Flecks - Hold On

Flecks – Halte inne und lass Dich mitreißen

Mit Samurai und You Bet I Would haben Flecks in den vergangenen zwei Jahren zwei so großartige Hymnen veröffentlicht, dass man sich nur sofort in die Band verlieben konnte. Nun haben Flecks mit Hold On einen neuen Song veröffentlicht, der wie eine Prophezeiung auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu passen scheint. Denn geschrieben haben Freya Monks Halliday und Scott Halliday den Song bereits im Sommer 2019 – als eine Pandemie dieses Ausmaßes noch komplett unrealistisch erschien. Heute passen die Worte, als wäre der Song von der Pandemie inspiriert. What becomes of our experience? When we’re done with the game. Everyone around me is ignoring their pain. Too busy fighting. Can we just breathe? (Was wird aus unseren Erfahrungen? Wenn wir mit diesem Spiel fertig sind. Alle um mich herum ignorieren ihren Schmerz. Sind zu beschäftigt mit dem kämpfen. Können wir nicht einfach nur atmen?). Lebt das Duo auf dem Land – knapp 40 Kilometer von Dublin entfernt – ist es egal aus welchem Fenster ihres Hauses es blickt, irgendwo steht immer ein Lamm. Dass die dadurch vorherrschende Ruhe und Abgeschiedenheit so einiges an Macht der Pandemie abfedert, scheint das Duo musikalisch dazu zu bringen, immer feiner in ihrem von Synthies geprägten Sound zu werden. Auf Hold On finden Worte wie Kraft, Energie und Leidenschaft zusammen. Musikalisch stehen sich der Abgrund und die Rettung gegenüber – ist es eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was geschieht durch unsere nächste Entscheidung, unseren nächsten Schritt?! Werden wir lernen und gestärkt aus dem hervorgehen, was uns aktuell so sehr schmerzt? Es ist diese Wucht – die Hold On besitzt – wenn Monks Halliday über Hoffnung und Chancen singt und dabei musikalisch wie aus einem Blockbuster aus der dunklen Zukunft klingt. Flecks berühren uns mit Hold On einmal mehr und sorgen in den aktuell unruhigen Zeiten dafür, dass unsere Seele durchatmen kann.

Woodkid - Goliath

Woodkid – Die musikalische Sprache der Dystopie

Unter dem Pseudonym Woodkid hat der französische Singer/Songwriter, Musikvideo-Regisseur und Grafikdesigner Yoann Lemoine mit seiner 2013er Debüt-EP Iron für einen Aufschrei gesorgt. Denn war der Franzose zum damaligen Zeitpunkt vor allem als Regisseur für Musikvideos von Katy Perry (Teenage Dream) Lana Del Rey (Born To Die) verantwortlich, brachte er damit auch in sein musikalisches Projekt Woodkid eine visuelle Ästhetik, die in der Folge alles hinter sich lassen sollte. Das Debütalbum The Golden Age schaffte es dann 2013 bis in die Top 10 in Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz und verkaufte sich knapp 300.000 Mal weltweit. Überzeugend war vor allem der futuristische Sound, den man durch all seine Songs hören konnte. Die elektronischen Beats, die irgendwo zwischen Utopie, Dystopie und Science-Fiction pendeln, die charakteristische Klangfarbe seiner Stimme und die epischen Sounds lassen Woodkid zu einem Künstler werden, der über alles steht und gleichzeitig kein Massenphänomen ist. Denn im Mainstream ist der Künstler – trotz des massiven Einsatzes von Run Boy Run in Werbefilmen – weiterhin eher unbeschrieben. Nach sieben Jahren der Stille – in der Woodkid lange Zeit keine Hoffnung auf neues Material machte – hat der 37-jährige Sänger aus Tassin-la-Demi-Lune bei Lyon nun mit Goliath einen ersten neuen Song – fernab von Soundtracks – veröffentlicht und setzt dort an, wo er 2013 mit The Golden Age aufhörte. Mit einem episch ausufernden Sound und einem Musikvideo, das Bilder aus einem Tagebau zeigt, wirkt das Zusammenspiel, wie ein dunkler Sci-Fi-Actionfilm, der sich mystisch auf die Suche nach Goliath macht. Gleichzeitig erklingt Woodkids tiefe, heißere Stimme und sorgt gleichermaßen für ein effektreiches und beklemmendes Gefühl. Goliath könnte die perfekte Untermalung für Endzeitserien und -filme à la DarkRain oder I Am Legend sein, greift dabei Furcht, Wucht und Macht auf und zeigt, wie sehr Woodkid den kinematografischen Sound beherrscht.

Palace – Eine Konstante unter den Unterschätzten

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Haben die Briten von Palace erst vor wenigen Wochen mit No Other und Heaven Up There zwei grandiose Single aus ihrem, im Sommer erscheinenden, zweiten Album Life After veröffentlicht, kommt nun mit Martyr die dritte Singles ihres sehnsüchtig erwarteten Albums auf den Markt. Und dieses Mal schreibt sich die Geschichte anders. War ihr Debüt von Dunkelheit geprägt, spielt sich Life After im Sonnenschein ab. War So Long Forever vor drei Jahren ein Winteralbum, ist es nun ein satter Sommersound. Hatten sich Palace 2016 in Selbstaufgabe und Hoffnungslosigkeit befunden, steht das neue Werk für Aufbruch, Neuanfang und Mut. Dabei hat sich ihr Sound nur im Detail verändert doch entsprechen Songs wie Break The Silence heute nicht mehr ihrem Gemütszustand. Strahlt das neue Album doch vielmehr Farbe, Lust, Energie und Kraft aus. Martyr ist dabei ein Spiel mit dem Feuer. Denn hier erzählt uns Frontsänger Leo Wyndham davon, sich von einer Person loszureißen, die einmal zu den engsten Personen zählte und nun Gift für die eigne Persönlichkeit ist. Das Spiel aus Liebe, Vertrauen und Macht lässt Martyr – voller Emotionen bekräftigt – wie eine große Ballade unter einem, in Zeitraffa vorbeiziehenden, Sternenhimmel zur Vollkommenheit werden und löst ein wohlig warmes Gefühl in uns aus.

Hozier – Mit voller Kraft voraus!

Für den irischen Sänger Hozier hatte sich vor fünf Jahren schlagartig alles verändert. Sein damaliger Durchbruch mit dem düsteren Song Take Me To Church hatte gleichermaßen begeistert wie ergriffen. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein halbes Jahrzehnt bereits und auch wenn Hozier nie wirklich weg war, war er doch eine Zeit lang zumindest nicht mehr im Rampenlicht. Dies hat sich nun geändert, denn der – südlich von Dublin geborene – Sänger hat letzte Woche mit Nina Cried Power nicht nur eine Single, sondern gleich eine ganze EP veröffentlicht. Dabei wurde die gleichnamige Leadsingle von keiner geringeren, als Marvis Staples unterstützt – und damit einer der größten Soullegenden der USA. Dabei klingt Nina Cried Power nach einem Post-Sturm Song. Abermals treibt Hozier seine Stimme zu neuer Höchstform und lässt damit seine ganz eigene Art von Protest-Song entstehen. Denn dieses Gefühl wollte der Sänger auf Nina Cried Power übertragen und hat dabei nichts geringeres, als all seine Energie gebündelt und eine Macht von einen Song veröffentlicht.