Bicep - Apricots

Bicep – Der Große Sprung in die Vergangenheit

Er klingt ein wenig, wie ein Trance-Hit aus den 90er Jahren – der neue Song des britischen House-Duos Bicep. Mit Vocal-Loops, die an Dario Gs Sunchyme erinnern, schraubt sich Apricots in unseren Kopf und sorgt für eine Stimmung, die aus entspannten Phasen und dem Drang zu tanzen angeführt wird. Dabei hallen die kathedralenhaften Synthies durch den Raum und lassen nochmals Erinnerung aufkommen – nur ist es nun der wabernde Hintergrund, der an Paul Kalkbrenners Soundaufbau erinnert. Diese Elemente zusammengeführt, klingt Apricots damit nach einem schweren, lethargischen Housetrack, der sich auf dem neuen Album der Briten wiederfinden wird. Hier haben Andrew Ferguson und Matthew McBriar für Januar 2021 ihr zweites Album Isles angekündigt, welches auch den bereits veröffentlichten Song Atlas enthalten wird. Bereits ihr Debütalbum Bicep (2017) war eine sehnlichst erwartete erste Platte des Duos und wurde in der Zeit nach der Veröffentlichung zu einem regelrechten Hypealbum hochgepusht.

Bicep
Bicep

Zurecht überboten sich damals Medien, wie Pitchfork, Guardian, Mixmag, und Resident Advisor mit Lobeshymnen, was zur Folge hatte, dass die Jungs in den darauffolgenden Monaten einen Gig nach dem anderen spielten. Auch das MELT!-Festival bespielten sie bereits in den Jahren 2013 und 2017 und sollten dieses Jahr ein weiteres mal in der Stadt aus Eisen auftreten. Doch bekanntlich kam alles anders und so konzentrieren sich Bicep nun voll und ganz auf die kommende Veröffentlichung ihres Albums. Dieses wird den aktuellen Geschehnissen um die runtergefahrene Clubkultur Tribut zollen und eine Home Listening Version ihres Sounds wiedergeben, so das Duo. Auf Apricots hören wir, neben der trancelastigen Produktion einen typisch malawischen Gesang, der zusammen mit einer Aufnahme aus den 1950er Jahren des Bulgarian State Radio & Television Female Vocal Choir einen großartigen Weltmusik-Dancetrack entstehen lässt. Bicep werden mit ihrem neuen Album ein weiteres Mal begeistern und lassen auf eine verheißungsvolle Toursaison 2021 hoffen.

Gengahr – Musikalische Weiterbildung

Der Guardian beschrieb sie einst als Psychopop mit starker Betonung des Pops. Der NME wiederum als eine seltsam beruhigende Mischung aus dunkler Romantik und sanfter Psychedelik. Wer damals nicht neugierig geworden ist, bekommt jetzt eine neue Chance. Denn tatsächlich hatte die Londoner Band Gengahr 2015 mit She’s A Witch und dem 2017er Mallory schnell eine Gemeinschaft gefunden, die sich in diesen 70er Jahre Psychedelic Rock verliebte. Dabei klingen John Victor, Hugh Schulte, Danny Ward und Frontsänger Felix Bushe so Retro, dass man sich fast an einen Drive-In in die 70er versetzt fühlt. Mit starken Synthieelementen, wilden Gitarren und atmosphärischen Gesängen haben sich die Briten so, schnell auch bei Kritikern einen Namen gemacht. Nun kommen sie mit ihrem dritten Album Sanctuary Ende Januar 2020 zurück und veröffentlichten daraus gerade die erste Single Everything & More. Produziert wurde das ganze vom Bombay Bicycle Club Frontsänger und Produzenten Jack Steadman, der mit seiner Band wiederum nur zwei Wochen vorher ein neues Album veröfentlicht. Auf Everything & More hört man die deutlichen Einflüsse des Bombay Bicycle Club Sängers heraus und findet sich in einem flirrenden Sturm aus Instrumenten, Beats und Gesang wieder, der so sehr nach Bombay Bicycle Club klingt, dass man in dem mehr als viereinhalb Minuten langen Song fast vergisst, dass es eben nicht die Band um Jack Steadman ist. Everything & More ist ein großartiger Opener für das kommende Album und weist eine neue musikalische Richtung des Londoner Quartetts auf, den wir gerne weiter verfolgen werden.

Gengahr – Halten die Indie-Fahne hoch

Was würden wir nur ohne sie tun?! In den 2000ern wurde Indiemusik zum Pop – heute ist davon nicht mehr viel übrig geblieben und unlängst wurde Rock und Indie als tot erklärt. Doch immer wieder gibt es diese Bands, die leise und unbemerkt Alben rausbringen und ihr eigenes Publikum heranzüchten. Ein Beispiel hierfür ist die britische Band Gengahr, die bereits 2015 mit ihrem Debütalbum A Dream Outside ein kollektives Stirnrunzeln verursachten, um nur wenig später dieses Stirnrunzeln zum Freudentanz mutieren zu lassen. So schrieb damals ein Journalist des Guardian über das Debütalbum: Das ist Psychopop mit einer starken Betonung zum Pop. Dies soll sich auch 2018 nicht ändern. Denn am 9. März 2018 veröffentlichen Gengahr ihr zweites Album Where Wildness Grows. Nach der ersten Single Carrion veröffentlichen Gengahr nun mit Mallory ihre zweite Single, die irgendwo zwischen alt-j und den Stereophonics liegt. Erinnert die Weite der Gitarren an die Waliser von Stereophonics hat die Stimme des Frontsängers Felix Bushe etwas eine starke Ähnlichkeit zu der Stimme des alt-j-Frontsängers Joe Newmans. Zusammen ergibt dies ein Gemisch aus morbiden Indierock und liefern Gengahr dabei erstaunlich konstant, gute Musik ab, die immer auch eine kleine Portion Extravaganz besitzt.