Sparkling - We Don't Want It

Sparkling – Vom Kribbeln im Körper

We Don’t Want It – Der Satz hallt nach. We Don’t Want It – der Satz regt an. Die europäische Band Sparkling setzt damit ihre Messlatte dort an, wo normalerweise erst, über einige Jahre, gereifte Bands hinkommen. Aber der Reihe nach. Kommen Frontsänger Levin Krase, Bassist Luca Schüten und Schlagzeuger Leon Krasel ursprünglich aus Köln, haben sie verstanden, die Vorzüge der Europäischen Union zu nutzen und sind 2014 nach London gezogen. Gleichzeitig entwickelte ihre Musik in Frankreich und rund um Paris ein Eigenleben und sorgte dafür, dass die Band ihrem bisherigen Songtext-Mix aus Deutsch und Englisch nun auch Französisch hinzufügte. Damit vollkommen im Herzen Europas angekommen, besingen sie zusätzlich Themen, die sich um den Fortschritt drehen und einen Blick zurück, kaum zulassen. So klingt dann auch ihre aktuelle Single We Don’t Want It. Beginnend mit den deutschen Worten Du willst, dass alles gleich bleibt. Für immer, alles gleich bleibt. Wir gehen, zurück in der Zeit wechseln sie schliesslich ins Englische und zum absoluten Ohrwurmrefrain, der nicht besser für die Indiedisko geschrieben hätte werden können. Hier kann man schon vor seinem inneren Auge sehen, wie die Menge immer und immer wieder auf der Tanzfläche die Worte We Don’t Want It skandiert – wie man es sonst nur von Songs wie Little Lion Man von Mumford & Sons gewohnt ist, bei dem man immer wieder lauthals But it was not your fault but mine… singt. Sparkling sind frisch, rotzig, kribbeln im Körper und scheinen sich herzlich wenig dafür zu interessieren, was Andere denken. Solange es Fortschritt gibt, sind die Jungs mit in der ersten Reihe dabei.

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Jeremias - Alles

Jeremias – Funky, Jung, Hannoveraner

Mindestens eines der drei Merkmale passt nicht wirklich so richtig zu den anderen. Kennt man von Bands wie Two Door Cinema Club oder den Parcels einen funkig, frischen Indiesound, war dies zumeist nur aus dem Ausland und auf Englisch zu hören. Nun brechen Jeremias damit, mischen internationalen Sound mit deutschem Texten und überraschen damit nicht nur ihre Heimatstadt, sondern stoßen damit gleichzeitig deutschlandweit auf offene Ohren. Dabei haben sie nicht weniger vor, als die Welt zu erobern. Mit einem Alter zwischen 18 und 21 Jahren bleibt den Bandmitgliedern zumindest noch ausreichend Zeit, dies zu schaffen. Gleichzeitig wirkt ihre jugendliche Leichtigkeit ansteckend und unglaublich frisch. Mit ihrer Debütsingle Alles zeigen die vier Hannoveraner dann auch gleich einmal, dass sie sich hinter Bands wie TDCC oder den Parcels nicht verstecken müssen, sondern musikalisch vollkommen auf Augenhöhe liegen. Alles verbindet Funk, Disco, Indie und eine enorme Menge Spielfreude, die Jeremias in jeder Sekunde ausstrahlen. Hinzu kommt, dass die Band mit einer enormen Energie dafür sorgt, dass ihr grandioser Start in das Musikbusiness im Gedächtnis bleibt und nach mehr ruft.

Madonna feat. Maluma - Medellín

Madonna – Is Back!

Vier Jahre zwischen zwei Madonna Alben war bisher die größte Spanne, die es in der Diskografie der US-Amerikanerin gab. Diese waren zwischen Bedtime Stories (1994) und Ray Of Light (1998), sowie zwischen Hard Candy (2008) und MDNA (2012). Im Falle des ersten Beispiels lieferte Madonna mit Ray Of Light einen Meilenstein ihrer Karriere ab. Bei ihrem letzten 4-Jahres-Break setzte die Sängerin nicht all zu sehr auf Veränderungen und lieferte einmal mehr ein, durch Rap und von Hip-Hop Beats beeinflusstes, Nachfolgealbum ab. So steht es aktuell 50/50, dass die – mittlerweile in Lissabon lebende – Sängerin – ein innovatives, neues Album veröffentlichen wird. Nun hat Madonna mit Medellín ihre erste Single aus ihrem kommenden, 14. Studioalbum Madame X veröffentlicht und sich gleich für die erste Single den kolumbianischen Shootingstar Maluma geangelt. Dieser hat es 2018 mit seinem dritten Studioalbum F.A.M.E. und einem Sprachenmix aus Spanisch und Englisch, sowie einem Soundmix aus Reggaeton und Latin Pop geschafft, in zehn Ländern in die Charts zu kommen – darunter Deutschland, Frankreich und den USA. Auf der Single Medellín vereint Madonna daher Latin Pop, Hip-Hop-Beats und Reggaeton und mischt diese Genres mit dem übergroßen Wurzeln ihrer Karriere – dem Pop. Dabei erinnert Medellín vom Takt an Michael Jacksons They Don’t Care About Us hat dabei aber den Autotune des American Life Albums und eine Leichtigkeit eines entspannten Sommersongs. So abwechslungsreich, wie Medellín ist dann auch ihr neues Album Madame X angelegt. Hier schlüpft Madonna in die verschiedensten Charaktere und widmet diesen jeweils einen Song. Somit wird das Album allein schon vom Storyboard aus interessant und verspricht eine Vielschichtigkeit, die zuletzt auf den Alben der Queen of Pop eher selten zu finden waren. Wir dürfen gespannt sein, was uns erwarten und freuen uns, dass Madonna zurück ist.

Sofi Tukker & ZHU – Derbe Beats und schräger Sound

Sofi Tukker leben in ihrer ganz eigenen Welt. Sind die Songs von Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern wahnsinnige Partybanger, stehen sie vor allem für genreübergreifende Vielfalt und singen einige ihre Songs neben Englisch auch noch auf Portugiesisch. Ihr bis heute größter Hit ist Best Friend der nur so vor Lebensfreude und Energie zu explodieren scheint. Nach ihrem 2018er Debütalbum Treehouse haben Sofi Tukker nun mit Mi Rumba eine neue Single veröffentlicht, bei der sie mit dem US-Amerikanischen Produzenten ZHU zusammengearbeitet haben. Verlief der Entstehungsprozess unglaublich natürlich, fügt Sängerin Hawley-Weld hinzu, dass der dreckige und frivole Sound ganz bewusst gewählt wurde und den Song – durch die massiven Bassbeats – zu einer enorm wuchtigen Produktion machen. Sofi Tukker und ZHU sind ein Zusammenspiel, welches es gut zu koordinieren gilt, da beide Acts so viel Energie besitzen, dass man von so einem Song regelrecht weggefegt werden könnte.

Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.

Yaeji – Das New Yorker Genie legt nach

Warum den Wochenstart mit den typischen I don’t like Mondays… Gefühl beginnen, wenn uns die New Yorker Künstlerin Yaeji mit einem neuen Song das Wochenende – gefühlt – verlängern könnte?! Mit Raingurl hatte sie bereits im letzten Winter die Clubs beherrscht und eine jede Homeparty zum ausrasten gebracht. Dass ihre Musik diese Reaktionen hervorruft, liegt daran, dass Yaeji im New Yorker Stadtteil Brooklyn ihre eigenen Partys veranstaltet, die in leerstehenden Lagerhallen stattfinden und so ganz genau weiß, wann welcher Beat gesetzt werden muss. Mit One More schenkt uns Yaeji einen weiteren Song, bei dem wir das Gefühl dieser – mittlerweile – legendären Partys nun auch weltweit nachempfinden können. Mit einem Hybrid aus englischer und koreanischer Sprache und reduzierten aber auf dem Punkt bringenden Beats ist One More eine Mischung aus Lounge-Musik und Elektrosound einer feierträchtigen Nacht. Yaeji hatte bereits im Mai für ausverkaufte Clubs rund um den Globus gesorgt und wird mit One More die Nachfrage mit Sicherheit weiter steigern können.

Christine and The Queens – Grooved sich zurück

Es war ein Debütalbum, welches sich durch Mund-zu-Mund-Empfehlungen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus zu einem Hit entwickelte. Christine and The Queen hatte mit ihrem 2014er Debütalbum Chaleur humaine den 80er Jahre Stil der französischen Musik zurückgebracht. Singles, wie Christine/Titled, Saint Claude und Paradis Perdus haben den Charme der französischen Sängerin Héloïse Letissier unterstützt und dabei die Faszination der Person Letissier noch verstärkt. Nun ist Letissier mit der Ankündigung, ein neues Album zu veröffentlichen, zurückgekommen und zeigt uns mit der Single Damn, dis-moi/Girlfriend – die sie nach dem überraschenden Erfolg ihres übersetzten Debütalbum, gleich in Englisch und Französisch aufgenommen hat – wie sehr ihr der Synthie-Pop liegt. Da klebt der Sound der 80er Jahre nur so an jedem Takt und greift Letissier lyrisch einmal mehr den Zwiespalt auf, dass die Sängerin sich nicht eindeutig eines Geschlechts zuordnen kann. Diese Situation bringt Letissier allerdings nicht etwa durch Parolen rüber, sondern gibt der ganzen Thematik ein gewisses Sexappeal. Christine and The Queen ist Projekt, Herausforderung, Darstellen und Kunst zugleich und klingt auf der neuesten Single hervorragender denn je.

Yaeji – Das Raingurl verdreht uns den Kopf

Ihre Musik kriecht seit knapp zwei Jahren unter der Oberfläche entlang und kommt hier und da kurzzeitig zum Vorschein. Nun hat die New Yorker Musikerin Kathy Yaeji Lee – kurz Yaeji – allerdings mit ihrem Song Raingurl einen kleinen Hype ausgelöst. Die Mischung aus Elektro- und Hip-Hop-Beats und einer hypnotisierenden Bassline lassen uns völlig verrückt werden und Raingurl zum Überhit werden. Als DJ und Produzentin ist Yaeji ebenso aktiv wie als Rapperin und im New Yorker Nightlifes als Initiatorin der Eventreihe Curry In No Hurry, das ursprünglich aus einem Dinnerabend unter Freunden entstanden ist, längst bekannt. So lädt Yaeji wöchentlich zu ihrer Partyreihe ein und legt dabei natürlich auch selbst auf. Mit ihrem Mix aus englischer und koreanischer Sprache bleiben ihre Songs zusätzlich spannend. Yaeji klingt damit so frisch wie frech und bleibt dabei gelassen und vor allem cool. So können wir auf der, Anfang November veröffentlichten, EP2 auf Entdeckungsreise gehen und den spannenden Sound der Kathy Yaeji Lee erleben.