The Slow Show – Ein komplettes Leben in einer Stimme

Mit den beiden Alben White Water (2015) und Dream Darling (2016) legten die Briten von The Slow Show innerhalb von wenigen Monaten zwei so atemberaubende Alben vor, wie es so nur wenige andere Bands geschafft haben. Rob Goodwins Stimme war es vor vier Jahren, die für Begeisterungsstürme sorgte – hat sie mit der Tiefe und ihrem enormen Bass eine Wirkung, wie ein alter Geschichtenerzähler. Dabei setzt Goodwin seine Stimme so passend in die Arrangements der Band ein, dass es schließlich in den meisten The Slow Show Songs – wie Ordinary Lives oder Bloodline – zu einem wahren Ausbruch kommt. Einem Ausbruch der Instrumentierung, des Arrangements, der Emotionen, Goodwins Stimme und einem Gefühl, das unendliches Leid mit Aufbruch und Mut verbindet. Nun sind The Slow Show nach drei Jahren der Stille mit einem ersten neuen Song zurück und rufen damit alte Gefühle hervor. Denn auf Sharp Scratch greifen Rob Goodwin, Fred Kindt, Joel Byrne-McCullough, James Longden und Chris Hough zu den gewohnt opulenten Arrangements und zeichnen ein warmes Bett aus Instrumenten welches in unseren Köpfen Bilder erzeugt, die getrieben von Erinnerungen sind und abermals vor Emotionen zu explodieren scheinen. Dabei klingt Goodwins Stimme anfangs noch erzählerisch zu den Instrumenten, die schließlich wie ein mahnendes Gewitter ausbrechen um kurz darauf in sich zusammenzufallen und schließlich in einem versöhnenden Traum zu münden, den Goodwin mit seiner starken Stimme auffängt. The Slow Show singen nicht einfach nur Geschichten, sie machen sie durch ihre Musik erlebbar und lassen uns mitfühlen. Auch erleben können wir die Jungs bei einem ihrer vier Konzerte in Berlin, Amsterdam, Antwerpen oder London Mitte April. Doch die Konzerthäuser sind klein, also müsst Ihr schnell sein!

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James Morrison feat. Joss Stone – Zwei britische Stars sind zurück

Es liesst sich, wie eine Erfolgsgeschichte – waren Joss Stone und James Morrison doch in den 2000ern zwei der erfolgreichsten britischen Künstler. Hat Stone mit ihren Alben The Soul SessionsMind Body & SoulIntroducing Joss Stone und  Colour Me Free! knapp 9 Millionen Platten verkauft, fanden auch so renommierten Preisen wie ein Grammy und zwei BRIT Awards den Weg in Stones heimisches Regal. Morrison, der erst seit Mitte der 2000er Musik veröffentlichte, kann auf 4,5 Millionen Alben in dieser Dekade zurückblicken und ist ebenfalls Preisträger eines BRIT Awards. Liegt die letzte Albumveröffentlichung bei beiden Künstlern nun schon vier Jahre zurück, konnten sie zuletzt nicht mehr an den Erfolg ihrer Glanzzeiten herankommen. So gehen Beide nun für James Morrisons neue Platte You’re Stronger Than You Know ein Duett ein und veröffentlichen mit My Love Goes On eine soulvolle Popnummer, die von Energie nur so strotzt. Dabei gehen Morrison und Stone ein Studio-Battle ein, welches beide – starken und markanten – Stimmen verschmelzen lässt. Morrison und Stone haben es seit jeher verstanden, Musik zu machen, die ein breites Spektrum an Menschen anspricht und zeigen auf My Love Goes On einmal mehr, wie universal Pop wirken kann.

Sam Fender – Erschreckend sachlich und doch voller Gefühl

Bereits mit Start Again hatte der junge britische Sänger Sam Fender aufhorchen lassen. Lässt er mit seiner starken Stimme und einem intensiven Gitarrensound eine Welt entstehen, die so zerbrechlich ist, obwohl sie stark sein soll. Auf seiner neuesten Single Dead Boys thematisiert er diesen Zwiespalt unlängst noch drastischer. Hierbei greift Fender das Tabuthema des sensiblen Mannes auf, der in der heutigen Gesellschaft kaum Beachtung findet, geschweige denn Hilfe erhält. Kündigte Fender Dead Boys mit dem Satz On average, 84 men take their own lives in the UK every week an, wird schnell klar, dass der Song keine leichte Kost ist. Hierbei singt sich Fender in emotionale Rage und mündet in einem aufwühlenden Refrain mit den Worten We close our eyes, learn our pain, nobody ever could explain, all the dead boys in our hometown. Auf Dead Boys schafft Fender künstlerisch und musikalisch den Spagat zwischen einem hochsensiblen Thema und der Kreation eines vollen, musikalischen Kunstwerks.

The Slow Show – Eine Stimme geht unter die Haut

The Slow Show - Ordinary Lives

The Slow Show – Ordinary Lives

Es gibt Stimmen, die gehen sofort unter die Haut. Sie erzeugen ein kribbeln und schließlich Gänsehaut. Von der britischen Band The Slow Show gibt es nicht ein einziges Lied, bei dem sich die Gänsehaut nicht aufbäumt. Vor allem bei Songs wie Bloodline oder Dresden packt uns unweigerlich das Gefühl der Verletzlichkeit, Melancholie und Einsamkeit. Sich durch die Songs von The Slow Show zu hören ist, wie einer tragischen Geschichte zu lauschen die voll von Liebe, Emotionen, Kraft und Mut ist. Diese Band, die so viel erzeugt, fügt ihrer Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Mit Ordinary Lives sind die fünf Jungs, die aus Manchester kommen, zurück. Dabei haben sie sich musikalisch etwas geöffnet. Mit Ordinary Lives klingen The Slow Show nun nicht mehr nur nach der Verletzbarkeit die das Debütalbum ausmachte. Auf Ordinary Lives klingen sie nach Aufbruch und dem Mut, etwas Neues zu beginnen. Rob Goodwin, singt sich hier mit seiner Bariton-Stimme durch 4 Minuten voll mit Streichern, Gitarren und Schlagzeug. Opulent bleiben The Slow Show auch auf dem neuesten Song, doch entlockt Ordinary Lives dem Hörer nun ein zaghaftes Lächeln. Dies alles passiert unterbewusst und löst Gefühle aus, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie herzzerreißende Momente oder aufkommende Freude bedeuten. Goodwin hatte mal einen Satz, als Beschreibung des The Slow Show Sounds gesagt, der die Wirkung ihrer Songs nicht besser beschreiben könnte. Stille ist das lauteste Geräusch, das Musik haben kann. Sowohl auf einem Album als auch bei einem Konzert erzeugt Stille Spannung wie auch Unbehagen und ist deshalb so kraftvoll. Und auch wenn auf Ordinary Lives keine Stille existiert, trifft dieser Satz einmal mehr auch hier zu.