Sultans Court - Running

Sultans Court – Wer ist schneller?!

Prokrastination ist mittlerweile ein geläufiger Begriff in unserer Gesellschaft. Gedrängt vom Optimierungswahn, vom ewig neuen Herausforderungen Entgegentreten oder dem Abarbeiten von Aufgaben-Listen – immer öfter sehen wir uns in einem Strudel aus zu wenig Zeit, zu vielen Aufgaben und Wünschen ums nicht Untergehen kämpfen. Dabei sind unsere stetigen Begleiter die Sozialen Medien, die mit einem Wisch all den Stress wegswipen lassen. Ob nach links, rechts oben oder unten, ein Wisch und wir sehen neue, unbekümmerte Bilder, die uns sagen, dass das Leben doch gar nicht so hart ist. Handy ausgemacht, schlägt uns die Uhr ihre Ziffern mit voller Wucht um die Ohren und wir rennen schneller, um die verprasste Zeit wieder einzuholen. Genau dieser Geschwindigkeit unseres Lebensalltags haben die Berliner von Sultans Court einen Song gewidmet. Dabei spielen Julius, Konstantin, Leander und Markus in ihren Songs einmal mehr mit einem herausragenden Mix aus Indie, elektronischen Beats und einer topaktuellen Abbildung gesellschaftlicher Themen.

Sultans Court - Up Close EP Sultans Court – Up Close EP

Running bedeutet auch die Fortsetzung des dunklen Indiesounds, den die Band bereits mit HauntedShutdown oder Good Enough präsentierte. Während des Lockdowns hatten die Jungs viel Zeit, sich über ihre Musik Gedanken zu machen und ertappten sich dabei, immer mehr zu sich selbst zu kommen. Das beeindruckende Musikvideo zu Running trägt einen anderen, wichtigen Teil zu der Message des Songs bei. Was läuft gut, wenn wir uns hetzen, in Eile sind. Wo hechten wir einem kurzen, intensiven Moment hinterher und wo beginnen substantielle Entscheidungen richtig oder falsch zu sein?! In dem sehenswerten Video geht es um den Rausch, um den Tod, um Exzesse und pure Angst. Aus diesen Begriffen hat sich nun die zweite EP Up Close geformt, die am vergangenen Freitag erschienen ist. Darauf enthalten sind neben Running und Good Enough auch die Songs SublimeWarning Signs und Run Over. Sultans Court lassen ihren eigenen Sound wachsen und klingen auf der neuen EP lockerer und flüssiger, halten aber dennoch an der düsteren Atmosphäre ihres Sounds fest.

Bonaparte - Was Mir Passiert

Bonaparte – Mal ganz anders und doch so typisch

Bonaparte ist Hau-Drauf-Musik. Immer mit einer Message, die einem direkt ins Gesicht knallt, hat Tobias Jundt seit nunmehr zehn Jahren immer eine untypische Lösung für so manche Herausforderungen parat. Mit einem Sound, der sich aus allem zusammensetzt, was der Wahlberliner in die Hände bekommt, hat er auf mittlerweile sechs Alben schon fast jeden Sound einmal durch. Dabei hat er sich von seinem einstigen Markenzeichen des Trashpunks hin zu einem Musiker entwickelt, der die Kunst des absurden beherrscht und dennoch auch großartige Sehnsuchtssongs schreiben kann. Nicht zuletzt mit mit dem dystopischen Into The Wild aus seinem selbstbetitelten Album Bonaparte zeigte sich Jundt düster und melancholisch. Nun ist Bonaparte mit seinem, im Sommer veröffentlichten, sechsten Album Was Mir Passiert zurück und hat die gleichnamige Single ausgekoppelt. Dabei mischt Bonaparte hier einen heiß, wabernden Sommersound, der mit der einfachen Textzeile Ich will nur das was mir passiert so leicht ins Ohr geht, dass man sich selbst am Strand wiederzufinden vermag und gleichzeitig eine Leichtfüßigkeit erlebt, wie sie bei Bonaparte so noch nicht zu hören war. Was Mir Passiert ist eine Streicheleinheit an den Künstler Bonaparte und wird wohl bei seinen kommenden Konzerten, zwischen all den Exzessen für einen Moment der Entspannung und des Schwelgens sorgen.