girl in red - two queens in a king sized bed

Girl In Red – Besinnliche Töne

Im Winter 2018/2019 schallte es durch alle Indie-Radios – My girl, my girl, my girl. You will be my girl. Dabei hatte die Norwegerin Marie Ulven – alias girl in red – mit Songs, wie we fell in love in october, i’ll die anyway oder midnight love und ihrer – im September 2019 veröffentlichten – Single-Compilation Beginnings, eine Zusammenstellung aus ihren beiden bisher erschienenen EPs Chapter 1 und Chapter 2 rausgebracht, die viel dazu beitrug, die Bedroom-Produzentin auch auf die internationale Bühne zu heben. Mit ihren 21 Jahren hat sich girl in red mittlerweile zu einer beliebten Indie/Dreampop-Musikerin gemausert, die mit ihren zumeist intimen Songs zudem auch immer direkt und klar ist. Nun hat uns girl in red mit ihrer neuen Single two queens in a king sized bed aber gerade komplett überrascht. Denn während ihre bisherigen Songs auch eine gewisse Pragmatik widerspiegeln, spielt sie auf ihrem neuen Song plötzlich mit Traditionen. Da kommen Glocken und heimelige Töne auf und lassen die Worte Christmas und Mistletoe ertönen. Und plötzlich hat uns girl in red – ohne, dass wir es vermutet haben – einen satten Popsong geliefert, der so zuckersüß und weihnachtlich ist, dass wir glatt schon die roten Mützen aufsetzen möchten.

girl in red - two queens in a king sized bed (Video)
girl in red – two queens in a king sized bed (Video)

Sie selbst hat den Song aus dem Moment geschrieben, in dem sie mit einer sehr engen Person am Weihnachtsmorgen im Bett lag, ihre Haut sich wärmend berührten und sie diesen Moment für immer festhalten wollte. Hier tauchen wir musikalisch in eine Szene ein, in der man aus dem Schlafzimmerfenster die Schneeflocken rieseln sieht. Gleichzeitig baut sich das Bild einer Blockhütte in den Wäldern mit ganz viel weihnachtlicher Stimmung auf und lässt den Song fast schon klassisch klingen. Doch auch wenn girl in red mit two queens in a king sized bed äußerst poppige Pfade einschlägt, bleibt sie textlich auch immer bei sich und singt über zwei Frauen und einem trotzigen There’s no mistletoe above our heads. But i’ll kiss you anyway. On christmas day. Yea i’ll kiss you anyway. In christmas day. Bereits im Frühjahr kündigte girl in red mit World In Red ihre Debütalbum für Oktober 2020 an und bekräftigte noch im Mai in einem NME-Interview [Die Corona-Pandemie] kann World In Red nicht aufhalten, Baby! Bisher müssen wir leider feststellen, dass es doch dazu gekommen sein muss und hoffen mit girl in red darauf, dass wir schnellstmöglich das Debütalbum der norwegischen Sängerin zu hören bekommen.

Anna Of The North - Believe

Anna Of The North – Glaubt an Cher und die Liebe

Es ist fast schon ein magischer Moment, den Anna Lotterud da auf ihrer neue EP gezaubert hat. Als Anna Of The North hat sie mit ihrer neuen EP Believe nicht nur fünf ganz wunderbare Songs veröffentlicht, sondern darunter auch ein Cover von Cher. Und wie Ihr Euch alle wohl jetzt denken könnt, ist es Chers größter Erfolg Believe, den sich die norwegische Sängerin ausgesucht hat und gleich auch die gesamte EP danach benannte. Die Geschichte um gerade diesen Song, liest sich so charmant, wie herzlich. Denn ist es mittlerweile zum Ritual geworden, dass sich Anna Lotterud und ihre Band vor jedem Auftritt mit dem Song pushen. Dabei hören sie Believe immer, wenn sie die Auftrittsorte, als die Konzerthallen, betreten. Doch auf der letzten Tour haben sich die Band und Lotterud gedacht, dass es auch toll wäre, diesen Song nach dem Konzert zu spielen. So setzten sie Chers Believe immer direkt nach der Zugabe dran und waren begeistert, wie die Fans dies aufgenommen hatten.

Anna Of The North - Believe (EP)
Anna Of The North – Believe (EP)

Denn hier entstand jedes Mal eine kleine Party, zu der alle in der Halle blieben und noch zu Believe tanzten – ob die Fans vor der Bühne oder Lotterud und die Band auf der Bühne. Hierbei entstand immer ein kleines Happening, welches enorm viel positive Gefühle freisetzte. Mit diesen Erinnerungen gingen schließlich die Fans nach Hause und hatten nicht nur Anna Of The North‘ schwebenden Dreampop im Kopf, sondern gleichzeitig auch einen der größten Pophits aller Zeiten im Ohr. Gleichzeitig ist die gesamte EP eine Momentaufnahme aus der ersten Lockdown-Zeit, in der Lotterud zwischenzeitlich in einem Hotel feststeckte und nicht zu sich nach Hause konnte. Der Sound Anna Of The North‘ ist einmal mehr verzaubernd, gleichzeitig aber auch euphorisch und so verträumt, dass wir mit jedem Song unser Herz vor Freude kaum bändigen können. Anna Of The North macht Herzensmusik – wie wir auf den Songs What We Do (2020), Playing Games (2019), Someone (2018) oder bei Had A Love (2016) zusammen mit Vessels hören können – die sich an uns schmiegt und vor allem in der kalten Jahreszeit als warme Decke dient.

Simen Mitlid - Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again

Simen Mitlid – Leiser Folk

Von kaum greifbaren Songs, über verstörend schöne Autotune-Balladen, bis hin zu ganz leisen Folkschätzen gibt es auf dem neuen Album des norwegischen Singer/Songwriters Simen Mitlid ganz viel von seinem wunderbaren Dreampop-, Indie- und Folk-Sound zu hören. Die aktuelle Single Grateful Dead ist dabei nur der neueste Beweis für diese introvertierte Version eines Rockstars. Hier klingt alles danach, dass sich ein großer Künstler so zurückhaltend und klein verkauft, dass man für einen kurzen Moment argwöhnisch aufschauen möchte – doch gleich im nächsten Atemzug wieder von der weichen Stimme Mitlids zurückgeholt wird und sich im wabernden Sound verliert. Mal klingt er auf seinem nunmehr dritten Studioalbum Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again nach José González (Bird), mal fühlt man sich an Kanye Wests beginnende Autotune-Phase erinnert (While Heaven Is on Fire) und wiederum ein anderes Mal, wie bei der aktuellen Single Grateful Dead an eine langsame Version der Songs vom Shout Out Louds Album Work.

Simen Mitlid
Simen Mitlid

Mitlid selbst sagt über das Album, dass der Titel eine Anspielung auf Abenteuerromane ist. Die Rahmenhandlung ist also in etwa, dass ich in Oslo herumlaufe – und beobachte. Aus diesen Beobachtungen wurden mehrere kleine Geschichten über die verschiedenen Reisen, die Vögel, die Astronauten, die Archäologen (die auch herauszufinden versuchen, warum Menschen gereist sind), die Auswanderer aus Grönland (sowohl aus dem Land als auch aus dem Viertel in Oslo, wo ich mein Aufnahmestudio habe), die Charlie B (eine erfundene Figur, welche die ultimative Reise von Grönland zur Sonne unternimmt), die meine Familie, die mein Verstand, meinen Körper und die Erde (wenn sie sich um die Sonne dreht) während ihres Lebens unternehmen. Man kann sich diese einzelnen Geschichten bildlich vorstellen, hört man sich die einzelnen Songs an. Auf Bird wird diese Geschichte so greifbar, dass wir für einen kurzen Moment von der Baumkrone auf den regen Trubel der Straßen schauen. Mitlid hat mit seinem Album Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again, das am 30. Oktober erscheinen wird, eine naturnahe Soundkulisse für die Introspektive geschaffen und nebenbei wohl einen der längsten Albumtitel seit Chumbawambas The Boy Bands Have Won… (2008) veröffentlicht. Hier könnt Ihr schon jetzt in zwei seiner bisher veröffentlichten Songs aus dem neuen Album reinhören.

The Whitest Boy Alive - Serious

The Whitest Boy Alive – Überraschendes Comeback

Sie sind zurück! Die Berliner Band The Whitest Boy Alive hat nach mehr als einer Dekade mit Serious wieder neues Material veröffentlicht. Dabei verwundert es, dass die Band – trotz ihres Kultstatus – damit nicht sofort durch die Decke gegangen ist. Denn mit ihren beiden Alben Dreams (2006) und Rules (2009) und den großen Hits InflationBurning oder 1517 haben Erlend Øye, Marcin Öz, Sebastian Maschat und Daniel Nentwig für einen regelrechten Run auf Konzerttickets in ganz Europa gesorgt. Nicht zuletzt, durch Frontsänger Erlend Øye konnte die Band den Status zu einer legendären Band ausbauen. Denn Øye ist nicht nur Frontmann und Sänger von The Whitest Boy Alive, sondern hat mit den Kings Of Convenience eine zweite großartige Band gegründet. Darüber hinaus gab es Zusammenarbeiten mit Röyksopp und Feist, sowie chilenischen und sizilianischen Musikern – mit denen er jeweils über Jahre zusammengearbeitet hat und auf der Bühne stand. Heute tritt Øye zumeist als Solokünstler auf und unterstützt weiterhin die chilenische Musik, indem er chilenische Bands in sein Vorprogramm nimmt. Mit The Whitest Boy Alive hat sich Øye bereits seit 2017 wieder öfter zeigen lassen und mit zwei bis drei Konzerten im Jahr dazu beigetragen, dass der Hype um ein Comeback nicht abklingen wollte.

The Whitest Boy Alive

The Whitest Boy Alive

Schließlich – auf Tour in Chile und Argentinien – kam der Song Serious zustande. Darauf erklingen abermals die entspannt, funkigen Sounds, die The Whitest Boy Alive einst so bekannt gemacht haben. Mit Øyes klarer und ruhiger Stimme ist Serious eine wunderbare Untermalung eines sommerlichen Tages im eigenen Kleinod – irgendwo im Grünen. Dabei wehen die bunten Lampions in den Bäumen und die lockeren Hemden oder leichten Kleider ziehen mit dem Wind. Ganz so, als würde ein norwegischer Sommer über uns hereinbrechen ist Serious die passende Untermalung. Während nicht klar ist, ob diese neue Veröffentlichung auch ein Album nach sich ziehen wird, geben The Whitest Boy Alive zur Veröffentlichung bekannt – Sieben Jahre sind mittlerweile vergangen und es scheint, als hätten alle Mitglieder andere Dinge zu tun gehabt aber dabei neue Fähigkeiten entwickelt. So war der Spaß am gemeinsamen Spiel wieder da und wir konnten nun Dinge aus gemeinsamem Wunsch heraus tun, ohne jegliches Pflichtgefühl. Das klingt immer noch, als würde die Band alte Herausforderungen verarbeiten – doch wenn dabei neues Material entsteht, dass so klingt wie Serious, wäre es für die Fans ein absoluter Gewinn.

Seeb & Zak Abel - Sad In Scandinavia

Seeb & Zak Abel – Das melancholische Tanzen

Es war ein sogenannter Game-Changer, der das Norwegische Produzenten-Duo Seeb 2015 plötzlich durch die Decke gehen ließ. Ein Paradigmenwechsel für die Osloer DJs und für den US-Amerikanischen Singer/Songwriter und Rapper Mike Posner. Denn gleich mit ihrem ersten Remix des Mike Posner Songs I Took a Pill in Ibiza gelang den Norwegern der Eintritt in die Top-10 in 27 Ländern. Gleichzeitig wurde der Song durch den Remix zum – bis dato – erfolgreichsten Mike Posner Song seiner Karriere. Mit über 6,5 Millionen verkauften Einheiten zählt I Took a Pill in Ibiza zu den erfolgreichsten Songs des Jahres 2015. In Folge des großartigen Erfolges kamen Bands, wie Coldplay, Bastille, Highasakite oder Acts, wie Shawn Mendes, Taylor Swift und Dagny auf die Jungs zu, um Songs geremixt zu bekommen. Aber auch eigene Songs finden immer größeren Anklang. So wurde mit Breathe (2016) einer ihrer ersten eigenen Tracks zum vollen Erfolg und verkaufte sich in Deutschland mehr als 200.000 Mal. Nun sind Seeb mit Sad in Scandinavia zurück und kündigen damit ihr gleichnamiges Debütalbum an, welches noch dieses Jahr erscheinen wird. Auf Sad in Scandinavia eint Seeb – die hier mit Zak Abel zusammenarbeiteten – der tiefe melancholische Elektrosound, den bereits Acts, wie Robyn, Sigrid, Highasakite, Skott oder Ingrid Witt so wunderschön präsentieren. Mit den großen Gegensätzen, im Winter tagelang fast keine Sonne zu sehen und den ebenso endlos langen und hellen Sommertagen, speist sich diese Melancholie aus der Nacht und diesen euphorisch langen Tagen des Sommers. Dabei haben Seeb aber auch eine weitere emotionale Ebene im Song verarbeitet. In Sad in Scandinavia dreht sich das Gefühl um eine beendete Beziehung, bei der man um die Welt reist und hofft, darüber hinwegzukommen, doch feststellt, dass man so weit weg reisen kann, wie man möchte – das Gefühl reist immer mit. Mit Zak Abels wunderbar sanftem Gesang und den großen, ins Stadion passenden, Höhepunkten des Songs, entwickelt sich so eine ganz neue Stimmung, die zum in sich kehren einlädt und gleichzeitig zum ausflippen anregt. Sad in Scandinavia ist der perfekte Sommersong, der an verregnet, warmen Sommertagen genauso funktioniert, wie an heißen Open Air Abenden.

Travis - A Ghost

Travis – Mit kreativen Lauf und voller Energie zurück

23 Jahre und acht Alben ist es her, dass die Schottische Band Travis erstmals in die britischen Charts einstieg. In den darauffolgenden Jahren ging es für Travis – bis zu ihrem Höhepunkt 2001 mit dem dritten Album The Invisible Band – immer schneller und höher hinaus. Alles fing mit einem denkwürdigen Auftritt auf dem Glastonbury Festival 1999 an. Bestand die Band da bereits neun Jahre, sollte es ihr Song Why Does It Always Rain On Me sein, der zur modernen Legende wurde. Denn als die Band um Frontsänger Fran Healy 1999 die Bühne betrat und diesen Song anstimmte, begann es auf dem Festival zu regnen. Dieser Moment wurde in Großbritannien schnell weitererzählt und entwickelte – ganz ohne Social Media – eine Dynamik, die der Band nicht nur eine erste Top-10 Platzierung in den Singlecharts einbrachte, sondern das Album in den nachfolgenden Wochen bis auf Platz 1 klettern ließ. Mit ihrem dritten Studioalbum The Invisible Band – auf dem Travis thematisierte, dass ihre Musik so viel größer sei, als die eigentlich Band dahinter (was sich am Albumtitel ableiten lässt) – gelangten sie schließlich in 15 Ländern in die Charts und schafften es in Großbritannien, Irland und Norwegen bis an die Spitze. Was folgte, waren die Alben 12 Memories (2003), The Boy With No Name (2007), Ode To J. Smith (2008), Where You Stand (2013) und Everything At Once (2016) die alle – bis auf Ode To J. Smith – die Top-5 der Albumcharts erreichten. Nun haben Travis, nach 4-jähriger Pause, mit 10 Songs ihr neuntes Studioalbum für den Oktober angekündigt und daraus die Single A Ghost veröffentlicht. Hierbei kehren Healy und die Band wieder zu dem alten Folksound ihrer Anfangszeit zurück, ohne dabei nostalgisch zu klingen. Mit einer schnellen Gitarre, einem erfrischenden Piano und Healys energischen Gesang bekommt A Ghost ein wunderbares Tempo, dass der Band gut tut. Healy selbst sagt über die Entstehung des Albums, dass er durch seinen Sohn – beide leben in Berlin – einen regelrechten Tritt in den Hintern bekommen hat und von ihm dazu gedrängt wurde, sich wieder der Musik zu widmen. So hat Healy in den vergangenen vier Jahren Material für 10 Alben geschrieben und daraus die stärksten zehn Songs auf das neue Album gepackt. A Ghost kommt nun mit einem Musikvideo auf den Markt, das von Healy selbst gezeichnet wurde und ihn wochenlang an den Schreibtisch fesselte. Denn hier hat er in mühsamer Arbeit täglich 16 Stunden verbracht, bei dem am Ende 10 Sekunden des Musikvideos herauskamen. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert und wurde auch durch die Zusammenarbeit mit seinem Sohn erst realisierbar, der ihn mit seiner Drohne filmte. Travis sind wieder auf einem kreativen Hoch angekommen, das sich nicht nur im Musikvideo auszeichnet, sondern viel mehr auch in der Musik, die frisch und drängend klingt und voller Energie steckt.

Otha - Tired And Sick

Otha – Lässt den Club erzittern

Mit One Of The Girls hat die norwegische Sängerin Otha vor knapp zwei Jahren einen Song veröffentlicht, der sich innerhalb der folgenden Monate zu einem absoluten Indiehit gemausert hatte. Im vergangenen Sommer konntet ihr hier auf SOML über diesen Song lesen, bei dem es die Feststellung gab, dass bisher dahin keine veritable Nachfolgersong folgte. Nun – ein Jahr später – sind wir schlauer und haben im Winter wohl alle mindestens einmal zu I’m On Top getanzt. Dieser synthiegeladene 80er-Jahre Discosound, und der abermals lethargische Gesang Othas haben dazu geführt, dass bereits zwei Songs reichen, um sie zu Norwegens neuem Club-Hype werden zu lassen. Ihre aktuelle Single Tired And Sick hat gerade den gleichen Weg, wie die beiden Vorgänger-Singles, eingeschlagen und mausert sich über die letzten Monate zum absoluten Clubhit. Dabei hat sich Otha von den klebrigen 80er-Jahre-Synthies verabschiedet und überrascht mit einem deutlich aggressiveren House-Beat, der sich kess, verspielt und rotzig anhört. Hierbei erinnert Otha ein wenig an Songs, wie 212 von Azealia Banks und lässt ihren Frust freien Lauf. Denn mit der aktuellen Art und Weise, wie sich Menschen untereinander begegnen und was alles im Netz abgeht, ist Otha alles andere als zufrieden und teilt dies über die Lyrics mit uns. Dabei legt die Sängerin die Melancholie ab, mit der sie auf One Of The Girls und I’m On Top alle auf sich aufmerksam gemacht hat und tauscht ihn gegen die volle Ladung Clubgefühl ein. Tired And Sick ist einmal mehr Othas neuestes Aushängeschild und lässt den Suchtfaktor nach der jungen Sängerin fast schon ins unermessliche steigen.

Dagny - Somebody

Dagny – Großartiger Scandinavian-Pop

Es klang 2017 alles so vielversprechend – da war die Single Wearing Nothing, die europaweit promoted wurde und Dagny in die Charts katapultieren sollte. Auch hier auf SOML war ich mir sicher, dass die 29-jährige Norwegerin damit die Charts im Sturm erobern würde. Doch am Ende reichte es nicht ganz für den europaweiten Ruhm und schaffte es die 2018er Kollaboration Drink About mit dem Norwegischen House-Duo Seeb immerhin bis auf Platz 2 der norwegischen Singlecharts. Nachdem 2016 mit Ultraviolet eine erste EP veröffentlicht wurde, steht Dagny nun bereit, für den großen Durchbruch, der sich mit einem Debütalbum auszeichnen soll. Denn obwohl bisher nur feststeht, dass ihr Debüt im September dieses Jahres erscheinen soll, werden nach und nach immer mehr Songs veröffentlicht. Fest steht bisher, dass sowohl die erste Auskopplung Come Over als auch die nun veröffentlichte Single Somebody mit den vier weiteren Tracks Paris, Let Me CryCoulda Shoulda WouldaTension am 22. Mai als erster Teil des Albums unter dem Titel Side A veröffentlicht werden soll. Somebody reisst uns dabei mit einem euphorischen Dancebeat mit und erinnert an die flirrenden Beats einer Robyn oder Sigrid, die ebenfalls mit hymnenhaften Songs für absolute Partymomente sorgen. Dagny steht dem in nichts nach und hat auf Somebody die ganz großen Popmomente zusammengetragen, lässt uns unter der Diskokugel im blitzenden Scheinwerferlicht den Moment aller Momente erleben und dabei alles um uns herum vergessen. Somebody ist großer Pop, der sofort begeistert und zum tanzen aufruft.

girl in red - Midnight Love

girl in red – Die Selbstreflexion eines Bad Guys

Ich bin immer davon ausgegangen, nie ein Arschloch zu sein, bis ich es plötzlich war. Mit diesen Worten beschreibt Marie Ulven alias girl in red den Moment, an dem sie realisierte, wie sehr sie einen Menschen klein hat fühlen lassen, nur um sich selber wohlzufühlen. Der Moment dieser Selbstreflexion setzte ein, als Ulven bei einer engen Freundin feststellte, wie deren Bekannter sie behandelte und immer nur dann kontaktierte, wenn er Nähe brauchte. Dass dadurch der Wunsch der Freundin nach mehr – als nur ein Rummachen – immer größer wurde und sie gleichzeitig durch jede Ablehnung verletzt wird, ließ Ulven an eine ganz ähnliche Beziehung zwischen ihr und einer Frau denken. Auf ihrem neuen Song Midnight Love schreibt Ulven dann auch aus dem Blickwinkel dieser Frau und versucht sich so ein Bild von ihrem Handeln zu verschaffen. Dabei klingt Ulven einmal mehr verträumt und zeichnet sich durch den Bedroom-Pop aus, der zuletzt auch durch Billie Eilish so populär gemacht wurde. Erstmals arbeitet Ulven mit einem Klavier und drückt ein Gefühl von Liebe, Verletzbarkeit und Aufopferung aus, das den direkten klingenden Sound von girl in red ausmacht. War Ulven dieses Jahr bereits auf dem Cover der Gay Times und wurde vom NME Magazin zum Best New Act In The World gekürt, hat die Norwegerin mit Midnight Love wieder einmal ein heißes Eisen im Feuer und baut weltweit einen immer größer werdenden Fankreis auf.

Vonheim – Wenn ein Sonnensturm aus Musik bestehen würde

Wenn ein Song drei Jahren braucht, um auf einer Platte zu landen, dann zeugt das von einem unablässigen Glauben der Band, an den Song. Im Falle der norwegischen Band Vonheim wurde In The Deep sogar von einer Ballade zu einem epischen, satten Instrumentensturm. Mit seiner unglaublichen Energie und Wucht schmettert uns In The Deep einen wahren Sonnensturm um die Ohren und lässt uns in einer futuristischen Landschaft ohne jegliches Leben zurück. Als musikalischer Ausbruch dient aber nicht nur die Instrumentierung, sondern auch der Gesang des Frontsänger Erlend Vesteraas. Erinnert In The Deep an Songs der frühen Werke von Thirty Seconds To Mars, geht die nun veröffentlichte Single Moving On in die komplett entgegengesetzte Richtung. Mit einem leichten Gitarrenspiel und dem sanft, verträumten Gesang Vesteraas kommen Erinnerungen an Radiohead auf und kann Moving On sogar einen starken Bezug zu Summer Moved On von der ebenfalls aus Norwegen kommenden Band a-ha aufnehmen. Dabei behandeln Vonheim das Ende und daraus resultierend den Neuanfang und sehen Moving On somit als Motivation wieder einen neuen Schritt zu wagen. Am 8. Mai erscheint mit In The Deep das zweite Studioalbum der Norweger und wird natürlich auch diese beiden Songs enthalten.