Pohlmann - Glashaus

Pohlmann – …der werfe den ersten Stein

Es geht um die Frage unserer Zeit – wie stark können wir unser Verhalten und wie stark sollten wir unser Verhalten ändern. Das besingt Pohlmann auf seiner neuesten Veröffentlichung. Dabei klingt die Frage nach unserem Verhalten so banal – sind sich doch die meisten bewusst, dass wir in Zugzwang gekommen sind und endlich Taten folgen lassen müssen. Doch wie sieht dies aus? Wir alle kennen die Momente, die uns als Konsumenten den Spiegel vorhalten. Kaufe ich die Hähnchenbrust aus der nachhaltigen Aufzucht oder doch die Stallhaltung. Hole ich Obst und Gemüse frisch und einzeln oder kaufe ich es in der Plastikverpackung?! Am Ende weisen Preisunterschiede oftmals den Weg und halten uns den Spiegel unseres eigenen Anspruches vor. Denn dann zeigt sich, wie ernst wir es mit unseren Absichten meinen. Bequemlichkeit und Gewohnheit spielen hier eine große Rolle und bedeuten nicht, den Finger auf andere zu zeigen, sondern ganz nüchtern bei sich selbst zu beginnen. Von dieser Misere handelt auch Pohlmanns neue Single Glashaus, die gekonnt mit Sprichwörtern arbeitet und hinterfragt, wie konsistent mein Handeln ist. Dabei singt Pohlmann aus der Ich-Perspektive und hält keinen Vortrag. Mit der gewohnt lässigen Art und der ruhigen Stimme Pohlmanns, ordnet sich die Gitarre wunderbar zurückhaltend in den Song ein und lässt die losen Percussions den Takt angeben. Glashaus ist bereits die dritte Singleauskopplung aus seinem – für den 11. September angekündigten – neuen Album falschgoldrichtig. Schaut man sich die Single Besonnen an, wird klar, dass dieses Album einmal mehr sehr viel Tiefgang haben wird.

Sultans Court - Good Enough

Sultans Court – Wem werde ich eigentlich gerecht?

Mit Themen von Geschlechterrollen, der Flucht aus der Realität und nun der Selbstoptimierung haben Sultans Court sich nicht gerade die leichtesten Felder ausgesucht. Auch musikalisch haben die vier Berliner keine Lust auf einfache Melodien, denn während sie auf Haunted sehr vertracktet klangen, war auf Shutdown bereits deutlich mehr Dunkelheit zu hören. Diese Dunkelheit kommt umso mehr zur Geltung, schaut man sich unsere aktuelle Situation weltweit an, in der sich eine ganze Gesellschaft im Shutdown befindet. Mit ihrer neuen Single Good Enough greifen die Berliner nun auf, für wen wir eigentlich welche Motivation haben, uns zu verbessern. Von dem – immer größer werdenden – Druck der Gesellschaft um Selbstoptimierung und den dazugehörigen Zwängen, sich immer und bei Allen beweisen zu wollen, wird uns auch immer bewusster, einmal eine Pause einzulegen. Sich selbst zu fragen, für wen ich das mache, warum ich der Geschwindigkeit der anderen hinterherrenne und auf Augenhöhe kommen möchte. Denn genau das vermittelt uns die Gesellschaft – nicht auf Augenhöhe zu sein und deshalb ranklotzen zu müssen. Wir sehen in den sozialen Medien Freunde und Bekannte, die ein Bilderbuchleben präsentieren, werden im Job an Parameter gemessen, die – fern von jeglichem Individualismus – alles und Jeden auf einen Nenner bringen möchte und ertappen uns selbst dabei, dem gerecht werden zu wollen. Doch was ist, wenn wir einsehen, dass wir uns unser Dasein absolut ausreicht und gut genug ist? Diese Frage kann sich jeder wohl nur selbst beantworten – doch stellen Sultans Court auf Good Enough die Frage Darling, did it mess you up? Think you gotta stop. Before you start to drop. Where’s your head at? und regen damit zur Reflexion an. Mit einem gewohnt großartigen Mix aus elektronischen Beats und einem drängenden mehrstimmigen Gesang zeigen Sultans Court auf Good Enough einmal mehr, wer ihre musikalischen Vorbilder sind, ohne sich jedoch als Kopie dessen anzuhören. Denn Good Enough ist weit mehr, als nur gut genug – Sultans Court schaffen es hier einmal mehr, Musik mit Tiefgang zu produzieren.