten 80er-Jahre Sound und dunklen Synthies spielen sich MGMT zum perfekten Soundtrack einer Retro-Krimiserie. Mit einer Haarpracht wie einst Robert Smith von The Cure und extra Lidschatten haben sich MGMT so selbst zurück ins Rampenlicht katapultiert und überzeugen mit einem Song, der nicht besser den aktuellen Sound mit Retro verbinden könnte. Die Freude steigt – auch wenn das Album erst für 2018 angekündigt wird – und wir sind gespannt, ob sich dieser Sound durch das komplette Album ziehen wird.

 

Ruelle – Zelebriert epische Momente ganz allein

Ruelle – The Other Side

Ein Jahr ist es her, dass Ihr hier den Listenbee Remix von Ruelles Until We Go Down finden konntet. Nun ist Ruelle – alias Maggie Eckford – mit einem neuen Song zurück und öffnet damit ein Buch, das vorher nur den wenigsten vorlag – denn Ruelle ist keine Newcomerin. Hat sie mit For What It’s Worth (2010) und Show and Tell (2012) bereits zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, folgte Up in Flames (2015) und Madness (2016) unter dem Namen Ruelle. Auch musikalisch veränderte sich ihr Sound vom Indie Pop, hin zu einem elektronisch, mystischen Pop, der episch und melancholisch klingt. Ruelle fährt damit so gut, dass ihre Songs zur Untermalung von Werbeclips und Serien verwendet werden. Auf ihrer neuen Single The Other Side zeigt sie einmal mehr, wie sehr sich ihre Melancholie auf den Hörer überträgt. Beginnend mit einem Klavier und Ruelles zarten Gesang, baut sich The Other Side während der folgenden 4 Minuten stetig auf und treibt die Dramatik so weit, dass eine Träne die Wange hinunter zu rollen scheint. Kraftvoll singt sich Ruelle durch die Zeilen, bei denen nicht klar wird, ob es sich um eine gescheiterte Beziehung handelt oder das Ableben eines wichtigen Menschen behandelt. Eines bleibt allerdings bei beiden gleich – das schwere, tragende Gefühl, das The Other Side transportiert. Ruelle klingt mit ihrem Sound, als wäre sie der perfekte Soundtrack gebrochener Herzen- Und The Other Side ist ein Kapitel daraus.