She & Him – Freches Genderspiel

She & Him sind seit jeher für ihren folkigen Countrypop berüchtigt. Dieser klingt immer auch verschmitzt und ist mit einem Hauch von Süffisanz versetzt. Dabei lassen sich Zooey Deschanel und Matthew Ward nie irritieren und bleiben ihrem ganz eigenen Stil treu. Ist ihr letztes, selbst geschriebenes Studioalbum bereits fünf Jahre her, hatten sie mit den Interpretationen auf Classics und dem zweiten Weihnachtsalbum Christmas Party in den letzten Jahren dennoch Material veröffentlicht. Inspiriert durch die Compilation Universal Love, auf der Bob Dylan, Kesha, Kele Okereke, St. Vincent und Benjamin Gibbard große Klassiker uminterpretieren und jeweils immer das Geschlecht des Songs verändern, haben She & Him einen Song geschrieben, den sie nun in zweifacher Ausführung veröffentlicht haben. So gibt es die Versionen She Gives Her Love To Me und He Gives His Love To Me, die – wie auch Universal Love – als Soundtrack für gleichgeschlechtliche Hochzeiten fungieren soll. Mit Gitarren beginnend, hakt sich Deschanel harmonisch in den Song ein und singt in gewohnt herzlicher Manier. Dabei kommt die Atmosphäre eines Aufenthaltes auf einem Südstaaten-Rastplatz auf, bei dem alle friedlich zum Song mitgehen. She & Him schaffen es immer wieder, durch ihren ganz eigenen Stil, als Ausreißer, aus der Popwelt, zu fungieren und sind mit She Gives Her Love To Me/He Gives His Love To Me endlich wieder mit einem selbst produzierten Song zurück.

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David Byrne – Ein Held macht diplomatisch Politik

Die Überschriften sind groß. Er ist zurück, Comeback nach 14 Jahren, Erste Soloplatte seit 2014ließt man heute überall. Dass große Headlines bei niemanden geringeren als David Byrne angebracht sind, steht indes außer Frage. War er von 1977 bis 1991 Sänger der Talking Heads, hat er in dieser Zeit die Popkultur, mit Songs wie Burning Down The House, Once In A Lifetime oder Road To Nowhere geprägt. Hier stand er und seine Band wie nur wenige Andere für das Verschmelzen von den Siebzigern und Achtzigern und hat musikalische Grenzen aufgesprengt. Doch auch nach dem Ende der Talking Heads wurde es um Byrne nicht still. So hat er mit Künstlern wie Philip Glass, X-Press 2, Paul Van Dyk, Arcade Fire oder De La Soul ein wunderbares Potpourri aus den verschiedensten Musikgenres in seiner Diskografie angehäuft. Zwischenzeitlich sogar Alben mit St. Vincent und seinem langjährigen Produzentenfreund Brian Eno veröffentlicht, hat Byrne nun für den 9. März 2018 mit American Utopia ein neues Album angekündigt. Die erste Single daraus, wurde zusammen mit Brian Eno und Sampha produziert. Everybody’s Coming To My House heißt der erste Vorgeschmack des Albums, welches sehr diplomatisch Politik betreibt. Anders, als seine Kollegen von Arcade Fire, Moby oder den Gorillaz, hält sich Byrne mit direkter Kritik gegen bestimmte Personen zurück. Vielmehr fängt er die Stimmung auf den Straßen und stellt die Frage We look around and we ask ourselves—well, does it have to be like this? Is there another way? These songs are about that looking and that asking. Dabei klingt Byrne verspielt, groovig und gleichzeitig kantig. Sein Art-Pop hält die Erinnerung an David Bowie hoch und öffnet sich dem heutigen Pop. David Byrne ist Referenz so vieler, heute höchst erfolgreicher, Künstler. Daher ist ein wenig Superlative bei einer neuen Veröffentlichung des Schottisch-Amerikanischen Sängers durchaus angebracht.