Someone – Ein Soundtrack für das Weltall

Die niederländische Sängerin Tessa Rose Jackson ist unter ihrem Musikprojekt Someone bekannt für ausufernde Musikvideos, die ihre Songs in ein völlig eigenständiges Genre heben. Ihr hauchend, hallender Gesang ist dabei der perfekte Soundtrack für eine Tour durchs Weltall. Verfolgt man Someones Diskografie, kommt man, wenn man The DeepForgive Forget und den heute veröffentlichten Song Pull It Together anhört, unweigerlich an den Punkt, an dem man sich selbst auf die Erde niedersehen sieht. Dabei hat Pull It Together Anleihen des 1969er Bowie Hits Space Oddity und schwelgt in Atmosphären fernab des hiesigen Popgeschehens. Mit opulenter Instrumentierung und großen Gesten singt Jackson von ihrem Blick aus dem Himmel – runter zur Erde und lässt mit Textzeilen wie Stuck on a cloud again. This time i can’t come down. It was an accident oh, won’t you help me out. I made the same mistake, yes I know erahnen, wie sie dort hingekommen ist. Someone ist ambitionierter Pop, der immer auch ausufernd und bombastisch klingt und hoffentlich in Zukunft in dem ein oder anderen Science-Fiction Film zu hören sein könnte.

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Giant Rooks – Groß, Größer, Riesig

Ihr Output an neuer Musik ist atemberaubend. 2014 gegründet, veröffentlichte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks bereits ein Jahr später mit The Times Are Bursting the Lines EP die erste Musik. Wiederum nur knapp 13 Monate später folgte mit der New Estate EP der Durchbruch. Songs wie New EstateBright Lies und Mia & Keira (Days To Come) wurden über 2017 bis ins Jahr 2018 zu Publikums- und Kritikerlieblingen. Ist doch der kompromisslose Indie, den die Band um Frontsänger Frederik Rabe präsentiert, ein regelrechter Aufschrei nach guter und international klingender Musik dieses Genres. Stand das ablaufende Jahr 2018 ganz im Zeichen der großen Konzerte, mit einer ausverkauften Headlinertour durch die DACH-Region und Großbritannien, haben es die Jungs nicht ohne neue Musik zu veröffentlichen ausgehalten. Und so kommt kurz vor Torschluss 2018 mit Wild Stare tatsächlich die Überraschung. Ist die Single nicht nur abermals ein großartiges Ausrufezeichen, präsentieren sie uns für 2019 die nächste Tournee mit 22 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien. Steht das Quintett beim Berliner Musiklabel IRRSINN Tonträger – bei dem auch AnnenMayKantereit, Faber und die Leoniden beheimatet sind – unter Vertrag, dürfte es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir das Debütalbum angekündigt bekommen. Mit Wild Stare haben Giant Rooks eine große Indie-Nummer produziert, die durch Rabes kratzig, markante Stimme und griffigen Gitarrenriffs so gut funktioniert, dass man sich nach dem nächsten Indie-Club umsehen und sofort auf die Tanzfläche springen möchte.

Douwe Bob & Jacqueline Govaert – Gewinner mit Gefühl

Mit einer 1A-Castinglaufbahn hat sich der niederländische Singer/Songwriter Douwe Bob in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Sänger des Landes gemausert. Hat er seit seinem Sieg der Castingshow De beste singer-songwriter van Nederland 2012 bereits drei Alben veröffentlicht, konnten sich diese allesamt in den Top-10 platzieren und eines sogar den Thron besteigen. Nun steht seit letzten Freitag mit The Shape I’m In sein viertes Studioalbum sowie die Single I Do in den Regalen. Auf I Do hat er sich seine ehemalige Jurorin Jacqueline Govaert dazugeholt und präsentiert sich damit im Duett. Govaert – selbst über 12 Jahre Frontsängerin der sehr erfolgreichen Band Krezip – gibt mit ihrer warmen und unverkennbaren Stimme die Gesangspartnerin. Beide lassen I Do zu einer fantastischen Ballade wachsen, die wunderbar in die besinnliche Jahreszeit passt. Nur von einem Piano begleitet, singen sie so klar und warm, dass wir uns am liebsten zu ihnen an den Kamin gesellen möchten.

Bosse – Euphorisch und Sentimental

Wenn Bosse etwas ganz sicher beherrscht, dann ist es euphorische Popsongs mit Sentimentalität zu verbinden. Ob bei 3 Millionen, Yipi, Dein Hurra oder Frankfurt/Oder – mit dem Bosse, durch die Coverversionen Zoutelande der Niederländischen Band Bløf übrigens Chartrekorde in den Niederlanden und Belgien gebrochen hat – überall schwebt dieses Gefühl von Trauer, begleitet von Freude, mit. Nun hat Bosse sein siebtes Album Alles Ist Jetzt angekündigt und die gleichnamige Single daraus veröffentlicht. Darauf klingt Bosse poppiger, schneller und energiegeladen. Mit Textzeilen Was du träumst das musst du machen. All die besten super Sachen. Einfach machen, einfach machen hat er uns sofort und löst ein Gefühl der Sehnsucht nach genau diesem Gefühl aus. Und genau das ist es, was Bosse immer und immer wieder schafft und damit auch eine Schar an musikalischen Freunden um sich vereint. Da ist es nicht verwunderlich, dass im dazugehörigen Video unter anderem Romano, Anna Maria Mühe, die Mighty Oaks oder Madsen mitmachen wollten. Ein Hoch auf Aki. Ein Hoch auf Bosse!

Haevn – Kino trifft Sommer

Das niederländische Duo Haevn hat bereits einige Veröffentlichungen hinter sich, ehe vor zwei Wochen endlich ihr langerwartete Debütalbum Eyes Closed das Licht der Welt erblickte. Darauf enthalten sind alle bisher veröffentlichten Singles Where the Heart IsBright LightsFinding Out MoreFortitude und die aktuelle Single Back In The Water. Damit ist das Album voller cineastischer Songs, die einem Soundtrack entstammen könnten. Nicht von ungefähr kommt diese Assoziation – besteht das Duo doch aus einem Singer/Songwriter und einem Filmmusikkomponisten. Mit Back In The Water veröffentlichen Haevn nun allerdings eine Remix Version des irischen Produzenten und Remixers Mark McCabe offiziell. McCabe war bereits 2016 als Remixer des Gavin James‘ Songs Nervous beteiligt und bringt mit seiner Version des Haevn-Songs nun etwas Summer-Feeling in die Produktion. Dabei klingt Back In The Water immer noch nach Haevn, hat aber zusätzlich die Leichtigkeit der aktuellen EDM-Trends im Gepäck.

Blaudzun – Die Schwere als Verlässlichkeit

Vor knapp vier Jahren stellte ich Euch den niederländischen Singer/Songwriter Blaudzun mit seinem Song Too Many Hopes For July vor. 2016 kehrte er mit dem Album Jupiter – Part I zurück, welches das erste, aus einer Trilogie, sein sollte. Kam 2017 Jupiter – Part II raus, veröffentlichte Blaudzun vor wenigen Tagen nun mit _UP_ (Jupiter – Part III) das dritte und letzte Album daraus. Wie spannend diese Arbeit war, zeigt sich auf dem nun veröffentlichten Song island_. Dieser trägt die volle Ladung Schmerz, Aufbruch, Verletzlichkeit und Mut in sich. Mit wehmütiger Stimme greift Blaudzun zu der kompletten Palette an Instrumenten und geht von ruhigen Momenten mit dem Klavier, über eine, von Gitarren getriebene, Bridge, bis zum opulenten Refrain voller Schlagzeug und drängendem Gesang. island_ fühlt sich an, wie ein Sturm, durch den man muss, um wieder ins Sonnenlicht treten zu können. Getrieben von einem Gefühl der Leere und Wärme zugleich. Blaudzun spielt mit der Wehmut und schafft es immer wieder aufs neue, Gefühle zu wecken. island_ ist ein volles Versprechen an die Seele und geht einem damit nicht mehr aus dem Kopf.

Kovacs – Mit mehr Groove durch das zweite Album

Mit ihrem Debütalbum Shades Of Black gelang es der niederländischen Sängerin Kovacs 2014 direkt auf Platz 1 der niederländischen und Platz 8 der deutschen Albumcharts einzusteigen. Ihre Mischung aus rauchig, kratziger Stimme, dem Auftreten einer zierlichen Frau und dem James Bond’schen Klang der Singles My Love und 50 Shades Of Black brachte ihr vor vier Jahren von Berlin bis Amsterdam viel Aufmerksamkeit ein. Ihr zweites Album jedoch ließ länger auf sich warten als geplant. Hatte sie das Debütalbum mit dem Produzenten Oscar Holleman realisiert – der sich für Produktionen für Within Temptation, Ayreon und Krezip verantwortlich zeichnet – zog der sich mitten im Prozess des zweiten Albums plötzlich zurück und nahm die Band, die Kovacs seit dem Debüt begleitete mit. Mit diesem Gefühl, wieder komplett alleine dazustehen und von vorne beginnen zu müssen, wandte sich Kovacs an den britischen Produzenten Liam Howe, der nicht nur bereits mit Adele, Lana Del Rey und FKA Twigs zusammengearbeitete hat, sondern Kovacs auch die Freiheit gab, sich wieder selbst zu finden, um den Sound zu realisieren, den sie nun auf ihrer neuen Single Black Spider präsentiert. Dabei ist das Gefühl, einen James Bond-Soundtrack zu hören verschwunden – hin zu einem deutlich poppigeren und groovigeren Sound, der sich unweigerlich im Körper festsetzt. Schneller und mit vielen peripheren Instrumenten, wie Saxophon, Trompeten und Geigen klingt Black Spider ungewöhnlich offen und befreiend. Kovacs scheint sich in ihrem neuen Sound wohlzufühlen und begeistert mit sehr viel Frische.

Bløf – Von Frankfurt Oder nach Zoutelande

Es ist, als würden wir die Zeit zurückdrehen. Zurück in die 60er/70er Jahre, als Songs noch multilingual produziert wurden und somit der gleiche Song in verschiedenen Sprachen europaweit zum Hit wurde. Nun – im Jahr 2018 – haben wir diesen Fall abermals, vorerst allerdings nur auf zwei Länder bezogen. In einer Zeit, in der Songs als das erfolgreich sein müssen, für das sie produziert wurden, scheuen viele die waghalsige Investition in andere Länder oder verbieten gar die Nutzung durch andere Künstler. Nicht so bei Bosse – der hat nämlich der unglaublich erfolgreichen niederländischen Pop/Rockband Bløf die Freigabe gegeben, seinen Song Frankfurt Oder auf Niederländisch zu singen. Dabei haben sich Bløf den Song zu eigen gemacht und auch etwas angepasst. Durch die Unterstützung der  belgischen Sängerin Geike Arnaert – die gleichzeitig Frontsängerin der Band Hooverphonic ist – gibt Zoutelande genau das Gefühl von Sehnsucht wieder, das Bosse und Anna Loos auch auf Frankfurt Oder transportiert haben. Somit hat die Version Bløfs kein bisschen an Reiz verloren, steht deshalb auch zu Recht seit zwei Wochen auf Platz 1 der niederländischen Charts und erinnert uns gleichermaßen an die grandiose Originalversion von Bosse.

My Indigo – Aus Within Temptation wächst Pop

Mit Within Temptation ist Sharon den Adel als Frontsängerin seit mehr als 20 Jahren im Musikgeschäft unterwegs. Ihr Mix aus Gothic und Symphonic Metal hat sie zu einer der erfolgreichsten Bands dieses Genres weltweit geführt. Doch durch das stetige wachsen persönlicher Probleme den Adels, legten Within Temptation nach der letzten Welttournee im Sommer 2014 eine Pause ein. Diese nutzte den Adel, um deutlich persönlichere Songs zu schreiben, die nicht in das Within Temptation Muster passten. So startete den Adel im Herbst dieses Jahres ihr Musikprojekt My Indigo mit dem sie ihre Songs nun veröffentlicht. Die erste Single daraus, heißt – wie ihr Musikprojekt – My Indigo und ist Pop pur! Mit einer Gitarre beginnend, steigert sich My Indigo zu einer ganz großen Hymne, die durch den Adels weite und kräftige Stimme, ein ganz eigenes Tempo entwickelt. Dazu zeigt uns den Adel in einem fantastischen Musikvideo die Liebe zwischen einem Sohn und seiner Mutter und transportiert dabei ganz viel Gefühl. Den Adel hat mit ihrem Musikprojekt My Indigo für eine satte Überraschung gesorgt und man kann der Niederländerin nur Mut zusprechen – Pop steht ihr wunderbar.

Someone – Eine ganz neue musikalische Welt

Im Sommer überraschte uns die Niederländerin Tessa Rose Jacksons mit ihrem neuen Musikprojekt Someone. War sie bis dahin im Indiepop, vor allem mit dem Song Change Time, der für einen IKEA-Werbespot verwendet wurde, aufgefallen. Mit einer frechen und unterhaltsame Art sorgte sie so 2012 für ein erstes Aufhorchen. Allerdings konnte sich Jackson auf Dauer nicht mit diesem Sound identifizieren und suchte andere Wege, sich musikalisch auszudrücken. Der im Sommer veröffentlichte Song The Deep war der Beginn dazu. Mit verschwimmenden Klängen, einem elektronischeren Sound und eine Referenz an Portishead krempelte sie ihre musikalische Ausrichtung einmal völlig um. Auf ihrer neuen Single Forget Forgive führt sie diesen Sound konsequent weiter, wird dabei allerdings noch ruhiger und schwimmt auf einem Klangbett aus tiefen Gitarrenriffs. Jackson klingt hierbei ruhig und entspannt. Mit dem dazugehörigen Musikvideo, welches 6:16 Minuten lang ist und einen Kampf der Geschlechter zeigt, fügt sie dem Song einen Clip hinzu, der widersprüchlicher kaum auf ihre Musik wirken könnte. Nach The Deep hat Tessa Rose Jackson, alias Someone, mit Forget Forgive eine starke zweite Single veröffentlicht, die Lust auf ein ganzes Album macht.