lùisa - Deep Sea State Of Mine

lùisa – Flutende Erwartungen

Wir sind die Gesellschaft des Optimierens. Der Satz sitzt. Egal, wohin wir gucken, überall werden uns Aufforderungen, das beste aus uns herauszuholen, uns zu verändern, uns anzupassen und gleichzeitig unsere Individualität herauszuarbeiten gefordert. Nur – um in der Gesellschaft anzukommen und ein vermeintlich erfolgreiches Leben zu führen. Der daraus entstehende Druck wird dabei immer öfter zum psychischen Problem und endet nicht selten auch in einer körperlichen Erkrankung. Dabei zieht sich dieser Druck durch alle Generation. Ob die Generation Z – die sich in der digitalen Welt versucht zu behaupten oder Generation Y – die mit einem ständigen Druck, mehr erreichen zu müssen durchs Leben gehen. Die Schlagzahl an Aufgaben, Herausforderungen, Erwartungen und Momenten des vermeintlichen Scheiterns fluten uns hierbei regelrecht. Die Hamburger Sängerin lùisa hat dafür eine musikalische Antwort geschrieben und mit Deep Sea State of Mind einen starken Song veröffentlicht, der Größe und Verletzlichkeit ausstrahlt.

lùisa
lùisa

Dabei sagt sie über den Song, Man sagt uns, wir sollen uns optimieren und konstanten Output liefern. Manchmal fühlt sich alles zu viel an, zu hell, zu laut, wir verlieren die Verbindung zu dem, was wirklich wichtig ist. Dann sucht unser Geist tiefergehende Antworten, und wir brauchen den Raum, in dem wir die eigene Verletzlichkeit und Traurigkeit nicht als Schwäche sehen, sondern als unsere menschliche Tiefe. Mit dieser menschlichen Tiefe als reinigende Kraft schaffen wir einen Katalysator für den Druck, dem wir ausgesetzt sind. In Deep Sea State of Mind singt lùisa mit einer kräftigen Stimme über einen wabernden Beat, der sich schwer und träge im Raum verteilt. lùisa wechselt dabei einige Male ihre präsente Stimme und klingt mitunter, als würde sie brechen. Nach den beiden Alben One Youth Ago (2012) und Never Own (2015) kündigt die Wahlhamburgerin für das Frühjahr 2021 ihr drittes Studioalbum an, für das noch kein Name oder genaueres Veröffentlichungsdatum feststeht. Deep Sea State of Mind ist der beste Vorbote, den die 28-jährige Sängerin veröffentlichen kann und lässt uns in einen Traum von einen Song eintauchen.

Janelle Monáe - Turntables

Janelle Monáe – Der ewige Kampf als Sound

Sie war schon immer politisch und sang über gesellschaftskritische Themen. Doch was die US-Amerikanische Sängerin Janelle Monáe nun veröffentlicht hat, bezieht mehr und offener denn je Stellung. So wird Monáe in der US-Amerikanischen Musikszene immer mehr zu dem weiblichen Freigeist, deren männliches Pendant in Childish Gambino aufgeht. Monáe – die ebenso wie Gambino als Schauspielerin, Musikproduzentin und Songwriterin tätig ist – hat mit ihrem dritten Album Dirty Computer (2018) und der Singleveröffentlichungen Make Me Feel gezeigt, wo ihre Schmerzgrenze des Erträglichen an tagtäglichen Diskussionen um die Diskriminierung von Frauen, Farbigen und Menschen der LGBTQ-Gemeinschaft liegt. Mit diesem Album konnte Monáe sogar eine Grammy-Nominierung für das Album des Jahres 2018 einsacken. Auf ihrer neuen Single Turntables ist nun der Songname Programm. Hier singt Monáe gleich zu Beginn die Zeilen the table bout to turn, the table bout to turn – was gleichzusetzen ist, mit der Aufforderung, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Gleichzeitig sehen wir im Musikvideo – neben Monáe, die durch ein großzügiges Einfamilienhaus läuft – immer wieder auch Einspieler und Straßenszenen, auf denen die Black Lives Matter-Bewegung zu sehen ist.

Turntables (Video) Turntables (Video)

Der Kampf auf der Straße um Gleichbehandlung und -berechtigung so vieler unterdrückter Menschen ist dabei ein zentrales Thema Monáes. Musikalisch greift die Sängerin dabei nochmals den Sound des dritten Albums auf und mischt funkige Sounds mit Hip-Hop und Soul. Monáe, die sich selbst als Kämpferin dieser Menschen sieht, präsentiert uns mit Turntables einen starken Song, der vielleicht als einer der wichtigsten Songs über die aktuelle Lage in den USA eingehen könnte. Monáe ist dabei Rebellin, Kämpferin und Anführerin einer Generation, die politisiert ist und sich für Freiheit in jeglicher Form und für jeden Menschen in diesem Land einsetzt. My city cryin’ out heisst es schliesslich an einer anderen Stelle im Song und zeigt ebenfalls auf, wie zerrissen die USA und Monáes Heimat ist. Turntables ist dabei einer der anspruchsvollsten und wichtigsten Statements, das wir zur Zeit haben können und bildet nach Childish Gambinos This Is America erneut Potential für Diskussionen. In einer kleinen Cameorolle im Musikvideo zu Turntables können wir sogar des Öfteren Childish Gambino erkennen, der damit die Verbundenheit zu Monáe und ihren Intentionen darstellt. Wenn Monáe mit ihrer kommenden Musik in eine ähnliche Richtung geht, dürften wir ein großes Album erwarten.

Lupid - Lieb Mich Jetzt

Lupid – Emotionale Offenbarung

Es ist einer der direktesten Songs, die ich seit langem gehört habe. Kein verschnörkelter Text, kein verspielter Sound, keine überkandidelte Stimme. Das Trio Lupid aus Gießen hat mit der aktuellen Single Lieb Mich Jetzt eine Aufforderung veröffentlicht, die so ehrlich wie direkt ist. Dabei speist sich die Inspiration des Songs aus den innersten Gefühlen und Erfahrungen des Frontsängers Tobias Hundt. Denn die Geschichte hinter Lieb Mich Jetzt stammt aus einer wahren Liebe. Mit den beiden Sätzen: Wann haben wir angefangen, aufzuhören uns zu sehen? Wann wurden unsere schönsten Macken plötzlich zum Problem? greift die Band ein Gefühl auf, welches ein jeder schon einmal erlebt haben wird. Dabei ist die Einfachheit des Songs nicht mit Einfallslosigkeit zu verwechseln. Denn einem Thema Raum zu geben, mit eigenen Gefühlen gefüllt zu werden, bedarf keine Ablenkung. Lieb Mich Jetzt ist roh, melancholisch, auf das Wesentliche reduziert und hat einen Herzschlag, den so nur eine verwundete Seele hat.