Zayn feat. Timbaland – Frischling vs. Altmeister

Zugegeben, die Überschrift passt nicht so ganz. Ist Zayn Malik doch längst kein Frischling mehr. Doch im Vergleich zu Timbalands fast 30 jähriger Karriere sind Maliks 8 Jahre noch recht überschaubar. Nach seinem 2016er Nummer-Eins Debüt Mind Of Mine hat Malik nun mit der Single Too Much die Hoffnung auf ein baldiges, zweites Album genährt. Dafür hat sich der britische Sänger den Star-Produzenten dazugeholt. Mit seinen unzähligen Hit-Songs und -Alben hat Timbaland in seiner Laufbahn bereits Millionen von Platten verkauft – nun treffen sich Timbalands pumpende Beats, sein typisches Echo und der Vocoder-verzerrte Gesang mit Maliks smartem R&B. Dabei erinnert er ein wenig am Marios Let Me Love You, ist einfühlsam, romantisch und verträumt. Auf Too Much treffen sich moderner und klassischer R&B von Timbaland und Malik und lassen sowohl neue Fans als auch die Älteren freudig aufhorchen.

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Zola Jesus – Dunkle Elektrovibes

Bereits im September 2017 veröffentlichte die amerikanische Sängerin Zola Jesus ihr fünftes Studioalbum Okovi. Darauf enthalten sind unter anderem die Singles Exhumed, Soak und Siphon, die allesamt auch als Single ausgekoppelt wurden. Nun reiht sich mit Ash To Bone eine vierte Singleauskopplung ein, die eigentlich gar nicht dafür gedacht war. So handelt es sich bei der aktuellen Version von Ash To Bone um einen Remix des Amerikaners Johnny Jewel, der sowohl bei den Chromatics, als auch bei den Glass Candys mitgemacht hat. Diese Bands stehen allesamt für Synthie-Pop. Ash To Bone wird herbei – durch Jewels Hand anlegen – zu einem dunklen Synthie-Pop, fast schon Gothic-angehauchten Soundtrack. Hier geht man durch eine finstere und spannende Nacht, zusammen mit Zola Jesus und dem, was Jewel als Traum hatte, als er das Original hörte. Allemal Wert, dem Song mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, hat ihn Jesus kurzerhand mit einem Musikvideo versehen und nun veröffentlicht. Dass Jesus bereits als Ausnahmekünstlerin gilt, ist unlängst bekannt, doch mit der Fortführung dieses Songs, rückt Johnny Jewel die Sängerin noch ein wenig mehr ins rechte Licht und präsentiert sie als dunkle Popikone mit ganz großer Gestik.

Zoe Durrant – Ein Traum von einem Song

Stellt Euch vor; ihr wart Teil einer schwedischen Band. Habt somit als Little Majorette Musik veröffentlicht, euch auf eine Auszeit geeinigt und macht nun solo Musik – und booom, findet ihr euch im Soundtrack einer Grey’s Anatomy Episode wieder. So geschehen mit Zoe Durrant, die mit ihrem Song Bridge in Episode elf der 13. Staffel zu hören war. Diese wurde Anfang 2017 in den USA ausgestrahlt und hat ihr nicht wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dass ihr Facebookprofil dennoch nur etwas mehr als 200 Likes anzeigt, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass am Tag der Ausstrahlung, der 2. Februar 2017, noch kein eigenes Facebookprofil der Sängerin existierte – welches sie erst vier Tage später eröffnete. Doch ebenfalls in dieser Woche im Februar veröffentlichte Durrant die 4-Song-EP Island, die Bridge enthält. Nun, knapp neun Monate später kriecht der Song auch weltweit in die Köpfe vieler Musikliebhaber. Dabei ist Bridge ein Song, der eine Blase zu sein scheint. Abgeschirmt vom Trubel der Welt und Post-Apokalyptisch klingend, schwellt Bridge mit einem hypnotisierenden Sound, der vom ehemaligen Little Majorette-Bandkollegen Petter Winnberg produziert wurde, und lässt Zoe’s Gesang fast in Dream-Pop übergehen. Aus Großbritannien kommend, suchte sich Durrant vor zehn Jahren in Schweden einen Ort aus, um musikalisch Erfolg zu haben. 2017 ist ihr dies gelungen und wir hoffen, dass die EP Island nicht das Einzige sein wird, was wir von der Sängerin musikalisch hören werden.

Her – Zurück und gegen den Strom

Her feat. ZéFire – Swim

Habt Ihr schon mal von Her gehört? Stellt man diese Frage wartet der gegenüber darauf, dass nun der Name der Band kommt – doch da war er schon ausgesprochen. Das deutsch-französische Duo Her, bestehend aus Victor Solf aus Düsseldorf und Simon Carpentier lernten sich bereits zu Schulzeiten kennen. 2015 veröffentlichten sie mit Five Minutes einen wahnsinnigen Song, der es bis zur Untermalung eines Apple-Werbespots schaffte. Dabei nutzen Her einen Indie-Sound, der mit Sprechgesang und Funk angereichert ist. Erinnerten Her mit dem Song Five Minutes noch an das Londoner Neo-Soul und Dance-Kollektiv Jungle, haben sie nun mit ihrer neuen Single Swim eine noch deutlich stärker mit Funk-Elementen ausgestattene Single veröffentlicht. Dabei klingt Swim nach Aufbruch und einem Hindernis zugewandt, statt abgewandt. Her beschreiben den Song damit, dass sie in Zeiten von wachsender Gewalt, Hassparolen im Internet oder wachsendem Extremismus ein Zeichen für das Positive und eine Kraft setzen wollten, um sich gegen dieses Hindernis zu stellen und gegen den Strom zu schwimmen. Swim hat mit seinen markanten Synthies und einem Saxofon alles, was ein Funksong benötigt und beweist durch bedachte Lyrics, dass sich all das homogen zusammenfügen kann. Hinzu kommt der kanadische Sänger ZéFire, der Swim mit seinem souligen Gesang untermalt. Und wer sich dem Song einfach nur melodisch hingeben möchte, hat mit Swim aktuell einen der besten Songs gewählt.

ZHU explodiert

ZHU

ZHU

Der amerikanische DJ und Produzent Stephen Zhu ist unter den Produzenten der Freigeist. Definiert er doch seine Arbeit als Kunst und möchte nur über diese wahrgenommen werden. Weshalb es über ihn selbst auch nicht viel zu berichten gibt – aus Mangel an Informationen. Seine Musik ist da jedoch weitaus offener. Bestehen seine Songs zumeist aus einem dunklen Housebeat, arbeitet er auch mit vielen anderen Künstlern zusammen und kreiert fabelhafte, düstere Songs. Sein im Frühjahr 2014 veröffentlichter Song ‚Faded‘ sorgte sogar für eine Nominierung als Best Dance Recording.
Nun kommt Zhu mit einem ganzen Album, ‚Genesis Series‘, zurück und haut eine Single nach der anderen raus. Hier finden sich unter anderem Kollaborationen mit AlunaGeorge, A-Trak, Bone-Thugs-n-Harmony, Skrillex und Vancouver Sleep Clinic. Mit dem 19 jährigen Australier Tim Bettinson alias Vancouver Sleep Clinic hat sich ZHU eine ganz besondere Kollaboration ausgesucht. Ist Bettinson doch ein kleines Wunderkind und erschafft melancholisch, elektronische Songs die den Zuhörer eine Art kollektive Erfahrung machen lassen sollen. „Hier geht es einzig um die Musik und nicht darum mich in das Rampenlicht zu stellen“ sagte er einmal und passt damit wunderbar zu ZHU.
Zusammen haben sie einmal mehr einen schnellen, dunklen und atmosphärischen Song geschaffen, der zum Soundtrack der Nacht werden könnte. ‚Modern Conversation‘ ist bestückt mit einer tiefen Bassline und frickeligen Sounds. Dazu kommt die zerbrechliche Stimme Tim Bettinson’s und seinem Projekt Vancouver Sleep Clinic, das auch deutlichen Einfluss auf den Sound des Songs genommen hat. Mit einem mystischen Gittarrensolo, unterlegt mit einem treibenden Beat, endet schließlich der Ausflug in die Nacht und es heißt – Repeat.

Die Boyband als Sprungbrett – Zayn Malik

Was haben *NSYNC, die Spice Girls, Take That und nun OneDirection gemeinsam?! Sie alle waren unglaublich erfolgreich bis plötzlich ein Mitglied absprang. Sicher war die ein oder anderen Gruppe danach weiterhin erfolgreich. Das eigentlich interessante hierbei ist aber , dass die Aussteiger zumeist mit Solosongs zurückkamen, die sich stark von dem, was sie als Gruppe veröffentlichten, entfernte. Nehmen wir Justin Timberlake mit dem *NSYNC Song ‚Bye Bye Bye‘ und seinem Solosong ‚Sexy Back‘ oder Robbie Williams ‚Feel‘ mit Take Thats ‚Babe‘. Nun ist mit OneDirection wieder eine, vor allem wieder bei den Teenies, sehr beliebte Band, mit diesem Schicksal konfrontiert. Doch was Zayn Malik nach seinem Ausstieg ins Netz stellte ist so verwunderlich wie interessant. Wurde doch von seinem Produzenten Naughty Boy die eher zurückhaltende Alternativeballade ‚I Won’t Mind‘ getwittert, nehmen die Remixe dieses Songs mittlerweile so große Ausmaße an, dass man sich kaum noch dieses Songs entbehren kann. Einer der Remixe sticht allerdings besonders hervor. Der des australischen Produzenten Hounded. Hat er ‚I Won’t Mind‘ doch in ein so entspannten Chill-Out Mix verwandelt, dass er auch vom Soundtrack des 2000 erschienenen Films ‚The Beach‘ kommen könnte. Die dezenten Chorgesänge im Hintergrund, das Gitarrenspiel und der massive Bass wirken auf den Hörer fast schon betörend.
Sollte sich Malik dazu entscheiden, diesen Song in dieser oder der original Version zu veröffentlichen, hätte er gute Chancen auch solo groß durchzustarten.