Birdy - Open Your Heart

Birdy – Die große Rückkehr zum Klavier

Eine Stimme und ein Klavier reichten 2011 aus, um das immense Talent einer britischen Sängerin in die Welt zu tragen. Mit Coversongs von Phoenix, The XX, Bon Iver oder Cherry Ghost hatte sie eine emotionale Power in die Songs gebracht, die in den Originalen immer nur situativ erlebbar waren. Auch wenn die Originale heute allesamt zu den großen Klassikern zählen, hat vor allem Birdys Interpretation mit dem Klavier dafür gesorgt, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Auch heute, neun Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Birdy, haben die Songs nichts an ihrer Wirkung verloren. Bemerkenswert an Birdy war die großartige Auswahl an herausragenden Künstlern, deren Songs die damals 14-jährige Sängerin coverte und damit einen erstaunlichen Musikgeschmack bewies. 2013 folgte mit Fire Within ihr zweites Album, ehe 2016 mit Beautiful Lies ihr bislang letztes Album erschien. Mit Songs, wie Not About Angels (2014), Keeping Your Head Up oder der Zusammenarbeit mit Sigma auf Find Me (beide 2016) konnte sie schließlich immer wieder aufs Neue begeistern. Nach fünf Jahren als absoluter Überflieger brauchte die damals gerade 20 gewordene Britin 2016 eine Pause und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seitdem schreibt sie an neuen Songs und hat weit mehr Songskizzen angefertigt, als auf ein Album passen würden. Da der Britin die Songs allerdings wichtig sind, fand sie einen Weg, so viele, wie möglich, zu veröffentlichen. So kommt – bevor 2021 ein neues Album von der Sängerin erscheinen wird – Anfang November die EP Piano Sketches auf den Markt, von der nun eine erste Single ausgekoppelt wurde.

Birdy - Piano Sketches

Birdy – Piano Sketches

Nachdem sich Birdy auf dem zweiten und dritten Album vielen neuen Elementen öffnete und auch mal schneller und poppiger klang, findet sie auf Open Your Heart wieder zurück zu ihrem Klaviersound der Anfangszeit. Hierbei wird – gleich beim Ertönen des ersten Klavieranschlages – klar, dass die Sängerin diese große Gabe, Gefühle so natürlich und direkt zu transportieren, immer noch besitzt und so authentisch und sanft klingt, wie auf ihren Coverversionen vor fast zehn Jahren. Birdy selbst sagt über die Musik ihrer neuen EP – Ich habe eine Menge Musik geschrieben, auf die ich so stolz bin, die aber womöglich normalerweise nicht das Licht der Welt erblicken würde – ich werde diese reduzierten Tracks über die kommenden Monate vor dem Album veröffentlichen. Zusammen geschrieben und aufgenommen hat sie den Song in Los Angeles mit Rick Nowles – der unter anderem an The Power Of Good-Bye für Madonna, White Flag für Dido oder Loud Places für Jamie XX mitgeschrieben hat. Hier ist es Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerdes – wie Birdy bürgerlich heisst – Wunsch, diese Songs einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit der EP Piano Sketches kommt sie ihrem eigenen Wunsch nach und präsentiert uns eine erwachsene Sängerin, die mit ihrer klaren Stimme, zehn Jahren nach ihrem großen Durchbruch noch immer direkt ins Herz geht.

Alfie Templeman - Happiness In Liquid Form

Alfie Templeman – Senkrechtstarter im Dienste der Ablenkung

Mit gerade einmal 17 Jahren bereits drei EPs veröffentlicht zu haben, kannte man bisher annerkennend nur von der US-Amerikanischen Sängerin Billie Eilish. Doch mit Alfie Templeman aus Großbritannien gibt es nun ein britisches Pendant zur US-Amerikanischen Überfliegerin. Wie Eilish steht auch Templeman gerade – vom NME, über die BBC, bis hin zur Vogue und Apple Music – auf allen To-Watch Listen, die es gibt und zeigt mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, dass er nichts Geringeres möchte, als groß rauskommen. Gerade erst den Schulabschluss gemacht, hat Templeman nun einen ganz besonderen Song veröffentlicht. Happiness In Liquid Form wurde von ihm und dem The Vaccines Frontmann Justin Young produziert, mit dem er bereits vorher zusammengearbeitet hat – dabei herausgekommen ist ein Song, der ganz bewusst so unbeschwert durch die aktuell schwere Zeit führen soll, dass wir für einen Moment das ganze Social Distancing vergessen können und uns locker und froh an einen Strand oder Baggersee verorten wollen. Mit einem verspielten Sound und dem enorm ins Ohr gehenden Refrain beweist Alfie Templeman sowohl, dass er ein talentierter Songwriter ist, als auch ein sehr gutes Gespür für Sounds hat – was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass Templeman bereits mit 7 Jahren angefangen hat Schlagzeug zu spielen und bis er 13 Jahre alt war auch das Gitarre und Bass spielen, sowie das Producing erlernt hat. Mit diesem Feel-Good-Song im Gepäck macht sich Alfie Templeman nun auf, alle zu begeistern und nach ganz oben zu kommen.

Hayden James & NAATIONS - Nowhere To Go

Hayden James & NAATIONS – Sommersong par excellence

Hayden James hatte sich in den vergangenen zwei Jahren bereits für drei absolute Clubtracks verantwortlich gezeichnet. So wurden die Songs Something About YouJust Friends und Better Together zu absoluten Überfliegern und beherrschten die Clubs weltweit monatelang. Nun hat der Australier endlich mit Between Us sein Debütalbum für den kommenden Freitag angekündigt. Darauf enthalten sind neben den drei Clubhits auch Kollaborationen mit Elderbrook und Panama. Die nun veröffentlichte Single Nowhere To Go hat mit dem Duo NAATIONS die Singer/Songwriterin Nat Dunn, sowie den Produzenten Nicky Routledge dabei und sorgt dafür, dass Nowhere To Go ein weiteres Mal James‘ perfektes Gespür für sommerliche Beats und große elektronische Hooks beweist. Nowhere To Go ist eine satte Sommernummer, die sich im Ohr festsetzt und – wenn überhaupt – erst wieder Ende September aus dem Kopf machen wird.

Crooked Colours – Eine dunkle Liebe zum tanzen

Das australische Trio Crooked Colours lässt gerade alle australischen Herzen höher schlagen – veröffentlichen sie gerade immer wieder Songs, die auf ihrem am 17. Mai erscheinenden, zweiten Album Hold On zu finden sein werden. Dabei klingt die nun veröffentlichte Single – die den Titel des Albums trägt – eingangs wunderbar verträumt, ehe sie sich zu einer satten Synthie-Tanznummer wandelt. Dabei setzen die Jungs aus Perth auf einen Song, der zu mutieren scheint, denn schlußendlich wirkt Hold On ab dem zweiten Teil des Songs eher dunkel und fast schon mystisch. In Australien bereits absolute Überflieger, mussten Crooked Colours zu ihrem ursprünglichen Konzert in Melbourne bereits einen Zusatztermin planen, um so vielen wie möglich, die Chance zu geben, sie einmal live zu sehen. Nachdem die Jungs um Frontsänger Philip Slabber ihr Heimatland bereits im Sturm erobert haben, wird mit Hold On nun der Rest der Welt angepeilt.

Melt Festival 2014

3 Tage. 16 Künstler. 35°C. MELT! 2014 Tag 1

Es hätte nicht passender laufen können – heißt doch das Wort melt, übersetzt – schmelzen. Und so kam es dann auch. Doch nicht alleine das Wetter war ausschlaggebender Grund um dahinzuschmelzen, sondern vielmehr waren es die zahllosen Künstler der Indie- und Elektro-Szene die sich die Klinke in die Hand gaben. Was den Besucher erwartete, waren drei Tage erhöter Pulsschlag mit immer wieder kleinen lethargischen Pausen. Kam man zum Überflieger der australischen Musikwelt, Chet Faker, fast zu spät durch die Massen an Neugierigen, wurde man, auf der Hauptbühne angekommen, von seichten elektronischen Beats abgeholt und setzte sich erstmal nieder. Die drei Schwestern von Haim hatten den Slot direkt nach Chet Faker und waren 2013 die Band der Stunde. So ging man mit einer gewissen Erwartung in Richtung Bühne weiter vor um sich diese Schwestern einmal genauer zu Gemüte zu ziehen. Doch nach nicht ganz einer Stunde und Hits wie Forever, The WireFalling und Don’t Save Me blieb die eingangs hochgesteckte Erwartung auf der Strecke. Schafften sie es doch nur bedingt das Publikum abzuholen und spielten viel zu oft für sich selbst. Das man dadurch nur schwer eine Masse von ca. 6.000 Zuhörern mitreißt ist selbstredend. Einzig hervorzuheben ist ausgerechnet keiner ihrer eigenen Songs. So war die Coverversion von Beyoncé’s XOXO eine frische und stilsicher auf das Haim’sche Schema übertragene Popnummer bei der das Publikum textsicher mitsang. So blieb bei Haim der fade Beigeschmack, dass man bei manchen Bands einfach nur deren hochwertig produzierte Alben genießen sollte und auf eine Live-Darbietung verzichten kann.

In dem von dem Musikmagazin Intro aufgebauten Zelt traten Freitagabend ab 22 Uhr die Österreicher Bilderbuch und der Hamburger Thees Uhlmann auf – ist doch das Zelt bekannt als Bühne von beliebten Independent-Künstlen. So haben die aus Wien kommenden Jungs von Bilderbuch mit ihrem Indie-Pop das Zelt so außergewöhnlich beflügelt, dass man meinen sollte, sie werden in den nächsten Jahren nur noch für große Bühnen gebucht. Thees Uhlmann hatte somit im Anschluß leichtes Spiel und holte das Publikum dort ab, wo es Bilderbuch abgesetzt hat. Und so waren Songs wie Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluß Hinauf und Das Mädchen Von Kasse 2 nur die bekanntesten Songs des Abends. Was Uhlmanns Auftritt bereichert hat, war die langjährige Erfahrung mit Auftritten von Tomte. Denn ist er doch kein geringerer als ein Profi in diesem Gefielde. So witzelte er zwischendurch sogar, dass er wohl der älteste Künstler des ganzen Festivals sei und stimmte mit der Frage wer noch in seinem Alter sei den Song Am 7. März an.

Zurück auf der Hauptbühne wartete der größte Act des Abends auf seine Performance. Die beiden Norweger von Röyksopp haben sich für eine EP die schwedische Künstlerin Robyn mit ins Boot geholt und ein paar Songs für der Zukunft geschaffen. War doch der Auftritt zunächst Röyksopps künstlerischem Schaffen gewidmet, konnte man Meisterwerke wie Eple, What Else Is There und Poor Leno genießen. Schließlich kam Robyn dazu um einige ihrer größten Hits zu präsentieren und dann schlußendlich Song von der gemeinsamen EP Do It Again darzubieten. Die Energie die diese beiden Acts dabei freisetzen konnten, war über die gesamte Fläche der Hauptbühne zu spüren und schaffte es unter den Besuchern eine gewisse Euphorie zu wecken, die es Röyksopp und Robyn möglich machten, von Lied zu Lied immer weiter zusammen zu wachsen.

Im Anschluß fand man sich im Intro Zelt bei der DJ-Perfomance vom Berliner Kid Simius wieder, der durch seine Experimentierfreudigkeit und einer Fröhlichkeit durchs Konzert führte, dass es keinen ruhig da stehen liess. Natürlich waren hier Wet Sounds und Hola Chica schlußendlich ausschlaggebend für das ekstatisch feiern der Menge. Und so kam es gleich hinten dran zum live DJing eine weiteren großen Nummer der Szene. Denn kein geringerer als Fritz Kalkbrenner stand auf der Hauptbühne hinter den Plattentellern und sorgte mit Songs seiner beiden Alben dafür, dass die nunmehr mit 10.000 Festivalgängern gefüllte Bühne in die Nacht feierte. Und auch hier, wie schon auf dem Berlin Festival 2013, war der krönende Abschluss Sky and Sand aus dem Film Berlin Calling. Die Stimmung, die dieser Song auch sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung bei Partygängern verursacht, lässt so Manchen Gänsehaut bekommen.

Mit diesem Gefühl ging der erste Festivaltag zu Ende und man kam erschöpft aber voller Vorfreude bei Sonnenaufgang in seinem Zelt an und fiel zu Boden.

Lies morgen hier wie es am Samstag, dem standesgemäß vollsten Tag, mit FM Belfast, Milky Chance, William Fitzsimmons und Anderen durch die Nacht ging.