R+ feat. Dido - My Boy

R+ & Dido – Geschwister der melancholischen Dancemusik

Zu allererst die Aufklärung – hinter R+ verbirgt sich der Bruder der britischen Sängerin Dido – Rolle Armstrong. Dieser hat mit Dido in den letzten zwanzig Jahren bereits einige Songs zusammen produziert. Darüber hinaus ist Rollo Armstrong Produzent und ein Drittel der britischen Dance-Urgesteine von Faithless und quillt das Duo Rollo und Dido Armstrong somit regelrecht über, vor musikalischer Erfahrung und Expertise. Sowohl auf One Step Too Far (2002), als auch auf Feelin‘ Good (2010) hatte Dido mit Faithless zusammengearbeitet. Nun steht die nächste Kollaboration mit ihrem Bruder in den Regalen und hört auf den Namen My Boy. Dabei ist der Song eine melancholisch tanzbare Dancenummer, die mit gewohnt hauchend klarer Stimme Didos überzeugt. Doch My Boy ist nicht der einzige Song, den die beiden zusammen aufgenommen haben. Vielmehr hat Rollo Armstrong unter den Pseudonym R+ Das Album The Last Summer veröffentlicht. Hierbei steht das R für Rollos Vornamen und das + für seine Schwester Dido und trägt sich durch den Wechsel von instrumentalen Song, experimentellen Songs und Gesangseinlagen Didos. Dass The Last Summer so wenig Aufmerksamkeit erfährt, verwundert ein wenig – sind doch die beiden Künstler nicht weniger als zwei der bedeutendsten britischen Musiker der vergangenen 30 Jahre. The Last Summer kann als klarer Anspieltipp mit vielen ruhigen Elektrosongs überzeugen und hat nicht nur mit My Boy tanzbares zu bieten.

Roberto Surace - Joys

Roberto Surace – Genießt es!

Es ist wieder diese Zeit des Jahres, an der die großen Ibiza-Hymnen ihren Weg aus den Clubs der Sonnen- und Partyinsel in die Clubs nach ganz Europa schaffen. Dies liegt zum einen daran, dass die ganzen Touristen diese Songs mit aus ihrem Urlaub nach Hause nehmen und die Nachfrage daher steigt. Zum anderen aber auch, weil sich Plattenfirmen die besten Tracks greifen und die Künstler für Veröffentlichungen unter Vertrag nehmen. So ist es auch im Falle des italienischen DJs und Produzenten Roberto Surace gewesen, der mit seinem Song Joys zum diesjährigen Sommerhit auf Ibiza geworden ist und von Defected Records unter Vertrag genommen wurde. Mit Rotationen bei den angesagten DJs, wie dem Urgestein Ibizas Marco Carola oder Joey Daniel wurde Joys bin in kürzester Zeit zum absoluten Überhit der Houseszene der Partyinsel. Dabei funktionieren vor allem die vielfachen Drops und das Sample des 1986er Songs The Finest der The S.O.S. Band so wunderbar und machen den Song gerade catchy genug, im auch im Mainstream anzukommen aber dennoch weiterhin ein absoluter Banger im Club zu bleiben. Surace selbst hat, seitdem er 17 Jahre als ist – und damit seit 2008 – kontinuierlich darauf hingearbeitet und sich über die Jahre ein wunderbares Gespür für Beats und Melodien angeeignet. Und so ist Joys verspielt und tanzbar zugleich und bleibt mit seiner Bassline immer auch so stark, dass man ihn im Club einfach nur genießen kann. Dabei ist der Songtitel durchaus amüsant zu Stande gekommen, singen The S.O.S. doch im Refrain If I had to choose und hört sich dies – ohne den Songtext genau anzuhören – wie If I had a joys was damit wiederum auf die Namensgebung des Songs hinweist.

Melt Festival 2014

3 Tage. 16 Künstler. 35°C. MELT! 2014 Tag 3

Es ist 8:38 Uhr und auch heute brennt die Sonne wieder vom Himmel und leutet den letzten Tag des MELT! Festivals ein. Während es noch am frühen Nachmittag, zur Abkühlung, an einen nahegelegenen See geht, steht man pünktlich zum Auftritt des in Wien lebenden Musikers SOHN wieder vor der Hauptbühne. Ist doch seine Musik irgendwo zwischen Songwriting und Elektro angesiedelt, erzeugt gerade diese Mischung eine beflügelnde Atmosphäre. Und so singt er zerbrechlich und sanft wabern im Hintergrund dabei nur so die Bässe vor sich hin. Man möge fast einen Vergleich mit James Blake eingehen, doch ist es trotzdem nicht das Gleiche. Und so singt SOHN mit fast schon zerbrechlicher Stimme in Lessons von einer Liebe bei der er lernen musste NEIN zu sagen. Und das Publikum glaubt ihm dies. Saß er doch alleine auf der größten Bühne des Festivalgeländes. Mit Artifice wird das Tempo schließlich etwas angezogen und die Massen vor der Bühne fangen an sich in Bewegung zu setzen um schließlich am Ende den Wunsch zu haben, die vergangenen 60 Minuten zurückspulen und das Konzert nochmal genießen zu können.

Doch was wäre passender gewesen als nach der Neuentdeckung mit SOHN die Neuentdeckung aus London zu genießen, denn Jungle’s Musik zu beschreiben ist nicht ganz einfach, liegen sie doch irgendwo zwischen 70’s und 80’s, Hip-Hop und Elektro. Doch was am Ende aus den Lautsprechern tönt kommt dem Aufruf des Tanzens nah. Und so ist das Intro Zelt zum bersten gefüllt mit Tanzwütigen und Neugierigen. Da stehen nun also sieben Menschen auf der Bühne, um die vor einem Jahr zu dieser Zeit noch kein Wort geschrieben war, und überzeugen mit ihrem Auftritt so sehr, dass wirklich kein Bein still stand. Ob mit Hits wie Busy Earnin‘, Time oder The Heat oder auch mit noch relativ unbekannten Song aus ihrem gerade erst veröffentlichtem Debütalbum Jungle, die Message bleibt gleich Wir wollen Spaß mit Euch haben. Und das geht auf, guckt man doch am Ende des Auftritts fast ausnahmslos in zufriedene Gesichter aus denen man bei dem Einen oder Anderen auch herauslesen mag, das dies wohl nicht das letzte Jungle Konzert gewesen war.

Nach einem kurzen Dämpfer durch den abgesagten Secret Act, der im Vorjahr beispielsweise der Blitzauftritte von Kraftklub war, ging es direkt zur Mainstage zurück um sich die Urgesteine der TripHop Szene zu Gemüte zu ziehen. Hatten sie doch mit Glory Box, Sour Times oder Machine Gun Wegbereiter geliefert. Dies sollte auch auf dem MELT! zu spüren sein. Ist doch die Mischung aus leisen sensiblen Songs und wummernden Bassmonstern explosiv genug und so wird natürlich bei Songs wie eben Glory Box eine Jubelwelle losgetreten. Doch ebenso faszinierend war Machine Gun der doch wohl einer der kräftigsten Songs des Abends werden sollte. Portishead sind allein schon für ihre künstlerische Motivation und dem daraus resultierenden Produkt eine Bereicherung für jedes Festival und daher verständlicherweise der Headliner des diesjährigen MELT! Festivals.

 

MELT! Festival 2014

 

Nun hieß es sich zu beeilen, wurde doch schon die Gemini Stage abgebaut und auf der Mainstage der Stecker gezogen, traten im Intro Zelt Bombay Bicycle Club auf. Die Band um Jack Steadman war gewohnt feierwütig und lies keinen ihrer Hits aus. So wurde bei Songs wie Carry Me einer der letzten Momente des Festivals gefeiert und jeder im Zelt wusste, wenn nicht jetzt wann dann. Es sollte nicht lange dauern, bis das Zelt ein zweites mal an diesem Abend voll mit Menschen war und die Ordner den Einlass schließen mussten. Denn drinnen hatten die ersten bereits die Sichtblenden zur Seite gezogen um einen Blick auf die Vier zu werfen. So sollte neben Carry Me aber auch Shuffle, Always Like This, Luna und Ivy & Gold nicht fehlen denn genau damit stillten sie den Durst der Fans. Ob man Bombay Bicycle Club zum erstenmal oder bereits mehrfach erleben konnte, spielt bei der Band keine Rolle, sind doch die Live-Qualitäten der Band immer wieder aufs Neue zum ausrasten gut.

Und damit gehen drei Tage MELT! Festival in der 35°C heißen Savanne Sachsen-Anhalts zu Ende. Was bleibt sind unzählige Momente des Erlebens was eine gewisse Vorfreude auf 2015 mit sich bringt.