Gengahr - Icarus

Gengahr – Der große Wurf

Das britische Quartett Gengahr hat in ihrer bisherigen Bandlaufbahn vorrangig mit Psychedelic Rock begeistert, Obendrein beinhaltete ihre Musik auch immer Indie. Nach den Singles Everything & More und Heavenly Maybe haben die Londoner nun mit Icarus eine weitere Single veröffentlicht und feiern heute zusätzlich die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums Sanctuary. Was sich in den ersten beiden Singleauskopplungen bereits andeutete, wird mit Icarus nun nochmals bestätigt – der Sound der Band hat sich verändert. Durch Synthies und aufwändige Gesangsebenen ist Icarus nicht mehr nur Indierock sondern hat auch deutlich mehr elektronische Elemente zu bieten. Diese kommen nicht von ungefähr, zeichnet sich doch für die Produktion des gesamten Albums der Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman verantwortlich. Darum wundert es auch nicht, dass die vier Jungs von Gengahr letztes Jahr bereits als Support-Act auf den Konzerten von Bombay Bicycle Club spielten. Nun sind sie für vier Termine in Deutschland zurück und können Ende Febraur live in Köln, Berlin, München und Hamburg erlebt werden. Mit so vielen neuen Einflüssen ist das neue Album eine Entdeckung wert und zeigt, dass Gengahr mit der Veränderung ihrer Musik überzeugen können.

Bombay Bicycle Club - Everything Else Has Gone Wrong

Bombay Bicycle Club – Ihren Frieden gefunden

In knapp sieben Wochen steht das neue Album Everything Else Has Gone Wrong der britischen Indie-Band Bombay Bicycle Club in den Läden. Bis dahin war es ein langer Weg, hatten Bombay Bicycle Club doch ihr letztes Album So Long, See You Tomorrow sechs Jahre zuvor veröffentlicht und damit so lange, wie nie zuvor für ein neues Album gebraucht. Doch hört man sich die erste Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) und den heute veröffentlichten Song – und gleichzeitig Titeltrack des Albums – Everything Else Has Gone Wrong an, wird klar, dass die Jungs in den vergangenen Jahren wohl einiges durchlaufen haben müssen. So fügt die Band auf ihrer Facebook-Seite der Veröffentlichung des Songs auch noch die Info hinzu, dass Everthing Else Has Gone Wrong eine Art Katharsis bedeutet, aus der es gilt, das Licht in all dem Dunkel zu finden und damit auch durch Hoffnung und Sicherheit aus einer Verzweiflung zu kommen. Die kathartische Rolle, die Musik hierbei spielt, zeigt sich auf Everything Else Has Gone Wrong als heilend und Hoffnung stiftend. Gleichzeitig ist Everything Else Has Gone Wrong ein typischer Bombay Bicycle Club Track, der allerdings etwas schroffer wirkt – vergleicht man ihn mit den Songs der vorherigen Alben. Besonders empfehlenswert ist das dazugehörige Musikvideo, welches vom talentierten britischen Nachwuchs-Regisseur Louis Bhose kommt, der bereits zu Eat, Sleep, Wake (Nothing But You), Lewis Capaldis Grace und Michael Kiwanukas Kollaboration mit Tom Misch zu Money Regie führte. Mit einer klaren Erzählstruktur und Spannungsbogen verfolgen wir hier, wie sich Bombay Bicycle Club Frontsänger Jack Steadman auf einer Straße liegend wiederfindet und über viele Momente der Rettung hinweg aussichtslos im Sterben befindet. Dabei ist Everthing Else Has Gone Wrong mal dramatisch laut, mal treibend und wabernd – doch immer klar als Song der Londoner Band erkennbar. Bombay Bicycle Club haben viel zu erzählen und bauen drum herum einmal mehr ihren wunderbaren Indie-Rock-Sound.

Gengahr – Musikalische Weiterbildung

Der Guardian beschrieb sie einst als Psychopop mit starker Betonung des Pops. Der NME wiederum als eine seltsam beruhigende Mischung aus dunkler Romantik und sanfter Psychedelik. Wer damals nicht neugierig geworden ist, bekommt jetzt eine neue Chance. Denn tatsächlich hatte die Londoner Band Gengahr 2015 mit She’s A Witch und dem 2017er Mallory schnell eine Gemeinschaft gefunden, die sich in diesen 70er Jahre Psychedelic Rock verliebte. Dabei klingen John Victor, Hugh Schulte, Danny Ward und Frontsänger Felix Bushe so Retro, dass man sich fast an einen Drive-In in die 70er versetzt fühlt. Mit starken Synthieelementen, wilden Gitarren und atmosphärischen Gesängen haben sich die Briten so, schnell auch bei Kritikern einen Namen gemacht. Nun kommen sie mit ihrem dritten Album Sanctuary Ende Januar 2020 zurück und veröffentlichten daraus gerade die erste Single Everything & More. Produziert wurde das ganze vom Bombay Bicycle Club Frontsänger und Produzenten Jack Steadman, der mit seiner Band wiederum nur zwei Wochen vorher ein neues Album veröfentlicht. Auf Everything & More hört man die deutlichen Einflüsse des Bombay Bicycle Club Sängers heraus und findet sich in einem flirrenden Sturm aus Instrumenten, Beats und Gesang wieder, der so sehr nach Bombay Bicycle Club klingt, dass man in dem mehr als viereinhalb Minuten langen Song fast vergisst, dass es eben nicht die Band um Jack Steadman ist. Everything & More ist ein großartiger Opener für das kommende Album und weist eine neue musikalische Richtung des Londoner Quartetts auf, den wir gerne weiter verfolgen werden.

Bombay Bicycle Club - Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)

Bombay Bicycle Club – Nach halbem Jahrzehnt zurück

Als Band fünf Jahre keine neue Musik zu veröffentlichen, ist im Musikbusiness schon ein gewagter Schritt. Doch bei den Bombay Bicycle Clubs war es bitter nötig. So konnte man es 2014 zumindest lesen, als die Band mit dem Post After 10 years of doing this—and it being the only thing we’ve known since we were 16—we thought it was time for all of us to try something else das letzte Lebenszeichen – vor einer für fünf Jahre andauernden Stille – veröffentlichte. In der Zwischenzeit hatten Ed Nash, unter dem Alias Toothless, und Frontsänger Jack Steadman, unter dem Alias Mr. Jukes, jeweils Soloalben auf den Markt gebracht. Nun hat das Londoner Quartett seine Bandpause beendet und mit der Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) eine fulminante Comebacksingle veröffentlicht. Darin scheint es so, als würden die Briten den stetigen Wunsch er Fans Tribut zollen und gleichzeitig auch selbst in der Band gespürt haben, dass es Zeit wäre, wieder zusammenzukommen. Mit Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) machen die Bombay Bicycle Clubs dort weiter, wo sie 2014 mit ihrem vierten Studioalbum So Long, See You Tomorrow aufhörten. In einem Interview mit Annie Mac beschrieben die Jungs den neuen Song schließlich als eines der besten Gitarrenriffs, die sie jemals geschrieben hatten und wollen damit eine Art Back-To-Basic mit ihrem neuen Material signalisieren. Das fünfte Studioalbum ist für das Frühjahr 2020 angekündigt und so dürfen wir sicher sein, dass uns bis dahin nicht nur die wunderbare Single Eat, Sleep, Wake (Nothing But You) begleiten wird.

Mr. Jukes a.k.a. Jack Steadman a.k.a. Bombay Bicycle Club

Mr. Jukes feat. BJ the Chicago Kid – Angel/Your Love

Wenn der Name erklärt werden muss, ist es selten ein gutes Zeichen. Im Falle von Mr. Jukes allerdings nicht verkehrt. Steckt hinter diesem Namen doch der Frontmann der britischen Indieband Bombay Bicycle Club. War Jack Steadman hier bisher als Sänger und Gitarrist bekannt, nimmt er nun bei seinem Musikprojekt Mr. Jukes die Rolle des Komponisten und Produzenten ein. Nun bringt er am 9. Juni sein Debütalbum God First raus und präsentiert uns nun daraus seine erste Single Angels/Your Love. Diese besticht durch ganz viel Funk, Jazz und Soul und erinnert in der Produktion dennoch irgendwie an Bombay Bicycle Club. Da kommt ein Saxophon zum Einsatz, wie auch der soulig R&B-lastige Gesang des Amerikaners BJ The Chicago Kid. Dieser hat über die letzten acht Jahre bereits an mehr als 80 Songs mitgewirkt und gesungen. Was einen Output von zehn Songs pro Jahr bedeutet. Nun ist er auf dem Kollaborationsalbum von Mr. Jukes zu hören und singt in atmosphärischer Art zum Saxophon und Funk, den Mr. Jukes um ihn herum gebaut hat. Angels/Your Love ist sicherlich nicht für die breite Masse gedacht, doch zeigt Jack Steadman hier, dass Jazz und Funk nichts vom angestaubten Ruf haben, wie so oft über dieses Genre berichtet wird.

Melt Festival 2014

3 Tage. 16 Künstler. 35°C. MELT! 2014 Tag 3

Es ist 8:38 Uhr und auch heute brennt die Sonne wieder vom Himmel und leutet den letzten Tag des MELT! Festivals ein. Während es noch am frühen Nachmittag, zur Abkühlung, an einen nahegelegenen See geht, steht man pünktlich zum Auftritt des in Wien lebenden Musikers SOHN wieder vor der Hauptbühne. Ist doch seine Musik irgendwo zwischen Songwriting und Elektro angesiedelt, erzeugt gerade diese Mischung eine beflügelnde Atmosphäre. Und so singt er zerbrechlich und sanft wabern im Hintergrund dabei nur so die Bässe vor sich hin. Man möge fast einen Vergleich mit James Blake eingehen, doch ist es trotzdem nicht das Gleiche. Und so singt SOHN mit fast schon zerbrechlicher Stimme in Lessons von einer Liebe bei der er lernen musste NEIN zu sagen. Und das Publikum glaubt ihm dies. Saß er doch alleine auf der größten Bühne des Festivalgeländes. Mit Artifice wird das Tempo schließlich etwas angezogen und die Massen vor der Bühne fangen an sich in Bewegung zu setzen um schließlich am Ende den Wunsch zu haben, die vergangenen 60 Minuten zurückspulen und das Konzert nochmal genießen zu können.

Doch was wäre passender gewesen als nach der Neuentdeckung mit SOHN die Neuentdeckung aus London zu genießen, denn Jungle’s Musik zu beschreiben ist nicht ganz einfach, liegen sie doch irgendwo zwischen 70’s und 80’s, Hip-Hop und Elektro. Doch was am Ende aus den Lautsprechern tönt kommt dem Aufruf des Tanzens nah. Und so ist das Intro Zelt zum bersten gefüllt mit Tanzwütigen und Neugierigen. Da stehen nun also sieben Menschen auf der Bühne, um die vor einem Jahr zu dieser Zeit noch kein Wort geschrieben war, und überzeugen mit ihrem Auftritt so sehr, dass wirklich kein Bein still stand. Ob mit Hits wie Busy Earnin‘, Time oder The Heat oder auch mit noch relativ unbekannten Song aus ihrem gerade erst veröffentlichtem Debütalbum Jungle, die Message bleibt gleich Wir wollen Spaß mit Euch haben. Und das geht auf, guckt man doch am Ende des Auftritts fast ausnahmslos in zufriedene Gesichter aus denen man bei dem Einen oder Anderen auch herauslesen mag, das dies wohl nicht das letzte Jungle Konzert gewesen war.

Nach einem kurzen Dämpfer durch den abgesagten Secret Act, der im Vorjahr beispielsweise der Blitzauftritte von Kraftklub war, ging es direkt zur Mainstage zurück um sich die Urgesteine der TripHop Szene zu Gemüte zu ziehen. Hatten sie doch mit Glory Box, Sour Times oder Machine Gun Wegbereiter geliefert. Dies sollte auch auf dem MELT! zu spüren sein. Ist doch die Mischung aus leisen sensiblen Songs und wummernden Bassmonstern explosiv genug und so wird natürlich bei Songs wie eben Glory Box eine Jubelwelle losgetreten. Doch ebenso faszinierend war Machine Gun der doch wohl einer der kräftigsten Songs des Abends werden sollte. Portishead sind allein schon für ihre künstlerische Motivation und dem daraus resultierenden Produkt eine Bereicherung für jedes Festival und daher verständlicherweise der Headliner des diesjährigen MELT! Festivals.

 

MELT! Festival 2014

 

Nun hieß es sich zu beeilen, wurde doch schon die Gemini Stage abgebaut und auf der Mainstage der Stecker gezogen, traten im Intro Zelt Bombay Bicycle Club auf. Die Band um Jack Steadman war gewohnt feierwütig und lies keinen ihrer Hits aus. So wurde bei Songs wie Carry Me einer der letzten Momente des Festivals gefeiert und jeder im Zelt wusste, wenn nicht jetzt wann dann. Es sollte nicht lange dauern, bis das Zelt ein zweites mal an diesem Abend voll mit Menschen war und die Ordner den Einlass schließen mussten. Denn drinnen hatten die ersten bereits die Sichtblenden zur Seite gezogen um einen Blick auf die Vier zu werfen. So sollte neben Carry Me aber auch Shuffle, Always Like This, Luna und Ivy & Gold nicht fehlen denn genau damit stillten sie den Durst der Fans. Ob man Bombay Bicycle Club zum erstenmal oder bereits mehrfach erleben konnte, spielt bei der Band keine Rolle, sind doch die Live-Qualitäten der Band immer wieder aufs Neue zum ausrasten gut.

Und damit gehen drei Tage MELT! Festival in der 35°C heißen Savanne Sachsen-Anhalts zu Ende. Was bleibt sind unzählige Momente des Erlebens was eine gewisse Vorfreude auf 2015 mit sich bringt.