Picture This – Jetzt wird es groß

Bereits mit ihrer gleichnamigen Debüt-EP Picture This übertrafen die irischen Jungs von Picture This alle Erwartungen und toppten sogar ihre kühnsten Vorstellungen. Mit einer fast komplett ausverkauften Debüttour und einem Nummer-Eins Album musste der Erfolg unweigerlich kommen. Allerdings blieb dieser Erfolg der Band auf Irland und Großbritannien beschränkt und ist sie deshalb in Deutschland weiterhin, recht unbekannt. Nun haben die Jungs um Frontsänger Ryan Hennessy mit One Night eine Ballade über den Moment veröffentlicht, der die Zeit nach der Trennung einer Beziehung – nachdem der Partner fremdgegangen ist – thematisiert. Dabei klingen Picture This deutlich größer als zuletzt und kommen daher nicht mehr nur Assoziationen zu The Coronas auf, sondern erinnert Hennessys Gesangsstimme auch immer wieder stark an die von James Arthur. So scheint One Night wie für den Soundtrack eines Liebesdramas gemacht und klingt berührend, wie resignierend aber immer auch aufrichtig. Mit den Textzeilen Maybe you shouldn’t have gone there that night. Maybe you should have told a little less lies. Maybe you shouldn’t have gone and ruined my life. For one night, for one night haben Picture This ein paar Sätze für die Ewigkeit geschrieben, die eindringlich und offenbarend sind – wie dieTatsache, dass auch die größte Liebe ohne Arbeit nicht für immer hält.

Róisín Murphy – Für die Tanzfläche geboren

Róisín Murphy wurde für die Musik geboren. Hatte sie bereits mit ihrem Vater einen Musiker – der in verschiedensten Bands war und diverse Instrumente spielte – in der Familie, war es Murphys Mutter, die sie mit einer CD des Don’t Cry For Me Argentina Soundtracks dazu brachte, das Singen anzufangen. Geschah dies im Teenageralter, sorgte sie mit dem Umzug nach Manchester für die nötige musikalische Grundlage und begann Musik zu produzieren. Wenige Jahre später war Moloko geboren und die Geschichte des Britischen House-Duos geschrieben. Die Jahre nach Moloko wurden für Murphy zur absoluten Herausforderung, kam es nach ihrem zweiten Album Overpowered doch so einer Art Sinneskrise, aus der sie selbst nur sehr zögerlich herauskam und Diese erst durch die Unterstützung Anderer vollends überwinden konnte. Daraus resultierten mit Hairless Toys (2015), Take Her Up To Monto (2016) und der diesjährigen Einzelveröffentlichung Incapable eine große Anzahl an neuen Songs und Ideen. Mit ihrer nun veröffentlichten Discohymne Narcissus haut uns Murphy jedoch wieder einmal um und gibt uns eine 7:40 Minuten lange Vorstellung davon, wie sie in einer Disco zu feiern versteht. Mit einem wunderbar eingängigen Beat und vielen zarten Spielereien heizt uns die Irin die Tanzfläche von Dublin, über Manchester, bis nach Italien ein und zeigt sich als Europäische Club-Königin. Dabei ist die Exzentrik in ihrer Stimme eines der Hauptmerkmale ihrer Produktionen und fungiert fast schon als Drop – wie es bei den angesagten Clubsongs üblich ist. Bisher hat sich Murphy noch nicht zu einem neuen Album geäußert, doch tröstet die Schlagzahl neuer Veröffentlichungen allemal darüber hinweg.

Wallis Bird - As The River Flows

Wallis Bird – Haut um und berührt

Dieses Bild ging um die Welt. Als der kleine syrische Junge Alan Kurdi 2015 tot an den türkischen Strand gespült wurde und das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer ein erstes tragisches Gesicht in die Welt sandte. Die irische Sängerin Wallis Bird hat sich dieser Geschichte angenommen und einen Song geschrieben, der von ihrer Wut, Hilflosigkeit und Betroffenheit geprägt ist. Mit As The River Flows ist Bird in eine Richtung gegangen, die sie bereits in der Vergangenheit konsequent leitete. Sie spricht aus, was viele zu verdrängen versuchen. Bird macht aufmerksam und möchte Menschen aufwecken. Dass Bird mit ihrer Stimme wandelbar ist, zeigt auch die Single Change, die 2016 veröffentlicht wurde. Mit ihr weckte sie Emotionen und lud zum Träumen ein. Auf As The River Flows wiederum klingt Bird eingangs keltisch und wird nur spärlich von Instrumenten begleitet – ehe die Dramatik aus ihr herausbricht und mit den Worten What are you scared of, Aren’t you brave enough To pave a basic decency for human kind? ganz klar mahnt. Wallis Bird verpackt auf As The River Flows das Thema, welches auch heute – vier Jahre nach dessen Beginn – immer noch die Schlagzeilen beherrscht und hat damit eine dramatisch klingende Soundkulisse geschaffen, die nachhallt.

Snow Patrol - Time Won’t Go Slowly

Snow Patrol – Wie die Zeit vergeht

Am 10. Dezember 1994 trat in der Dundee University Students‘ Association (DUSA) der Dundee Universität in Schottland ein Trio auf die Bühne, welches unter dem Namen Shrug an diesem Abend für absolute Begeisterung sorgen sollte. Später stand im DUSA Newsletter, dass diese Band eine Band sei, die es im Auge zu behalten gilt. Zwei Jahre später benannte sich die Band zu Polar Bear um – nur, um diesen Namen abermals knapp ein Jahr später in Snow Patrol zu ändern. Der Rest ist eigentlich eine moderne Geschichte. Als Snow Patrol schafften sie es bereits mit ihrem ersten Album Songs For Polarbears in die Top-100 der irischen Albumcharts. Zwei Alben später wiederum gelang es ihnen, ihr Album Final Straw auf Platz 3 der britischen, Platz 91 der amerikanischen, Platz 49 der niederländischen und Platz 1 der irischen Charts zu bringen. In letzterem Land sollte seit dem jedes weitere Album auf Platz 1 landen. Der weltweite Durchbruch folgte schließlich durch die Platzierung ihrer Ballade Chasing Cars in der finalen Folge der zweiten Staffel von Grey’s Anatomy. Danach schafften es alle Alben weltweit in die Charts und übertrafen sich immer wieder mit neuen Höchstplatzierungen. Nun, 25 Jahre später, hat die Band sieben Meteor Ireland Music Awards gewonnen, war sechs Mal für den Brit Award nominiert und hat über 16 Millionen Platten verkauft. Zeit also, für einen Rückblick. Diesen begehen Snow Patrol im 25. Jahr des Bestehens mit einer Best-Of Platte, die später in diesem Jahr veröffentlicht wird. Vorab gibt es nun mit Time Won’t Go Slowly einen ersten Vorgeschmack darauf – in Form einer neuen Single. Diese handelt davon, wie schnell die Zeit vergeht und die Band selbst an schönen Momenten festhalten möchte. So ist Time Won’t Go Slowly eine langsame Sommerballade, die sich leicht jazzig anfühlt und durch kleine Spielereien im Sound ein schelmiges Grinsen hervorruft. Mehr zu dem 25-jährigen Jubiläum der Band folgt in den kommenden Wochen auf den Social-Media-Kanälen der Band – also haltet Ausschau.

The Coronas - Find The Water

The Coronas – Mit großartiger Hymne zum neuen Album?

Gesund gewachsen – diese Aussage passt auf The Coronas aus Irland am besten, sollte man einmal dazu kommen, ihren stetigen Aufstieg zu beschreiben. Haben die Jungs aus Dublin doch mit ihren bisherigen fünf Alben einen so gesunden Wachstum erlebt, sind sie mittlerweile mit ihrem letzten Album Trust The Wire (2017) erstmals auf Platz 1 der irischen Albumcharts gelandet. Dieser Erfolg wird nicht etwa von großen Plattenfirmen und ausufernden Marketingstrategien geleitet, sondern resultiert aus ständigen Gigs und harter Arbeit. So ist es zur Tradition geworden, dass The Coronas jedes Jahr im Dezember an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen das Dubliner Olympia Theatre bespielen und damit eine Gewohnheit geschaffen haben, die für das Dubliner Publikum zu einer Art Homecoming-Event geworden ist. Auf ihrer nun veröffentlichten Single Find The Water zeigen sich The Coronas jedoch plötzlich überraschend zurückhaltend. Standen alle vorherigen Leadsingles immer im Zeichen von wilden Indiesounds, ist Find The Water eine verträumt, melancholische Alternative-Ballade, die eine gewissen Getriebenheit ausstrahlt. Mit einem schnellen Mittelteil wird der Song zu einer Wolke aus Schmerz, Leid, Aufbruch und Vertrauen. The Coronas zeigen damit einen ungewöhnlich klingenden Sound, der zu Recht auf ein bald kommendes Album hoffen lässt.

Walking On Cars – Mit Synthies kommt der neue Sound

Sie sind für ihre Hymnen bekannt. Mit ihrem ersten Album Everything This Way und den daraus veröffentlichten sechs Singles wie Speeding Cars, Always Be With You oder Catch Me If You Can hatten Walking On Cars ein grandioses Debütalbum veröffentlicht. War es doch gespickt mit großartigen Rockhymnen, die für das Stadion gemacht schienen. Der Erfolg, der im Anschluss folgte, bestätigte dies schließlich. Dass dieser Erfolg nicht von großen Plattenbossen kam, zeigt die Geschichte der Band. Denn hier kann man sehen, dass sie ihre Musik bereits vor ihrem Plattenvertrag mit auffällig guten Musikvideos veröffentlichte und die Songs selbst in einer Detailtreue in ihrer Heimat Irland produzierten. So konnte man, bereits bevor sie zu Virgin EMI kamen, die meisten Songs in Form von Musikvideos im Netz finden. Dieses Jahr kommen Walking On Cars mit dem zweiten Album Colours zurück und haben mit Monster Ende letzten Jahres bereits eine erste Single veröffentlicht. Nun folgt mit Coldest Water die zweite Auskopplung und überrascht mit einem Sound, der deutlich elektronischer ist. Hier schafft es die Band um Frontsänger Patrick Sheehy Alternative, Pop und Elektropop so zusammenzubringen, dass daraus eine frische aber doch auch neue Farbe der Band zum Vorschein kommt. Mit Coldest Water zeigen Walking On Cars eine angenehm neue Seite, ohne ihren Fans der ersten Stunde zu viel zuzumuten.

Fisher – Es braucht nur einen Song

Was macht man, wenn man einen Song produziert hat, den auf Festivals spielt und irgendwann merkt, dass er eine eigene Dynamik entwickelt hat und von vielen DJ’s als Bootleg aufgegriffen wird? Richtig – man veröffentlicht ihn selbst. So ist die Geschichte des Hits Losing It des australischen DJ’s und Produzenten Paul Nicholas Fisher – alias Fisher – in Kurzform zusammengefasst. Dabei erstaunt, dass es Losing It schon seit fast zwei Jahren gibt und erst im Sommer 2018 so richtig zündete. So war Losing It auf jedem Festival zu hören und schaffte es schließlich sogar in die offiziellen Singlecharts in Großbritannien, Schottland, Australien, Irland, Belgien, Ungarn und Neuseeland. Dass der Track nun auch den Mainstream erreicht hat, zeigen die Airplaycharts, in denen Losing It stetig nach oben steigt. Losing It folgt dabei einem so einfachen wie effektiven Muster eines typischen Ohrwurms. Denn wird die Textzeile I’m Losing It… gefühlt ununterbrochen wiederholt, legt sich ein derber Housebeat über die Stimme und lässt den Track düster und brachial klingen. Für Fisher ist Losing It die erste Chartnotierung überhaupt und darf sich darüber hinaus auch gleich, durch die Nominierung des Grammy Gremiums auf einen Grammy in der Kategorie Best Dance Recording freuen. Wir drücken Fisher dafür die Daumen!

Flecks – Ein irischer Traum von Musik

Die Karriere des irischen Duos Flecks liesst sich ganz entspannt. 2012 zusammengefunden, schreiben Freya Monks und Scott Halliday seitdem zusammen Musik und basteln an einem Sound, der inspiriert von den 80er Jahren, großen Blockbustern und dunklen Pophymnen ist. Dabei hören sich Flecks so authentisch an, dass man fast keinen Zweifel daran lässt, diese Band müsse es seit den 80er Jahren geben. Vier Jahre später – wir schreiben den Sommer 2016 – veröffentlichte das Dubliner Duo mit Girl ihre erste EP. Hierbei konnten sie mit dem Song Objects Of Desire gleich einen kleinen Coup landen und wurden in der irischen Dramaserie Striking Out gespielt. Könnte es für die Band nicht besser laufen, folgte unerwartet ein Bruch, der ein zweijähriges Pausieren der Band zur Folge hatte. Nun ist Flecks seit wenigen Monaten wieder zurück und hat gleich mit der ersten Single Samurai einen wahren Schatz veröffentlicht. Denn Samurai verbindet all das, wofür Flecks stehen. Große Synthies mit dunklen Beats, Freyas schwelgerischer Gesang und eine Weite, welche die Nacht zum großen Spielplatz für Schlaflose macht – das alles verbindet Samurai in knapp vier Minuten. Samurai ist nur einer von vier Songs, die Flecks in den kommenden Monaten veröffentlichen werden und mit dem zweiten Song Doubles bereits fortgeführt haben. Spannend, großartig und viel zu gut, um ihn unkommentiert zu lassen, bekommt ihr hier die Chance Samurai für Euch zu entdecken.

Fil Bo Riva – Wenn der Lebenslauf den Ton angibt

Es ist eine spannende Biografie. Als Kind einer Deutschen und eines Italieners in Rom geboren und aufgewachsen trieb es Filippo Bonamici – alias Fil Bo Riva – quer durch Europa. So stehen Länder wie Irland, Spanien und Deutschland auf seine Liste. Nach Berlin kam er schließlich durch eine erfolgreich bestandene Aufnahmeprüfung an der UDK für den Studiengang Produktdesign. Vom Freigeist der Stadt inspiriert versuchte sich der Musiker, der bereits mit zehn anfing Gitarre zu spielen, daran, selbst professionell Musik zu machen. Dies gelang ihm so gut, dass er binnen kürzester Zeit durch Europa tourte und als Support von Matt Corby oder den Milky Chance gebucht wurde. Mit dem Produzenten der Mighty Oaks – Robert Stephenson – arbeitete Riva schließlich an seiner Musik. Diese vereint die unterschiedlichsten Einflüsse Europas und zeigt dies besonders auf der ersten Single Go Rilla. Hier zeugt die Stimmung von den Weiten einer italienischen Küstenstraße, die es mit offenem Verdeck zu befahren gilt. Hinzu kommen Klänge von Indie und Folk und besticht der Song gesanglich durch eine soulige Klangfarbe. Riva selbst beschreibt seine Musik als europäischen Folk und Indie-Pop und trifft damit genau ins Schwarze. Go Rilla ist eine Ode an die Unbeschwertheit und dem Lebensgefühl des Vogelfrei im Sinne des ungebunden seins. Am 22. März 2019 erscheint mit Beautiful Sadness Rivas Debütalbum und wird von einer Tour durch die DACH-Region begleitet. Mit Go Rilla öffnen sich allerdings mit Sicherheit auch noch mehr Türen – weit über den deutschsprachigen Raum hinaus

Róisín Murphy – Dancefloor-Queen auf ewig

Seit nunmehr 24 Jahren ist die irische Sängerin Róisín Murphy bereits im Musikbusiness zu Hause. Gründete sie zusammen mit Mark Brydon 1994 die Band Moloko, folgte damit ein unaufhaltsamer Siegeszug in den Olymp der britischen House-Musik. So wurden Songs, wie Sing It BackThe Time Is NowFamiliar Feeling oder Forever More zu großen Hymnen der Millenium-Jahre. Dabei ist es erstaunlich, dass es die Band Moloko nur neun Jahren gab und Murphy als Solokünstlerin auf mittlerweile 15 Jahre zurückblicken kann. Aber auch hier stand Murphy immer im Zeichen von Acid-House, Disco und großen Dancefloorkrachern. Hier kann Murphy bereits auf vier Studioalben zurückblicken und ist trotzdem nie müde, auch zwischendurch Songs zu veröffentlichen. Schaut man sich ihre Diskografie in diesem Jahr einmal an, steht diese ganz im Zeichen neuer Musik, welche die irische Sängerin ganz ohne Albumkorsett veröffentlichte. The Rumble ist dabei die achte Songauskopplung in 2018 und beschließt das Jahr mit einer fulminant, ekstatischen Clubhymne, die polternd anfängt, nur, um dann zu einem unglaublich tanzbaren Dancesong zu mutieren ohne die Geschwindigkeit abebben zu lassen. Murphy ist eine Expertin in ihrem Genre und zeigt seit fast einem Vierteljahrhundert, wie Clubmusik funktioniert und ist dabei nie scheu, neue Wege auszuprobieren. The Rumble gehört daher ganz sicher auf jede Silvesterplaylist.