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Felix Räuber – Konzertkritik (Frannz Club)

Es ist fast genau ein Jahr her, da trat Felix Räuber im Berliner ACUD auf die Bühne und präsentierte Musik, an der er in den Jahren zuvor so intensiv gearbeitet hatte. Seitdem sind 12 Monate vergangen, in denen der Sänger eine Remix-Version seiner Debüt-EP Wall veröffentlichte und mit solch monumentalen Songs wie dem akustischen Birth immer wieder neue Musik veröffentlichte. Mit der angekündigten, zweiten EP ME holt der Wahlberliner nun etwas in sich hervor, das so sehr mit Leben gefüllt ist, dass man sich eines Kopfkinos nicht verwehren kann. Diese Songs hatte Räuber nun am vergangenen Freitag im Berliner Frannz Club vorgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Musik wertvoll ist und das Publikum sichtlich angetan war, diesen Moment mit dem Sänger zu teilen.

Aber der Reihe nach. Eröffnet hatte den Abend ebenfalls ein Wahlberliner. Hierbei standen Max Wiegand alias Badger – mit Gitarrist Levin Siert und Sean Prieske an den Synths zu dritt auf der Bühne und überraschten mit einem Sound, der satt, elektronisch und erfrischend war. Mit tiefen Bässen, dunklen Sounds und Songs wie MirrorsThe MiddleOf What Will Come Tomorrow oder You Move schafften die drei Jungs es in Windeseile, das Publikum von sich zu überzeugen. Dabei sprach Wiegand immer wieder ganz direkt zum Publikum und präsentierte damit eine entspannte Gelassenheit – auch wenn man hier und da einen angespannten Gesichtsausdruck nicht verstecken konnte. Badger ist ein großartiges Erlebnis mit einer Musik, die sich irgendwo, zwischen 80er-Jahre Synthies, modernem House und klassischem Gesang ansiedelt und live großartig aufregend ist.

Nach kurzer Umbauphase trat schließlich Felix Räuber auf die Bühne und hatte neben seinen beiden Tourmitgliedern am Schlagzeug und am Keyboard, noch vier Orchesterspielerinnen mit dabei. Hierbei bestand das Mondena Quartett aus der ersten und die zweiten Geige, einer Bratsche und einem Cello, welches für eine überwältigende Opulenz in Räubers Songs sorgte.

Man konnte Räuber ansehen, dass er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Gewichen war die Anspannung, dass seine Musik eventuell keinem gefallen würde. Indes gewachsen war der Entertainer in ihm. Denn führte uns Räuber mit vielen Anekdoten durch Songs wie Running Out Of TimeHomeBetween The LinesNothing Can Go Wrong, war es immer wieder auch die körperliche Gewandtheit in ihm, die Räuber erhaben, in Gefühlen vertieft und zufrieden zeigte. Bei dem darauffolgenden Gitarrensolo, welches dem Song Birth gleich kam zeigte sich das unglaubliche Potential, das in Räuber und seiner Vorstellung von vielseitiger Musik liegt.

Schließlich folgten mit Every MotionEchoesWall und Burning Sky vier Songs, die allesamt die Wandlungsfähigkeit des Sängers darstellten. Hierbei war vor allem die Präsentation eines der zentralen Punkte, die ein Felix Räuber Auftritt so unterhaltsam machen. Und dabei steht unterhaltsam für einen Auftritt, wie er so auch in den großen Samstagabend-Shows der öffentlich-rechtlichen Sender hätte passen können.

Zum Abschluss spielte Räuber nochmals einen Song, den er bereits zur Mitte des Konzertes sang. Und so entließ uns der Sänger mit Wall im Geistha-Remix und ließ durch die markanten Keys eine Verbindung zum Bronski Beat Hit Smalltown Boy erwachen.

Felix Räuber ist vieles – einsamer Mensch, Liebender, Gefangener und Jagender – doch eines bleibt immer erkennbar, der Mittelpunkt seines Lebens. Und dass ist Musik – in all ihren Facetten, universell und bedeutet dem Sänger vielleicht gerade deswegen so viel.

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Miya Folick – Musik im Einklang

Hinter jedem Künstler und jedem Musiker steht eine Geschichte. Eine Geschichte, die demjenigen, der sich vor ein Publikum stellt, Material gibt, worüber es zu sprechen gilt. Bei der amerikanischen Sängerin Miya Folick gilt dies in vielerlei Hinsicht. Halb Japanisch, halb Russisch, wuchs die Sängerin in Kalifornien auf und zeigt sich in ihren Interessen so nerdig wie vielseitig. Da gibt es zum einen das Interesse an Infinitesimalrechnungen – das daher rührt, dass sie im Schulalter stets vom Ehrgeiz angetrieben, besser sein wollte, als alle Jungs ihres Jahrgangs. Zum anderen kam sie bereits früh mit klassischer Musik in Verbindung und sieht ihre Stimme daher primär als ihr Instrument an. Für ihr, am Freitag erscheinendes, Debütalbum Premonitions hat die buddhistisch erzogene Sängerin einen Mix aus Pop, Indie, flotten Dancetunes und klaren Balladen aufgenommen und nun mit Thingamajig eine Single veröffentlicht, die so reduziert und pur klingt, dass man fast das knistern der Gefühle zu hören vermag. Hierbei dreht sich alles um das Irren und sich dafür zu entschuldigen und Kontrolle abzugeben, so Folick. Dass die Ballade entgegen der vielen anderen Songs auf ihrem Debütalbum stripped-down klingt, zeigt ihr lockerer und frecher Sound er anderen Songs, der klingt, wie es einst Lilly Allen oder Kate Nash auf ihren Debüts schafften. Miya Folick könnte es so womöglich – völlig geerdet – an die Spitze der Charts schaffen.

Zayn feat. Timbaland – Frischling vs. Altmeister

Zugegeben, die Überschrift passt nicht so ganz. Ist Zayn Malik doch längst kein Frischling mehr. Doch im Vergleich zu Timbalands fast 30 jähriger Karriere sind Maliks 8 Jahre noch recht überschaubar. Nach seinem 2016er Nummer-Eins Debüt Mind Of Mine hat Malik nun mit der Single Too Much die Hoffnung auf ein baldiges, zweites Album genährt. Dafür hat sich der britische Sänger den Star-Produzenten dazugeholt. Mit seinen unzähligen Hit-Songs und -Alben hat Timbaland in seiner Laufbahn bereits Millionen von Platten verkauft – nun treffen sich Timbalands pumpende Beats, sein typisches Echo und der Vocoder-verzerrte Gesang mit Maliks smartem R&B. Dabei erinnert er ein wenig am Marios Let Me Love You, ist einfühlsam, romantisch und verträumt. Auf Too Much treffen sich moderner und klassischer R&B von Timbaland und Malik und lassen sowohl neue Fans als auch die Älteren freudig aufhorchen.

Calum Scott – Aus der Ruhe heraus

Mit der Coverversion des Robyn-Songs Dancing On My Own hatte der britische Sänger Calum Scott 2016 alle überzeugt. Alle? Nicht ganz, denn bis auf Platz 1 der Casting-Show Britain’s Got Talent schaffte er es nicht. Dafür allerdings in die Charts von 17 Ländern und verkaufte den Song mehr als 3 Millionen mal. Im März dieses Jahres veröffentlichte Scott sein Debütalbum Only Human und hat neben Dancing On My Own, Rhythm Inside und dem Duett mit Leon Lewis oder Ilse DeLange You Are The Reason auch den nun veröffentlichten Song What I Miss Most mit drauf. Stehen alle bisher veröffentlichten Songs für sich – mal stripped-down (Dancing On My Own), mal als klassische Ballade (You Are The Reason) oder als Uptempo-Song (Rhythm Inside) – ist What I Miss Most eine absolute Hymne. Man stelle sich nur einmal vor, wie Scott im Wembley Stadion dazu singt und bei Sekunde 0:43 das Feuerwerk beginnt zu leuchten. Hier ist ein Song entstanden, der so auch von Coldplay kommen könnte und ganz großes Potential hat. Und so singt sich Calum Scott hier mit viel Energie und einer gehörigen Portion Euphorie von allem frei.

Sam Fender – Kraftvoll und wagemutig

Mit 21 Jahren steht man nicht gerade für politische Orientierung. Der junge Sänger Sam Fender aus Newcastle in Großbritannien hat mit seiner im November veröffentlichten Single Start Again allerdings gezeigt, dass es sehr wohl politisch Interessierte gibt, die deutlich unter 3o Jahre alt sind. Dabei trifft der Sänger genau den Nerv, der gerade bei den Briten immer noch für eine Spaltung sorgt. Start Again ist eine kraftvolle Rocknummer, die durch wunderbaren Gitarrensound und das stets präsente Schlagzeug fast schon brachial wirken. Hier verbindet der Sänger klassische 90er-Jahre Elemente der Rockmusik mit modernem Gesang, der mal wohlig, mal erzählerisch klingt. Noch vor einem Jahr keinen Plattenvertrag besitzend, wurde er Ende 2017 zu einem der Acts gewählt, die in der BBC Radio One Liste BBC Music Sound Of 2018 aufgelistet wurden. Jetzt ist er mit einem dazugehörigen Musikvideo zurück und pusht den ohnehin schon starken Song damit nochmal zusätzlich.

 

Vaults – Klassik trifft Elektro für Weihnachten

Vaults - One Day I'll Fly Away

Vaults – One Day I’ll Fly Away

Vaults arbeiten sich Stück für Stück hoch. Mit dem Featuring von Gorgon Citys All Four Walls kam im Frühling ein erster Vorgeschmack auf das raus, was Vaults genreübergreifend von ihrer Musik verstehen. Nun ist ihnen gleich einer der größten Coups in Großbritannien gelungen. Dürfte die dreiköpfige Band aus London doch den offiziellen Weihnachtswerbeclip vom britischen Kaufhaus John Lewis mit ihrer Musik untermalen. Dabei haben sie sich den 36 Jahre alten Randy Crawford Klassiker One Day I’ll Fly Away ausgesucht und neu interpretiert. Herausgekommen ist nicht nur ein unsagbar schöner Weihnachtswerbespot, sondern auch ein warmer, prunkvoller aber zurückhaltender Song, der mit der reichen Stimme von Frontsängerin Blythe Pepinos eine passende Untermalung der Weihnachtszeit garantiert. Vaults Version von One Day I’ll Fly Away schafft es, elektronische Musik, klassischen Gesang und eine musicalhafte Produktion so harmonisch klingen zu lassen, dass man hier garantiert abgeholt wird.