Fil Bo Riva – Wenn der Lebenslauf den Ton angibt

Es ist eine spannende Biografie. Als Kind einer Deutschen und eines Italieners in Rom geboren und aufgewachsen trieb es Filippo Bonamici – alias Fil Bo Riva – quer durch Europa. So stehen Länder wie Irland, Spanien und Deutschland auf seine Liste. Nach Berlin kam er schließlich durch eine erfolgreich bestandene Aufnahmeprüfung an der UDK für den Studiengang Produktdesign. Vom Freigeist der Stadt inspiriert versuchte sich der Musiker, der bereits mit zehn anfing Gitarre zu spielen, daran, selbst professionell Musik zu machen. Dies gelang ihm so gut, dass er binnen kürzester Zeit durch Europa tourte und als Support von Matt Corby oder den Milky Chance gebucht wurde. Mit dem Produzenten der Mighty Oaks – Robert Stephenson – arbeitete Riva schließlich an seiner Musik. Diese vereint die unterschiedlichsten Einflüsse Europas und zeigt dies besonders auf der ersten Single Go Rilla. Hier zeugt die Stimmung von den Weiten einer italienischen Küstenstraße, die es mit offenem Verdeck zu befahren gilt. Hinzu kommen Klänge von Indie und Folk und besticht der Song gesanglich durch eine soulige Klangfarbe. Riva selbst beschreibt seine Musik als europäischen Folk und Indie-Pop und trifft damit genau ins Schwarze. Go Rilla ist eine Ode an die Unbeschwertheit und dem Lebensgefühl des Vogelfrei im Sinne des ungebunden seins. Am 22. März 2019 erscheint mit Beautiful Sadness Rivas Debütalbum und wird von einer Tour durch die DACH-Region begleitet. Mit Go Rilla öffnen sich allerdings mit Sicherheit auch noch mehr Türen – weit über den deutschsprachigen Raum hinaus

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Chain Wallet – Wandeln zwischen den Welten

Bergen ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Die einen sind bekannter, die anderen nicht und speziell in der Musik hat sich Bergen zu einem verlässlichen Lieferanten von moderner Popmusik gemausert. So betiteln die Norweger selbst diesen Output an Musik als The Bergen Wave. Durch Künstler wie Röyksopp, Kings Of Convenience, Erlend Øye oder Kakkmaddafakka hat sich dieser Titel über die Jahre immer weiter gefestigt und bringt mit Chain Wallet nun eine weitere Band an die Oberfläche. Das norwegische Trio, bestehend aus Stian Iversen, Christian Line und Frode Boris und bringt Anfang 2019 mit No Ritual ihr zweites Studioalbum auf den Markt, das mit euphorischen Dreampop der Extraklasse aufwartet. Ihre gleichnamige erste Single ist dafür das beste Beispiel und zeugt von einer gehörigen Portion 80er-Jahre-Vibe mit ganz viel Pathos und einem schwelgerischen Sounds. So wandeln sie zwischen Pop und Indie und schaffen damit ihre ganz eigen Welt. Ob der Veröffentlichungstermin – der 15. Februar 2019 – mit Absicht um den Valentinstag gelegt wurde, wissen wir nicht, doch lassen Chain Wallets bisher veröffentlichte Songs den Glauben daran durchaus plausibel erscheinen.

Yates – In Berlin gewinnt man an Kompliziertheit

Als Kind hatten wir wohl alle dieses Gefühl, alles machen zu können, ohne darüber nachzudenken, wohin uns dies bringt. So wollten wir Piloten, Tierärzte, Astronauten oder Fussballer werden. Benjamin Jacob Yates aus Australien ging es da nicht anders. Nur wollte er gerne sein Heimatland bei den Olympischen Spielen vertreten. Am Ende ist daraus zwar nichts geworden, doch hat er tatsächlich an den Junioren-Triathlon-Weltmeisterschaften im Jahr 2005 teilgenommen. Anschließend führte ihn dies bis nach Europa, wo er immer wieder Deutschland besuchte. Irgendwann – die sportlichen Ambitionen beiseite gelegt – zog es ihn dauerhaft nach Berlin. Die Musik, mit der er während seiner ersten Besuche in Deutschland in Berührung kam, prägten ihn so sehr, dass ihn in Australien nichts mehr hielt und er der Musik wegen, Berlin wählte. Hier hat ihm die Stadt gefressen und wieder ausgespuckt. Dabei hat er sich über die letzten Jahre ein Netzwerk aufgebaut, um an seiner Musik zu arbeiten. Mit der nun veröffentlichten Single Under A Bridge zeigt Yates, wie er sich als Künstler schlicht nennt, dass er Singer/Songwriting mit dancelastiger Popmusik mischt und daraus einen hypnotisierenden Sound entstehen lässt. Dabei klingt Under A Bridge so berauschend, dass man sich mit Loafers bewaffnet, in eine Kreuzberger Kellerbar beamen möchte, um auf den Tischen zu tanzen.

Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Lange Stille endet

Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Und in der Tat ist es bereits sechs Jahre her, dass Orlando Tobias Edward Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs sein Debütalbum Trouble veröffentlichte. Bereits damals seit Jahren auf Tour gab er unaufhörlich ein Konzert nach dem anderen und steigerte so seine Popularität enorm. Zurecht betitelte TEED damals das Album Trouble – ohne zu ahnen, was sich die kommende Jahre bei ihm einstellen würde. Denn bereits für die Arbeiten am zweiten Album setzte eine massive, kreative Blockade ein. Zeitgleich mit der Unzufriedenheit über die vertraglichen Schwierigkeiten zwischen ihm und den großen Plattenlabels, entschied er sich, erst wieder Musik zu machen, wenn sie auch ihm wieder Spaß machen würde. So zog er in das sonst so Einfluss nehmende London, nur um festzustellen, dass diese Stadt für ihn nichts bereit hielt. Darauf weiter nach Los Angeles gezogen, kamen TEED langsam aber allmählich erste Skizzen in den Kopf. Und so klingt seine erste Single seit vier Jahren dann auch anders, als das, was man bisher von ihm gewohnt war. Ruhig beginnend, ist Leave A Light On erst Ballade, um sich innerhalb der kommenden 4:18 Minuten zu einem wabernden, voluminösen und intensiven Pop-Song zu entwickeln, der einen Hauch von Weltraum versprüht und die 80er Jahre zurückholt. Hier bricht TEED aus der dunklen Vergangenheit der Blockade aus, spielt und singt sich frei und kommt imposanter zurück als wir es uns erhoffen konnten.

Parcels – 70’s-Funk und Disco-Lo-Fi

Sie kommen aus Australien und leben aktuell in Berlin – was bietet sich da besseres an, als Musik zu machen. Dabei kann die 2014 gegründete Band bereits auf bewegende vier Jahre zurückblicken. Hatte alles im kleinen Byron Bay in Australien angefangen, scheint der Ort der Nährboden für Musiker zu sein, kommen doch aus dem nicht einmal 5.000 Einwohnern fassenden Ort die Metalcore-Band Parkway Drive, die Indie-Band The Jezabels und der Komponist Andy Holm. Bei dieser Dichte kennt wohl jeder jeden. Da ist es nur zu verständlich, als Band das Weite zu suchen und sich in einer Stadt einzunisten, in der Musik an oberster Stelle steht. Von Berlin aus äußerst erfolgreich haben Parcels – die aus den fünf Jungs Jules Crommelin, Noah Hill, Louie Swain, Anatole Secret und Patrick Hetherington besteht – bereits drei EP’s veröffentlicht und mit der 2017er Single Overnight sogar Daft Punk, als Produzenten, für sich gewinnen können. Nun sind sie mit der neuen Single Tieduprightnow wieder da und beweisen, dass sie von all dem Rummel nicht genug bekommen können. Dass sie ihre Musik selber als Elektro-Pop bezeichnen, kommt dem gesamten Werk noch nicht einmal annähernd nahe. Denn Tieduprightnow ist eine wunderbare 70’s-Funk-Disco-Lo-Fi-Nummer, die an Daft Punkt erinnert und die Synthies genau an der richtigen Stelle benutzt. Parcels haben mit Tieduprightnow eine passende und sympathische Nummer geschaffen, die wie gemacht für den Sommer ist.

dePresno – Wenn Carrie Mr. Big sucht

Als 2004 die finale Folge der Serie Sex And The City weltweit über die Bildschirme flimmerte, war der Norweger Bjarte De Presno Borthen gerade einmal 8 Jahre alt. Also nicht unbedingt die Inspiration, um einen Song Mr. Big zu nennen. Wenn man allerdings, wie dePresno – so nennt sich der Sänger schlicht – einmal durch die Serie binged, liegt es nahe, sich diese markante Bezeichnung zur Brust zu nehmen. Mit seinem aktuellen Song Mr. Big singt sich der Norweger nun gekonnt, lässig in die Herzen und besticht dabei mit einem markanten Bariton. Auf seiner EP The Last of the Romantics, auf der Mr. Big enthalten ist, verwundert jeder einzelne Song. Denn jeder dieser vier Songs klingt so unterschiedlich, dass man annehmen müsste, es seien vier verschiedene Sänger zu hören. Dieser Einfluss kommt nicht von ungefähr – wohnt dePresno doch in Bergen und damit in der Stadt, aus der auch Kygo, Röyksopp und die Kings Of Convenience kommen. Ebenso, ist er mit Aurora, Sigrid und den Jungs von Kakkmaddafakka befreundet. Somit decken diese Bands alle Genres ab, die dePresno vereint. Mr. Big ist eine flotte, Popnummer, die durch einen flippigen Hip-Hop-Beat bereichert wird und dadurch direkt ins Ohr geht. Dabei kommt Mr. Big perfekt, um auf der Weihnachtsfeier für jede Menge Spaß zu sorgen.

Chopstick & Johnjon – Die Strippenzieher hinterm Berlin-Sound?

Es gibt ihn, jeder kennt mindestens einen Song, viele tanzen gezielt zu ihnen und doch besitzen sie kein offizielles Genre – der Berlin-Sound. Doch nicht zuletzt Künstler wie die Kalkbrenner Brüder, allen voran Fritz Kalkbrenner, Wankelmut oder Alle Farben haben dieses besondere Etwas in ihren Tracks, der so unmissverständlich erklärt Ich bin der Track und ich komme aus Berlin. Die Berliner Elektroszene hat weltweit einen Ruf der für Innovationen und Veränderung steht, wie die Stadt selbst, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr DJ’s, Produzenten und Elektrolabels nach Berlin ziehen. Chopstick & Johnjon sind so ein Produzentenduo. Haben sie sich in Hamburg kennengelernt, ging es bald nach Berlin um hier günstig Leben zu können und den Fokus somit mehr auf der Musik haben zu können. Dass sie sich in Berlin allerdings ein eigenes Label und eine ganze Künstlercommunity ranziehen würden, hätte wohl keiner von Beiden selbst gedacht. Und so kam es dazu, dass sie das Talent von Fritz Kalkbrenner erkannten und maßgeblich am Soundtrack vom Genrehit Berlin Calling beteiligt waren. Nun wollten die Beiden aber nicht mehr länger nur im Hintergrund agieren und haben sich dafür entschieden, ein eigenes Album zu veröffentlichen. Und so kommt es, dass Chopstick & Johnjon den Track Erase These Images als erste Auskopplung auf uns loslassen. Wie sollte es anders sein ist es ein wunderbar entspannter Sound mit leichtem Hintergrundgesang und tiefen Basshighlights – eben ein typischer Berlinsound.