The Best Of 2020 Vol. 16

The Best Of 2020 Vol.: 16

01. Billie Eilish – Therefore I Am (zum Artikel)

02. Nora En Pure feat. Tim Morrison – Come Away (zum Artikel)

03. Julia Stone – Dance (zum Artikel)

04. Jeremias – hdl (zum Artikel)

05. Clueso – Aber Ohne Dich (zum Artikel)

06. Anna Of The North – Believe (zum Artikel)

07. Axel Flóvent – Tonight (zum Artikel)

08. Chet Faker – Low (zum Artikel)

09. Emma McGrath – Mad About You (zum Artikel)

10. Kristofer Åström – In The Daylight (zum Artikel)

11. Hot Chip feat. Jarvis Cocker – Straight To The Morning (zum Artikel)

12. Lastlings & RÜFÜS DU SOL – No Time (RÜFÜS DU SOL Remix) (zum Artikel)

13. Lea Porcelain – Choirs To Heaven (zum Artikel)

14. NEØV – Burnt My Fingers (zum Artikel)

15. Lui Hill – Creatures (zum Artikel)

16. Monolink – Sinner

17. Simen Mitlid – While Heaven Is On Fire

18. Sukie – Sober (zum Artikel)

19. Tia Gostelow feat. Holy Holy – Always (zum Artikel)

20. Sean Christopher – In Circles (zum Artikel)

21. John Summit & Guz – Thin Line (zum Artikel)

Sean Christopher - In Circles

Sean Christopher – Ein Regentropfen voller Emotionen

Der Song beginnt, als würden Regentropfen an die Scheibe prasseln. Einmal aufgekommen, bahnen sie sich ihren Weg, die Scheibe hinab, verbinden sich mit anderen Tropfen und werden dabei immer großer. Draußen schweigt die Stadt. Ob durch den grauen Tag und die zugigen Straßenschluchten oder durch die leere auf der anderen Seite der Scheibe. Der Niederländer Sean Christopher, der mittlerweile in Bristol, im Südwesten Englands, lebt, hat diesen Sommer ein Album veröffentlicht, das den emotionalen Wirbelsturm, mit seinem an die Fensterscheiben prasselnden Regen, durch den wir dieses Jahr alle gegangen sind, in Musik übersetzt hat. Hier bekommt die irritierende, manchmal vor Angst lähmende Verunsicherung einen Sound und erweist sich dennoch als warmes Fangnetz, vor der gefährlichen Strömung. Sean Christopher macht Folk, der die Emotionen genau trifft. Ob von der Pandemie beeinflusst oder nur zufällig aufeinandertreffend, hat der Wahlbrite mit Wander diesen Sommer sein zweites Album veröffentlicht. In Circles war dabei die letzte Singleauskopplung und trifft eine Stimmung, die von einer Unruhe geprägt ist, die gleichzeitig versucht, gebändigt zu werden.

Sean Christopher
Sean Christopher

Mit sanften Gitarren und Drums arbeitet sich der Song durch eine geheimnisvolle Stimmung, die Ruhe ausstrahlt und doch rastlos erscheint. Vom inneren Zwiespalt beinahe zerrissen erklingt Christophers sanfte Stimme und bewegt sich dabei singend so geschmeidig, als würde der Singer/Songwriter auf den Instrumenten surfen. Hört man sich Christophers 2018er Debütalbum Yonder an und vergleicht es mit dem neuen Album, fällt auf, dass sich der Sänger mehr wagt und vor lauterer Musik nicht mehr gänzlich zurückschreckt. Alles im Rahmen des reduzierten Einsatzes von Instrumenten hat sich der Sänger nicht ohne Grund auf einige, wenige Klangelemente konzentriert. Um den Songs auf Wander so, einen größeren Zusammenhang zu ermöglichen, arbeitet er nur mit einer Gitarre und seiner Stimme. Herausgekommen sind elf Songs die den Schmerz, die Liebe, die Einsamkeit, den Wunsch nach Aufbruch oder auch das Gefühl von fehlender Zugehörigkeit widerspiegeln und dabei unglaublich berührend und anmutig sind. Sean Christopher mach Musik für die introvertierten Momente, in denen wir in uns selbst reinhören und in Gedanken versinken wollen. Das Album Wander ist dafür eines der großartigsten des Jahres 2020.