Zulu – Mit einem Mix aus Indie und Elektro nach oben

Da legen sich aber drei Jungs ins Zeug. Kennen wir von den Bandmitgliedern der Würzburger Band Zulu nur die Vornamen Max, Basti und Jannis und haben sie sich erst Weihnachten 2016 – und damit gerade einmal vor zwei Jahren-  gegründet scheint der Band Gemächlichkeit allerdings fremd zu sein. Denn haben Zulu doch nur 15 Monate nach ihrer Gründung mit Analogue Heart bereits ein Debütalbum auf den Markt gebracht, welches aus verspielten Elementen, Indie und einem aus Elektro basierendem Sound besteht. Hierbei sind die Singles Digital Brain und Neukölln ganz vorne mit dabei. Nun hat das Trio mit Science eine weitere Single aus ihrem Debütalbum veröffentlicht, welche ein astreiner Indiehit werden könnte. Hierbei baut sich Science mit einer an Roosevelt Songs erinnernden Hookline zu einem wahren Ohrwurm auf. Dabei ist Science von einer Leichtigkeit geprägt, die fast schon Desinteresse ausdrücken könnte, wenn nicht gleichzeitig eine gewisse Verschmitztheit rauszuhören wäre. Aktuell hat die noch junge Band erst 1.500 Follower bei Facebook und knapp 700 bei Instagram, doch mit einem kleinen Push und der richtigen Platzierung dürfte für Zulu die Zukunft vielversprechend aussehen.

William Fitzsimmons – Aufrichtiger Ruf nach Geborgenheit

William Fitzsimmons‘ aktuelles Album Mission Bell stellt eine Zäsur dar. Davon konntet Ihr Euch bereits durch seine Single Angela überzeugen. Nun hat Fitzsimmons dem Gefühl allerdings mit seiner neuen Auskopplung Wait For Me nochmal eine größere Bedeutung zu teil werden lassen. So besingt der US-Amerikaner mit gewohnt hauchend, beruhigender Stimme, wie es ist, plötzlich von seiner Ehefrau getrennt zu sein und nicht zu wissen wie es weitergeht. Dabei verliert sich Fitzsimmons darin, zu hoffen, dass jemand ihn braucht und er somit gewollt ist oder aber – wie im Falle des Sängers – sich aus dieser Gefühlslage zu befreien und loszureißen. Fitzsimmons hat auf Mission Bell sein Innerstes nach außen gekrempelt und geht so roh und aufrichtig mit seinen Gefühlen um, wie es nur der Pittsburgher Sänger kann. Bei Fitzsimmons ist Melancholie das Lebenselixier, auch wenn es immer nahe am Abgrund entlang geht. Dabei klingt Wait For Me drängender und hat an Tempo zugelegt, ohne hektisch zu wirken. Fast könnte man meinen, Fitzsimmons neben sich im Arm zu haben und seinem gebrochenen Herzen zuzuhören. Damit schafft der Sänger immer wieder eine Geborgenheit zu entwickeln, die reich an Emotionen und Wärme ist und dabei melodisch und authentisch klingt.

Ex:Re – Wenn Daughters Stimme zum Soloprojekt wird

Hört man die ersten Sekunden des Songs Romance, fühlt man sich unweigerlich an das britische Indie-Trio Daughter erinnert – ist die Stimme der Sängerin, hinter dem kryptischen Namen Ex:Re doch genauso zart und ruhig. Und natürlich kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn wer ein Fan Daughters und von Frontsängerin Elena Tonra ist, wird wissen, dass Ex:Re ihr neues Soloprojekt ist. Hier zeigt sich Tonra nochmals deutlich introvertierter, als bei Daughter. Dabei ist die Single zum selbst betitelten Debütalbum Ex:Re eine Offenbarung an den Moment eines Beziehungsendes. Die daraus entstandene Leere ist noch nicht gefüllt oder gekittet und lässt die Gefühle in einer Art Lethargie zurück. Mit den Worten Romance is dead and done. And it hits between the eyes on this side. The grass is dead and barren. And it hurts between my thighs on this side durch den Refrain führend, erzählt Tonra auf fast sieben Minuten Musik, ihre Geschichte von einer Trennung, die immer noch zu spüren ist. Dabei klingt sie so zerbrechlich, traurig aber auch wunderschön und lässt uns an diesem Gefühl teilhaben und ebenfalls Leere, Wärme und Schmerz empfinden. Gab es bisher nur einen Liveauftritt als Ex:Re in London, dürfen wir auf weitere Termine im neuen Jahr hoffen. Bis dahin wird das Album wohl so einige Male auf Repeat gespielt.

Seinabo Sey – Offener, kräftiger und voller Energie

Mit den Textzeilen There’s a conclusion to my illusion. I assure you this. There’s no end to this confusion. If you let it wish you well. Soul to sell […] When you know you ain’t getting any. Younger, younger, younger, are you? kam für die schwedische Sängerin Seinabo Sey 2013 der große Durchbruch. Mit der Remixversion des norwegischen DJs Kygo bekam Sey 2014 weltweit nochmals deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und so folgte im Oktober 2015 mit Pretend ihr Debütalbum und die gleichnamige Single. Für neues Material sollten dann allerdings erst einmal weitere drei Jahre vergehen, bis wir neues Material der eindrucksvollen Sängerin erwarten konnten. Dieses Jahr war es dann schließlich Zeit für neue Musik und so kann 2018 definitiv als das Jahr der Tochter einer Gambierin und eines Schweden angesehen werden – denn Anfang September folgte mit I’m A Dream ihr zweites Studioalbum auf dem die Sängerin deutlich gereifter klang. Mit ihrer aktuellen Single Good In You beweist sie uns genau diese neue Art Soul, R&B und Pop zu verbinden. Mit einem wirbelnden Sound und eingängigen Lyrics klingt Sey so frisch und neu, das die neuen Songs sich nicht hinter den großen Nummern des Debütalbums verstecken müssen.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest Dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

The 1975 – Ein Liebeslied an das Böse

Es sind die Zeilen And all I do is sit and think about you
If I knew what you’d do
 die uns Glauben schenken, dass uns The 1975 eines der besten Liebeslieder der vergangenen Monate schenken. Mit einem fesselnden Synthiebeat und Matty Healys sanft, poppigem Gesang klingt It’s Not Living (If It’s Not With You) so sehr nach einem 80er-Jahre Power-Lovesong, dass wir uns schon freuen, die heimliche Liebe Healys kennenlernen zu dürfen. Doch hört man den Lyrics weiter zu, wird klar, dass Healy hier von einem deutlich ernsteren Thema singt. Denn die Zuneigung, die er hier beschreibt, galt für einige Zeit den Drogen wie Heroin. Dies behandelt Healy in It’s Not Living (If It’s Not With You) so pur in direkt, dass man ihm nur gratulieren kann, wieder clean zu sein. Das dieser Weg schwer sein musste, zeigt die Band nun auch in dem dazugehörigen Musikvideo, indem Healy mit den Nebenwirkungen der Drogen – in Form von Panikattacken und Ängsten – zu kämpfen hatte und selbst auf der Bühne nicht davon verschont blieb. The 1975 stehen mit ihrem, gerade veröffentlichten, dritten Album A Brief Inquiry into Online Relationships gerade davor, weltweit zu einer der größten Rockbands unserer Zeit aufzusteigen. Da kommt die neu entfachte, drogenfreie Energie von Frontmann Healy genau richtig. Mit rotzigen Kommentaren, großen Songs und bereits einem vierten Album für Mai 2019, das Notes on a Conditional Form heißen wird, in der Pipeline, greifen The 1975 nun frontal an und sind auf dem besten Weg ihren Platz im Olymp einzunehmen.

The Good, The Bad & The Queen – Goodbye Europe

Damon Albarn tanzt bekanntlich auf vielen Hochzeiten. Sei es als Solokünstler, als Mitglied von den Gorillaz oder Blur oder als Teil der Supergroup The Good, The Bad & The Queen. Mit letzterer Band ist Albarn nun wieder zurück. So veröffentlichte die vierköpfige Band am vergangenen Freitag – elf Jahre nach deren gleichnamigen Debütalbum – nun mit Merrie Land ihr zweites Studioalbum, das geprägt vom Brexit mit einem kritischen und irritierenden Blick auf die Geschehnisse in ihrem Land eine Stimmung aufgreift, die alles noch absurder wirken lässt. So beschreibt Paul Simonon, vormals als Bassist von The Clash bekannt, ihre Musik als Anspielung auf die nostalgische, sentimentale Vision der Menschen, wie England einst war – die es aber nie wirklich gegeben hat. Mit Drummer Tony Allen und Gitarrist und The Verve Keyboarder Simon Tong haben Albarn und Simonon ein Album produziert, das wie ein Abgesang auf die Zukunft klingt. Mit dem allseits gegenwärtigen Goodbye-Gefühl klingen die beiden Singles Gun To The Head und Merrie Land nach einer resignierenden Bevölkerung, die ihrem Übel müde entgegenblickt. Da werden die Songzeilen If you’re leaving can you please say goodbye. And if you are leaving can you leave your number. I’ll pack my case. And get in a cab. And wave you goodbye fast schon süffisant von Albarn intoniert. So, dass man sich kurzzeitig genötigt sieht, die Briten an die Hand zu nehmen und aufs Festland und an sich reißen zu wollen. The Good, The Bad & The Queen sind nach über einer Dekade mit einem politisch brisanten, zweiten Album zurück und werden so ein Teil der Geschichte des Verlassens von Großbritannien aus der EU sein.

Douwe Bob & Jacqueline Govaert – Gewinner mit Gefühl

Mit einer 1A-Castinglaufbahn hat sich der niederländische Singer/Songwriter Douwe Bob in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Sänger des Landes gemausert. Hat er seit seinem Sieg der Castingshow De beste singer-songwriter van Nederland 2012 bereits drei Alben veröffentlicht, konnten sich diese allesamt in den Top-10 platzieren und eines sogar den Thron besteigen. Nun steht seit letzten Freitag mit The Shape I’m In sein viertes Studioalbum sowie die Single I Do in den Regalen. Auf I Do hat er sich seine ehemalige Jurorin Jacqueline Govaert dazugeholt und präsentiert sich damit im Duett. Govaert – selbst über 12 Jahre Frontsängerin der sehr erfolgreichen Band Krezip – gibt mit ihrer warmen und unverkennbaren Stimme die Gesangspartnerin. Beide lassen I Do zu einer fantastischen Ballade wachsen, die wunderbar in die besinnliche Jahreszeit passt. Nur von einem Piano begleitet, singen sie so klar und warm, dass wir uns am liebsten zu ihnen an den Kamin gesellen möchten.

Querbeat – Große Beats und laute Trompeten

Mehr Freaks braucht das Land! So tönt es aus allen Lautsprechern des Rheinlandes. Auch wenn es noch nicht ganz so ist, könnte die 13-köpfige Band Querbeat aus Bonn bald so etwas wie ein lokaler Hitgarant werden, der es auch fernab des Rheinlandes zur ganz großen Nummer schafft. Denn mit ihrer nun veröffentlichten Single Freaks, die aus dem gerade veröffentlichten dritten Album Randale Und Hurra stammt, reißt die Band förmlich die Decke ein. Die auf Brasspop festgelegte Band hat dabei so viele Einflüsse, wie es Brasspop nur haben kann. Mit elektronischen Beats, Trompeten, Pop-Gesängen und Hip-Hop-Rhymes mischen sie alles zu einer hoch explosiven Soundmischungen zusammen, die in jeder Sekunde zum Ausrasten anregt. Brasspop ist dabei in den letzten Jahren einer angesagtesten Musikrichtungen geworden. Bands wie Querbeat, LaBrassBanda und MEUTE tragen dazu bei, dass Brasspop an die Oberfläche und im Mainstream angekommen ist. Mit der Interpretation des Flume Remixes von Disclosures You & Me hatten gerade die Hamburger von MEUTE einen viralen Hit gelandet. Querbeat hingegen schreiben ihre eigenen Songs und haben dadurch deutlich größeren Einfluss an Soundgerüst ihrer Songs. Querbeat liegt irgendwo zwischen Seeed und Fettes Brot und hat mir Freak einen satten Hit abgeliefert, der keinen stillstehen lässt.

KLAN – Zwei Brüder, eine Entscheidung

KLAN gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. Und doch haben sie erst jetzt, am 12. Oktober, ihr Debütalbum Wann Hast Du Zeit veröffentlicht. Ihr fragt Euch, was eine Band bitte von 1988 bis 2018 an Zeit benötigt, um ihr Debütalbum fertigzustellen?! Das Aufwachsen! Denn KLAN besteht aus den beiden Leipziger Brüdern Michael und Stefan Heinrich. Nach Jahren des brüderlichen Zusammenlebens im Elternhaus folgte der Weg in bürgerliche Jobs. Blieb Stefan in Leipzig um Medienpädagogik zu studieren, zog es Michael nach Berlin für ein Medizinstudium. Doch damit nicht glücklich werdend, folgte Stefan seinem Bruder einige Zeit später nach Berlin und beide entschlossen, ihre Berufe vorerst ruhen zu lassen, um sich der Musik zu widmen. Denn die hatten sie bereits seit der Jugend für sich entdeckt. Somit stand im Jahr 2016 der Eintrag in das Grundbuch deutscher Bandfindungen an und KLAN kam zur Welt. Nun haben sie mit der aktuellen Single Mama das Thema der Findung und Abnabelung behandelt und, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Familie umgegangen sind. Dabei klingen sie so angenehm ruhig besonnen und singen reflektieren die Befürchtungen der Eltern, vom Weg abzukommen, sollten sie ihre Jobs für die Musik an den Nagel hängen. KLAN klingen frisch und doch irgendwie nach einem gewohnten Begleiter. Auf alle Fälle sind sie damit eine der heißesten Anwärter auf einen nächsten, großen Hit.