Snow Patrol - Time Won’t Go Slowly

Snow Patrol – Wie die Zeit vergeht

Am 10. Dezember 1994 trat in der Dundee University Students‘ Association (DUSA) der Dundee Universität in Schottland ein Trio auf die Bühne, welches unter dem Namen Shrug an diesem Abend für absolute Begeisterung sorgen sollte. Später stand im DUSA Newsletter, dass diese Band eine Band sei, die es im Auge zu behalten gilt. Zwei Jahre später benannte sich die Band zu Polar Bear um – nur, um diesen Namen abermals knapp ein Jahr später in Snow Patrol zu ändern. Der Rest ist eigentlich eine moderne Geschichte. Als Snow Patrol schafften sie es bereits mit ihrem ersten Album Songs For Polarbears in die Top-100 der irischen Albumcharts. Zwei Alben später wiederum gelang es ihnen, ihr Album Final Straw auf Platz 3 der britischen, Platz 91 der amerikanischen, Platz 49 der niederländischen und Platz 1 der irischen Charts zu bringen. In letzterem Land sollte seit dem jedes weitere Album auf Platz 1 landen. Der weltweite Durchbruch folgte schließlich durch die Platzierung ihrer Ballade Chasing Cars in der finalen Folge der zweiten Staffel von Grey’s Anatomy. Danach schafften es alle Alben weltweit in die Charts und übertrafen sich immer wieder mit neuen Höchstplatzierungen. Nun, 25 Jahre später, hat die Band sieben Meteor Ireland Music Awards gewonnen, war sechs Mal für den Brit Award nominiert und hat über 16 Millionen Platten verkauft. Zeit also, für einen Rückblick. Diesen begehen Snow Patrol im 25. Jahr des Bestehens mit einer Best-Of Platte, die später in diesem Jahr veröffentlicht wird. Vorab gibt es nun mit Time Won’t Go Slowly einen ersten Vorgeschmack darauf – in Form einer neuen Single. Diese handelt davon, wie schnell die Zeit vergeht und die Band selbst an schönen Momenten festhalten möchte. So ist Time Won’t Go Slowly eine langsame Sommerballade, die sich leicht jazzig anfühlt und durch kleine Spielereien im Sound ein schelmiges Grinsen hervorruft. Mehr zu dem 25-jährigen Jubiläum der Band folgt in den kommenden Wochen auf den Social-Media-Kanälen der Band – also haltet Ausschau.

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Fisher – Es braucht nur einen Song

Was macht man, wenn man einen Song produziert hat, den auf Festivals spielt und irgendwann merkt, dass er eine eigene Dynamik entwickelt hat und von vielen DJ’s als Bootleg aufgegriffen wird? Richtig – man veröffentlicht ihn selbst. So ist die Geschichte des Hits Losing It des australischen DJ’s und Produzenten Paul Nicholas Fisher – alias Fisher – in Kurzform zusammengefasst. Dabei erstaunt, dass es Losing It schon seit fast zwei Jahren gibt und erst im Sommer 2018 so richtig zündete. So war Losing It auf jedem Festival zu hören und schaffte es schließlich sogar in die offiziellen Singlecharts in Großbritannien, Schottland, Australien, Irland, Belgien, Ungarn und Neuseeland. Dass der Track nun auch den Mainstream erreicht hat, zeigen die Airplaycharts, in denen Losing It stetig nach oben steigt. Losing It folgt dabei einem so einfachen wie effektiven Muster eines typischen Ohrwurms. Denn wird die Textzeile I’m Losing It… gefühlt ununterbrochen wiederholt, legt sich ein derber Housebeat über die Stimme und lässt den Track düster und brachial klingen. Für Fisher ist Losing It die erste Chartnotierung überhaupt und darf sich darüber hinaus auch gleich, durch die Nominierung des Grammy Gremiums auf einen Grammy in der Kategorie Best Dance Recording freuen. Wir drücken Fisher dafür die Daumen!

Calvin Harris & Benny Blanco – Unstoppable

Der Output an neuem Material scheint bei dem Megastar Calvin Harris unendlich zu sein. Gibt es seit seinem Debüt 2006 mit 2008 nur ein einziges Jahr, in dem der Schotte keinen Song veröffentlicht hat, nimmt die Schlagzahl an Veröffentlichungen seitdem jedes Jahr eher noch zu. Waren es Ende der 00er Jahre noch zwei bis drei Singles pro Jahr, veröffentlichte er 2017 satte sechs Singles. Hierbei müssen die Songs auch gar nicht mehr zu einem Album gehören und werden mitunter frei von diesem – noch recht statischen – Veröffentlichungsstil rausgebracht. Für das Jahr 2018 hat er nun mit seiner neuesten Single I Found You ebenfalls sechs Singles veröffentlicht und überrascht immer wieder mit satten Sounds und frischen Beats. Gab es eine Zeit, in der Harris mit Rihanna, Florence Welsh und Ellie Goulding die ganz großen Stars mit dabei hatte, orientiert sich der Produzent und Sänger immer mehr auf Newcomer oder Künstler, die gerade erst im Aufbau sind. Auf I Found You hat er sich mit dem amerikanischen Produzenten Benny Blanco zusammengetan und erstmals seit zwei Jahren auch wieder selber die Texte eingesungen. Dabei mischen beide Produzenten ihre Musik – mal mehr nach britischen House, mal mehr nach amerikanischen Dance-Pop klingend und lassen auf I Found You 100% Pop mit tanzbaren Beats von der Leine. Calvin Harris schafft es so, die Teenager, 20 und sogar 30 Somethings anzusprechen und auf die Tanzfläche zu locken.

Chvrches – Wenn Pop, dann aggressiv!

2013 hatten Chvrches mit ihrem Debütalbum The Bones of What You Believe einen fulminanten Start hingelegt. Mit den Songs The Mother We Share und Recover wurden sie innerhalb kürzester Zeit zu Helden der Indie-Szene. Ihr 2015 veröffentlichtes Nachfolgealbum Every Open Eye führte dies nahtlos fort. Allerdings wurden sie darauf rauer und ließen ihren Synthie-Pop etwas in den Hintergrund rutschen. Nun hat das Schottische Trio mit Get Out die erste Single ihres kommenden, dritten Albums Love Is Dead veröffentlicht und kehrt damit wieder zu ihren Anfängen zurück. So haben sie mit Greg Kurstin das erste Mal einen Produzenten verpflichtet. Hatten Chvrches ihre ersten beiden Alben selbst produziert, erklären sie nun, dass sie aus ihrer Komfortzone raus wollten. Im Produktionsprozess hatte sich schließlich herausgestellt, dass ihre Songs, wenn sie dann wieder mehr in Richtung Synthie-Pop gehen würden, deutlich aggressiver klingen sollen. Dies haben sie mit Get Out auch geschafft. Neben den typischen Synthesizern gibt es einen deutlich brachialeren Grundton. Dabei klingt Lauren Eve Mayberry immer auch zart, jung und frisch. Gibt es ein Geheimnis der Band, ist es die Mischung aus Synthesizern, klarer Gesangsstimme und hymnenhafter Produktion. Mit Get Out kommen Chvrches ganz groß zurück und holen sich die Krone zurück.

David Byrne – Ein Held macht diplomatisch Politik

Die Überschriften sind groß. Er ist zurück, Comeback nach 14 Jahren, Erste Soloplatte seit 2014ließt man heute überall. Dass große Headlines bei niemanden geringeren als David Byrne angebracht sind, steht indes außer Frage. War er von 1977 bis 1991 Sänger der Talking Heads, hat er in dieser Zeit die Popkultur, mit Songs wie Burning Down The House, Once In A Lifetime oder Road To Nowhere geprägt. Hier stand er und seine Band wie nur wenige Andere für das Verschmelzen von den Siebzigern und Achtzigern und hat musikalische Grenzen aufgesprengt. Doch auch nach dem Ende der Talking Heads wurde es um Byrne nicht still. So hat er mit Künstlern wie Philip Glass, X-Press 2, Paul Van Dyk, Arcade Fire oder De La Soul ein wunderbares Potpourri aus den verschiedensten Musikgenres in seiner Diskografie angehäuft. Zwischenzeitlich sogar Alben mit St. Vincent und seinem langjährigen Produzentenfreund Brian Eno veröffentlicht, hat Byrne nun für den 9. März 2018 mit American Utopia ein neues Album angekündigt. Die erste Single daraus, wurde zusammen mit Brian Eno und Sampha produziert. Everybody’s Coming To My House heißt der erste Vorgeschmack des Albums, welches sehr diplomatisch Politik betreibt. Anders, als seine Kollegen von Arcade Fire, Moby oder den Gorillaz, hält sich Byrne mit direkter Kritik gegen bestimmte Personen zurück. Vielmehr fängt er die Stimmung auf den Straßen und stellt die Frage We look around and we ask ourselves—well, does it have to be like this? Is there another way? These songs are about that looking and that asking. Dabei klingt Byrne verspielt, groovig und gleichzeitig kantig. Sein Art-Pop hält die Erinnerung an David Bowie hoch und öffnet sich dem heutigen Pop. David Byrne ist Referenz so vieler, heute höchst erfolgreicher, Künstler. Daher ist ein wenig Superlative bei einer neuen Veröffentlichung des Schottisch-Amerikanischen Sängers durchaus angebracht.

Daniel Docherty – Im Stile Ben Howards

Eine Gitarre und eine warme Stimme – mehr braucht es nicht. Dies hat Ben Howard bereits eindrucksvoll auf zwei Alben bewiesen. Nun hat der Schotte Daniel Docherty sein einfühlsames Hold Me veröffentlicht und verzaubert damit ganz Großbritannien. Mit einem schnellen zupfen der Gitarrensaiten und dem Anschwellen der Akustikgitarre singt sich der, aus der Nähe Glasgows kommende, Sänger gerade in die Herzen. Mit seiner warmen und weichen Stimme erzeugt Docherty damit eine Art Lagerfeuerstimmung und steht dabei noch ganz am Anfang. Auf der Fundraising-Homepage Pledge Music, die für Musiker gemacht wurde, um sie zu unterstützen, hatte Docherty 2014 noch um Unterstützung für Aufnahmen seiner ersten EP geworben. Drei Jahre später, kann er sich sein eigenes Musikvideo auf den Internetportalen ansehen. Der 25 jährige Sänger steht somit vor einem großen Schritt, wurde er doch auf dem Niederländischen Eurosonic International Showcase Festival vom Plattenlabel PIAS entdeckt und unter Vertrag genommen – dies war nur eine Frage der Zeit. Und so dürfen wir uns mit Hold Me über seine Debütsingle freuen und lauschen den warmen Klängen und der weichen Stimme Dochertys an kalten Novemberabenden und können uns sicher sein, dass da bald noch mehr kommen wird.

Calvin Harris – Er kann es doch noch

Calvin Harris - My Way

Calvin Harris – My Way

Was in den letzen Jahren mit dem britischen DJ Calvin Harris passiert ist, könnte man als Traumkarriere beschreiben. Vom kleinen DJ aus Schottland, zog er 2007 in die Welt hinaus um seine bunte Musik zu präsentieren. Hatte er doch Anfangs stets bunte Pullovern an und eine ebenso bunter Musik gespielt. Da kamen alle Singles seiner ersten beiden Alben I Created Disco und Ready For The Weekend noch gänzlich ohne Gastsänger aus, was im kompletten Gegensatz zu seinem dritten und vierten Album 18 Month und Motion stand, auf dem fast ausnahmslos Kollaborationen zu finden sind. Auch die ersten drei Singles, seines bald folgenden, fünften Albums, sind mit Rihanna, Dizzy Rascal und Disciples prominent besetzt. Doch mit der vor vier Wochen veröffentlichten Single My Way zeigt Harris das erste Mal seit langer Zeit wieder, wie gut er produzieren kann und dies, abseits des Kollaborations-Popzirkusses klingt. Hier kommt wieder mehr Disco zum Vorschein und singt Harris auch wieder selbst, was mittlerweile zum seltenen Gut auf seinen Platten geworden ist. Es lässt sich nicht verleugnen, dass Harris mit den großen Stimmen dieser Zeit deutlich erfolgreicher ist, als noch auf seinen ersten beiden Alben, doch lernt man die Songs des Briten durch Veröffentlichungen wie My Way nochmal besonders zu schätzen.