Christopher von Deylen - Heaven Can Wait

Christopher von Deylen – Der Sound eines Reisenden

Christopher van Deylen dürfte vielen unbekannt erscheinen, doch begleitet uns seine Musik seit mehr als zwanzig Jahren. Denn einst als Duo angefangen, steht von Deylen seit 17 Jahren alleine hinter dem Musikprojekt Schiller. Dahinter verbirgt sich eine Diskografie der Erfolge. Hat von Deylen unter dem Projekt Schiller bereits zehn Alben und sieben Live-Alben veröffentlicht, kamen früher noch große Singleveröffentlichungen, wie Das Glockenspiel, Dream Of You und Leben… I Feel You (beide mit Heppner), Die Nacht… Du bist nicht allein (feat. Thomas D), You (feat. Colbie Caillat), Sonne (feat. Unheilig), Morgenstund (mit Nena) oder Avalanche (mit SCHWARZ) hinzu. Heute ist es das Album an sich, welches als ein Gesamtwerk gesehen werden soll. Damals wie heute steht für von Deylen im Vordergrund, dass seine Musik den Hörer mit in eine andere Welt nimmt. Mit organischen Arrangements lässt er damit viele Emotionen entstehen. Die Verkaufszahlen geben ihm recht. Kein anderer Künstler ist in diesem Genre – dem Ambient – so erfolgreich, wie von Deylen. Mit sechs Nummer-1 Alben – von denen allein die letzten vier jeweils die Charts anführten – und weiteren vier Top-10 Titeln ist er ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene und vereint viele namhaften Kollaborationen auf seinen Alben. Für sein neuestes Projekt wagt sich der Musiker und Produzent nun aus dem Schatten des Schiller-Universums raus und veröffentlicht am kommenden Freitag erstmals unter seinem eigenen Namen die Platte Colors.

Christopher von Deylen - Color
Christopher von Deylen – Color

Von Deylen selbst beschreibt das Album als Mischung aus Minimal Piano und elektronischen Sounds und soll dazu animieren, sich einmal in eine andere Welt zu träumen. Auf Colors verbindet der Musiker einmal mehr die treibenden Klangmuster seines Projektes Schiller und arbeitet damit den Sound eines Reisenden heraus. Hat von Deylen bereits vor einigen Jahren seinen festen Wohnsitz in Berlin aufgegeben, kann man ihn heute als glücklich heimatlos bezeichnen. Immer wieder wird seine Musik aus den Eindrücken auf Reisen geprägt und sucht von Deylen diese Momente direkt. Ob durch Südostasien, auf dem Forschungsschiff Polarstern durch die Arktis oder der US-Amerikanischen Mojave-Wüste reisend, findet von Deylen immer den passenden Sound. Mit seiner neuen Platte Colors erhalten wir nun erneut die Möglichkeit, Teil dieser Reise zu werden. Mit der Single Heaven Can Wait begeistert der Produzent mit großen, hallenden Synthiebrettern und einer euphorischen Soundproduktion. Immer auch präsent, ist das Piano, welches zur Rast einlädt, ehe der elektronische Beat wieder zum weiterziehen animiert. Von Deylens Heaven Can Wait ist der Soundtrack in unseren Köpfen, wenn wir in fernen Ländern aus der Scheibe des Busses oder der Bahn gucken und den vorbeiziehenden Eindrücken volle Aufmerksamkeit gewähren. Kaum ein Moment ist zeitloser als dieses Gefühl und bringt uns in eine emotional Verfassung, die intensiver nicht sein kann.

Eminem - Darkness

Eminem – Die brutale Realität

Vor genau 20 Jahren veröffentlichte Eminem mit Stan einen Song, der die fanatische Liebe eines Fans beschreibt. Im Verlauf des Songs verändert sich jedoch die einstige Verehrung zu blanker Aggression, denn obwohl Stanley – kurz Stan – seinem Idol unzählige Briefe schreibt, folgt nie eine Antwort. Fanatismus ist kein Phänomen, welches es nur in den USA gibt, doch gleichwohl ist es hier äußerst ausgeprägt. Denn 20 Jahre nach Stan ist Eminem nun mit dem Song Darkness zurück, der das Massaker von Las Vegas 2017 zum Thema macht. Dabei teilt sich der Song in zwei Positionen auf. Die ersten knapp 4 Minuten singt und rappt Eminem aus dem Blickpunkt des Attentäter mit all seiner kruden Sichtweise. Im zweiten Teil des Songs kommen die Beobachtungen der Öffentlichkeit zum tragen und zeigen mit unzähligen Breaking News Schnipseln, wie die Medien darauf reagieren. Gleichzeitig ruft Eminem aktiv auf, dass die Menschen ihre Stimme erheben und für eine Veränderung der Waffengesetze stimmen sollen. Mit der Frage When Will This End? stellt Eminem den Betrachter des Musikvideos die Aufgabe zu reagieren und beantwortet die Frage schließlich mit dem Satz When Enough People Care. Dass Eminem dieses Thema so konfrontativ angeht, und damit riskiert in den USA in Ungnade zu fallen, scheint dem Rapper nicht zu interessieren. Mit Darkness hat sich Eminem gleichzeitig eine der bekanntesten Textzeilen der Musikgeschichte ausgesucht und untermalt den kompletten Song immer wieder mit Hello Darkness, My Old Friend aus dem Simon & Garfunkel Song The Sound Of Silence. Eminem schafft es immer wieder sowohl das Rap- und Hip-Hop-Lager zu erreichten, als auch den großen Mainstream mitzunehmen und hat sich so in den vergangenen 25 Jahren – seit seines Debütalbums Infinite – eine beachtliche Fangemeinde und Diskografie aufgebaut. Diese nutzt er nun, um die US-Bevölkerung aufzurütteln. Gleichzeitig ist heute mit Music to Be Murdered By sein elftes Studioalbum erschienen und wird dem Titel zufolge noch weitere, politisch untersetzte, Songs beinhalten.

Danny Vera - Rollercoaster

Danny Vera – Ein Song völlig aus der Zeit gefallen

Viele Musiker streben es an und schaffen es nie – einen zeitlosen Song zu schreiben. Einen Song, den man zum ersten Mal hört und bei dem man das Gefühl hat, den muss es mindestens seit drei Dekaden geben. So einen Song hat der niederländische Musiker und Songwriter Danny Vera geschrieben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit – denn eigentlich ist sein komplettes Album Pressure Makes Diamonds 1 & 2 – The Year of the Snake & Pompadour Hippie, welches er zuerst in zwei Teilen veröffentlichte und schließlich zu seinem elften Studioalbum zusammenführte – zeitlos. Auf Roller Coaster sticht dies nochmal besonders hervor und kommen hier alle Attribute eines zeitlosen Sounds zusammen. Einerseits mit Folk-Elementen, die sich stark am US-Country orientieren und andererseits durch die warme, fast schon großväterlich, weise Stimme des aus Middelburg kommenden Sängers. Dabei hatte sich Vera nie auf einen Hit konzentriert und findet es überwältigend, wie sein Song in den Niederlanden aufgenommen und gefeiert wird. Diese Bescheidenheit lässt den 42-Jährigen nur noch mehr Sympathie entgegenkommen. Auf Roller Coaster wollte Vera die Aufs und Abs in unserem Leben – die eben dieses auch immer wieder beeinflussen und dadurch formen – zum Thema machen. Hier stand nicht die Musik im Vordergrund, sondern die Gefühle von Glück und Trauer, um die sich die Musik förmlich zu legen scheint. Überwältigt vom Erfolg seiner Single attestiert Vera schließlich noch, dass dieser Erfolg allein mit der Musik zu tun hat, welche die Leute erreicht hat und, dass das eigentlich sogar das Schönste an der Geschichte des Songs sei. Bescheidener und dadurch sympathischer könnte sich der Sänger nicht präsentieren und das, obwohl es eben nicht nur der Song ist, sondern auch die Geschichte darum, die warm, fürsorglich und ehrlich ist und uns deshalb so begeistert.

Stereophonics - But This Town

Stereophonics – Die stillen britischen Helden

Die Stereophonics sind ein Phänomen für sich. Seit 27 Jahren als Band zusammen auf er Bühne, haben sie allein in ihrem Heimatland Großbritannien über 8,5 Millionen Alben verkauft. Hinzu kommen 3 Millionen Singles und doch spielen sich die Stereophonics nicht im Klatsch und Tratsch der britischen Yellow-Press ab. Ebenso wenig sind die Waliser jemals zu einer internationalen Band mit großem erfolg gewachsen. Waren sie bisher in Großbritannien mit sechs von ihren zehn Alben auf Platz 1 der Charts, bleibt ihnen international zumeist der Einstieg in die Top-30 verwehrt. Doch ungeachtet dessen, sind die Stereophonics seit 27 Jahren ein verlässlicher Lieferant von gut gemachten Alternative-Rock. Mit Have A Nice Day (2001), Maybe Tomorow (2003) oder Dakota (2005) gibt es sogar ein paar einflussreiche Songs, die es bis heute schaffen, das Gefühl von Weite, Einsamkeit und Freiheit zu transportieren. Nun steht für den 25. Oktober ihr elftes Studioalbum Kind zur Veröffentlichung in den Startlöchern und zeigt auch auf der zweiten Singleauskopplung Bust This Town genau dieses typische Muster der Band. Mit einem handgemachten, roh eingespielten Gitarrensound und der markant, kratzigen Stimme des Frontsängers Kelly Jones bleiben sich die Stereophonics treu und klingen dennoch nie langweilig. Mit einem Gefühl von aufkeimenden Fernweh ist die Band wohl eine der beständigsten Begleiter der letzten drei Dekaden, ohne, dass wir es uns alle Bewusst werden. Bust This Town handelt vom Ausbrechen aus einengende Orten – ausbrechen in eine neue Welt und genau dafür bieten die Stereophonics mit ihrem Sound eine der besten musikalischen Grundlagen.