Kummer - Wie Viel Ist Dein Outfit Wert

Kummer – Die Abrechnung mit der Generation Scheinq

Ende Juni hatte Felix Kummer mit 9010 seine erste Single unter dem Pseudonym Kummer veröffentlicht. Dieser thematisiert die rechte Haltung vieler Einwohner seiner Heimatstadt Chemnitz. Nun ist – kurz vor der Veröffentlichung seines Debütalbums KIOX am kommenden Freitag – mit Wie viel ist dein Outfit wert eine weitere Single erschienen, in der Kummer über Gucci, Prada, Dior und Fendi rappt. Allerdings ist der Song keine Preisung dieser Marken, sondern thematisiert viel mehr, dass der Schein wichtiger ist, als das Sein. Mit Textzeilen, wie […Der Teufel trägt Prada und jeder Trottel trägt Supreme..], [..Du würdest armen Menschen ja zur Seite stehen. Wenn sie es schaffen würden einfach bisschen geiler auszusehen..] und [..100€ liegen zwischen angesehen und unbeliebt..] manifestiert Kummer seine gesellschaftskritischen Texte und transportiert diese auf eine moderne Art, die eben nur so, die heutige Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht. Dabei geht es nicht um jeden Einzelnen, sondern vielmehr um die, die auf den Schulhöfen und Nachmittags in der Gruppe den ärmeren Gleichaltrigen mit Hohn und Spott gegenübertreten. Gleichzeitig nimmt Kummer allerdings – durch kurze Snippet-Einspieler von, unter anderem, Mark Foster und dem Youtuber Mahan (nach dessen Frage auf seinem Vlog wohl Kummers Song benannt ist) – auch populäre Menschen in die Verantwortung und zeigt, wie normal es heute ist, Menschen nach ihrer Kleidung als erfolgreich oder erfolglos bestimmen zu wollen. Mit KIOX wird Kummer wohl eines der wichtigsten Alben des Jahres abliefern und gleichzeitig seine ohnehin schon hohe Stellung im deutschen Musikbusiness manifestieren.

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Like Elephants – M83 oder doch Indie 2.0?!

Bereits vor zwei Jahren hatten Like Elephants aus Österreich mit ihrem Debütalbum Oneironaut alle Liebhaber von 80er Jahre Synthies und M83 aufhorchen lassen. Mit ihrer neuen Platte Kaleidoscope, die Mitte September erscheinen wird, haben Frontsänger Viktor Koch, Gitarrist Martin Wührer, Bassist Roland Gugerbauer und Schlagzeuger Christian Luger ein Stück Musik produziert, bei welchem man sich fragt, woher die Band dieses Gefühl von Weite entwickeln konnte. Bietet ihr Heimatort Grieskirchen doch gerade einmal 5.000 Einwohner und haben Like Elephants somit bereits mehr als den halben Ort dazu bekommen, sie auf Facebook zu liken. Mit der Single Video Game setzen die Jungs nun auch zum Sprung an, in Europa Fans zu gewinnen. Dabei dürfte ihnen die Ähnlichkeit zur französischen Band M83, rund um Anthony Gonzalez, deutlich behilflich sein und ihnen einen ordentlichen Popularitätsschub geben. Lässt man diesen Aspekt einmal beiseite, besticht Video Game durch viel Synthie, einem Gesang, der in Dream-Pop abdriftet und jeder Menge Euphorie und präsentiert sich so als heißer Anwärter für eine Genieße-das-Leben Hymne.

Parcels – 70’s-Funk und Disco-Lo-Fi

Sie kommen aus Australien und leben aktuell in Berlin – was bietet sich da besseres an, als Musik zu machen. Dabei kann die 2014 gegründete Band bereits auf bewegende vier Jahre zurückblicken. Hatte alles im kleinen Byron Bay in Australien angefangen, scheint der Ort der Nährboden für Musiker zu sein, kommen doch aus dem nicht einmal 5.000 Einwohnern fassenden Ort die Metalcore-Band Parkway Drive, die Indie-Band The Jezabels und der Komponist Andy Holm. Bei dieser Dichte kennt wohl jeder jeden. Da ist es nur zu verständlich, als Band das Weite zu suchen und sich in einer Stadt einzunisten, in der Musik an oberster Stelle steht. Von Berlin aus äußerst erfolgreich haben Parcels – die aus den fünf Jungs Jules Crommelin, Noah Hill, Louie Swain, Anatole Secret und Patrick Hetherington besteht – bereits drei EP’s veröffentlicht und mit der 2017er Single Overnight sogar Daft Punk, als Produzenten, für sich gewinnen können. Nun sind sie mit der neuen Single Tieduprightnow wieder da und beweisen, dass sie von all dem Rummel nicht genug bekommen können. Dass sie ihre Musik selber als Elektro-Pop bezeichnen, kommt dem gesamten Werk noch nicht einmal annähernd nahe. Denn Tieduprightnow ist eine wunderbare 70’s-Funk-Disco-Lo-Fi-Nummer, die an Daft Punkt erinnert und die Synthies genau an der richtigen Stelle benutzt. Parcels haben mit Tieduprightnow eine passende und sympathische Nummer geschaffen, die wie gemacht für den Sommer ist.