Danny Vera - The Weight

Danny Vera – Möchte nicht auf Ewig der Balladenjunge bleiben

Es ist eine spannende Zeit für den niederländischen Musiker Danny Vera. Noch Anfang des Jahres hatte er in seiner Heimat mit Roller Coaster für einen enormen Hit gesorgt. Völlig aus dem Nichts schaffte es Roller Coaster landesweit in die Radios und wurde zur erfolgreichsten Veröffentlichung des Sängers – und das in seinem 20. Jahr als Musiker. Fing er 1999 als Teil der Band Till Dawn an, Musik zu machen, veröffentlichte Vera 2003 mit For The Light In Your Eyes sein erstes Soloalbum. Mit dem, zu einem Doppelalbum zusammengefassten Alben Pressure Makes Diamonds 1 & 2 – The Year of the Snake & Pompadour Hippie – die einzeln sein elftes und zwölftes Album darstellten – hatte er 2018 und 2019 seine aktuellsten Alben veröffentlicht. Nun schwappt Roller Coaster – auch nach Deutschland über, findet hier erste Fans und landet in immer mehr Radioplaylisten der großen Stationen. Unterdessen veröffentlichte Vera gerade in seinem Heimatland mit The Weight eine brandneue Single, die zu seinem 13. Studioalbum The New Now gehören wird. Erscheint dieses Album in seinem Heimatland am 12. November, ist noch nicht ganz klar, ob es zeitgleich auch in Deutschland erhältlich sein wird – ist doch die Promotour zu Roller Coaster aus seinem letzten Album hierzulande gerade erst angelaufen.

Danny Vera
Danny Vera

Die neue Single ist dabei eine kleine Überraschung. Denn während Vera zumeist durch ruhige Songs, wie Balladen, bekannt geworden ist, ist der neue Song deutlich schneller. Mit einem großartigen Gitarrenspiel, weiten Klängen und einem fließenden Übergang zwischen den einzelnen Songblöcken ist The Weight eine Hymne für all diese Menschen, deren Leben sich als Roadtrip anfühlt. Rastlos und betäubt ist The Weight für den Moment der Einsamkeit und großen Gefühle in einem selbst geschrieben. Als Teil des neuen Albums geht es auf The Weight und auf The New Now darum, mit einem Wechselgefühl aus Sicherheit und großen emotionalen Momenten zu leben. So hat Vera zur Veröffentlichung des Songs folgendes gesagt: Es geht darum, dass man denkt Dinge gut verarbeitet zu haben und dann realisiert, dass es doch nicht der Fall ist. Der Tod meiner Eltern wird für mich immer heftig bleiben. Doch irgendwann denkt man: Ich bin darüber hinweggekommen und dann plötzlich trifft einen die Trauer doch wieder mit voller Wucht. Mit diesem Gefühl wird klar, warum The Weight an Geschwindigkeit zugenommen hat und passt plötzlich so perfekt auf den neuen Sound des Niederländers. Schließlich fügt Vera abschließend noch hinzu, dass sich sein Sound aber auch verändert musste, wenn er nicht ewig der Balladenjunge sein möchte. Es ist seine zurückhaltende Sympathie, die den Sänger so ausmacht. Gepaart mit den tiefen und bedeutungsstarken Songs, schafft es der Sänger sofort, Emotionen bei uns zu wecken. Mit diesen Merkmalen wird Vera auch in Deutschland recht bald zu den ganz Großen gehören.

BOY – Konzertkritik

Small Fires - Tempodrom 23.11.2015

Small Fires – Tempodrom 23.11.2015

Lange Schlangen standen vor dem Tempodrom in Berlin. Fünf oder sechs von diesen Warteschlangen reichten bis zum Rasen. Es war kalt, fast schon frostig, als an diesem Abend zwei ganz besondere Frauen zu einem Konzert einluden. Das Duo BOY, bestehend aus der Hamburgerin Sonja Glass und der aus Zürich kommenden Valeska Steiner, wollten ihr zweites Album ‚We Were Here‘ vorstellen und sollten von einem restlos ausverkauften Tempodrom empfangen werden. Was bereits im Vorfeld angekündigt wurde, brachte so auch die Wartenden nicht aus der Ruhe, gab es doch, nach den Ereignissen in Paris, verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. So wurde jeder Besucher einzeln abgetastet und durchsucht. Dies sollte der Stimmung jedoch nicht schaden und so fand sich ein gemischtes Publikum aus knapp 3.700 Menschen zusammen um den Klängen dieses Duos zu lauschen.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Vom Traum dahinzuschweben

Mit einer Seltenheit in der heutigen Konzertlandschaft, wurde mit jeweils einem Gong 10 Minuten, 5 Minuten und zu Beginn darauf hingewiesen, dass die Vorband nun beginnen würde. War man bereits vom Gebäude an ein Theaterzelt erinnert, ließ ein der Gong spätestens vollends dies verspüren.
Mit der Hamburger Band Small Fires hatten sich BOY dann auch eine passende Band als Support eingeladen. War doch die Musik der drei Jungs aufrichtiger Alternative, der sich nicht schämte nach Pop zu klingen und durch seine sphärisch, elektronischen Elemente sofort ins Herz ging. Mit Songs wie ‚Lay A Cloud On Me‘ und ‚Take It On The Chin‘ sorgten sie für eine bassgeladene aber angenehm, heimelige Stimmung. Selbst schnellere Songs wie ‚The Weight‘ und vor allem ‚Set To Glow‘ veränderten sich in ihrem Sound hin zu einer gewaltigen, wabernden Blase, die überwältigend mit der richtig eingesetzten Lichtshow harmonierte. ‚Shuffle The Deck‘ soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, war der Song doch durch den Bass und mit Hilfe eines perfekten Gitarrenspiels fast schon perfekt und wirkt im Tempodrom, als würde man in einem Traum dahinschweben.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Allgemein sollte, dieses Gefühl des verträumten dahinschwebens noch so einige Male an diesem Abend erzeugt werden. Und so ging Punkt 21 Uhr das Licht im Saal aus und Sonja und Valeska betraten die Bühne – unter frenetischem Jubel. Die ersten Töne deuteten ‚We Were Here‘ als Opener des Abends an. Valeska sang zu einem sachten Soundaufbau der sich im Verlaufe des Songs soweit steigern sollte, dass sich sowohl das Nebelhorn als auch das Licht und die Melodie zu einem riesigen Gerüst formten und die gesamte Halle einhüllen sollten. Dies war gleich zu Beginn eine unerwartet große Offenbarung und öffnete so die Herzen des Publikums. Es waren vor allem die ruhigeren, verträumteren Songs, die an diesem Abend wirken. So waren ‚Army‘ und ‚Hotel‘ wahre Seelenstreichler und war ‚Into The Wild‘, als erster Song der ersten Zugabe, der sanfte Wind der das Publikum in Geborgenheit zu hüllen schien. Es war bedächtig, es wurden Feuerzeuge und Handyblitze angemacht und auch wenn das Licht dieser beiden Quellen nicht unterschiedlicher wirken könnte, wurde der Raum in eine Traumwelt, aus funkelnden Punkten, gehüllt.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Sieben kleine Zahlen bewegen 3.700

Zwischendurch wurden immer wieder Uptempo-Nummern wie ‚Drive Darling‘, ‚This Is The Beginning‘, ‚Waitress‘ oder ‚Oh Boy‘ gespielt. Mit ‚Boris‘ sang Valeska dann über eine Erfahrung, die sie mit einem penetranten jungen Mann in einer Züricher Bar machen durfte. So bittersüß kann eine Abrechnung sein. Es folgten Songs wie ‚New York‘ und schließlich ‚Little Numbers‘, das nicht nur das Publikum im Innenraum, sondern auch die Ränge zum tanzen brachte. So bewegte sich der Innenraum wie eine seichte Welle immer wieder auf und ab.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015

Was folgte war eine zweite Zugabe, ehe sich die Band endgültig von der Bühne verabschiedete. Das Tempodrom stand an diesem Abend vor allem für eines, für Glück. Denn genau dieses Gefühl war durchgehend in jeder Minute zu verspüren – beim Publikum gleichermaßen wie bei den beiden von BOY. Und so wurde auch die Bedeutung des Satzes „Es sei nicht leicht in der aktuellen Zeit glückliche Musik zu machen“ vom Publikum honoriert und mit Applaus bestätigt. Denn das ist es, was man von Valeska Steiner und Sonja Glass geboten bekam, das Gefühl sich für anderthalb Stunden fernab der heutigen Zeit geborgen und glücklich zu fühlen. Und so werden viele, nach diesem Konzert, das Tempodrom mit einem Gefühl verlassen haben, das es heißt, so lange wie möglich zu bewahren. Vielleicht wird es dem ein oder anderen auf dem Nachhauseweg ganz ähnlich der Textzeile gegangen sein; „There’s something big about to start, for the dreamer […] no sleep, no sleep for the dreamer“, es wäre die Schuld der Band, mit dieser sie wahrlich gerne leben könnten.

BOY - Tempodrom 23.11.2015

BOY – Tempodrom 23.11.2015