Emma McGrath - Mad About It

Emma McGrath – Hymnische Gefühle

Neue Künstler haben es mitunter schwer, sich bestens zu präsentieren. Das liegt nicht etwa an ihnen selbst, sondern oftmals daran, wieviel Budget die Plattenfirmen für die Promotion zur Verfügung stellen, die diese Künstler unter Vertrag nehmen. Da wird oftmals am Anfang zaghaft ein Song veröffentlicht und geschaut, wie die Resonanz ist. Ist sie gut, kommt das Musikvideo hinterher. Bei der britischen Sängerin Emma McGrath ist das nicht anders. Gesigned bei Warner Music hat die 21-jährige Sängerin bisher die beiden aufeinander aufbauenden EPs Silent Minds (2018) und Keep Your Eyes Open (Silent Minds Pt. 2) (2020) veröffentlicht worden. Davor hat McGrath 2014 in Eigenregie ihre Debüt-EP The Judgement rausgebracht. Auf allen EPs enthalten, sind energiegeladene Hymnen, die sich irgendwo zwischen Singer/Songwriting, Bombastpop und aufgeladenen Ballade bewegen. Mit ihrer neuesten Single Mad About It folgt sie diesem Mix und liefert erneut eine voluminöse Ballade ab, die im Refrain für einen hymnischen Stadionmoment in aller bester Manier sorgt. In leichter Melancholie schwelgend, ist Mad About It ein Aufruf an all die Nörgler des ewigen Beschwerens.

Emma McGrath
Emma McGrath

McGrath geht es im Song darum, selbst dafür verantwortlich zu sein, etwas an einer negativen Situation zu verändern und so sein Glück selber in der Hand zu haben. So erläutert sie den Song mit Mad About It’ handelt von Menschen, die sich ständig beschweren, aber nichts an ihrer Situation ändern. Menschen, die weder Hilfe akzeptieren, noch zugeben, wenn sie falsch liegen. Mit diesen Leuten dreht man sich ewig im Kreis, ohne am Ende zu einer Lösung zu gelangen. Aus dem Ort Harpenden, mit 30.000 Einwohnern und nördlich von London gelegen, kommend, hat sich die junge Sängerin in den vergangenen Monaten intensiv mit ihrer Musik auseinandergesetzt. Bereits mit dem Songwriter und Produzenten Jimmy Hogarth – der Songs für unter anderem Duffy, Paolo Nutini, Amy Winehouse, Tina Turner, Sia oder Dermot Kennedy produzierte – zusammengearbeitet, klingt ihr Sound groß, doch behält sich auch eine gewisse Intimität. Emma McGrath veröffentlicht mit Mad About It den ersten Song von ihrer kommenden EP, für die bisher noch kein Name und Veröffentlichungstermin feststeht. Mad About It gibt uns aber einen starken Vorgeschmack auf das, was wir erwarten können.

Blu DeTiger - Cotton Candy Lemonade

Blu DeTiger – Irgendwo ist immer Sommer

Wer kommt denn da – mitten im Herbst – plötzlich mit einem der feinsten Sommerhits um die Ecke?! Man möchte der New Yorkerin Blu DeTiger fast unterstellen, die großartigsten Songs in der falschen Jahreszeit zu veröffentlichen – oder ist es gar Kalkül?! Denn so fallen ihre Songs zumindest mehr auf. Bereits im Januar 2019 veröffentlichte die 21-jährige Sängerin mit dem Überhit In My Head eine wahre Bassbombe. So energiegeladen und flippig kam schon lange kein Song mehr daher. Dabei blieb das Multitalent bisher zumeist nur dem Umkreis der Millionenmetropole vergönnt. Dass die Multiinstrumentalistin, Sängerin, Songwriterin, Produzentin, DJane und Bass Virtuosin nun aber auch international durch die Decke geht, ist zum einen der Plattform TikTok zu verdanken und zum anderen der Art, wie DeTiger ihren Bass spielt. Denn auch auf ihrer vor einem Jahr veröffentlichten Single Tangerine ist dem Bass alles untergeordnet. Mit unkonventionellen Wandlungen im Beat lässt uns DeTiger nicht zur Ruhe kommen und schafft Energie, wo vorher ein leerer Raum war.

Blu DeTiger
Blu DeTiger

Nun hat die US-Amerikanische Sängerin mit Cotton Candy Lemonade einen neuen Song veröffentlicht, an dem sie während der Lockdown-Phase gearbeitet hatte. Überraschend hierbei ist, dass sich der Sound signifikant verändert hat. Hier steht nicht mehr ausschließlich der Bass im Vordergrund und ordnet sich alles dem Beat unter, sondern wird der Song vielmehr durch ein elegantes Bassspiel dominiert. Langsam, verträumt und immer ein wenig desinteressiert singt sich DeTiger durch ihren neuen Song und erinnert dabei an eine Mischung aus Tash Sultana, Lana Del Rey und HONNE. Mit dieser langsamen und relaxten Art der Arrangements und Harmonien holt uns DeTiger für einen Moment lang den Sommer zurück in den tristen Herbst und vermittelt das Gefühl eine warmen Sommerbrisen auf unserer Haut zu spüren. Für knapp zweieinhalb Minuten holt uns die Sängerin damit aus unserem Alltag und gibt uns noch die Info mit auf den Weg, dass Anfang 2021 mit ihrer Debüt-EP zu rechnen sei. Doch bis dahin werden wir mit Sicherheit noch ein paar Mal die warme Sommerbrise über unsere Haut wehen lassen.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Weltmusik im Dance

Weltmusik verbreitet sich immer häufiger über das Sprachrohr der elektronischen Musik. War dieses Musikgenre sonst nur eine Nische in den hiesigen Plattenläden, erreichen die Künstler dieses Genres immer öfter auch die Musikcharts der westlichen Länder. Ob es die brasilianische Rhythmus-Gruppe Barbatuques mit ihrem Song Baianá ist – der seit Jahren durch alle DJ-Sets geistert und für absolute Glücksgefühle sorgt – oder Wes, der durch das Remake von Alane wieder zurück in den Charts ist, bis hin zu Fatoumata Diawara – die bereits auf dem Disclosure-Hit Ultimatum zu hören war. Die Relevanz der Interpreten nimmt zu und beschert den Musikern, wie im Falle von Diawara, sogar Grammy-Nominierungen als Best Dance Recording. Natürlich gilt diese Nominierung hauptsächlich dem Produzenten-Brüdern von Disclosure. Doch zählt so auch Diawara zu den Nominierten. Im Zuge des neuen Albums der beiden britischen Brüder Guy und Howard Lawrence hat die Zusammenarbeit mit Diawara zu Ultimatum schließlich so viel Spaß gemacht, dass das Duo sich ein zweites Mal mit der malischen Sängerin ins Studio begeben und für ihr drittes Studioalbum Energy den Song Douha (Mali Mali) aufgenommen haben.

Disclosure & Fatoumata Diawara - Douha (Mali Mali)

Disclosure & Fatoumata Diawara – Douha (Mali Mali)

Dabei klingen Disclosure und Diawara einmal mehr verbindend und vereinen die verschiedenen Einflüsse ihrer Musikstile. Doch ist es vielleicht das Statement des Musikvideo-Regisseurs Mahaneela, der den Song und das Musikvideo nicht hätte passender beschreiben können. So sagt er in einem Interview mit dem Rolling Stone Magazin: Gerade jetzt, gehen wir überall auf der Welt durch eine absolut verstörende Zeit. Ich wollte daher etwas kreieren, das eine visuelle Schönheit präsentiert aber dennoch auch als eine Art Symbol für das steht, was wir gerade durchmachen. Die Menschen fühlen sich isolierter als je zuvor und ich hatte die Idee etwas Freude zu ihnen nach Hause bringen, die von der Kraft der Musik und ihrer Bewegung ausgeht und uns somit wieder verbindet. Es hätte keine bessere Beschreibung für den energiegeladenen Housetrack geben können, den uns Disclosure mit Diawara hier präsentieren. Das dazugehörige Musikvideo ähnelt dem, des 1998er Wes-Hits Alane auffällig und versprüht eine ganz ähnliche Dynamik. Nach Know Your WorthEcstasyEnergy und My High ist Douha (Mali Mali) bereits die fünfte Singleauskopplung und wird wohl der letzte Anheizer für das in vier Wochen erscheinende Album Energy sein. Disclosure wissen, was von ihnen erwartet wird und überraschen dennoch jedes Mal aufs Neue mit ihren Musik.

Jeremias - Keine Liebe

Jeremias – Innere Zerrissenheit

Sie waren eine der wenigen Bands, die bereits zu Beginn des Jahres mit ihrer Clubtour für ausverkaufte Hallen sorgten und gleichzeitig für einen der letzten Momente sorgten, Musik live auf der Bühne gespielt zu erleben – bevor die Pandemie alles zum erliegen brachte. Mit ihrem Tourfinale im Berliner Club Musik & Frieden am 29. Februar sorgten sie ein letztes Mal für eine fulminante Show, die das Publikum zum feiern brachte. Die anschließende Aftershow-Party in der Baumhausbar gleich oben drüber, ließ die Stimmung schließlich noch bis in die Nacht weiter steigen. Mit der – im Herbst veröffentlichten – EP Du Musst An Den Frühling Glauben gab es bereits einen ersten großen Release. Nun steht mit der neuen EP alma eine neue Platte kurz vor der Veröffentlichung und bietet nicht mehr nur den funkigen Indie-Gitarrensound der Vorgänger-EP, sondern wird durch das Element des Singer/Songwritings ergänzt. Hier kommen energiegeladene Songs gleich nach ruhigen Balladen, lassen aber den Kern der Band nach großen Funk-Indie-Songs erneut aufleuchten. Nach der großen Popnummer Schon Okay folgte in mitten in der Pandemie und Lockdown-Phase mir Mit Mir eine wunderschöne Klavierballade, welche das Quartett via Cardinal Sessions von zu Hause aus aufgenommen hatten. Nun haben wir mit Keine Liebe eine hochemotionale Veröffentlichung, in der sich eine innere Zerrissenheit mit dem Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit in einer freundschaftlichen Beziehung auseinandersetzt. Es ist der Moment, in dem man nicht mehr weiss, wie man seine eigenen Gefühle deuten soll. Kommt die Wärme, die in einem aufsteigt, wenn man der anderen Person gegenübersteht von einer tiefen freundschaftlichen Vertrautheit oder etwa doch, vom Aufkeimen eines viel tieferen Gefühls? Verbunden mit dem treibenden Funk in ihrem Sound, lassen Jeremias Keine Liebe zu einem Soundtrack der Selbstfindung werden und mischen dies mit einem lockeren Gitarrenspiel und der Kopfstimme von Jeremias Heimbach, die bereits auf Schon Okay hervorragend funktionierte. Die Band selbst beschreibt den Song als etwas brauchen und nicht-haben, wollen und nicht kriegen. Gleichzeitig sagen sie aber auch, dass sich die ganze EP um das Thema Liebe und Kummer drehen wird. Somit dürfen wir eine funkige zweite EP erwarten, die uns – trotz der emotionalen Topics – abermals zum tanzen bringen wird.

Icarus feat. Rae Morris - Dreams Of You

Icarus – Mit Melodic House zum Höhepunkt

Hat man den Song einmal gehört, wird man das Bild von ekstatisch feiernden Festivalbesuchern auf einem Feld, welche die Augen schließen, die Hände spirituell in die Höhe strecken und dabei tanzen nicht mehr los. Bei Icarus ist dieses Gefühl Alltag. Denn mit ihrem Melodic-House schaffen sie es immer wieder wahre Hymnen zu produzieren. Hatten sie 2016 mit Home und der Stimme der norwegischen Sängerin Aurora bereits einen grandiosen Song veröffentlicht, folgten in der Zeit danach mehrere EPs wie die 2019er EP This Must Be The Place. Nun haben die beiden Brüder Ian & Tom Griffiths aus Bristol neues Material veröffentlicht, welches wieder einmal mit Gastsängern begeistert. Auf Dreams Of You haben sich die beiden Produzenten die britische Art-Pop Sängerin Rae Morris dazugeholt und einen wunderbaren Housetrack produziert, der nach einem langen Intro zu einem intimen, energiegeladenen Powersong wird. Gerade diese Mischung ist es, die Icarus ausmacht und sie ein ums andere Mal frisch inszeniert. Denn das Zusammenspiel aus schnellen Beats und einem verstohlen, balladesken Gesang sorgen immer wieder dafür, dass sich die Songs ins Ohr brennen und den Körper zum Feiern anregen. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder zu Hause – mit euphorischer Freude am Song tanzen wir uns durch knapp fünf Minuten und vergessen fast, wo wir gerade sind.

High Contrast - Going Up

High Contrast – Musik der Kontraste

Er ist ein Künstler der Kontraste. High Contrast – wie sich der Brite Lincoln Barrett als Künstler nennt – bedient mit seinem Musikgenre Drum and Bass nicht nur die Kontraste, sondern hat auch bei seiner wichtigsten Entscheidung die Kontraste an einander gemessen. Mit 17 Jahren hatte der, in der Nähe von Cardiff aufgewachsene, DJ noch die Vision irgendetwas mit Filmen zu machen. Wenig später beeinflusste Barretts Nebenjob ihn so sehr, dass er sich in die elektronischen Musik und im Speziellen dem Drum And Bass verliebte. Daraus ist schließlich eine Produzenten- und DJ-Laufbahn entstanden, die mitlerweile knapp 20 Jahre andauert. Bis heute bringt es Barrett als High Contrast auf sechs Alben, mehrere EPs und Compilations und unzählige Singles, von denen einige es bis in die Top-50 der britischen Singlecharts schafften. Mit seiner neuesten Singleauskopplung Going Up hat der Waliser eine euphorische Jungle- und Drum And Bass Hymne produziert, die energiegeladen und verträumt zugleich klingt. Mit seinen ausbremsenden Klavierparts und den daraufhin einsetzenden schnellen Beats ist Going Up ein wunderbarer Sound zum darin verlieren und auf der Tanzfläche den Moment des Abends zu erleben. Darüber hinaus wird Going Up wohl die Single werden, die das größte Potential hat, eine. großen Charterfolg zu feiern.

The Asteroids Galaxy Tour - Dynamite

The Asteroids Galaxy Tour – Explosiv, wie Dynamit

Mit Around The Bend hatte das Dänische Psychedelic Popduo The Asteroids Galaxy Tour – alias Sängerin Mette Lindberg und Produzent Lars Iversen – 2008 einen satten Indiehit gelandet. Dabei wurden sie weltweit in den Clubs gespielt und begeisterten mit einem euphorisch, fröhlichen Popsound, der mal schräg war und mal einfach nur Partystimmung verbreitete. Nun, elf Jahre nach Around The Bend, veröffentlichen The Asteroids Galaxy Tour mit Dynamite bereits ihren fünften Song aus einem Album, welches nach fünf Jahren Pause, noch dieses Jahr erscheinen soll. Dabei ist Dynamite eine energiegeladene Pophymne, die mit Trompeten und 70er-Jahre-Funk aufwartet und so einen satten Ohrwurm in The Asteroids Galaxy Tour-Manier kreiert. So kündigten The Asteroids Galaxy Tour den Song letzte Woche dann auch mit dem kurzen Kommentar Die Trompeten sind zurück! an. Wann genau das vierte Album veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Doch nach fünf ausgekoppelten Songs, dürfte es sich nicht mehr all zu lange hinziehen. Wir sind gespannt und bleiben am Ball.