Yoste – Eine Palette an Songs aus der Tiefe

Es ist ein Sound, der aus seinem Inneren kommt – denn Yoste selbst beschreibt die Entstehung seiner Songs als ein Resultat, dass er vieles in sich selbst nicht vollends versteht und dieses Gefühl der Unsicherheit einerseits als beängstigend betrachtet, andererseits aber auch friedvoll empfindet. Dabei ist der 23-jährige Kurt Sines, der aus Brisbane – Australien – kommt in seiner Erscheinung ein durchaus selbstsicherer junger Mann, der allerdings um ein paar Jahre jünger aussieht, als er tatsächlich ist. Mit der neuesten Single Empty hat Yoste seiner, zur Veröffentlichung bevorstehende, EP Try To Be Okay eine weitere Note dieser Gefühlswelt hinzugefügt. Neben den Singles ArcChihiroBlue und eben Empty umfasst die EP mit Howl und Moon zwei weitere Songs, die der Songwriter und Producer selbst eingespielt hat. Allesamt bewegen sich im entspannten, elektronischen Bereich der Musik und sind gefüllt mit feinen Nuancen aus Klavier, leichten orientalischen Klängen und der weichen Stimme Sines. Dabei weist Yoste Gemeinsamkeiten mit dem US-Amerikaner Shallou auf. So haben beide ein ähnliches Soundkostüm aus sanften elektronischen Beats, vielen kleinen, verspielten Elementen und einem weichen Gesang gemein. Yoste befindet sich dabei genau in der gleichen Schwebesituation, wie es vor einem Jahr bei Shallou mit seiner EP Souls der Fall war. Denn persönliche Empfindungen und Emotionen spielen auch bei Yoste eine zentrale Rolle und lassen seine Musik regelrecht schweben. Alle Songs auf Try To Be Okay bestechen durch eine Universalität, die es den Songs ermöglicht, im tiefen Winter für eine melancholische Stimmung zu sorgen, oder dem nahenden Frühling selbstbewusst und mit den ersten warmen Vibes entgegenzugehen. Dabei klingen die Songs zeitlos und orientieren sich nicht an der Popmoderne heutiger Produktionen. Yoste schafft mit der, am 15. Februar erscheinenden, EP Try To Be Okay einen wahren Schatz zu veröffentlichen. Seine Musik ist dabei für all Diejenigen, die sich gerne einmal treiben lassen, all die Hektik der heutigen Welt ausschließen möchten und in sich selbst reinhören wollen – immer auf der Suche nach einem ausgleichenden Moment.

Werbeanzeigen

Apparat – Zurückgezogene Zugänglichkeit

Er kommt aus dem Bereich des Technos und hat in den vergangenen 23 Jahren massgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland international als eines der führenden Länder der, vor allem im Ambientbereich befindlichen, Elektroszene wahrgenommen wird. Mit seiner Vielfalt an musikalischer Ausdrucksweise hat sich Sascha Ring in den vergangen zwei Jahrzehnten einen festen Namen erarbeitet, der durch das Projekt Moderat, welches er zusammen mit Modeselektor zwischen 2002 und 2017 aufrecht erhielt, und sich durch seinen Wechsel – hin zu einem deutlicheren Ambient-Sound, der mittlerweile auch den Begriff IDM – Intelegent Dance Music – auszeichnet. Ist Apparats letztes Album The Devil’s Walk bereits acht Jahre her, hatte der in Quedlinburg geborene Produzent, Ende 2017 vor allem durch den von ihm beigesteuerten Theme-Song zur deutschen Netflix-Serie Dark zusätzlich weltweit Aufmerksamkeit erhalten. Nun hat Apparat mit Dawan einen neuen Song veröffentlicht und damit sein fünftes Album LP5 angekündigt. Dabei klingt Dawan zugänglicher, bleibt aber einem dunklen Sound treu. Mit schnellem Hintergrundbeat, vertrackteten Sound und dem fragilen Gesang baut sich Dawan immer weiter auf und mündet in einer verträumten Vorstellung von einer Soundwolke aus Wärme, Zufriedenheit und Zuneigung. Gibt es eine stetig wachsende Auswahl an neuen Genrekreationen, ist IDM wahrlich die zutreffendste Genrebezeichnung, die es für Apparats Musik geben kann.

Maggie Rogers – Selbstreflektion auf neuer Single

Für Maggie Rogers waren es zwei bewegende Jahre, seitdem die US-Amerikanerin 2016 durch das Kuratorenvideo mit Pharell Williams via YouTube zum Star wurde. Doch abseits des Klickhypes, konnte Rogers vor allem durch ihre bodenständige und unglaublich sympathische Musik überzeugen. Mit Songs, wie Alaska, Better und On + Off sang sie sich direkt in die Herzen. Ihre Natürlichkeit und verspielte Niedlichkeit auf der Bühne unterstützten das Bekanntwerden der Sängerin noch einmal zusätzlich. Nun ist sie mit Fallingwater zurück und behandelt darin gerade diesen rasanten Aufstieg, den sie in den vergangenen zwei Jahren erleben dürfte. So singt sie vom damit fertig werden und dennoch stolpern und dem Versprechen, weiterzumachen, egal wie die Reise, die vor ihr liegt, auch aussehen mag. Dabei bleibt Rogers bei ihrem folklastigen Singer/Songwriter Sound, der auch hier wieder mit Elementen des Pop und aus dem elektronischen Bereich angereichert ist. Mit Klavier und ihrer großartig, klaren Stimme bleibt Rogers so sympathisch, wie wir sie kennen und treibt die Sehnsucht voran, sich mit ihr auf ein Abenteuer zu begeben.

Jungle – bleiben Jungle

Vor fast genau vier Jahren haben Jungle ihr gleichnamiges Debütalbum Jungle veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ein Jahr als Band formiert, eroberte das Kollektiv, mit Songs wie Busy Earnin‘ Großbritannien im Sturm. Nach langer Wartezeit, ist das Kollektiv um Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland – kurz J und T – nun zurück. Die Planung, ein Musikprojekt aus verschiedenen, kreativen Köpfen zu formen, indem einer für das Artwork, einer für ästhetische Videos und andere in verschiedenen Bereichen tätig werden, ging vollends auf und sorgte dafür, dass Jungle – auch abseits der Musik – als qualitativ extrem hochwertig wahrgenommen wurden. Da verwundert es auch nicht, dass es vier Jahre dauern musste, um neues Material von der Band zu hören. Mit Happy Man und House In L.A. sind sie dafür gleich mit zwei neuen Songs zurück und haben bereits im Vorfeld eine ausgedehnte Welttournee angekündigt. Happy Man spielt mit den typischen Jungle-Elementen aus Funk, Soul, Pop und dem Vibe der 70er Jahre. Immer etwas träge, wird Happy Man zu einer schwoofig, klebrigen Soundmaschine, die einen verschluckt, nach 3:11 Minuten ausspuckt und selig zurücklässt. Jungle beherrschen es, dem Hörer das zu geben, was er von der Band erwartet und gerade deshalb die Nachfrage nach weiteren Songs abermals zu steigern.

Die Fantastischen Vier feat. Clueso – Ironie hoch 5

Seit fast 30 Jahren sind die Fantastischen Vier eine feste Instanz in der deutschen Musiklandschaft. Nur ein Drittel kürzer ist der Erfurter Clueso dabei und in den letzten Jahren äußerst erfolgreich mit seinen Alben. Bisher mit Einfach Sein (2007) erst eine einzige Kollaboration eingegangen, folgt nun abermals der Ausflug, einen Gastsänger auf einem Song zu präsentieren. Dass Clueso dabei die perfekte Wahl ist, zeigt alleine schon die Art der Band und des Sängers, Lieder zu singen – beide kommen aus dem Hip-Hop-Bereich. Auch gemein haben beide Acts, dass sie in den Jahren immer weiter zum Pop übergegangen sind und sich hierbei nochmals richtig ausleben konnten und immer noch können. Auf Zusammen singen die Fantastischen Vier und Clueso darüber, dass man sich manchmal zusammenfinden muss, um stark zu sein. Dass dabei das Musikvideo eine ganz andere Sprache spricht, liegt in der Natur der Fantastischen Vier. Hier zeigen sie – und vor allem Michi Beck – ihre uneingeschränkte Abneigung gegenüber des „Neulings“. Bär Läsker tritt dabei als ideengebender Produzent auf und merkt schließlich, dass die Idee nicht das wahre war. Mit einem Augenzwinkern sind diese siebeneinhalb Minuten fast schon Kurzfilmniveau. Dazu kommt der, direkt ins Ohr gehende Beat, der sich modern und sehr radiotauglich gibt. Mit Zusammen sind die Fantastischen Vier einmal mehr mit einer starken Popnummer zurück und haben mit Clueso die beste Verstärkung im Gepäck, die es aktuell gibt.