Freyr - Avalon

Freyr – Musik, ganz unabhängig von Genres

Es ist ein treibender Takt, der gleich zu Beginn des neuen Songs von Freyr Flodgren einsetzt. Ein Takt, der sich vertraut anfühlt, der nicht in Hektik ausbricht und doch so viele Schichten aufweist. Avalon ist der Soundtrack einer Nacht, in der wir durch die dunklen, verlassenen Straßen einer Großstadt ziehen. Gleichzeit gibt es irgendwo auf dem Land einen Menschen, der entlang der leeren Landstraßen am Wegesrand für einen Moment verweilt und die kalte, feuchte Luft des Herbstes einatmet. Im Kopf – immer dieser Takt, der uns runterholt, einen Moment inne halten und sich auf uns selbst konzentrieren lässt. In diesen Momenten sehen wir das gebrochene Herz in uns, das – vor Liebe – berstende Herz, die Freude und die Wehmut, die Einsamkeit, sowie die Geborgenheit. Es ist ein Song, der die tiefsten Gefühle in uns weckt und sich dafür noch nicht einmal anstrengen muss. Freyr hat diesen Song aus den Eindrücken eines einjährigen Aufenthaltes in Vancouver geschrieben. Doch nicht nur die Tempel in der kanadischen Stadt waren die Inspiration zu Avalon. Textlich verarbeitet Freyr hier die Erlebnisse einer Reise an die Mittelmeerküste Südfrankreichs.

Freyr
Freyr

Mit Eindrücken und Emotionen dieser beiden Orte und dem tiefen Gefühl, das Freyr in sich trägt, hat der isländisch/schwedische Singer/Songwriter einen Song geschrieben, der sich tief in unsere Seele vorarbeitet. Aus reinen Gefühlen hört man Avalon heraus, dass die Emotionen gelebt wurden. Freyr selbst hat dabei bereits eine bewegte Zeit hinter sich – wie Ihr im Beitrag zu Neighbour Boy erfahren konntet. Während erst im Sommer dieses Jahres seine EP Sorry erschienen ist, kündigte der Musiker mit Avalon nun eine Veröffentlichungsreihe an, die – laut eines Posts auf seiner WordPress-Seite – in einer neuen EP münden sollte. Doch nur wenige Tage später veröffentlichte Freyr auf Facebook die Info, dass es ein Album geben wird. Mit der gesammelten Hoffnung auf einen Longplayer in dieser Stimmung, steht Freyr bereits jetzt auf einer Stufe mit Ben Howard, Damien Rice und José González und dürfte damit unsere Sehnsucht nach seinem tiefen Sound in Form eines Albums stillen.

Woodkid - Goliath

Woodkid – Die musikalische Sprache der Dystopie

Unter dem Pseudonym Woodkid hat der französische Singer/Songwriter, Musikvideo-Regisseur und Grafikdesigner Yoann Lemoine mit seiner 2013er Debüt-EP Iron für einen Aufschrei gesorgt. Denn war der Franzose zum damaligen Zeitpunkt vor allem als Regisseur für Musikvideos von Katy Perry (Teenage Dream) Lana Del Rey (Born To Die) verantwortlich, brachte er damit auch in sein musikalisches Projekt Woodkid eine visuelle Ästhetik, die in der Folge alles hinter sich lassen sollte. Das Debütalbum The Golden Age schaffte es dann 2013 bis in die Top 10 in Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz und verkaufte sich knapp 300.000 Mal weltweit. Überzeugend war vor allem der futuristische Sound, den man durch all seine Songs hören konnte. Die elektronischen Beats, die irgendwo zwischen Utopie, Dystopie und Science-Fiction pendeln, die charakteristische Klangfarbe seiner Stimme und die epischen Sounds lassen Woodkid zu einem Künstler werden, der über alles steht und gleichzeitig kein Massenphänomen ist. Denn im Mainstream ist der Künstler – trotz des massiven Einsatzes von Run Boy Run in Werbefilmen – weiterhin eher unbeschrieben. Nach sieben Jahren der Stille – in der Woodkid lange Zeit keine Hoffnung auf neues Material machte – hat der 37-jährige Sänger aus Tassin-la-Demi-Lune bei Lyon nun mit Goliath einen ersten neuen Song – fernab von Soundtracks – veröffentlicht und setzt dort an, wo er 2013 mit The Golden Age aufhörte. Mit einem episch ausufernden Sound und einem Musikvideo, das Bilder aus einem Tagebau zeigt, wirkt das Zusammenspiel, wie ein dunkler Sci-Fi-Actionfilm, der sich mystisch auf die Suche nach Goliath macht. Gleichzeitig erklingt Woodkids tiefe, heißere Stimme und sorgt gleichermaßen für ein effektreiches und beklemmendes Gefühl. Goliath könnte die perfekte Untermalung für Endzeitserien und -filme à la DarkRain oder I Am Legend sein, greift dabei Furcht, Wucht und Macht auf und zeigt, wie sehr Woodkid den kinematografischen Sound beherrscht.

Boulevard Des Airs & Vianney - Allez Reste

Boulevard Des Airs & Vianney – Legen eine Pause ein

Was für eine Manpower – die achtköpfige französische Band Boulevard Des Airs hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an ihrem Ruhm gearbeitet. In Südfrankreich 2004 gegründet, hatten sie mit ihrem 2015er Album Bruxelles erstmals die Top 10 erreicht. Mit ihrem Album Je me dis que toi aussi, das im Sommer letzten Jahres erschien, schafften sie das 2015er-Album sogar noch zu toppen und landeten auf Platz 4 der französischen und erstmals auch in den in den Top-10 der belgisch-wallonischen Albumcharts. Ein Song daraus verdreht gerade ganz Frankreich den Kopf und dürfte gute Chancen haben, auch in Deutschland ganz groß rauszukommen. Mit Allez Reste vermischen Boulevard Des Aires Folk, Pop und EDM-Beats zu einem sommerlichen Sound, der so charmant und treibend ist, dass wir uns glatt an einem heissen Sommertag im Cabrio durch die Provence fahren sehen. Dabei holen sich Boulevard Des Airs mit Vianney einen der aktuell angesagtesten Singer/Songwriter des Landes mit ins Boot und bespielen den Song mit einem fröhlich, lockeren Musikvideo. Mit dem Songtitel haben die Franzosen dann auch gleich einmal für ein Paradoxon gesorgt, bedeutet Allez Reste doch übersetzt so viel wie, geh dich ausruhen. Doch davon kann im Moment bei Boulevard Des Airs überhaupt keine Rede sein. Allez Reste lehnt sich an Songs von Ofenbach an und bleibt dennoch originell und neu und hat schon jetzt einen enormen Suchtfaktor.