Nathan Ball – Mit Call It Love auf dem Weg zum Debütalbum?

Mittlerweile hat Nathan Ball bereits einige Songs veröffentlicht, die Ihr auch hier auf SOML finden könnt. Neben Echo und Right Place kommen noch die EP’s – wie Beispielsweise die Acoustic EP – eine Zusammenstellung aus vier Songs, die Ball in einem Akustik-Set eingespielt hat – hinzu. Auch konnte man Ball letztes Jahr auf der Flux FM Bühne zur Fête de la Musique in Neukölln live sehen. Doch fehlt immer noch ein Album mit all seinen Songs. Einem kleinen Stück näher kommt er diesem mit der neuen Single Call It Love, die er vor zwei Tagen veröffentlichte. Dabei klingt Ball gewohnt tief und dunkel, hat allerdings auch einen größeren Sound für die neue Single gewählt. Überlässt Ball seinen Fans gerne die Interpretation seiner Songs, gab er zum Entstehungsprozess bisher nur an, dass er den Song zusammen mit seinem Gitarristen und Produzenten Max in seinem Schlafzimmer geschrieben und aufgenommen habe. Er sei seinen Fans langsam allerdings ein Album schuldig fügt er nun gerne hinzu. Ball klingt auf Call It Love größer, ohne einen großen Sound zu kreieren. Mit sanften Gitarren und Balls schwebender Stimme ist Call It Love erneut ein imposantes Zeichen für Balls konsequenten Weg, das Tempo seiner Musik zu bestimmen.

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Girl In Red – Indie-Schlafzimmer-Sound

So direkt und offen, wie die norwegische Sängerin Marie Ulven alias Girl In Red ist, ist wohl selten eine Künstlerin gewesen. Denn trifft man auf die junge Musikerin, wird man regelrecht weggefegt – hat sie doch eine Ausstrahlung, die so stark ist, dass man sich fasziniert irgendwo festhalten möchte, um nicht weggeblasen zu werden. Sie schreibt und produziert fast ausschließlich in ihrem Schlafzimmer und hatte – bei nur 10 Live-Auftritten überhaupt – einen Gig in Frankreich als Support der amerikanischen Sängerin Clairo. Dabei so fasziniert von der Sängerin spricht Ulven in Interviews wie ein Fan von dem Erlebnis, welches sie vollkommen überwältigte – sei sie doch selbst ein riesiger Fan Clairos. Dabei ist die bisher veröffentlichte Musik der 19 Jahre jungen Sängerin so intim, euphorisch und mitreissen und besingt Themen, die Ulven selbst beschäftigen. Sie selbst hat in den letzten Jahren zu sich gefunden und besingt diesen Werdegang in einzelnen Kapiteln auf ihren Liedern. Mit der EP Chapter 1 hatte Ulven bereits zu Beginn des Jahres 2018 ihre erste Veröffentlichung notieren können. Nun arbeitet sie an einer zweiten EP und veröffentlicht mit We Fell In Love In October eine herzzerreißende Indie-Dreampopnummer, auf der sie über die Erlebnisse ihrer ersten Liebe zum selben Geschlecht singt. Einnehmend mit den Textzeilen My girl, my girl, my girl. You will be my girl. ist We Fell In Love In October ein absoluter Ohrwurm, der sich nicht hinter großen Stars verstecken muss. Dass Girl in Red zum Erfolg werden könnte, liegt nicht nur an den fantastischen Songs, sondern auch an der Eigensinnigkeit der Sängerin und, wie sie all dies präsentiert.

Lily Allen – Von der Rotzgöre zum Kritikerliebling

Für Lily Allen waren die letzten Jahre alles andere als leicht. Hatte sie fünf Jahre lang mit einen Stalker zu kämpfen, der sogar, während sie schlief, in ihr Schlafzimmer einstieg, kamen auch noch die beiden Geburten ihrer Kinder hinzu. Darüber hinaus wurde ihr 2014 veröffentlichtes Album Sheezus von allen Seiten kritisiert. Sicherlich nicht die beste Ausgangssituation, um neue Musik zu produzieren. Und doch waren gerade diese Erfahrungen die Quelle ihres nun veröffentlichten Albums No Shame, welches letzte Woche veröffentlicht wurde. Ist es bei vielen Künstlern wohl eine Phrase, trifft die Beschreibung, dass es wohl ihr persönlichstes Album sei, bei No Shame voll und ganz zu. Hier singt sie über Drogenprobleme, den Stalker und andere Tiefschläge aus ihrem Leben. Auf der nun veröffentlichten Single Lost My Mind verarbeitet Allen die gescheiterte Beziehung und anschließende Scheidung von ihrem Ehemann Sam Cooper. Mit einem Gefühl, das man von Allen sonst nur selten zu hören bekommt, singt sie sich durch den absichtlich naiv klingen Song und zeigt damit, dass auch sie in der Situation war, sich so wohl zu fühlen und den Uns-kann-nichts-trennen-Gedanken zu pflegen. Mit dabei sind Vocoder und tropische Klänge. Wobei der Vocoder so zurückhaltend eingesetzt wurde, dass man ihn nur hier und da heraushören kann. Lost My Mind ist eine ungewöhnlich erwachsene Single einer Künstlerin, die eigentlich nicht erwachsen sein möchte und gerade dieser Widerspruch macht sie auf dem Song so authentisch.