Krezip - How Would You Feel

Krezip – Wenn sie uns rufen

Krezip sind zurück! Diese Nachricht schlug Ende Januar ein wie eine Bombe – eine der erfolgreichsten niederländischen Bands veröffentlichte, nach 10 Jahren Trennung, mit Lost Without You wieder eine Single. Hierbei galt die Single nicht nur als Comeback, sondern gleichzeitig auch als großes Dankeschön an die jahrelange Treue der Fans. Immerhin war die Band nun genauso lange getrennt, wie es sie als Band gab. Schließlich folgte Ende April die Auszeichnung mit einer Goldenen Schallplatte und bestätigte damit die Nachfrage der Fans. Nach der Ankündigung nicht nur auf dem Pinkpop Festival zu spielen, sondern am 25. Oktober 2019 gleich noch ein Konzert im Amsterdamer Ziggo Dome zu spielen, gingen die Karten innerhalb von weniger Stunden komplett weg. So, dass die Band mit dem 24. und 26. Oktober zwei Zusatzkonzerte ankündigte. Ist der 26. Oktober mittlerweile ebenfalls ausverkauft, gibt es für den 24. Oktober noch Karten zu kaufen. Doch auch diese werden in den kommenden Wochen äußerst nachgefragt sein, denn heute haben Krezip – als weitere Überraschung – eine zweite – komplett neue – Single veröffentlicht. Mit How Would You Feel haben Krezip einen Song veröffentlicht, der das Gefühl der Band nicht besser vermitteln könnte. Hier trifft Wärme auf eine euphorische Stimmung, die nach Aufbruch klingt. Dabei singt sich Jacqueline Govaert durch Textzeilen, wie Ooh ooh ooh There’s so much going on. And everything is always moving on. How would you feel. If I come home now. Cause I need you now love. Oh I need you now. And on and on I miss you. Und klingt zufriedener denn je. Die Band – selbst überwältigt von all dem Zuspruch – fügte der Veröffentlichung dann auch die Worte Liebe Leute, zwischen all den schönen neuen Abenteuern, die wir gemeinsam erleben dürfen, gab es plötzlich Inspiration für ein weiteres neues Lied! Damit zeigen sie ganz direkt, wie sehr sie mit den Fans verflochten sind und die äußeren Eindrücke auf sie wirken. Nun, nach der zweiten neuen Single, werden die Vermutungen, dass es doch in absehbarer Zeit ein neues Album geben könnte, nochmals verstärkt. Mit How Would You Feel zeigen Krezip einmal mehr, warum sie uns allen so gefehlt haben.

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Benjamin Francis Leftwich – Wie das Leben spielt

Benjamin Francis Leftwich hat in den letzten Jahren so einiges an Material veröffentlicht. Stehen ganz vorne seine beiden Alben Last Smoke Before The Snowstorm (2011) und Before The Rain (2016). Gesellen sich fünf EP’s mit zu seiner Diskografie. Dabei fällt vor allem die letzte EP I Am With You (2018) auf, hat der britische Singer/Songwriter doch hier sein gewohntes Genre des Folks verlassen und sich zu mehr Ambient und einem elektronisch untermalten Sound weiterentwickelt. Die Beweggründe beschreibt der 29-jährige Leftwich als eine Art Katharsis bei der er mehr zu sich selbst gefunden hatte und seitdem nicht müde wird, sich weiterzuentwickeln. Dabei kommt ihm die neue Single Look Ma! zur Hilfe, die nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung elektronische Musik geht, sondern auch Leftwichs drittes Album Graditute ankündigt, welches am 15. März veröffentlicht wird. Look Ma! ist dabei eine Mischung aus fernöstlichen Eindrücken, Leftwichs warmer Stimme, einem relaxten Beat mit Synthies und einem weiten Sound. Mit Look Ma! hat Leftwich neues Terrain betreten, welches zu ihm genauso gut passt, wie sein vormaliger Folksound.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest Dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

Christine And The Queens – Konzertkritik

Sie kam, sah, siegte. Nicht anders ist zu beschreiben, was Héloïse Letissier alias Christine And The Queens am gestrigen Abend bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in der Berliner Columbiahalle abgeliefert hat. Einen Abend mit vielen Eindrücken, vielen Interaktionen und noch mehr Songs trieben den Siegeszug der französischen Sängerin weiter an – und noch viel mehr, wäre da nicht der Support-Act. Aber alles der Reihe nach.

 

Bereits im Vorfeld des Berliner Konzertes gab es Lobeshymnen und Vorfreude auf allen Kanälen, sei es im Radio, in den Feuilletons oder auf den Fanseiten der Sängerin zu hören und lesen. Und so war es auch kein Wunder, dass das einzige Deutschlandkonzert und eines der wenigen europäischen Konzerte überhaupt – außerhalb Frankreichs und Großbritanniens – in Windeseile ausverkauft war.

Lauren Auder @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Als Support Act stand Lauren Auder auf der Bühne, bei dem sich verschiedene Quellen noch nicht einmal sicher sind, wo er lebt, und wo er geboren wurde. Heisst es auf der Internetseite seiner Booking-Agentur Primary Talent International, er sei in Großbritannien geboren und in Frankreich aufgewachsen, meldet das Musikmagazin Pitchfork genau das Gegenteil. Hierbei zeigt sich der Widerspruch, den Auder auch am gestrigen Abend auf der Bühne präsentierte. Mit einem Sound, irgendwo zwischen Wave und Gothik orientiert, gab Auder seine Stimme in einer trägen und desinteressierten Art zum Besten und wirkte damit nicht, wie es eigentlich ein Support-Act machen sollte – die Masse anheizen, um den Hauptact danach zu feiern. Ist seine Bariton-Stimme unverkennbar und hat einen hohen Wiedererkennungswert, schaffte es Auder nicht, eine Verbindung mit dem Publikum aufzubauen. Was verwundert, hat der 19-Jährige Sänger doch Ende April in einem Interview gesagt I’m starting to get to where I’m able to make a true connection to the public, which has been kind of crazy. Von dieser Verbindung kann am gestrigen Abend keine Rede gewesen sein. Und so wurde die Ankündigung, dass sein letztes Lied kommen würde, fast schon freudig vom Publikum mit Jubel quittiert.

Nach 15 minütiger Umbauphase trat schließlich Letissier auf die Bühne und verwandelte diese in die Bretter, die die Welt bedeuten. So war die gesamte Show einem Bühnenensemble gleich, welches immer wieder in Trainingssessions zu den Songs performte. Mal abstrakt mit einem sogenannten Shadowing – hierbei kopiert eine Person die Bewegung der Hauptperson. Mal in Form einer Slow-Motion Performance oder wiederum auch ganz klar in Rivalenkämpfen der Bühnentänzer. Dies verlieh der Show eine Dynamik, die das Konzert zu einem Musical werden ließ. Hierbei konfrontierte Letissier das Publikum immer wieder mit Konversationen, die in den nächsten Song übergingen. So trat Letissier beispielsweise zwischen den Tänzern hervor, die gerade einen Freeze-Mode hatten (die Tänzer stehen wie eingefroren da und lassen sich durch Witze oder Bewegungen anderer nicht aus der Fassung bringen), um diese aus der Starre zu bringen um schließlich mit dem Satz Maybe I’m too tilted einen ihrer großen Hits Tilted/Christine überzugehen.

Es sind aber auch die einfachen Dinge, die Letissier so wunderbar beherrscht. So gab es neben Konfettiregen auch eine Art Sanduhr zu dem Lied The Walker bei dem langsam Sand von der Decke aus drei verschiedenen Kübeln auf die Bühne fiel. Schließlich tauchte sie, nach einem schnellen Abgang, mitten im Publikum wieder auf, um ihre Zugabe zu spielen.
Ob bei Doesn’t Matter oder Saint Claude – Letissier geht mit ihrer Sexualität offen um und zeigt sich bei den Performances zu diesen beiden Songs mit offener Bluse bis hin zum – bis auf den BH – freien Oberkörper.

In dem 110 Minuten langen Konzert verpackte das Energiebündel sagenhafte 19 Songs (hier gehts zur Setlist) aus den beiden Alben Chaleur humaine und Chris, sowie aus der EP Intranquillité. Dabei sprach Letissier auch immer wieder davon, wie wichtig es ihr sei, einen sicheren Platz für alle Arten von Liebe zu schaffen und, dass dieses Konzert ein sicherere Platz ist. Ihre Leidenschaft zur Bühne zieht sich durch ihr gesamtes Leben und so war die Show auch als solches nicht nur das Konzert einer französischen Popsängerin, sondern vielmehr ein Gefühl, eine Geschichte, Dramatik, Erotik, Cleverness und einfordernd und überzeugte in einem Maße, welches das Publikum vor Begeisterung wegbließ. Letissier – als Christine And The Queens auf der Bühne – wird zu Recht als Next Generation Leader (Time Magazine) betitelt und trägt damit einen großen Teil dazu bei, dass in politisch schwierigen Zeiten, die Stimmen für Liberalität, Humanität und Gleichberechtigung lauter sind, als die der Gegner.

Christine And The Queens @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com