Ben Böhmer & Panama - Weightless

Ben Böhmer & Panama – In neue Sphären treiben

Es braucht keine 20 Sekunden, da entstehen in unserem Kopf Bilder von fernen Landschaften – von Urwald bewachsenen Bergen, malerischen Inseln und menschenleeren Weiten. Keine Überfrachtung, keine leuchtenden Lichter von Zivilisation und doch irgendwie urban. So klingt der neueste Song des deutschen Produzenten Ben Böhmer aus Göttingen. Mit seinem Deep House hat es der Göttinger binnen kürzester Zeit von nur sechs Jahren zum renommierten Houselabel Anjunadeep geschafft. Dabei ist die Musik des 26-jährigen Produzenten sphärisch und euphorisch zugleich. 2019 veröffentlichte Böhmer mit Breathing sein Debütalbum, welches er nur ein Jahr später als Remix-Album erneut rausbrachte. Mit Live From Printworks London hatte er im vergangenem Jahr sogar ein erstes Live-Album veröffentlicht. Vor wenigen Wochen kam mit Run Away eine erste neue Single Böhmers raus, die zusammen mit Felix Raphael und Tinlicker produziert wurde. Nun folgt bereits die zweite Single und hat den umtriebigen Panama mit dabei. Auf Weightless passt alles so wunderbar zusammen, dass man sich regelrecht verlieren kann. Schließt man die Augen, fühlt sich der Körper an, wie in einem endlosen Fall, bei dem wir uns immer wieder im Kreis drehen und das prickelnde Gefühl des freien Falls genießen.

Ben Böhmer & Panama - Weightless (Video)
Ben Böhmer & Panama – Weightless (Video)

Böhmer, der in jungen Jahren Klavier und Trompete zu spielen gelernt hat, arbeitet sich durch wunderbare Harmonien aus schwebenden Synthies und tiefen Bässen, die sich nach dem Moment unseres Lebens anfühlen. Durch Panamas warme Vocals entsteht gleichzeitig eine melancholische Stimmung, die uns an die ganzen verpassten Gelegenheiten erinnert, die wir in den vergangenen zwölf Monaten mit unseren Freunden hätten haben können. Weightless liegt schwer auf dem Herzen, lässt unsere Gedanken fliegen und Gefühle aufkommen, die von Zerrissenheit, Wärme, Melancholie und Zufriedenheit getrieben sind. Gleichzeitig bringt uns der Song aber auch zum tanzen. Mit geschlossenen Augen, die Arme in die Luft gestreckt sehen wir uns dann plötzlich wieder in den fernen Landschaften, die eingangs bereits die perfekten Bilder geliefert haben. Böhmer ist damit auf dem besten Weg, sich in die vorderste Reihe der Deep House Produzenten in Deutschland zu arbeiten.

Ro Bergman - Animal

Ro Bergman – Nordischer Sound aus der Mitte Europas

Seine Musik passt viel besser in den Skandinavischen Norden Europas, wo kalte, dunkle Winter oder aber auch lange Sommertage den Sound der dünn besiedelten Gebiete wiedergibt. Hier bekommen wir wechselwirkend die Wärme, Einsamkeit, Ruhe, Reinheit, Melancholie oder Natürlichkeit zu spüren. All diese typisch nordischen Merkmale spüren wir in jeder Sekunde, wenn wir uns durch Ro Bergmans Songs, wie Clouds oder All We Are hören. Mit seiner 2019er Debüt-EP New Horizon verpackte er diesen Sound dann in eine 5-Track-EP, die auch mal etwas rauer und von Gitarren getrieben daherkam. Nun hat Bergman mit Animal einen neuen Song veröffentlicht, der den positiven Aspekt eines Perfektionisten wunderbar präsentiert. Denn während sich Bergman auf Animal locker und leicht hauchend in Fahrt singt, kommen zu der Gitarre, langsam auch ein Klavierspiel und weitere orchestrale Arrangements hinzu. Für wenige Momente gleitet Bergman hier in eine Kopfstimme ab, ehe er mit gedrückt intensiver Stimme die Zeilen I was a lion a rat and a thief. I was a killerwhale diving too deep. I see people laughing – I envy their tears singt.

Ro Bergman
Ro Bergman

Schließlich bricht der Song in ein großes Orchesterfeuerwerk aus, um nur wenig später mit einer einsamen Trompete dem Finale entgegenzutreten. Auf Animal kommt der sehnlichste Wunsch zu Tage, der Natur wieder ihren Abstand von der Menschheit zu geben. Mit imposanten Bildern, die das Kalkkögelmassiv südlich von Innsbruck zeigen, hat der Österreicher mit Tänzern der Wiener Staatsoper eine atemberaubende Performance aus menschlicher, non-verbaler Interaktion unter dem Eindruck der Naturgewalten um sie herum geschaffen und mit der emotionalen Gewalt seines Songs untermauert. Ro Bergman schafft es einmal mehr, sich von modernen Strömungen in der Musikszene fernzuhalten und seine ganz eigene Handschrift zu präsentieren. Diese Handschrift setzt starke Akzente, die mit leichter Feder immer wieder in gewaltigen emotionalen Ausbrüchen enden. Animal ist mit seinem Alternative-Pop, Folk und leichten Rockanleihen die erste Single aus seiner – für dieses Frühjahr angekündigte – zweite EP Hi Lo.

Eliza And The Bear – Mit einem Grinsen in die Hölle

Im Frühjahr 2016 waren die Londoner von Eliza And The Bear plötzlich da. Mit Friends beschallten sie die Radios und schafften einen grandiosen Ohrwurm. Anderthalb Jahre später kommen sie mit ihrem neuen Song Hell zurück und verbinden das Wort Hölle mit einer 80er-Jahre Soundparty. Da hören wir satte Synthies und langgezogene Heuler – hinzukommen E-Gitarren, die Hell abrunden. Eliza And The Bear machen dabei so saubere Popmusik, dass man kaum widerstehen kann. Wenn dann auch noch im Hintergrund schwach eine Trompete zu erklingen scheint, sind sie schließlich auf dem Höhepunkt ihrer Party und reißen uns einfach mit. Hell ist der erste Vorbote ihres demnächst erscheinenden Albums und macht einfach Spaß.