Moby - My Only Love

Moby – Lässt Bilder sprechen

Mit Like A Motherless Child hatte Moby 2017 einen Hoffnungsträger seines einst so zugänglichen Popsounds aus den 2000ern veröffentlicht. Durch umstrittene Äußerungen rückte der New Yorker Produzent, Sänger und DJ jedoch in der Vergangenheit immer öfter mit Negativschlagzeilen in den Vordergrund. Dabei wurde seine Diskografie über die Jahre immer größer und die Dichte der Releases immer kürzer. Hatte Moby im Zeitraum von 1991 bis 2000 mit Moby (1992), Ambient (1993), Everything Is Wrong (1995), Animal Rights (1996) und Play (1999) fünf Alben hervorgebracht, folgten im Zeitraum von 2001 bis 2010 mit 18 (2002), Hotel (2005), Last Night (2008) und Wait For Me (2009) nur vier Albumveröffentlichungen. Im vergangenen Jahrzehnt – also von 2011 bis 2020 – folgte schließlich ein sagenhafter Output von acht Alben. Im Einzelnen waren das Destroyed (2011), Innocents (2013), Long Ambients 1: Calm. Sleep.These Systems Are Failing (beide 2016), More Fast Songs About The Apocalypse (2017), Everything Was Beautiful, and Nothing Hurt (2018), Long Ambients 2 (2019) und All Visible Objects aus diesem Jahr. Dabei ist Mobys kreatives Schaffen gleichermaßen in drei Phasen – simultan zu den drei Dekaden – einzuordnen. Waren es in den 90er Jahren die härteren Sounds, die zwischen Elektropunk und schnellen Beats changierten, wurden die 2000er – zu denen man getrost das 1999er Erfolgsalbum Play hinzuzählen kann –  durch einen starken Popsound seiner elektronischen Musik geprägt. Hier sind vor allem die großen Hits Why Does My Heart Feel So BadNatural BluesPorcelainWe Are All Made Of StarsLift Me UpNew York New York und Disco Lies entstanden.

Moby

Moby

In den 2010ern hatte sich Moby jedoch immer weiter in sein New Yorker Studio zurückgezogen und fiel durch immer provokativere Sichtweisen seines gelebten Veganismus auf. Mittlerweile sagt Moby selbst, dass es seine Hauptaufgabe ist, für den Schutz der Tierwelt zu kämpfen und danach erst die Musik käme. Dies können wir nun eindrucksvoll in seiner neuesten Songveröffentlichung sehen, die mit einem Musikvideo auftrumpft, welches beeindruckend und beklemmend zugleich ist. Mit My Only Love veröffentlicht Moby nun die dritte Single aus seinem – im Mai veröffentlichten – Album All Visible Objects und orientiert sich musikalisch am Sound des Albums Play. Mit einem entspannten Ambient-Sound und der Moby-Stammsängerin Mindy Jones, möchte uns der von Bryan Ferry geschriebene Song einen Ausblick auf das geben, was uns bevorsteht, sollten wir nicht endlich zur Tat schreiten und uns um die Rettung der Natur und all ihrer Vielfalt kümmern. Passend dazu hat Moby ein Musikvideo veröffentlicht, das ein im Animationsstil gehaltenes Leoparden-Jungtier zeigt, welches vor einem niederbrennenden Regenwald zu flüchten versucht. Moby selbst schreibt auf Youtube unter das Video Das Ziel dieses Videos war es, die Menschen an die anhaltenden Schrecken des Klimanotstands und der Rodung von Wäldern zu erinnern und die Menschen daran zu erinnern, dass die Fleisch- und Milchproduktion die Hauptursachen für diese Rodungen sind. Mit My Only Love zeigt sich Moby verbindend und verknüpft seinen erfolgreichen und populären Musikstil der 2000er mit der – für ihn – größten Aufgabe seines Lebens – dem Schutz der Natur und Tiere.

Bob Moses & ZHU - Desire

Bob Moses & ZHU – Wenn die Sehnsucht zerstörerisch wird

Es sind zwei Acts, die sich nicht besser hätten zusammenfinden können. Zum einen haben wir die beiden US-Amerikaner Jimmy Vallance und Tom Howie aus Brooklyn, New York City – die das Elektro-Duo Bob Moses bilden und mittlerweile von Vancouver in Kanada aus Musik machen. Zum anderen ist es der aus San Francisco kommende House-Produzente ZHU, der mit seinem 2014er Hit Faded nicht nur auf Anhieb in 14 Ländern in die Charts kam und damit mit seiner Debütsingle äußerst erfolgreich war – sondern gleich auch eine Grammy-Nominierung als Best Dance Recording einsammeln konnte. Durch Kollaborationen, wie mit AlunaGeorge, Skrillex, Tame Impala oder Sofi Tukker hielt sich Steven Zhu – wie ZHU bürgerlich heisst – immer wieder in den Clubcharts und konnte von starken Airplays profitieren. Bob Moses hingegen wählten den Weg über die Bühne und erreichten, seit ihrer Gründung 2012 einen Status auf Festivals, den es sich hart zu erspielen gilt. Denn egal, ob auf dem Coachella Festival, dem Lollapalooza Festival, dem Bonnaroo Music Festival oder dem MELT! Festival – wo Bob Moses spielen, wird es vor der Bühne eng.

Bob Moses & ZHU

Bob Moses & ZHU

Nun haben sich die beiden Acts für den Song Desire zusammengetan und dunkle Version des Clubs gezeichnet. Ist Desire durch und durch für den Club produziert und überzeugt mit dumpfen Basslines und dem Gesang von Bob Moses wird er gleichzeitig auch zur dunklen Warnung an den Club. Denn hier wollen Bob Moses und ZHU auf die zerstörerische Kraft aufmerksam machen, die Sehnsüchte mit sich bringen können. Dabei kann getrost auf die vielen Sehnsüchte der Partygänger Bezug genommen werden, sich bei Clubnächten manchmal vielleicht auch zu viele davon erfüllen und schließlich nicht mehr davon loskommen. Bob Moses sagen dazu – mit diesem Track versuchen wir deshalb selbstbewusst zu sein, indem wir auf unsere Sehnsüchte schauen und damit abrechnen. Doch auch ohne Message ist Desire eine satte Clubnummer, die an dunklen Ecken in den Clubs mit dem starken Beat erst richtig zur Geltung kommt. Desire ist dabei die erste Veröffentlichung aus Bob Moses neuem, gleichnamigen Konzeptalbum, welches die Jungs am 28. August veröffentlichen werden.

Duck Sauce - Captain Duck

Duck Sauce – Neue Discobombe

Das Projekt Duck Sauce war von Beginn an als Hit konzipiert gewesen. Schaut man sich an, wer hinter Duck Sauce steckt, wird schnell klar warum. Denn hinter dem New Yorker Duo stecken Armand Van Helden und der Kanadier A-Trak die 2010 und damit nur ein Jahr nach Start des Projektes mit Barbra Streisand einen internationalen Hit vermelden konnten. Für Barbra Streisand ging es in elf Ländern auf Platz 1 und weiteren 14 Ländern in die Top-10. Dass sich Barbra Streisand eines Samples aus den 70er Jahren bedient, war lange bekannt. Dass Boney M’s Gotta Go Home allerdings selbst ein Sample dieser einzigartigen Komposition benutzt, nicht. Denn hier bediente sich Frank Farian – der als Produzent hinter Boney M steckte – beim 1973er Original Hallo Bimmelbahn von Nighttrain. Zurück zu Duck Sauce folgte nach Barbra Streisand mit Big Bad Wolf noch ein Radiohit – jedoch blieben die Chartplatzierungen aus. Nun – zehn Jahre nach Barbra Streisand – sind Duck Sauce mit einer neuen Discobombe zurück und zeigen auf Captain Duck, dass die Liebe zu den ganz großen Clubhits noch immer in den beiden DJs steckt. Abermals nutzen Van Helden und A-Trak auf Captain Duck ein Sample und bedienen sich hierfür bei dem dem Song Wot des britischen Musikers Captain Sensible aus dem Jahr 1982. Dieser weist wiederum starke Ähnlichkeit zu Rapper’s Delight von der Sugarhill Gang auf, der wiederum ein Sample des Chic Klassikers Good Times besitzt. Ihr seht, Duck Sauce haben sich also von den besten Discoklassikern inspirieren lassen und damit eine Nummer produziert, die auf jeder Tanzfläche funktionieren wird. Ob Captain Duck es damit auch in die Charts schaffen wird, werden wir in den kommenden Wochen sehen. Nun bringt uns Captain Duck erst einmal durch die Social-Distance-Zeit und lässt uns auf den Tischen tanzen. Und wenn wir uns die Freunde via Videochat ins Haus holen, tanzen wir auch nicht alleine.

Yaeji - What We Drew

Yaeji – Ein Hoch auf die Zwiebel

Mit ihrem einzigartigen Elektrosound hat Kathy Yaeji Lee – schlicht als Yaeji bekannt – von Brooklyn, New York aus zu erst die dortige Clubszene und schließlich auch weltweit die Clubs zum brodeln gebracht. Ihr unkonventioneller Sound mit verspielten Sounds aus südkoreanischen Elementen mischt die 26-Jährige gekonnt mit modernen westlichen House-Elementen. Nun hat Yaeji – nach der erst kürzlich erfolgten Veröffentlichung von Waking Up Down – eine weitere Single online gestellt. Das dazugehörige Musikvideo zeigt Yaeji zusammen mit ihrem Großvater, der mit ihr ein paar Fotos schießt und sich als Blogger präsentiert. Auch erhalten wir einen amüsant, verdrehten Eindruck von Yaejis Vorliebe zu Zwiebeln und sehen Freunde aus Yaejis Leben, die immer wieder in Nebensätzen an ältere Songs der in New York lebenden Musikerin angelehnt sind. So hören wir auf What We Drew 우리가 그려왔던 einen verträumten Elektrosound, der sich mit einfachen Beats und einem hauchenden Gesang Yaejis wabernd durch den Raum bewegt. Und auch hier rezitiert Yaeji aus ihrem Hit One More – der mittlerweile über 1 Million Klicks auf Youtube zählt. Trotz der neuen Veröffentlichung ist weiterhin kein Album in Sicht und kommt damit die Frage auf, ob Yaeji vielleicht einfach keine Künstlerin für das Konzept Album ist. Denn mit dem gleichnamigen Mixtape What We Drew 우리가 그려왔던, welches Yaeji diesen Freitag veröffentlichen wird, versammelt sie musikalische Ausschnitte ihres Lebens, als ein Album mit einem konzeptionellen Faden. Solange sie weiter solche wunderbar verspielten Elektrosongs veröffentlicht, reicht das aber auch völlig aus.

Sara Hartman - Girl

Sara Hartman – #whathappenedtohartman?

Es ist ein Hashtag, der Bestürzung hervorruft – vermutet man doch Schlimmeres dahinter. Doch im Falle von Sara Hartman kann Entwarnung gegeben werden. Denn, auch wenn der Hashtag auf eine Phase voller Fragen deutet, kann ich vermelden, dass die Sängerin wohlauf ist. Gleichzeitig befeuert der Hashtag aber auch unsere Neugier um die 24-Jährige. Denn vor 5 Jahren trieb es die aus Sag Harbor von den Hamptons – nahe New Yorks City – kommende US-Amerikanerin nicht etwa in die Häuserschluchten New York Citys, sondern nach Berlin. Und steht Berlin damit dem Stellenwert New Yorks in der Musikbranche einmal mehr in nichts nach. So ließt man in ihrer Bio, dass es ziemlich offensichtlich sei, dass der Umzug in die blühende Stadt die Sängerin nachhaltig beeinflusst hat. Bei Vertigo (Universal Music) unter Vertrag, hat Hartman 2016 die EP Satellite veröffentlicht. Herauf zu finden, sind wunderschöne Popballaden, die Hartmans hauchenden Gesang eine wunderbare Atmosphäre geben. Es schien gut zu laufen, trat sie doch mit Clueso auf dem Erfurter Domplatz auf, spielte als Support von X Ambassadors, Ellie Goulding, MS MR und Family Of The Year. Es folgten einzelne Veröffentlichungen – wie Buttons – die in die Richtung großer Popsongs gingen. Doch plötzlich war sie weg. Seit 2018 hörte man nichts mehr von der Sängerin und fragte sich What happened to Hartman? – Was ist mit Sara Hartman passiert? Was in den vergangenen zwei Jahren bei der Musikerin los war, kann nicht gesagt werden, doch hat sich ihr Sound signifikant verändert. Denn mit der Single Girl ist die Wahlberlinerin nun zurückgekehrt und holt mit der Unterstützung einer großen Youtube-Promoaktion die ganz großen Geschütze raus, um sich wieder zurück ins Rampenlicht zu singen. In diesem Rampenlicht stehend, wird es dann wieder ganz ruhig um die Sängern – allerdings nur, weil ihr neuer Song Girl eine Tiefe besitzt, die sich aus scheinbar völlig neuer Motivation speist. Mit sanften Synthesizerklängen und einer erstaunlichen Tiefe in ihrer Stimme, wirkt Hartman wie neu erfunden. Hinzu kommen epische Sequenzen von Streichern und Hartmans intim gehaltener aber großer stimmlicher Ausbruch. Auf ihrem, vor wenigen Tagen hochgeladenen, Video #CORONAGIRL stellt sie Fragen – Fragen die sich mit ihrem Sein auseinandersetzen, mit ihrem Abdruck, den sie hinterlassen wird, mit den Erlebnissen, die sie erfahren hat und mit den – von der Gesellschaft – vorgegebenen Stigma. Und stellt fest, dass all diese Punkte von äusseren Umständen und Handelnden beeinflusst werden. Doch was wäre, wenn man wieder mehr zu sich selbst findet? Sein Leben selbst bestimmt und sich nicht von der Aussenwelt diktieren lässt, wie man zu leben hat? Ihre Geschichte scheint dunkler geworden zu sein – konstatiert der Text in ihrer Bio. Und tatsächlich klingt Hartman tiefer, trauriger, erfahrener und erwachsener, als auf all ihren bisher veröffentlichten Songs und trifft damit ein Gefühl, welches nicht allein um das Herz herum funktioniert, sondern vielmehr auch unsere Motivation und unseren Antrieb anregt.

Blossoms – Ein Song, wie ein alter Freund

Schaut man sich das Musikvideo an, bekommt man das Gefühl eine Videokassette des New York Urlaubs 1987 anzusehen. Mit ganz viel  Nostalgie, Schlaghosen, schlechter Bildqualität und wunderbarem Refrain präsentieren sich die Briten von Blossoms auf ihrem neuesten Song The Keeper so wunderbaren, dass man sich an die großen Pophymnen der 80er Jahre zurückerinnert fühlt. Hier trifft neuer, herzlicher Indiepop auf sein altes Ich und lässt Vergleiche mit den Singles Getaway und Blown Rose kauf zu. Denn mit The Keeper sind Blossoms zwar irgendwie glatter geworden, haben aber trotzdem ihre Identität nicht verloren und klingen nach wie vor so sehr nach Indie, dass man schmerzlich daran zurückerinnert wird, dass Indie und Rock in den 2010ern einen langsamen Tod starben. Umso erfreulicher ist es, dass Blossoms mit Foolish Loving Spaces nun am 31. Januar endlich ihr drittes Studioalbum veröffentlichen werden. Laut Frontsänger Tom Ogdens ist The Keeper eine fundamentale Liebeserklärung an die Liebe und konnte von den Jungs einzig und allein in New York umgesetzt werden.Mit dieser euphorischen Liebe zur Musik und zu sich selbst lassen Blossoms The Keeper zu einem zeitlos wundervollen Stück der Musikgeschichte werden.

Barrie - Darjeeling

Barrie – Supernova Dreampop

Sie sind tatsächlich ein neuer Stern am Indiepophimmel und haben mit ihrem am 3. Mai veröffentlichten Debütalbum Happy To Be Here eine Menge Material herausgebracht, welches zu einem Abend unter der Discokugel passt. Sie selbst kommen aus Brooklyn, New York und haben sich über die verschiedensten Wege kennengelernt. Einer dieser Wege ist das Zusammenkommen von Sabine Holler und der Band. War die Deutsche Sängerin doch gerade aus Berlin nach New York gezogen und nutzte Tinder, um neue Menschen kennenzulernen, hatte die Band genau auf diesem Portal ein Profil erstellt, mit dem sie noch eine Bassistin suchten. Gesucht, gefunden beschreibt Namensgeberin und Frontsängerin Barrie die Band in Interviews dann auch gerne mit den Worten Ein Teil dessen, was die Band so großartig macht ist der Fakt, dass hier ein Haufen Freaks zusammengekommen sind, die super zugängliche und fantastische Musik zusammen machen. Da ist eine Art natürliche Experimentierfreudigkeit, die die Band antreibt. Auf ihrer aktuellen Single Darjeeling zeigen sie dann auch, wie diese Experimentierfreudigkeit klingt. Mit 80er Jahren Synthies – die eine Erinnerung auslösen, bei der man sich nicht sicher ist, ob man überhaupt dabei war – und Dreampop singt Barrie sanft zu den Beats und klingt dabei unaufgeregt aufregend. Darjeeling ist damit der perfekte Opener, um die Band einem breiten Publikum vorzustellen und ihre Musik in die Welt zu tragen.

AJR – Wenn alles zusammenkommt

AJR – Weak

Wenn eine Band Simon & Garfunkel, Vampire Weekend, Kanye West und Fun als Einfluss für ihren Sound nennt und als Vorband von Demi Lovato, Fifth Harmony, Lindsey Stirling, Train und American Authors auftritt, sollte man von einem Durchbruch sprechen oder gar die Band kennen. Und wenn man dann noch hinzufügt, dass es die Band bereits seit 12 Jahren gibt, wundert es einen umso mehr, dass man von AJR noch nie etwas gehört hat. Dabei ist die Konstellation der Band gerade das Must-have. Besteht sie doch aus den drei Brüdern Adam, Jack und Ryan Met, welche – wenig überraschend – die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zum Bandnamen kürten. Jack 19, Ryan 23 und Adam 25 spielen so bereits seit 2005 zusammen Musik und traten zu Beginn noch als Straßenmusiker auf. Nun endlich scheint der Durchbruch zu kommen. Denn mit ihrer Single Weak, die stark an Bands wie Fun oder Foster The People erinnert, schlagen sie genau in die Kerbe von Musik, mit der sich sowohl junge Teenager identifizieren, als auch Erwachsene zum Takt bewegen. Weak hat diesen Sound, den man nebenher hören kann und dabei gar nicht mitbekommt, wie er sich im Kopf festsetzt. Mit Kopfstimme, Ohrwurm-Refrain und stampfenden Pop-Beats bauscht sich Weak zu einem sauberen Hit auf und lässt uns wohl die kommenden Monate nicht mehr los.

Blondie – Die Legenden kehren zurück

Blondie - Fun

Blondie – Fun

Hört man Blondie, denkt man an die 70er/80er Jahre, in denen die New Yorker Band mit Songs wie Denis, Heart Of Glass und Call Me die Discos beherrschten. Ihr einzigartiger Diskosound und Debbie Harrys hohe Stimme wurden zum Markenzeichen der Band. 1982 trennte sich die Band schließlich nach bandinternen Zerwürfnissen, der stetigen Verfolgung Debbie Harrys von den Medien und einer Erkrankung Chris Steins. Es sollte lange 15 Jahre dauern, bis es zu einer Wiedervereinigung Blondies kam und so wurde 1999 mit Maria ein fulminantes Comeback gefeiert. Landete Maria doch auf Platz eins der britischen Charts und schaffte es in sieben weiteren Ländern in die Top10. Mit Maria wurde deutlich, dass Blondie auch ohne Diskomusik und hoher Stimme bestehen konnten, hatte hier Harry ungewohnt tief gesungen und bestach der Song durch einen rockigen Sound. Seitdem haben Blondie vier Alben veröffentlicht, konnten allerdings nie wieder an den Erfolg von Maria oder dem, der 80er Jahre, anknüpfen. Weshalb es 2017 umso interessanter wird. Haben Blondie doch gerade mit Pollinator für 2017 ein neues Album angekündigt und eine erste Single veröffentlicht, die an ihre großen Diskozeiten erinnert und dennoch modern klingt. Mit Fun sind Blondie und Debbie Harrys hohe Stimme zurück. So präsentiert sich Blondie catchy, voller Diskosound und einem Songtext, der einfach nur auf Spaß aus ist. Da gehen Zeilen wie You’re my fun when I’m down/ You pick me up again, you pick me up again/ You’re my fun too, much fun/ I get the feeling that you’re changing my mind. ins Ohr und beißen sich förmlich fest. Mit Fun beweisen Blondie auch nach 43 Jahren Bandgeschichte noch ihre Relevanz und sind größer zurück denn je!

Alex Vargas – Konzertkritik

Oftmals fliegen einem die Artikel und Sätze nur so zu, um sie zu posten. Doch ab und zu gibt es diese Musiker, bei denen man sich die Zähne ausbeißt, weil man einfach nicht die passenden Worte findet, um zu beschreiben, was für einen Eindruck sie hinterlassen haben. Genau in diesem Dilemma steckt man, hat man den Dänen Alex Vargas das erste Mal live gesehen. Sind seine Texte und Sounds doch so eindrucksvoll und dunkel. Gleichzeitig aber auch voller Energie und zerbrechlich. Doch bevor hier in der Einleitung schon das ganze Pulver verschossen wird, setzen wir alles auf Anfang.

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Als Support stand gleich zu Beginn des Abends ein Stimmwunder auf der Bühne. Sang die New Yorkerin Kiah Victoria, die in Berlin geboren wurde, doch Songs wie I Ain’t Goin Nowhere, Cold War und Hollow und klang dabei wahlweise wie Beyoncé, Mary J. Blige oder, speziell bei Cold War, wie Alicia Keys. Diese Stimme drang bis ins Mark und ließ die sympathische New Yorkerin aller Aufmerksamkeit zu Teil werden. Kiah Victoria verarbeitet Urban, R&B und Soul zu einer frischen Mischung und präsentiert stimmgewaltige Songs. Nach nur fünf Songs verabschiedete sie sich dann von der Bühne, doch sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend dort gewesen sein.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn Ben Howard Däne wäre

Schließlich kam mit Alex Vargas ein recht extrovertierter und durchgestylter Sänger auf die Bühne des ausverkauften Prince Charles und startet in mit einem zutiefst zerbrechlichen Lasting Song in den Abend. Hier führte Vargas‘ Stimme im Zusammenspiel mit dem musikalisch, spärlich unterlegten Song für eine Blase, in der man anfing zu schwelgen, zu träumen – einfach zu versinken. Dies setzte sich auch mit dem nahtlos folgenden Cohere fort. Bei dem er ruhig aber anklagend sang und parallel zum Anschwellen des Songs auch stimmlich aus sich raus kam. Mit der Gitarre als Hintergrund konnte man deutlich erkennen, wie Musiker wie Ben Howard den Dänen beeinflusst haben müssen. Schließlich sollte mit dem dritten Song Giving Up The Ghost das Eis gebrochen werden und der Sound regelrecht explodieren. Was bis dahin der Vermutung, einen guten Singer/Songwriter zu sehen, nahe kam, änderte sich mit einsetzen der elektronischen Beats. Und davon sollten an diesem Abend noch so einige Songs folgen.

Die Besonderheit der Location zeigte sich bei Oh Love, How You Break Me Up. Ist das Prince Charles doch aus einem ehemaligen Mitarbeiterschwimmbad des Klavierherstellers Bechstein entstanden und hat an der Decke hunderte Glühbirnen, die wabernd an und aus gehen und so den Club wirken lassen, als würde der Pulsschlag dadurch sichtbar werden. Zu Oh Love, How You Break Me Up flammten die Glühbirnen dann zeitweise hektisch auf, um in einem sanften dimmen zu erlöschen. Dies verstärkte den ohnehin schon intensiven Song noch extra.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Nicht auf den Mund gefallen

Die ersten Worte sprach Vargas dann auch erst jetzt und bedankte sich und sagte, dass er sich über den ausverkauften Club freue, da es früher oft sehr langweilig war, in leeren Clubs zu spielen. Mit Solid Ground folgte ein weiterer, sehr dunkler Song ehe mit Till Forever Runs Out ein Song abermals ganz in Manier Ben Howards den Club durchdrang. Nur mit einer Gitarre und seiner Stimme sang Vargas so emotional, dass sich durch die Reihen des Publikums fast hörbar die Gänsehaut aufstellte. Mit Howl folgte schließlich ein vier Jahre alter Song, dem man anhörte, dass er aus einer Zeit stammt, in der Vargas noch tendenziell ohne elektronisches Equipment produzierte.

Higher Love läutete dann allmählich das Ende des Konzertes ein und Vargas scherzte mit dem Publikum, ob im Publikum eine Nurse sei, nur um zu zeigen, dass er das deutsche Wort Krankenschwester beherrsche und, dass es doch absurd sei, diesen Zugabe-Quatsch zu machen. So begründete er es damit, dass er eh noch gar nicht so viele Songs hätte und es in einer Zeit, in der eh jede Band eine obligatorische Zugabe spielte, es kaum noch als unvorbereitet und überraschend rüberkommt. Doch eine Überraschung sollte es dann doch noch geben. Hatte Vargas mit Warning doch einen komplett neuen Song auf der Liste, der vor wenigen Tagen auf einem Konzert in den Niederlanden erstmals präsentiert wurde. Dazu, holte er sich Kiah Victoria, die ihn unterstützte.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn ein Ausfall zur Stärke wird

Direkt danach kündigte Vargas mit Shackled Up einen Song an, der unplanmäßig zum letzten an diesem Abend werden sollte. Hatte er doch Wear Your Demons Out noch im Repertoire, gab der Amplifier kurz vorher seinen Geist auf und zwang Vargas so, diesen Song auszulassen. Einmal erwähnt, begann eine amüsante Gesprächsrunde mit vielen aus dem Publikum und Vargas‘ Antworten, in denen er immer wieder beteuerte, dass er sich selbst ärgere, dass er diesen Song nicht spielen könne. Dies machte ihn so sympathisch und präsentierte ihn amüsant und sich nicht all zu ernst nehmend, dass man sich vorstellen konnte, mit ihm auf ein Bier in die Bar nebenan zu gehen. Mit einem Danke verabschiedete er sich dann ohne zu verschweigen, dass er gleich noch am Merchandise Stand anzutreffen wäre.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas hat sich mit einem Sound präsentiert, der zwischen Ben Howard und Thomas Azier hängt und deutliche an elektronischen Elementen zunimmt. Im Frühjahr 2017 schaut er wieder in Berlin vorbei, also haltet die Augen offen und seid schnell beim Ticketkauf!