Tocotronic – Gegen die Vereinzelung, der Pandemie ein Lied gebend

Wir sehen verwaiste Plätze, Straßen, Strandpromenaden oder Flughäfen. Es sind beklemmende Bilder. Schwarz/weiß gehaltene Ausschnitte von Überwachungskameras aus aller Welt. Ob aus südostasiatischen Städten und deren Stränden, aus New York vom Times Square oder auf den Berliner Alexanderplatz guckend – überall zeigt sich das gleiche Bild von leeren Straßen, wenigen Autos und verrammelten Geschäften. Wer hätte vor vier Wochen daran gedacht, dass dieses Endzeitszenario jemals Realität werden könnte?! Wahrscheinlich niemand. Ist es gleichwohl natürlich kein Endzeitszenario im eigentlichen Sinne, hat es unsere Gesellschaft überall auf der Welt in eine Pause versetzt. Von 120 auf 0 gebracht und zeigt uns, wie selten wir uns mit uns selbst beschäftigt haben. Nun haben die vier von Tocotronic dazu einen Song veröffentlicht, der eigentlich bereits vor einem Jahr geschrieben wurde, nun aber an musikalischer Aktualität kaum noch zu überbieten ist. Denn mit Sätzen, wie Ich hab den Boden schwarz gestrichen, wie komm ich aus der Ecke raus? oder Aus jedem Ton spricht eine Hoffnung – Transformation. Aus jedem Klang, aus jedem Ton spricht eine Hoffnung auf einen Neuanfang. Dabei ist Tocotronics Hoffnung eine Moritat ganz im Stile von Bertolt Brechts Dreigroschenoper. Immerhin geht es in Hoffnung um den Menschen als soziales Wesen, welches auf die Interaktion mit anderen Menschen angewiesen ist und diese aktuell nur in einer sehr eingeschränkten Weise wahrnehmen kann. Schlußendlich mündet Hoffnung mit den Zeilen Wenn ich dich nicht bei mir wüsste, hätte ich umsonst gelebt genau in diese Hoffnung, mit Hilfe der neuen Solidarität auch bald wieder in die enge Interaktion gehen zu können.

Das Moped - Wenn Du ehrlich bist

Das Moped – Alte Bekannte??

Hört man den Song Wenn Du ehrlich bist das erste Mal, brechen Euphorie und Unglaube förmlich aus. Denn sollte es wirklich sein, dass ECHT wieder zurück sind?! Nein, wird man bei einem Blick auf den Interpreten denken. Das Trio Das Moped nutzt diese Ähnlichkeit allerdings bewusst und fügt in Interviews gerne hinzu, dass die Band die Inspiration für direkte Texte von der Band ECHT hat. Mit einem entwaffnend ehrlichen Text kommen die Jungs aus dem beschaulichen Bad Kreuznach, westlich von Mainz, um die Ecke und präsentieren nicht nur den Song Wenn Du ehrlich bist, sondern gleich auch noch die EP Alle wollen Liebe. Darauf enthalten sind fünf Tracks, von denen nur einer nach Kim Frank und seine Band klingt. Dieser Mix aus melancholischer Erinnerung, verträumter Jugendlichkeit und euphorischer Direktheit wirken gerade auf Wenn Du ehrlich bist wie ein Motor der Frische. Das Moped haben damit den Soundtrack geschrieben, den wir mit unseren Freunden am Ende einer durchzechten Nacht und durch die Straßen wankend, voller Freude, singen möchten.

Juli - Fahrrad

Juli – Fünf Jahre auf dem Rad durch die Nacht

Seit ihrem Debütalbum Es Ist Juli sind mittlerweile 15 Jahre vergangen. Kam das zweite Album Ein Neuer Tag nur zwei Jahre nach dem Debüt raus, folgten bei den weiteren Veröffentlichungen lange Pausen zwischen den Alben. So hatte die in Gießen gegründete Band für ihr drittes und viertes Album In Love (2010) und Insel (2014) jeweils vier Jahre gebraucht. Nun stehen sie davor, ihr fünftes Album zu veröffentlichen und beenden mit der Single Fahrrad eine fünf Jahre währende Bandpause. Würde diese lange Auszeit bei anderen Bands als Comeback gezählt werden, ist es bei der – mittlerweile überwiegend in Berlin lebenden – Band fast schon gängig. Nach Jahren des privaten Austobens oder Entschleunigens ist es Juli gelungen, mit Fahrrad einen wunderbaren Popsong zu schreiben, der an die eingängigen und kräftigen Songs der Band anknüpft. Hier geht es um Freiheit, zu jedem Zeitpunkt machen zu können, was man möchte. So ist es eine große Leidenschaft der Frontsängerin Eva Briegel, nachts mit dem Rad durch die leeren Straßen der Hauptstadt zu fahren. Juli haben nach fünf Jahren mit Fahrrad eine Single veröffentlicht, die so sehr ins Ohr geht, dass man sich fast vorkommt, als wäre die Band nie weg gewesen.