The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show – Konzertkritik

Der Rahmen versprach Großartiges. Hatte sich die britische Band The Slow Show drei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, kündigten die Manchester um Frontsänger Rob Goodwin mit Sharp Scratch den ersten Vorboten des kommenden Albums an. Dabei war es in der Vergangenheit beunruhigend ruhig um die Band gewesen. Hatten sie mit ihren 2015er und 2016er Alben White Water und Dream Darling doch in kürzester Zeit zwei Alben vorgelegt, die vor allem durch die Baritonstimme des Frontsängers Goodwin, zu absoluten Glückstreffern der britischen Musikszene avancierten. Dabei galt das Glück nicht etwa der Band, dadurch bekannt zu werden, sondern vielmehr uns Hörern, diese Atmosphäre erleben zu dürfen.

Lou Stone @Silent Green Berlin.    www.soundtrack-of-my-life.com

Als Ort für die Vorstellung der neuen Songs wurde die einzigartige Eventlocation Silent Green in Berlin ausgewählt. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Krematorium, welches vor 110 Jahren im Stadtteil Wedding erbaut wurde und noch bis 2001 als solches genutzt wurde. In der ehemaligen Feierhalle – in der einst die Urnen der Verstorbenen aufgestellt wurden – befindet sich heute das Herzstück des gesamten Areals und finden in der 17 Mieter hohen, achteckigen Halle heute Veranstaltungen, wie Lesungen und Konzerte statt. Dabei steht die, mit einem deckenhohen Bühnenvorhang dekorierte, Erhöhung als Bühne zur Verfügung.

In diesem besonderen Umfeld eröffnete der Londoner Singer/Songwriter Lou Stone den Abend mit einer passenden Mischung aus Folk, Pop und Soul und überzeugte sogleich mit seiner warmen, einfühlsamen Stimme, welche die Aufmerksamkeit des Publikums schnell auf sich zog. Legt die Feierhalle jedes noch so kleine Geräusch an den Tag, war es das Berliner Publikum welches seinen Ruf alle Ehre machte und so still war, dass man die Saiten der Gitarre schwingen hören konnte. Mit seiner EP Fictions und so wunderbar romantischen Stücken wie Don’t UnderstandCarry Me HomeSally oder dem Titelstück Fictions war er der perfekte Opener für The Slow Show und stimmte das Publikum auf einen herzerwärmenden Abend ein.

Schließlich kamen um Punkt 20 Uhr Sänger Rob Goodwin, Keyboarder Frederik ‚t Kindt, Bassist Joel Byrne-McCullough und Schlagzeuger Chris Hough auf die Bühne und starteten in einen Abend, der versprach einmalig zu werden. Mit Songs aus den ersten beiden Alben und einigen Stücken aus dem kommenden – für später in 2019 angekündigtem – dritten Album führte Goodwin das Publikum mit warmen Worten durch den Abend und ließ dabei nur äußerst selten seine Augen von der Menge. Immer wieder streifte der Blick des britischen Sängers durch die Menge, suchte ganz bewusst den Blickkontakt mit Einzelnen und verschaffte seiner Musik damit eine weitaus eindringlichere Wirkung.

Mit Songs wie Dresden, Ordinary LivesFlowers To Burn oder dem alles überragenden Bloodline beflügelte die Band das Publikum immer wieder mit dem Gefühl des kollektiven Schwelgens. Bei Bloodline welches die Band auf eine 7-minütige Version ausdehnte, in der das Publikum einen Teil des Refrains selbst sang und damit in der Halle eine Atmosphäre entstand, die ein überborderndes Wir-Gefühl ausstrahlte, wuchs die Dankbarkeit in Goodwin sichtlich ins unermessliche. Dass die Band glücklich ist, dieses Leben, leben zu dürfen und mit so vielen Menschen Emotionen teilen zu können, zeigt sich in der fast schon schmerzhaft dankbaren Haltung des Sängers. Dabei wirkte er zu keinem Zeitpunkt unauthentisch und zeigte eher bei jedem Song eine fast schon gebrochen, mitfühlende Haltung – als fühle er die Emotionen, die ihm beim Schreiben der Songtexte antrieben, nochmals nach.

Gleichwohl kamen mit – unter anderem – Sharp ScratchSt. Louis und Places You Go auch einige neue Songs vor, die sich wunderbar in die heimelige Stimmung einfügten. Mit ihrem Hang zu ruhig beginnenden Songs, die in einer opulent instrumentierten Version aufgehen, haben The Slow Show den perfekten Soundtrack für die Untermalung von Emotionen geschaffen. Immer wieder kam man sich an diesem Abend vor, als wäre man in einem Spielfilm, bei dem tiefe, emotionale Momente musikalisch untermalt würden, nur, um anschließend in einer ergreifenden Auflösung zu enden.

Zum Ende hin überraschte Goodwin schließlich noch mit einer Rede auf Deutsch, in der er sich für die Geduld des Publikums bedankte und dafür, dass man die Band nicht vergessen habe. Gleichwohl kündigte er für später im Jahr weitere neue Musik an und war dankbar über einen Abend in so einer Location, mit solch einem Publikum und der Tatsache, dass das Publikum der Band die Nervosität, neue Songs zu spielen, mit solche einer Wärme genommen hatte und ihnen so zeigte, die richtige Richtung gegangen zu sein.

The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show kann man nicht vergessen. Nicht die Stimme, nicht den Sound, nicht die Emotionen, die diese Band verkörpert. Und so zeigte sich am Ende auch das Publikum dankbar und war glücklich, diesen Abend miterlebt zu haben.

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The Best Of 2016 Vol.: 02

The Best Of 2016 Vol. 02

The Best Of 2016 Vol. 02

01. Postiljonen – How Can Our Love Be Blind

02. Talisco – The Keys

03. Rah Rah – Chip Off The Heart

04. Poliça – Wedding

05. Era Istrefi – Bonbon Up

06. Cage The Elephant – Mess Around

07. FINS – Stay On Top

08. Santigold – Chasing Shadows

09. Rationale – Something For Nothing

10. AnnenMayKantereit – Pocahontas

11. FMLYBND – Hearts On Fire

12. Sapphire Road – Time Stood Still

13. Younotus feat. Anna Naklab – Hush

14. Pixie Paris – Es Rappelt Im Karton

15. Wolf Alice – Bros

16. Riton feat. Kah-I – Rinse & Repeat

17. The Last Shadow Puppets – Bad Habits

18. Of Monsters And Man – Wolves Without Teeth

19. Kaparta feat. Sally Rose – Seven Nation Army

20. Balthazar – Bunker

21. The Lumineers – Ophelia

22. Line 8 – Midnight

Poliça – zurück mit politischem Aufruf

Poliça - United Crushers

Poliça – United Crushers

Drei Jahre haben sich Poliça Zeit genommen, um ihr drittes Album ‚United Crushers‘ fertigzustellen, das am 4. März schließlich rauskommt. Doch schon jetzt sorgen Poliça mit der Vorabsingle ‚Wedding‘ für Furore. Thematisiert und kritisiert ‚Wedding‘ doch die anhaltende Gewalt der amerikanischen Polizei gegenüber farbigen Amerikanern. Dass dieses Thema für sogenannte weiße Künstler schwer ist zu thematisieren ist, hatte zuletzt erst Macklemore angesprochen. Doch Poliça nahmen einen gänzlich anderen Weg, um diese Problematik weiterhin präsent zu halten. So haben sie im Video zu ‚Wedding‘ kurzerhand eine fiktive Sesamstraßen-Folge nachgestellt, in der es um den Buchstaben P geht. So folgen auf Ausschnitten von Polizeieinsätzen immer wieder Buchstabenreihen wie ‚P is for People‘ oder ‚P is for Peace‘. Dazu laufen farbige Kinder immer wieder durch eine fiktive Tatortszene.
‚Wedding‘ ist darüber hinaus zwar ein typischer Poliça Track, doch klingt er kräftiger und singt Channy Leaneagh hier mit deutlich mehr Nachdruck. Ob sich durch ‚United Crushers‘ ein komplett politischer Faden zieht werden wir in vier Wochen erfahren. Bis dahin wird ‚Wedding‘ wohl auf Repeat gestellt.

Poliça - Wedding

Poliça – Wedding