Wallis Bird - As The River Flows

Wallis Bird – Haut um und berührt

Dieses Bild ging um die Welt. Als der kleine syrische Junge Alan Kurdi 2015 tot an den türkischen Strand gespült wurde und das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer ein erstes tragisches Gesicht in die Welt sandte. Die irische Sängerin Wallis Bird hat sich dieser Geschichte angenommen und einen Song geschrieben, der von ihrer Wut, Hilflosigkeit und Betroffenheit geprägt ist. Mit As The River Flows ist Bird in eine Richtung gegangen, die sie bereits in der Vergangenheit konsequent leitete. Sie spricht aus, was viele zu verdrängen versuchen. Bird macht aufmerksam und möchte Menschen aufwecken. Dass Bird mit ihrer Stimme wandelbar ist, zeigt auch die Single Change, die 2016 veröffentlicht wurde. Mit ihr weckte sie Emotionen und lud zum Träumen ein. Auf As The River Flows wiederum klingt Bird eingangs keltisch und wird nur spärlich von Instrumenten begleitet – ehe die Dramatik aus ihr herausbricht und mit den Worten What are you scared of, Aren’t you brave enough To pave a basic decency for human kind? ganz klar mahnt. Wallis Bird verpackt auf As The River Flows das Thema, welches auch heute – vier Jahre nach dessen Beginn – immer noch die Schlagzeilen beherrscht und hat damit eine dramatisch klingende Soundkulisse geschaffen, die nachhallt.

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Tash Sultana – Stripped down

Tash Sultana ist ein Phänomen. Mit ihren Songs berührt sie rund um den Globus Fans und sorgt für ausverkaufte Hallen – lange bevor sie überhaupt einen Plattenvertrag unterschrieben hatte. Nun hat Sultana mit Harvest Love einen ganz untypischen Song veröffentlicht, der sie ohne Looping-Machine zeigt und auf dem sie vollkommen akustisch auf ihrer Gitarre spielt und dabei ganz intim aber unglaublich kräftig Zeilen wie Put your love in the sand as it makes no demands I believe singt. Mit ihrer starken Stimme, ihrer Spielwut auf der Gitarre und dem Hang zum tragischen klingt Sultana so großartig und fast schon legendär, dass man vermuten möchte, sie sei bereits ein alter Hase. Der Weg für ihren Durchbruch ist geebnet – nun fehlt nur noch das, in knapp zwei Monaten erscheinende Debütalbum.

Schwarz – Singer/Songwriter im Housebett

Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte Roland Meyer de Voltaire, alias Schwarz, mit Home für neugieriges Aufhorchen gesorgt – war der melancholische Gesang Schwarz‘ und der moderne Beat doch eine ungewohnte Mischung. Diese wiederholt Schwarz nun abermals mit dem neuen Song In Your Eyes, bei dem er auf einer weichen und verletzlichen Stimme, die von herben Housebeats getragen wird, setzt. Hierbei fungiert der Beat wie eine tickende Uhr, welche die Dringlichkeit in Voltaires Stimme betont. In der zweiten Hälfte des Songs wird schließlich, mit zackigen Geigen eine Klangkulisse erzeugt, die fast schon tragisch wirkt und mit einem Kinderchor zu einem epischen Finale führt. In Your Eyes ist voller Gefühl, tanzbarer Musik und hat perfekt aufeinander abgestimmte Elemente die von Schwarz genau das richtige Gefühl bekommen – drückend, melancholisch, stark und emotional zu sein.

Ex Makina – es fegt dich weg!

Der Song ist wie eine Droge – man hört ihn sich an, ist fasziniert von seiner Wirkung und gleichwohl sucht man Abstand, um der Wirkung nicht ganz zu verfallen. Genau so klingt Breath des britischen Duos Ex Makina. Dieses besteht aus dem Ehepaar Iain and Rebecca Campbell, welches mit ihrem bahnbrechenden Soundmix aus verstörenden Elektro, gepaart mit Violinen und Streichern und Rebeccas hoher Stimme ein Klanggerüst aufbaut, dass Dich packt und betroffen wieder ausspuckt. Breath ist eine Oper mit tragischem Ausgang. Hier wird der Spannungsbogen ins unermessliche gezogen und lässt den Song nur zögerlich auslaufen. Breath ist auf der EP Anima enthalten, die am 19. Juli veröffentlicht wurde. Dabei ist der Titel der EP an die Begriffe des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung angelehnt, der Animus und Anima von sich aus günstige und ungünstige, helle und dunkle, gute und böse Wirkungen entfalten lässt. Hier setzt Breath an und schafft genau diesen Spagat der Gegensätze so imposant, dass die Droge Wirkung zeigt. Ebenso erinnert Ex Makina auch an exzentrische Songs von Florence & the Machine, Imogen Heap oder Bat For Lashes. Und wir drücken immer wieder Repeat…

The Slow Show – Eine Stimme geht unter die Haut

The Slow Show - Ordinary Lives

The Slow Show – Ordinary Lives

Es gibt Stimmen, die gehen sofort unter die Haut. Sie erzeugen ein kribbeln und schließlich Gänsehaut. Von der britischen Band The Slow Show gibt es nicht ein einziges Lied, bei dem sich die Gänsehaut nicht aufbäumt. Vor allem bei Songs wie Bloodline oder Dresden packt uns unweigerlich das Gefühl der Verletzlichkeit, Melancholie und Einsamkeit. Sich durch die Songs von The Slow Show zu hören ist, wie einer tragischen Geschichte zu lauschen die voll von Liebe, Emotionen, Kraft und Mut ist. Diese Band, die so viel erzeugt, fügt ihrer Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Mit Ordinary Lives sind die fünf Jungs, die aus Manchester kommen, zurück. Dabei haben sie sich musikalisch etwas geöffnet. Mit Ordinary Lives klingen The Slow Show nun nicht mehr nur nach der Verletzbarkeit die das Debütalbum ausmachte. Auf Ordinary Lives klingen sie nach Aufbruch und dem Mut, etwas Neues zu beginnen. Rob Goodwin, singt sich hier mit seiner Bariton-Stimme durch 4 Minuten voll mit Streichern, Gitarren und Schlagzeug. Opulent bleiben The Slow Show auch auf dem neuesten Song, doch entlockt Ordinary Lives dem Hörer nun ein zaghaftes Lächeln. Dies alles passiert unterbewusst und löst Gefühle aus, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie herzzerreißende Momente oder aufkommende Freude bedeuten. Goodwin hatte mal einen Satz, als Beschreibung des The Slow Show Sounds gesagt, der die Wirkung ihrer Songs nicht besser beschreiben könnte. Stille ist das lauteste Geräusch, das Musik haben kann. Sowohl auf einem Album als auch bei einem Konzert erzeugt Stille Spannung wie auch Unbehagen und ist deshalb so kraftvoll. Und auch wenn auf Ordinary Lives keine Stille existiert, trifft dieser Satz einmal mehr auch hier zu.