Badger - You Move

Badger – Wenn sich Songwriting und Elektro treffen

Zugegeben… es ist schon etwas länger her, dass Max Wiegand neue Musik veröffentlicht hat. Dabei liesst sich sein musikalischer Lebenslauf wie eine Bewerbung um den Musikolymp. Bereits Anfang der 2000er war er als Sänger von Pilefunk und nach Auflösung dieser ab 2009 mit der Band This Could Be Yours im Musikbusiness unterwegs. Mit der letzteren Band vollzog er sogar den Schritt, aus seiner Heimatstadt Bremerhaven nach Berlin zu ziehen. Dort angekommen, wuchsen langsam aber stetig die Wünsche der einzelnen Bandmitglieder sich auszuprobieren, bei denen am Ende die Auflösung stand. Für Badger – wie sich Max Wiegand seitdem nennt – stand damals die Entscheidung, auszuprobieren und sich mehr dem Elektro zuzuwenden, im Vordergrund. Dies schaffte er so gut, dass seine Debüt-EP Untiteled EP für Aufmerksamkeit sorgte und in der hiesigen Presse viel Lob fand. Nun ist Badger am letzten Freitag als Support von Felix Räuber im Berliner Frannz Club aufgetreten und lässt hoffen, dass wir in Kürze mit neuem Material rechnen können. Bis dahin empfehle ich die im Jahr 2017 veröffentlichten Singles You Move und Mirrors, die einen dunklen Elektrobeat haben und mit 80er-Synthies für eine fast schon gespenstische Stimmung sorgen. Dabei kreiert Badger seinen ganz eigenen Sound und weisst Ähnlichkeiten zu James Blake, Thomas Azier oder Chet Faker auf. Denn alle haben gemein, dass ihre Musik unkonventionell, experimentell und definitiv keine Mainstream Musik waren – sich aber dennoch dort durch- und festsetzte. Badger spielt so spannend, wie er klingt und hat genau diesen Sound zu einem Markenzeichen seiner musikalischen Karriere gemacht.

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Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

Kimbra – Wenn ein Song in Dich kriecht

Er ist wie ein Parasit. Einmal gehört, kriecht der neue Song der neuseeländischen Künstlerin Kimbra, in unsere Gehörgänge und nistet sich dort ein. Es ist diese Mischung aus afrikanischen Beats, Kinderchor, rhythmischen Beats und Kimbras arhythmischer Gesang, der hier die Faszination ausübt. Top Of The World ist eine künstlerisch gewagte Nummer, die vollends überzeugt und Kimbra auf ein anderes Level der Musik hebt. Experimentell und frisch zeigt Kimbra, wie sehr sie sich ausprobiert. Top Of The World ist dabei bereits die zweite Singleauskopplung ihres, im April erscheinenden, dritten Albums Primal Heart. Vergleichen wir Kimbra, als sie mit Gotye 2011 zu Somebody That I Used To Know sang, mit der Künstlerin in Top Of The World scheinen Welten dazwischen zu liegen. Von der niedlichen Gastsängerin zur Femme Fatale, die ihre Fans mit magisch-dämonischen Zügen verführt, ist Kimbra die perfekte Wandlung gelungen. Top Of The World ist eine Nummer die umhaut, begeistert und süchtig macht. Da dürfen wir gespannt sein, was uns auf Primal Heart erwartet. 

Romano – Zurück mit Kurzfilm und derben Beat

Romano – Copyshop

Vom Berliner Romano ist man seit 2015 schon einiges gewohnt. Dass nun allerdings auch ganz offiziell die Marketingabteilung der Stadt Berlin – visitBerlin auf den Köpenicker abfährt, zeigt sich durch das gesponserte Übermut Projects – welches auch mit Hamburg Marketing zusammen finanziert wird. Hier werden, um die verschiedenen Kulturen der Städte zu präsentieren, Künstler zwischen Berlin/Hamburg und Hongkong ausgetauscht. Spannend dabei ist, dass Romano dazu gleich noch ein Kollektiv aus einem Regisseur, Musikproduzenten, einer Produzentin und einem Kameramann um sich vereint hat, um einen fast elf Minuten langen Kurzfilm Copyshop aufzunehmen. Daraus entstanden ist ein derber Elektro-Rap Song mit typischen Romano Rhymes. Von der Produktion schon sehr an amerikanischen Vorstadt-Hip-Hop erinnernd, springt der Beat flippig rum – wie Romano in seinen Videos. Copyshop als Kurzfilm kann dabei in drei Sequenzen aufgeteilt werden. Während der erste und letzte Teil den eigentlichen Song Copyshop präsentiert und nur durch – auf Interview gehaltene – Gesprächsfetzen setzt, wird im Mittelteil ein düsterer, mystischer und experimenteller Sound gespielt, zu dem Romano auf seine ganz eigene Art performt um darauf zu warten, dass im dritten Teil der kantonesische Rapper MastaMic auf kantonesisch rappt. Somit hat sich das Übermut Projects gleich doppelt verdient gemacht, den Austausch der kulturellen Vielfalt zu präsentieren. Romano ist dabei schon lange kein, rein auf Berlin begrenztes, Phänomen mehr und zeigt gleichzeitig auch einen großen Schritt zur Professionalisierung seines einzigartigen Sounds.

Nick Murphy – Elektrosoul mit viel Druck

Nick Murphy – Your Time

Bereits die erste Single Fear Less hatte gezeigt, dass die Veränderung, die sich auch im Namen widerspiegeln, 2016 an Bedeutung gewinnen sollte. So wurde aus Chet Faker – Nick Murphy und aus dem Ambient-Elektro ein experimenteller Alternativesound mit einer elektronischen Produktion. Mit seinem, vor kurzem veröffentlichten, Song Your Time geht der Australier nun noch einen Schritt weiter und bricht mit einem Elektro-Soul aus, der hier und da schwer wabernde Beats vor sich her treibt. Murphy, der Mitte Mai mit Missing Link eine erste EP unter seinem Geburtsnamen veröffentlicht hat, zeigt, dass der stetige Fluss an Inspiration bei ihm wohl nicht so schnell zu versiegen mag. Dass er selbst diesen Wandel lebt, zeigt er mit Kommentaren in Interviews und Facebook-Post wie „This is for you. A bridge between what’s out and what’s coming“ mit dem er Your Time Anfang Mai ankündigte. Es kommt einem experimentellen Pendel gleich, gibt es auf den ersten neuen Songs auch immer wieder Referenz-Sequenzen zu Murphys Alter Ego Chet Faker, ist sein Sound am Ende jedoch wieder frisch und anders.

Gorillaz – Mit einem Paukenschlag

Gorillaz – Humanz

Bereits im Januar veröffentlichten die Gorillaz mit Hallelujah Money eine düstere, erste Single aus ihrem neuen Album Humanz. Dieses wird am 28. April erscheinen und ist bestückt, mit jeder Menge prominenter Gastsänger. Konnten wir auf Hallelujah Money bereits Benjamin Clementine hören, werden auf Humanz De La Soul, Grace Jones oder auch Rag’n’Bone Man dabei sein. Gestern holten Damon Albarn und Jamie Hewlett allerdings zum Rundumschlag aus und veröffentlichten gleich vier Songs. Mit Saturnz Barz, We Got The Power, Andromeda und Ascension fluteten sie nicht nur die Medien, sondern setzen mit einem Mix aus Hip-Hop, Rap, Elektro, Psychedelic und Pop ein Statement, dass so nur von den Gorillaz kommen kann. Da ist der düstere Hip-Hop-Track Saturnz Barz, der mit Autotune und vor-sich-hin-kriechenden Beats ein Cyborg aus 90er-Jahre-Hip-Hop und Kanye West ist. We Got The Power hingegen ist ein purer Funksong, der mit der Stimme der Frontsängerin des Indie/Punk-Band Quartetts Savages, Jehnny Beth, begeistert und durch seine Geschwindigkeit und einer Dauer von nur 2:19 Minuten wie in einem Atemzug vergeht. Ascension ist ganz im Stil Saturnz Barz‘ produziert und besticht durch die Rap-Rhymes von Vince Staples, der im Wechsel mit Damon Albarn immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Regelrecht experimentell und futuresk sind hier die musikalischen Elemente. Doch der eigentliche Star der vier Songs ist Andromeda, der genau das bedient, weshalb Abermillionen von Menschen die Band so lieben – er ist ein fantastischer Disco-Pop-Song. Hier kommen klare Synthies, ein pulsierender Beat und der Rap des, in Deutschland geborenen, Amerikaners D.R.A.M zum Einsatz. Erinnert Andromeda an Songs wie El Mañana, ist er wieder deutlich greifbarer für die Popwelt, als die zuletzt veröffentlichten Songs. Man kann vor den Gorillaz nur den Hut ziehen, schaffen sie es doch, mit gleich vier Veröffentlichungen, alle Fanbasen zu bedienen. Werden mit Andromeda die Popfans der Band begeistert, schlagen die Briten mit Saturnz Barz und Ascension eine Brücke zum Hip-Hop der 90er und 2000er und grasen mit We Got The Power gleich mal noch ein wenig im Indie und Funk ab. Das fünfte Album Humanz wird damit wohl eines der abwechslungsreichsten Alben, einer eh schon vielfältigen Band.

Foals - What Went Down

Foals – Melden sich brachial zurück!

Mit My Number hatte die britische Band Foals Ende 2012 eine wahre Tanznummer abgeliefert. War der Sound doch dancelastiger und catchiger – waren sie, mit ihren letzten drei Alben, eher für Indie Rock mit elektronischen Einflüssen bekannt. Nun haben sich die Briten mit der ersten Single zum vierten Album What Went Down einem Richtungswechsel unterzogen. So ist die gleichnamige Single What Went Down eine brachial, experimentelle Rocknummer die direkt ins Gesicht geht. Noch dazu haben sie ein starkes Gitarrenspiel integriert und klingen lauter und direkter als je zuvor. Woher dieser Soundwechsel kommt, ist nicht ganz auszumachen, doch klingt Frontmann Yannis Philippakis nun viel härter und aggressiver. Und so entwickeln sich Foals mit der neuen Single zu einer Hard-Rockband und füllen eine Lücke, die lange Zeit unbesetzt blieb.

Coldplay – Dem Mainstream bewusst den Rücken gekehrt?!

Wenn man dies bei einer Popband wie Coldplay überhaupt behaupten kann, dann nach dem aktuellen Album Ghost Stories. Sind es doch weniger die großen Hymnen als vielmehr zurückhaltende teilweise experimentelle Songs, die das Album bestimmen. Und so war der geneigte Pop-Radio-Fan auch verdutzt, als die Vorabsingle Midnight veröffentlicht wurde. Besaß diese Single doch so gar keinen Stadionsound. Doch so ganz wollten die Jungs es dann wohl doch nicht sein lassen. Haben sie doch mit A Sky Full Of Stars einen, von Avicii produzierten, Song abgeliefert, der zumindest noch versöhnlich die Hörer streichelt, die solche opulenten Songs gewohnt sind. Die restlichen Songs allerdings, sind eher an den ersten beiden Alben Parachutes und A Rush Of Blood To The Head orientiert. Sie sind ruhig, klein und strahlen Sensibilität aus. Und genau diese Sensibilität weist die nunmehr vierte Singleauskopplung True Love auf, die mit Chris Martins sanfter und zugleich gewohnt hoher Stimme das Gefühl vermittelt, ein guter Freund erzähle eine Geschichte.