Mura Masa feat. Georgia - Live Like We're Dancing

Mura Masa feat. Georgia – Zwei britische Durchstarter in einem Song

Georgia Barnes ist gerade eine der angesagtesten Acts der britischen Musikszene. Mit ihrem soeben veröffentlichten, zweiten Album Seeking Thrills vereint die Londoner Musikerin, die nur unter ihrem Vornamen auftritt, euphorischer Dancepop á lá Robyn und bringt die Stimmung einer Partynacht auf den Punkt. Alex Crossan hingegen, steht als Mura Masa auf der Bühne und hat mit seinem Debütalbum Mura Masa (2017) künstlerisch fast alles erreicht, was man schaffen kann, denn mit Mura Masa schaffte es der britische Musiker sogar, zwei Nominierungen für die Grammys einzusacken. Während sich Mura Masa in den letzten Monaten intensiv auf die Fertigstellung seines Folgealbums R.Y.C. konzentrierte, hat er die Londonger Sängerin Georgia kennengelernt. Zusammen haben sie einen Song aufgenommen, den Mura Masa nun, nach der Veröffentlichung des neuen Albums ins Netzt gestellt hat. Hierbei mixt der Musiker und Produzent drei große Elemente zu einer Soundwolke zusammen. Zum einen sind hier Mura Masas typische Sounds, wie Tropical House, Dupstep und Hip-Hop zu hören, hinzu kommt Georgias wunderbar leichte Art zu singen und dem Beat stimmlich völlig zu vertrauen. Darüber hinaus hat Mura Masa am französischen House gefallen gefunden und unterlegt den Song Live Like We’re Dancing mit einer Elektrolinie, die an Daft Punks Hitalbum Discovery (2001) erinnert. Zusammengemischt klingt Live Like We’re Dancing so organisch gewachsen, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dieser Song würde nicht aus einer Hand kommen. Mura Masa zeigt mit seinem neuen Album, wie abwechslungsreich ein Musiker klingen kann und begeistert auch mit dem – oftmals so schwierigen – zweiten Album vollends.

Jarryd James - Let It Go

Jarryd James – Verruchter Neo-Soul mit Tanzfaktor

Für den Australier Jarryd James lief 2015 so ziemlich alles rund. Startete er mit seiner Debütsingle Do You Remember so richtig durch und landete auf Platz 2, schaffte es sein, kurze Zeit später veröffentlichtes Album Thirty One, inklusive der Folgesingle Give Me Something, ebenfalls bis auf Platz 2 der australischen Albumcharts. Und wäre das für einen Newcomer nicht schon erfolgreich genug, gewann er schließlich auch noch einen ARIA Award für Do You Remember als Best Pop Release. Schließlich wurde es einige Jahre still um den Sänger und Produzenten, der seinem Stil mit Alternative-R&B ein ganz neues Genre verlieh. Nun ist der Brisbaner wieder da und präsentiert uns eine Neo-Soul-Ballade, die an FKA Twigs erinnert und eine gehörige Ladung R&B im Blut hat. Dabei folgen heftige Bassbeats dem, fast schon, zittrigen Gesang des Sängers. Let It Go ist sexy, frisch, leise und modern und lässt uns auf eine intime Art den Beat des Songs fühlen, den wir uns sonst nur in verruchten Filmen vorstellen.

Amason - Marry Me Just For Fun

Amason – Eine Supergroup ganz verträumt

Sie besteht aus der Crème de la Crème der schwedischen Musiklandschaft – die Supergroup Amason. Steckt hinter der Band doch die Sängerin Amanda Bergman – die seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen Musik macht und mit The Tallest Man On Earth-Kristian Matsson verheiratet war, der Keyboarder Gustav Ejstes – der mit seiner Band Dungen in den vergangenen 20 Jahren bereits neun Alben veröffentlicht hat, der Produzent Pontus Winnberg – der als Teil des Produzenten-Duos Bloodshy & Avant Songs unter anderem für David Guetta, Maroon5 und Britney Spears produziert hat und gleichzeitig Teil der Band Miike Snow ist, der Produzent Petter Winnberg – der vor allem als Produzent für Film- und Serienmusik für Netflix, HBO, H&M und Vogue in Erscheinung tritt und der Schlagzeuger Nils Törnqvist, der ebenfalls mit der Band Little Majonettes erfolgreich ist. Hat sich die Band 2012 gegründet, veröffentlichte sie 2015 mit Sky City ihr Debütalbum. Nun ist mit Galaxy I ihr langersehntes Nachfolgealbum rausgekommen und besitzt mit der aktuellen Single Marry Me Just For Fun eine wunderbar, nostalgische Popballade, die mit 80er Jahre Synthies und melancholischer Grundstimmung eine Art Ode auf den Moment darstellen soll. Amason haben damit gleichzeitig den ersten Teil ihres Doppelalbums Galaxy I veröffentlicht, welches aus fünf Songs besteht und Anfang 2020 mit dem zweiten Teil komplettiert wird. Mit der wunderbar hohen und brüchigen Stimme Bergmans, dem poplastigen Sound und dem grandiosen Songwriting kommt einem bei Amason momentan die Frage auf, warum die Band eigentlich nicht ähnlich schnell durch die Decke geht, wie es sonst bei den einzelnen Bands und Projekten der Musiker passiert ist. Mit Marry Me Just For Fun haben sie auf alle Fälle einen veritablen Hit im Angebot, der mit Sicherheit die Fanbase der Band vergrößern wird.

NEØV – Konzertkritik

Im Herbst letzten Jahres hatte es mir die Single Elysion der finnischen Band NEØV besonders angetan. Der Mix aus Alternative, Indie und Dreampop übte dabei die Faszination dieser Band aus. Dass auf ihrem neuesten Album Volant dabei einige Songs an The XX erinnern, ist zwar eine schöne Seitenerwähnung, wird der Band aber nur zu einem geringen Teil gerecht. Denn NEØV haben in den letzten Jahren so einiges auf die Beine gestellt. Neben ihrem Musik-Festival Gramofon Fest haben sie mittlerweile drei Alben veröffentlicht und vor allem mit Volant eine ganz große Platte eingespielt. Kam diese am 1. Februar dieses Jahres raus, galt es nun, die Songs auch live vorzustellen. Und so machten sie am vergangenen Montag im Berliner Monarch Club halt und gaben ein Konzert, welches mit den Reizen spielte.

Introvertiert und doch so stark

Als Vorband gab es mit Sea Change gleich eine angenehm positive Überraschung. Hatte die Norwegerin Ellen A. W. Sunde doch mit ihrer Loop-Station und der Unterstützung am Pad-Controller eine kleine Klangwelt kreiert, die voller Bass, mystischen Soundwolken und Sundes fragil und verträumt klingender Stimme zu einer vollkommenen Mischung verschmolz. Mit, zum Teil, harten Beats und verspielten Elementen kratzte Sundes immer wieder an der Schwere ihrer Songs und brach sie hier und da schließlich auf. Damit hat die, mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin, eine wunderschöne Art gefunden, ihre Musik zu präsentieren und begeisterte das Publikum gleichermaßen.

Sea Change @ Monarch Berlin
http://www.soundtrack-of-my-life.com

Von The XX bis Timbaland

Nach kurzer Umbaupause traten schließlich NEØV auf die kleine Bühne am Ende der Tanzfläche im Monarchen und startete direkt mit einem der stärksten Songs des neuen Albums in den Abend. Lost In Time macht dabei die Anfangs vorherrschende Ruhe so stark und baut sich über die 4:16 Minuten zu einer großartigen Indiehymne auf, die mit den, eingangs angesprochenen, The XX Elementen über die Gitarre spielt. Gleichzeitig bekam man den Eindruck, dass durch ein simples Yeah – welches so eingesungen wurde, dass man meinen könnte Timbaland persönlich hatte seine Produzentenhände an diesen Song gelegt – die Musik von NEØV einem großartig, internationalen Sound angelehnt ist.

Auch wenig Worte zählen

Von der Vorabsingle Elysion ging es im anschließenden Brothers um eine Beziehung zwischen zwei Brüdern, die sich zwischen dem nahestehen und auseinanderleben immer wieder aufs Neue kennenlernen und reiben – so Frontsänger Anssi Neuvonen. Hier sollte sich der erste Eindruck – dass die Jungs all ihre Stärken in der Präsentation ihrer Songs stecken, anstatt viel mit dem Publikum zu interagieren, dabei allerdings nie ihre wachen Augen von Diesem lassen – immer weiter festigen.

Musikalischen Zyklus durchbrechen

Mit dem anschließenden Dominique I fügten die Jungs dem Konzert dann auch Songs des zweiten Albums Dominique hinzu. Diese gingen von Laketown – bei dem Neuvonen simple konstatierte, dass der Song deshalb existiere, weil die Jungs aus einer Stadt kommen, welche an einem See liegt – über The Rain People bis hin zu dem Zugabesong Woolen Pumpkin Shirt. So lockerten sie sich vom Sound immer wieder auf und spielten zwischen den Volant Songs The Golden FrontThe Half HorizonBirds Are Late und Person I Used To Be auch immer wieder deutlich rauere und gitarrenlastigere Songs.

Zwischen U-Bahn und Blaulicht

Mit einer angenehm vertrauten Selbstsicherheit bewegte sich die Band ohne viel Aufregung durch eine Songpalette, die für deutlich größere Bühnen, als die des Monarchen geschrieben scheint. Doch in einem so urbanen Raum zu spielen, bei dem draußen die U-Bahnen über die Hochtrassen rattern, unten der Kiez immer wieder mit vorbeirasenden Blaulichtern auf sich aufmerksam macht und einem erfrischend durchmischten Publikum – welches sich fast schon hypnotisiert zu den Songs bewegt -b ist für diese Band kaum passender gewählt. Nun dürfen aber so langsam ruhig auch die größeren Bühnen  kommen, denn auf Dauer ist der Sound von NEØV nicht auf kleinen Bühnen zu bändigen.

Puder – Wenn wir lieben, sind wir nackt

Es ist ein Traum von einem Song – denn er ist anders. Die Hamburger Sängerin Puder, hinter dessem Pseudonym sich Catharina Boutari verbirgt, versucht damit ein Gefühl, welches sie selbst als Geschichte vom Ende der Welt beschreibt, zu transportieren. Dabei übt Nackt hier eine enorme Faszination aus. Mit Boutaris extrem fragilen Gesang, der nach Entrüstung, nach Aufgabe, nach Liebe und nach Hoffnung klingt, hat sie auf 3:38 Minuten einen Raum der Ruhe geschaffen. Er lädt zum Nachdenken ein und ist textlich dabei ein Wachrütteln der sanften Art. Puder hat mit Nackt einen Song eingesungen, der die Hast des Alltags rausnimmt und eine Bodenständigkeit vermittelt, die so roh und ehrlich ist, dass man die starke Frau hinter den leisen Tönen so deutlich erkennt und sich ihren Texten einfach hingeben möchte.

Mosey – So Damn Funky

Es ist ein Song, der sich im Ohr festsetzt. Der auf der Party zum absoluten Banger wird und den man auch auf einer Vernissage oder Modenschau hören könnte. Dabei hat der Pariser Produzent und DJ Mosey bereits einige Jahre lang Erfahrungen sammeln können, schließlich arbeitet er seit 2012 in der Musikbranche. Hier sorgt er akribisch für den perfekten Sound, den es so bisher auf noch keiner anderen Party gegeben hat. Mit Bonita hat Mosey für seine Single So Damn Funky die perfekte Stimme gefunden und schafft damit einen extrem funkigen French-House Song, der darüber hinaus noch mit R&B aufwartet. Hört man So Damn Funky aufmerksam, wird einem die Art und die Stimme an irgendjemanden erinnern. Und tatsächlich klingt So Damn Funky nach einer Mischung aus Bruno Mars und Prince und besticht durch einen Uptempo-Beat, der in den Kopf wandert und für lange Zeit dort verweilen wird.

Benjamin Francis Leftwich – Wie das Leben spielt

Benjamin Francis Leftwich hat in den letzten Jahren so einiges an Material veröffentlicht. Stehen ganz vorne seine beiden Alben Last Smoke Before The Snowstorm (2011) und Before The Rain (2016). Gesellen sich fünf EP’s mit zu seiner Diskografie. Dabei fällt vor allem die letzte EP I Am With You (2018) auf, hat der britische Singer/Songwriter doch hier sein gewohntes Genre des Folks verlassen und sich zu mehr Ambient und einem elektronisch untermalten Sound weiterentwickelt. Die Beweggründe beschreibt der 29-jährige Leftwich als eine Art Katharsis bei der er mehr zu sich selbst gefunden hatte und seitdem nicht müde wird, sich weiterzuentwickeln. Dabei kommt ihm die neue Single Look Ma! zur Hilfe, die nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung elektronische Musik geht, sondern auch Leftwichs drittes Album Graditute ankündigt, welches am 15. März veröffentlicht wird. Look Ma! ist dabei eine Mischung aus fernöstlichen Eindrücken, Leftwichs warmer Stimme, einem relaxten Beat mit Synthies und einem weiten Sound. Mit Look Ma! hat Leftwich neues Terrain betreten, welches zu ihm genauso gut passt, wie sein vormaliger Folksound.

Lana Del Rey – Pianoballade mit verschachtelter Geschichte

Lana Del Rey hat es in den vergangenen acht Jahren zu einer Art Vamp im Musikbusiness geschafft – immer im Mainstream abspielend, hält sie den Eindruck einer Musikerin, die da nie rein gehört. Durch die nostalgisch und retro-wirkenden Produktionen und mit ihrem gemächlichen – fast schon lethargischen – Auftreten ist Lana Del Rey bis heute – trotz zurückgehender Verkaufszahlen eine der ganz großen Musikerinnen unserer Zeit. Mit ihrer neuen Single Hope Is a Dangerous Thing for a Woman like Me to Have – but I Have It könnte sie nicht nur Anwärterin auf den längsten Songtitel der Geschichte werden, sondern gibt uns gleich auch einen Vorgeschmack auf ihr neues, Ende März erscheinendes, sechstes Studioalbum Norman Fucking Rockwell. Zugleich ist Hope is a Dangerous Thing… eine ungewohnte stripped-down Ballade, die nur mit einem Klavier und Del Reys Stimme auskommt. Kennt man Balladen von ihr doch sonst vorrangig mit theatralisch, untersetzten Soundbetten, ist auf Hope is a Dangerous Thing… alles noch ein wenig reduzierter. Genau das übt den Reiz aus, Del Reys Musik zu lauschen und sich in ihr regelrecht zu verlieren. So schafft sie es immer wieder, den Hörer aus der hektischen Welt zu entführen und zu sich selbst zu bringen – und das im Mainstream, ganz ohne Mainstream zu sein.

Ex:Re – Wenn Daughters Stimme zum Soloprojekt wird

Hört man die ersten Sekunden des Songs Romance, fühlt man sich unweigerlich an das britische Indie-Trio Daughter erinnert – ist die Stimme der Sängerin, hinter dem kryptischen Namen Ex:Re doch genauso zart und ruhig. Und natürlich kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn wer ein Fan Daughters und von Frontsängerin Elena Tonra ist, wird wissen, dass Ex:Re ihr neues Soloprojekt ist. Hier zeigt sich Tonra nochmals deutlich introvertierter, als bei Daughter. Dabei ist die Single zum selbst betitelten Debütalbum Ex:Re eine Offenbarung an den Moment eines Beziehungsendes. Die daraus entstandene Leere ist noch nicht gefüllt oder gekittet und lässt die Gefühle in einer Art Lethargie zurück. Mit den Worten Romance is dead and done. And it hits between the eyes on this side. The grass is dead and barren. And it hurts between my thighs on this side durch den Refrain führend, erzählt Tonra auf fast sieben Minuten Musik, ihre Geschichte von einer Trennung, die immer noch zu spüren ist. Dabei klingt sie so zerbrechlich, traurig aber auch wunderschön und lässt uns an diesem Gefühl teilhaben und ebenfalls Leere, Wärme und Schmerz empfinden. Gab es bisher nur einen Liveauftritt als Ex:Re in London, dürfen wir auf weitere Termine im neuen Jahr hoffen. Bis dahin wird das Album wohl so einige Male auf Repeat gespielt.

Elton John – Das ultimative Weihnachtsgefühl

Im Herbst 1970 veröffentlicht, hat Your Song von Elton John nunmehr fast 50 Jahre hinter sich. Dabei stellt er eine Art Evergreen dar, der durch die Popgeschichte wandert und immer wieder einer Neuinterpretation anderer Künstler dient. Als größte Erfolge sind hierbei die Versionen von Rod Stewart (1992), Ellie Goulding (2010) und Lady Gaga (2018) zu nennen, die sich allesamt in den Charts verschiedener Länder platzieren konnten. Dabei übertraf vor allem die Version Ellie Gouldings den Erfolg des Originals um das Doppelte im Heimatland Johns. Dies hatte allerdings nicht allein etwas mit Gouldings fantastischer Interpretation zu tun, sondern lag vor allem daran, dass die britische Warenhauskette John Lewis für seinen jährlichen Weihnachtsclip Gouldings Version auswählte. In dieser Tradition werden immer wieder äußerst bekannte Originale von Künstlern gecovert und als Balladen in der dazugehörigen Weihnachtswerbung des Kaufhauses verwendet. Dieses Jahr bricht die Warenhauskette allerdings mit dieser Regel und lässt – den zum britischen Kulturgut gehörenden – John selbst seinen 48 Jahre alten Song in der Werbung erklingen. Dabei mimt John ebenfalls sich selbst und sehen wir seinen Werdegang und die herausragenden Momente des Songs rückwärts abspielen, bis zu dem Punkt, an dem der vier- oder fünfjährige John Anfang der 50er Jahre zu Weihnachten ein Klavier geschenkt bekommt. Diese Minuten der Retrospektive und der Abfolge von emotionalen Erinnerungen münden in einem so warmen Gesichtsausdruck Johns, der einem in nur zwei Sekunden die Geschichte eines Lebens erzählt. Mit diesem Weihnachtsclip hat die Warenhauskette einmal mehr geschafft, was viele immer wieder zur Weihnachtszeit suchen. Herzlichkeit, Wärme und Zufriedenheit auszustrahlen und das mit einem Song, der diese Gefühle seit fast 50 Jahren ebenso transportiert.