Daði Freyr - Think About Things

Daði Freyr – Ein verpasster Sieg?

Es hätte nicht besser laufen können, für den Isländer Daði Freyr und seinem Song Think About Things. Denn mit Diesem wollte er eigentlich am gestrigen 16. Mai am Eurovision Song Contest 2020 teilnehmen. Die Chancen, sich dabei auf einen der vordersten Ränge platzieren zu können, standen – schenkte man den Buchmachern Glauben – gar nicht einmal so schlecht. Doch dann kam der 18. März, an dem der diesjährige Contest aufgrund der Pandemie komplett abgesagt wurde und Daði Freyr nun keine Chance mehr bekam, seinen Song vor mehr als 200 Millionen Zuschauern zu präsentieren. Als Musiker ist der 27-jährige Isländer jedoch bereits seit 2012 aktiv und veröffentlichte mit der Band RetRoBot 2013 das Album Blackout. Kurze Zeit später zog es den Sänger nach Berlin, wo er ein Studium zur Musikproduktion startete, welches er 2017 mit einem Bachelor of Art abschloss. Im selben Jahr trat er in Island mit dem Song Is This Love? am Vorentscheid zum Eurovision Songcontest an und belegte den zweiten Platz. 2019 schaffte er es schließlich mit Think About Things, sein Land international zu vertreten und beweist mit dem Song, dass es in der isländische Musikkultur einfach anders läuft, als auf dem Rest der Welt. Ob Bands wie Sigur Rós, Björk, FM Belfast, Retro Stefson oder Of Monsters And Men – alle haben sie gemein, dass ihre Individualität einen starken Einfluss auf ihre Musik und die Präsentation ihrer Persönlichkeiten hat. Gibt es dies natürlich auch zuhauf weltweit, ist es bei isländischen Acts allerdings fast durchweg anzufinden. Daði Freyr zeigt mit seinem Song daher einmal mehr, dass diese Art wohl in den Genen der Isländer zu liegen scheint. Think About Things ist damit ein frischer, nerdiger Indie-Hit, der als Launenaufheller nicht besser dienen könnte. Dabei gibt es den Song in zwei Sprachen und zwei Bedeutungen. In dem Original auf isländisch singt Daði Freyr darüber, dass seine Band Gagnamagnið – mit der er 2017 am isländischen Vorentscheid teilgenommen hatte – aus der Zukunft kommt, um die Welt mit ihrem Tanz zu retten. Auf der englischsprachigen Version singt er allerdings über die Geburt seiner Tochter im vergangenen Jahr und dem Wunsch, zu erfahren, was ein Baby in den ersten Wochen und Monaten denkt. Diese Bedeutung war auch der ursprüngliche Grund des Songs. Was Daði Freyr bleibt, ist das Wissen um einen großartigen Indie-Song, der sogar das Zeug gehabt hätte, beim diesjährigen Eurovision Songcontest zum Siegersong zu werden.

Icarus feat. Nathan Ball - Meet Me There

Icarus – Mit großer Ankündigung ins neue Jahr

Jetzt scheint es Schlag auf Schlag bei den britischen Brüder Ian und Tom Griffiths – alias Icarus – zu gehen. Hatten sie vor ein paar Wochen bereits mit Rae Morris die Single Dreams Of You veröffentlicht, folgt nun mit Meet Me There die nächste großartige House-Nummer. Dieses Mal als Sänger dabei ist der mittlerweile zum Wahllondoner gewordene Sänger Nathan Ball, den SOML seit einigen Jahren begleitet und bereits zum Interview hatte. Herausgekommen ist ein weiterer treibender House-Track, der mit Balls sehnsuchtsvollem Gesang perfekt die Mischung der Brüder verkörpert. Mit langen Bridges und deutlich größerem Gesangsanteil läuten Icarus eine Zeit ein, die vom Aufbruch und Beenden erzählt. Denn in den letzten Jahren haben die Brüder vieles erlebt und durchlebt, haben Bekanntschaften geschlossen und andere beendet, die ihre Persönlichkeit maßgeblich prägten. Diese Songs, aufgenommen mit ausgewählten Künstlern, zeugen von dieser Phase und lassen die Jungs gerade enorm wachsen. Bereits jetzt steht fest, dass Icarus im kommenden Jahr auf Clubtour gehen und mit UNFOLD ein Projekt veröffentlichen wird, welches noch viele weitere spannende Künstler parat halten wird.

 

Låpsley - My Love Was Like The Rain

Låpsley – Singt verletzbar und offen

Ebenso, wie Michael Kiwanuka – den Ihr erst gestern hier finden konntet – hat auch die britische Sängerin Låpsley zu sich selbst gefunden und damit einen Reinigungsprozess gestartet, der die schlechten Kommentare, Gefühle und die große Erwartunshaltung an sie, bei ihr abprallen lassen soll. Während diese Phase noch anhält, die auch als Gradmesser – auf sich selbst zu hören – zu werten ist, veröffentlicht Låpsley mit My Love Was Like The Rain die erste Single aus ihrer kommenden EP These Elements. Diese erscheint am 22. November und wird drei weitere Songs enthalten, welche die letzten vier Jahre der Sängerin widerspiegeln. Dabei hat Holly Lapsley Fletcher, wie die aus Southport kommende Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt, die Tracks jeweils bestimmten Gefühlszuständen zugeordneten. Von emotionaler Liebe, über körperliches Verlangen und Depressionen, bis hin zum Selbstwertgefühl hat Låpsley ihre Gefühlswelt verarbeitet und gibt einmal mehr ihre warme Persönlichkeit preis. Mit My Love Was Like The Rain zeigt Låpsley, wie verletzend die Worte in einer zu Ende gehenden Partnerschaft sein können. In sich selbst gekehrt klingt My Love Was Like The Rain nach dem traurigen Moment, nachdem der Partner durch die Tür gegangen ist und man weiß, dass es das letzte Mal sein würde, ihn gesehen zu haben. Intim, völlig offen und dadurch unglaublich verletzlich, zeigt uns Låpsley ihre Gefühle und Gedanken und schafft damit gleichzeitig einen Raum der Wärme und Geborgenheit.

Palace – Eine Konstante unter den Unterschätzten

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Haben die Briten von Palace erst vor wenigen Wochen mit No Other und Heaven Up There zwei grandiose Single aus ihrem, im Sommer erscheinenden, zweiten Album Life After veröffentlicht, kommt nun mit Martyr die dritte Singles ihres sehnsüchtig erwarteten Albums auf den Markt. Und dieses Mal schreibt sich die Geschichte anders. War ihr Debüt von Dunkelheit geprägt, spielt sich Life After im Sonnenschein ab. War So Long Forever vor drei Jahren ein Winteralbum, ist es nun ein satter Sommersound. Hatten sich Palace 2016 in Selbstaufgabe und Hoffnungslosigkeit befunden, steht das neue Werk für Aufbruch, Neuanfang und Mut. Dabei hat sich ihr Sound nur im Detail verändert doch entsprechen Songs wie Break The Silence heute nicht mehr ihrem Gemütszustand. Strahlt das neue Album doch vielmehr Farbe, Lust, Energie und Kraft aus. Martyr ist dabei ein Spiel mit dem Feuer. Denn hier erzählt uns Frontsänger Leo Wyndham davon, sich von einer Person loszureißen, die einmal zu den engsten Personen zählte und nun Gift für die eigne Persönlichkeit ist. Das Spiel aus Liebe, Vertrauen und Macht lässt Martyr – voller Emotionen bekräftigt – wie eine große Ballade unter einem, in Zeitraffa vorbeiziehenden, Sternenhimmel zur Vollkommenheit werden und löst ein wohlig warmes Gefühl in uns aus.

Jax Jones feat. Years & Years – Deep House und Pop auf vom Fließband

Dass Years & Years auf eine erfolgreiche Bandgeschichte zurückblicken können, liegt nicht nur an den unglaublich guten und mitreißenden Popsongs, sondern vor allem an Frontsänger Olly Alexander – aus dem die Ideen nur so rauszusprudeln scheinen. Gleichzeitig ist Olly Alexander eine schillernd, quierlige Persönlichkeit, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Dass sie dort stehen, wo sie jetzt sind, haben sie allerdings auch Produzenten wie The Magician zu verdanken, der die Band in einem frühen Stadium gefördert und bekannt gemacht hat. Dies geben Years & Years nun zurück und arbeiten auf der Single Play mit dem Londoner Produzenten Jax Jones zusammen. Steht Jones zwar nicht mehr vor dem Problem, erfolgreich werden zu müssen – immerhin hat er mit You Don’t Know Me und Breathe selbst zweimal die britischen Top-10 geknackt – beschränkt sich seine Bekanntheit mehr oder weniger ausschließlich auf die britischen Inseln. Dies könnte sich nun mit der poppigen Housenummer Play ändern, die mit eingängigen Beats und Olly Alexanders unverkennbarer Stimme zu einer ekstatischen Club-Hymne wird. So haben der Produzent und die Band einen Song produziert, der sich aufmacht, die Charts weltweit zu erklimmen.