Provinz - Tanz Für Mich

Provinz – Jetzt sind sie angekommen

Mit einem fulminanten 4. Platz haben die vier Jungs von Provinz mit ihrem Debütalbum Wir Bauten Uns Amerika die deutschen Albumcharts geentert und damit nicht nur die Top-5 erreicht, sondern auch ein gehöriges Ausrufezeichen gesetzt. War es doch zuletzt  – durch geschlossene Konzertsäle und Verbote, nicht möglich live aufzutreten – war es ebenso schweirig, die Fans offline zu erreichen. Aus der 4.500 Einwohner großen Gemeinde Vogt in Baden-Württemberg kommend, hatten Sänger Vincent Waizenegger, Bassist Moritz Bösing, Keyboarder Robin Schmid und Schlagzeuger Leon Sennewald für März und April eine Tour mit 21. Terminen angekündigt, die allesamt ausverkauft waren oder in größere Hallen hochverlegt werden mussten. In diesem Zusammenhang folgte auch die Verschiebung der Veröffentlichung des Debütalbums zunächst – bedingt durch einen Produktionsstopp – auf den 14. August 2020. Doch gab es für die Band zu keiner Zeit den Moment, abzuwarten was noch kommen wird. Viel mehr haben sie die Zügel in der Hand behalten und mit anderen Wegen eine perfekte Lösung gefunden, ihren Fans auch dann etwas zu bieten, wenn gerade alles auf HALT steht. Ein Gig im Berliner Naturkundemuseum war einer der letzten Aktionen, eine einmalige Livekulisse zu bieten. Als die Pressung des Albums dann plötzlich wieder früher angefangen werden konnte, als gedacht, entschied die Band kurzerhand die Albumveröffentlichung einfach wieder vorzuziehen, um ihre Fans nicht länger als nötig warten zu lassen. Dieser Schritt zahlte sich aus und so landeten Provinz – sieben Tage nach der vorgezogenen Veröffentlichung – mit Wir Bauten Uns Amerika am vergangenen Freitag schließlich in den Top-5.

Provinz

Provinz

Am selben Tag veröffentlichten sie mit Tanz Für Mich eine weitere Single, die an den kräftigen und melancholischen Sound der vorherigen Singles, wie Wenn Die Party Vorbei Ist oder Nur Freunde/Verlier Dich anschließt. Gleich die ersten Worte sind auf mehreren Ebenen lesbar – denn mit Wer die Freiheit liebt, liebt die Einsamkeit gibt es die Möglichkeit, herauszulesen, wie es ist, sich im Sog des Trubels förmlich aufzugeben. Oder sich in der Masse an Zusprüchen an einem plötzlich ganz einsamen Ort wiederzufinden. Gleichzeitig begleitet uns ein schnelles Klavierspiel und lässt Waizeneggers kratzige Stimme hoch und gebrochen klingen. Mit dem Einsetzen des Beats fügt sich dieses Gefühl in eine Art Rausch aus Gefühlen. Als Intention des Songs geben Provinz an, dass sie das Gefühl wiedergeben wollten, das man fühlt, wenn man sich in jemanden Hals über Kopf verliebt aber doch auch weiss, dass eine Beziehung zu dieser Person nicht richtig zu sein scheint. Tanz Für Mich vermag aber auch die Sicht eines Musikers wiedergeben, der sich mit den Songzeilen Warte nicht auf mich, vielleicht schläfst du ein. Du weißt wo ich bin, wo sie mein‘ Namen schrein‘. Fragst „Sind wir okay? Sind wir noch dabei?“ Schreibe nicht mehr zurück, will nicht dass du es weißt von einer Situation losreissen möchte, die mit dem größer werdenden Erfolg auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Seien es Partnerschaften oder der Kampf damit, auf dem Boden zu bleiben. Tanz Für Mich ist eine weitere starke Single, die nicht nur dem Hörer gut tut, sondern auch dem Menschen, der diese Zeilen geschrieben hat und zeigt, dass Provinz im Musikbusiness angekommen sind.

 

The Coronas - Haunted

The Coronas – Bewegende Zeiten

2019 war für die Dubliner Band The Coronas ein bewegendes Jahr. Zum einen veröffentlichten sie die Single Find The Water, die mit einer unglaublichen Intensität für eine begeisterte Resonanz sorgte. Dann gab es im September einen Gig auf dem Berliner Lollapalooza Festival, welches ihren bisher größten Auftritt in Deutschland markierte und schließlich folgte Ende November die Nachricht, dass der Gitarrist Dave McPhillips die Band zum Ende des Jahres nach 12 Jahren verlassen würde. Diese Nachricht schaffte es sogar auf die Titelseiten der irischen Presse und zeigt, wie sehr die Iren mit ihren irischen Helden verbunden sind. Nun haben The Coronas mit Haunted eine weitere Single veröffentlicht, die eine Aufbruchstimmung versprüht und dabei so aufrichtig und ehrlich, wie verschlossen ist. Denn hierbei geht es darum, in einer Partnerschaft offen und aufrichtig zu sein. Dass das als Musiker manchmal schwieriger ist, als die gleichen Worte in Songs zu verarbeiten, wissen die irischen Jungs nur zu gut. Haunted überzeugt einmal mehr mit mehrstimmigen Refrain, Danny O’Reillys familiärem Gesang und neuen elektronischen Elementen. Einmal mehr haben es The Coronas geschafft eine Stadionhymne zu schreiben und gleichzeitig die Gebrochenheit zu transportieren, die das Lied zeichnet. Mit neuen Konzerttermin für die USA, Großbritannien und Irland im Gepäck, dürfte die Ankündigung, eines baldigen neuen Albums nur noch eine Frage der Zeit sein. Wir sehen also gespannt einem aufregenden neuen Jahr für The Coronas entgegen.

Låpsley - My Love Was Like The Rain

Låpsley – Singt verletzbar und offen

Ebenso, wie Michael Kiwanuka – den Ihr erst gestern hier finden konntet – hat auch die britische Sängerin Låpsley zu sich selbst gefunden und damit einen Reinigungsprozess gestartet, der die schlechten Kommentare, Gefühle und die große Erwartunshaltung an sie, bei ihr abprallen lassen soll. Während diese Phase noch anhält, die auch als Gradmesser – auf sich selbst zu hören – zu werten ist, veröffentlicht Låpsley mit My Love Was Like The Rain die erste Single aus ihrer kommenden EP These Elements. Diese erscheint am 22. November und wird drei weitere Songs enthalten, welche die letzten vier Jahre der Sängerin widerspiegeln. Dabei hat Holly Lapsley Fletcher, wie die aus Southport kommende Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt, die Tracks jeweils bestimmten Gefühlszuständen zugeordneten. Von emotionaler Liebe, über körperliches Verlangen und Depressionen, bis hin zum Selbstwertgefühl hat Låpsley ihre Gefühlswelt verarbeitet und gibt einmal mehr ihre warme Persönlichkeit preis. Mit My Love Was Like The Rain zeigt Låpsley, wie verletzend die Worte in einer zu Ende gehenden Partnerschaft sein können. In sich selbst gekehrt klingt My Love Was Like The Rain nach dem traurigen Moment, nachdem der Partner durch die Tür gegangen ist und man weiß, dass es das letzte Mal sein würde, ihn gesehen zu haben. Intim, völlig offen und dadurch unglaublich verletzlich, zeigt uns Låpsley ihre Gefühle und Gedanken und schafft damit gleichzeitig einen Raum der Wärme und Geborgenheit.

Of Monsters And Men - Wars

Of Monsters And Men – Euphorische Melancholie aus Island

Es klingt, wie ein Oxymoron. Zwei Beschreibungen, die gegensätzlicher nicht sein könnten – Euphorie und Melancholie. Doch im Falle der isländischen Band Of Monsters And Men passt diese Beschreibung, wie keine Andere. Mit ihrem Indiepop, der zwischen mitreißenden Hymnen, Tagträumen und Traurigkeit wechselt, schaffen die fünf Musiker eine Stimmung, die für niedergeschlagene Menschen genauso funktioniert, wie für absolut Glückliche. Dabei haben sie mit ihrem dritten Album Fever Dream wieder einmal Bombastpop par excellence abgeliefert. Nicht verwunderlich, hat doch der amerikanische Produzent Rich Costey einmal mehr die Produktion des neuen Albums in die Hand genommen. Doch bei ihrer aktuellen Single Wars haben sich die Isländer etwas zurückgenommen und eine Song über eine Beziehung geschrieben, der von Streit, Brüchen, Energie und entflammter Liebe handelt. Hier werden die Turbulenzen der Partnerschaft als Teil der ganz großen Liebe erkannt und der Fast-Food-Liebe der heutigen Zeit ein Gegenpol gesetzt. Damit lassen Of Monsters And Men wieder zu, dass man sie entdeckt und mit Spannung dem neuen Album zuhört.

sir Was - No Giving Up

sir Was – Schwedischer Klammertanz

Es ist wie eine Erinnerung in Slow Motion. Eine Art Blase, in der man alles nur gedämpft mitbekommt. Diese Beschreibung trifft es recht passend, hört man sich No Giving Up – die neueste Single des schwedischen Singer/Songwriters sir Was – an. Da tönt ein gleichmäßiger Grundbeat zu hallenden Instrumenten und einem verstohlenen Gesang. Gerade dieser verträumte Gesang war es auch, der Joel Wästberg mit seinem 2017er Debütalbum Digging A Hole aufhorchen ließ. Und so ist der Multiinstrumentalist auf seinem neuen Album Holding On To a Dream in eine Geschichte eingetaucht, die sich aus den Erfahrungen einer vergangenen Beziehung speist. Hier singt der Sänger über Herzschmerz aus einer Beziehung, in der er zwischen Aufgabe und dem schmerzlichen Kämpfen um einen Erhalt der Partnerschaft hin und her gerissen war. No Giving Up ist dabei nur ein Kapitel und können wir die komplette Geschichte ab dem 20. September hören – ist hier doch der Veröffentlichungstermin seines zweiten Albums angesetzt. So treibt es uns langsam auf die Tanzfläche eines Ballsaales und bringt uns dazu, im Klammertanz diesem schwedischen Künstler zu folgen und aus unserer Blase alles in Slow Motion zu betrachten.