L'aupaire feat. Martin Rott - Bubbles

L’aupaire – Musikalisch neu aufstellen

Mit Rollercoaster Girl gelang dem Gießener Musiker L’aupaire 2014 ein sensationeller Erfolg. Mit einer Mischung aus rauer und gefühlvoller Stimme und treibenden Sounds wurde er schnell vom Geheimtipp zum gefragten Act in Radioshows, auf Festivals und auf der Konzertbühne. Das dazugehörige Album Flowers landete schließlich 2016 auf Platz 51 der deutschen Albumcharts. Mit den darauf enthalten Songs wurde die Nachfrage nach dem – mittlerweile in Berlin lebenden – Musiker schließlich so groß, dass er die Reißleine ziehen musste und sich eine Auszeit nahm. Der Druck und das ständige Touren führten bei Robert Laupert zu einem Überdenken seiner Arbeit. Nach einigen Monaten ohne jegliche Gedanken an die Musik schlossen sich plötzlich Türen und öffneten sich woanders, wie der Musiker dem Gießener Anzeiger in einem Interview erzählte. Dabei kam wieder neuer Elan auf und plötzlich sprudelten die Ideen für neue Songs. Hier schloß sich auch die Tür bei dem Plattenlabel Virgin Records – bei dem L’aupaire noch sein Debütalbum veröffentlichte – und öffnete sich eine andere bei Vertigo Music. Mit Reframing folgte im August 2019 L’aupaires zweites Album für das es auch eine kleine Deutschlandtour geben sollte. Doch nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des neuen Albums teilte L’aupaire über seine sozialen Kanäle mit, dass er auf unbestimmte Zeit keine Konzerte mehr geben kann. Dies zahnt in den Reaktionen seines Körpers, der ihm genug Zeichen gesendet habe, diesen Schritt zu gehen – so der Musiker. Wer die Songs L’aupaires kennt, wird wissen, dass alle gemein einer Intimität und Gefühlswelt entstammen, die nicht auf Hektik, hartem Abliefern und Dauer-Druck-empfinden fußen, sondern durchzogen sind, von weichen, emotionalen Gefühlen und Erlebnissen.

L'aupaire
L’aupaire

Während sich L’aupaire über die vergangenen zwölf Monate somit immer wieder freischwamm und durch Erlebnisse – wie die Geburt seines zweiten Kindes oder die Eindrücke eines Roadtrips mit seiner jungen Familie – neue Kraft fand, entstand daraus auch wieder neue Musik. Die dabei veröffentlichten Songs bilden die Vielfältigkeit des Musikers ab, wie wir es bisher kaum zu hören bekamen. Ob mit dem körperlichen Flamenco, dass von den unzähligen ersten Malen handelt, die man im Leben erlebt, oder dem unglaublich warmen Ocean Girl bei dem wir ganz persönliche Einblicke in L’Aupairs Familienleben bekommen und bei dem er über die Verantwortung für seine kleinen Kinder singt und ebenso darüber, diese Verantwortung auch wieder abgeben zu können, um sie auf ihren eigenen Weg zu schicken. Nun hat L’aupaire mit Bubbles die dritte Singles dieses Jahres veröffentlicht und einen gänzlich neuen Sound eingeschlagen. Gänzlich neu ist dabei, dass die Erstversion der Veröffentlichung ein grooviger Dancesong ist, der mit 80er-Jahre Synthies aufwartet und von Martin Rott – der bereits mit Wallis Bird, Alexa Faser, Max Giesinger und Stephanie Neigel zusammenarbeitete – einen neuen Mix erhielt. Rott hat dabei gerade erst Ende August seine Debüt-EP Circles veröffentlicht und aus L’aupaires Folk- und Blues-Sound eine tanzbare, lebensbejahende Dancepopnummer gemacht. Hierbei kommt ein Retrogefühl auf, welches uns Bilder in den Kopf setzt, wie man in den 80er-Jahren, zusammen mit seinen Freunden, zum nächsten Kiosk gegangen ist, um sich für ein paar Pfennige Süßigkeiten und Kaugummis kaufen zu können. Mit Bubbles gibt uns L’aupaire einen Eindruck von der Vielfalt, die noch in ihm schlummert und macht gleichzeitig Lust auf die kommenden Veröffentlichungen. Alles braucht seine Zeit – auch für Künstler gilt dies, um ganz bei sich selbst zu bleiben.

Aluna - Envious

Aluna – Alle dürfen neidisch sein

…denn was Aluna Francis uns dieses Jahr an fantastischen Songs abgeliefert hat, überragt fast vollständig den bisherigen Erfolg ihres Duos AlunaGeorge. Mit Body PumpGet Paid und Warrior zeigte uns die Londoner Musikerin, dass sie nicht nur die Stimme eines Duos sein, sondern einen völlig eigenständigen Sound schaffen kann. Während auf Body Pump ein hektischer Sound auf die hohe Stimme Alunas trifft, bilden die Beats einen unglaublich tanzbaren Boden. Bei Warrior indes, holt sich Aluna den Produzenten SG Lewis dazu, dessen Signature Sound man sofort raushören kann. Hier liefert sich Aluna mit pumpenden Beats ein sattes Battle und klingt, wie gemacht für eine Nacht in den dunkelsten Clubs der Stadt. Nachdem Get Paid die letzte Single war, folgt nun mit Envious die vierte Auskopplung aus dem, am Freitag erscheinenden, Solodebüt Renaissance. Hier zeigt Aluna eine weitere Seite ihres Sounds und verweist auf die Idee zu dem Album. Während sie als Teil des Duos AlunaGeorge immer wieder das Gefühl hatte, als eine Art Fremdkörper in einer Halle voller weisser Menschen zu stehen, sollte Ihr Debüt mehr von der Sängerin widerspiegeln.

Aluna - Renaissance

Aluna – Renaissance

So sollte der Dancesound an den Chicago House-Sound angelehnt sein, der sich Anfang der 80er Jahre aus der Schwarzen – und Latino-LGBTQ+-Szene entwickelte. Auf Renaissance hören wir diesen Einfluss deutlich heraus und tanzen zu den unterschiedlichsten House-Beats, die alle eines eint – ein treibender Sound für eine lange Nacht. Mit Envious zeigt uns Aluna nun, dass ihr Sound vielleicht einer der Richtungsweisendsten der aktuellen britischen Musikszene sein könnte. Ich denken, dass die Leute diesen Song gerade wirklich gut gebrauchen können. Es ist einfach mein bester ‚im Club-heulen-Song‘. Ein Song, bei dem man diesen Moment hat, auf der Tanzfläche zu stehen und alle Emotionen rauszulassen, während man tanzt – also Tanzen und Weinen zur selben Zeit. Ich habe das Gefühle, dass die Leute das in der aktuellen Zeit einfach brauchen – mindestens einmal täglich so Aluna über den Song. Envious zeigt als vierte Albumauskopplung, dass wir am Freitag ein Album erwarten können, das vom ursprünglichen Chicago House geprägt ist und durch die Zusammenarbeit mit AlunaGeorges George Reid – als Produzent auf Renaissance – mit dem Sound der Gegenwart verbindet.

Classixx feat. Roosevelt - One More Song

Classixx feat. Roosevelt – Dancehymne mit Funk

Sie hört sich an, wie ein unbeschwerter Sommertag auf dem Rad zum See hinaus fahrend – die neue Single One More Song vom US-Amerikanischen Dance-Duo Classixx. Hinter dem Duo verbergen sich Michael David und Tyler Blake, die von Los Angeles aus seit 2008 als Classixx zusammen Musik machen. Kennen sich beide schon seit ihrer Kindheit, war schnell klar, in welche Richtung es musikalisch gehen sollte. Mit einem Soundmix aus Disco, Funk und House haben sich Classixx innerhalb kürzester Zeit zu renommierten Produzenten gemausert und Remixe für Bands und Acts, wie Major Lazer, Groove Armada, Ladyhawke, Kid Cudi und Friendly Fires gemacht. Auf ihren beiden bisher veröffentlichten Alben Hanging Gardens (2013) und Faraway Reach (2016) versammelten sie Künstler, wie Jeppe von Junior Senior, Passion Pit, How To Dress Well, T-Pain oder Panama. Liegt das letzte Album damit aber bereits vier Jahre zurück, mehren sich die Fanrufe bezüglich eines neuen Albums zunehmends. Mit der, im Herbst letzten Jahres veröffentlichten, Single Love Me No More nährten sie Gerüchte um ein baldiges, drittes Studioalbum. Mit der nun veröffentlichten Single One More Song geben sie uns einmal mehr die Hoffnung, auch bald wieder einen Langspieler in den Händen halten zu können. Dieses Mal mit dabei ist der deutsche Produzent und Soundtüftler Roosevelt, der bereits mit seinen beiden Alben Roosevelt (2016) und Young Romance (2018) für enorm tanzbare Musik sorgte. Dabei hatten Classixx schon eine ganze Weile vor, mit Marius Lauber alias Roosevelt zusammenzuarbeiten – sind sie doch mindestens ebenso lange Fans seiner Musik. So kam es dazu, dass Classixx eine Demoversion des Songs an Roosevelt schickten und dieser seine Lyrics und den Gesang aufnahm. Zurück an das Duo geschickt, bauten Classixx hier einen komplett neuen Song herum. Wie sich das Endergebnis anhört, können wir nun auf One More Song bestaunen. Wartet dieser Song doch mit einem modernen, in Retro gehaltenen Funk-Dancesound auf, der sich hier und da natürlich an die Wegbereiter des modernen Funk-Dance-Sounds – Daft Punk – orientiert, allerdings auch deutlich nach Roosevelts und Classixx‘ Handschrift klingt. One More Song ist eine satte Dance/Funk/Popnummer, die das positive Lebensgefühl hochhält und zum Genießen einlädt. So ist der See auf dem Rad schon längst erreicht und wird der Song auch auf dem Tretboot in der prallen Sonne genoßen. One More Song ist eine Lebensgefühl, welches Classixx und Roosevelt wunderbar eingefangen haben.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

Lydmor – Soundtrack aus der Zukunft

Mit und dem Kollaborationsalbum Seven Dreams Of Fire, das sie mit dem WhoMadeWho-Bassisten Tomas Hoffding aufgenommen hat, hatte die dänische Sängerin Jenny Rossender, alias Lydmor, 2015 gleich zwei Alben veröffentlicht. Jeweils darauf enthalten waren die Songs I Love You aus Y und Things We Do For Love aus Seven Dreams Of Fire die so zuckersüße Popsongs waren und sich entspannt aber vehement im Kopf festsetzten. Bereits damals hatte Lydmor damit – nicht nur in Dänemark – für Aufsehen gesorgt und fand auch in Deutschland Beachtung. Nun ist sie mit Money Tower – aus ihrem für 2018 angekündigten Album – wieder zurück und überrascht mit einem vollen Dancesound. Lebte die Dänin für einige Zeit in Shanghai, beeinflusste sie gerade hier der so schillernde, kalte und moderne Vibe der Mega-Stadt. So entstand mit Money Tower ein Cyborg, der auch als Soundtrack des Science-Fiction Films Lucy stammen könnte. Gewaltig und doch zurückhaltend bricht Money Tower über uns hinein und lässt irritiert aber begeistert zurück.