Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Lange Stille endet

Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Und in der Tat ist es bereits sechs Jahre her, dass Orlando Tobias Edward Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs sein Debütalbum Trouble veröffentlichte. Bereits damals seit Jahren auf Tour gab er unaufhörlich ein Konzert nach dem anderen und steigerte so seine Popularität enorm. Zurecht betitelte TEED damals das Album Trouble – ohne zu ahnen, was sich die kommende Jahre bei ihm einstellen würde. Denn bereits für die Arbeiten am zweiten Album setzte eine massive, kreative Blockade ein. Zeitgleich mit der Unzufriedenheit über die vertraglichen Schwierigkeiten zwischen ihm und den großen Plattenlabels, entschied er sich, erst wieder Musik zu machen, wenn sie auch ihm wieder Spaß machen würde. So zog er in das sonst so Einfluss nehmende London, nur um festzustellen, dass diese Stadt für ihn nichts bereit hielt. Darauf weiter nach Los Angeles gezogen, kamen TEED langsam aber allmählich erste Skizzen in den Kopf. Und so klingt seine erste Single seit vier Jahren dann auch anders, als das, was man bisher von ihm gewohnt war. Ruhig beginnend, ist Leave A Light On erst Ballade, um sich innerhalb der kommenden 4:18 Minuten zu einem wabernden, voluminösen und intensiven Pop-Song zu entwickeln, der einen Hauch von Weltraum versprüht und die 80er Jahre zurückholt. Hier bricht TEED aus der dunklen Vergangenheit der Blockade aus, spielt und singt sich frei und kommt imposanter zurück als wir es uns erhoffen konnten.

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Tom Grennan – Debütalbum mit viel Soul

Seit anderthalb Jahren könnt Ihr hier auf SOML den jungen, britischen Soulsänger Tom Grennan verfolgen. 2016 als Featuring-Act auf dem Chase & Status Song All Goes Wrong erstmals in die Öffentlichkeit getreten, hat er über die letzten Jahre mit Praying und Found What I’ve Been Looking For und weiteren Songs sein Profil immer weiter geschärft. Als Mischung zwischen Pop und Soul ist vor allem Grennans markant, rauchige Stimme der Schlüssel zu seinem Sound. Auf seiner neuen Single Sober zeigt Grennan dann auch, warum dieser Sound für die Masse gemacht ist. Mit voluminösen Beats, intensiven Geigen, hervorstechendem Schlagzeug und starker Stimme ist Sober eine Fahrt auf der Überholspur. Schnell, gewaltig und intensiv lässt Grennan hier keinen Zweifel offen, dass er gehört werden möchte. Dabei kündigt er mit Sober auch endlich sein lange erwartetes Debütalbum Lighting Matches an, welches Anfang Juli in den Läden stehen wird und neben Praying, Found What I’ve Been Looking For auch All Goes Wrong und den fantastischen Song Something In The Water beinhalten wird. Nun gibt Tom Grennan alles und ist damit präsenter denn je.

Turin Brakes – Ein Song wie aus einem Film

Mit Don’t Know Much hat die britische Folkband Turin Brakes einen Song veröffentlicht, der wie aus dem Brokeback Mountain Soundtrack stammen könnte. Mit einem leichten Gitarrenspiel und Lagerfeuerstimmung singen sich Olly Knights und Gale Paridjanian warm und sorgen für ein wohliges Gefühl. Mit knisterndem Country bleibt Don’t Know Much zurückhaltend und überzeugt unaufgeregt. Dabei promoten Turin Brakes gleich auch ihr achtes Studioalbum Invisible Storm, das am 25. Januar veröffentlicht wurde. Turin Brakes Output ist dabei bemerkenswert und umfasst in der 19-jährigen Bandgeschichte ganze 8 Alben und damit im Schnitt alle 2,5 Jahre ein neues Album. Doch auch die vorab veröffentlichten Singles Would You Be Mine und Wait sind überzeugen mit einer deutlich schnelleren Variante ihres Sounds. Klingt Wait treibend euphorisch, ist Would You Be Mine an epischen Momenten und einer enormen Weite kaum zu überbieten. Turin Brakes begeistern so erneut mit höchster Qualität und sind dabei keinem Hitdruck verfallen.

Tom Walker – Kraft, Soul, Indie und Herz

Er ist spannend, vielfältig und hat ganz viel Herz – Tom Walker hat eine Stimme, die drängt und berührt. Mit Songs, wie Fly Away With Me oder Sun Goes Down hat Walker, mit seiner rauen Stimme, einem zurückhaltenden Sound und einer kräftigen Portion Soul, die Herzen der Briten im Sturm erobert. Auf seiner neuen Single Leave A Light On ist davon nicht mehr viel übriggebliebene. Sein Stimme ist zwar weiterhin unglaublich kräftig und präsent, doch wird das, noch zurückhaltende, Klavierintro kurze Zeit später von einem, an Avicii erinnernden, Beat getoppt und macht aus Leave A Light On einen Hybriden aus, Folk, Indie, Singer/Songwriter und Pop. Jedoch nicht einen Moment zu kurz kommt das Gefühl der unglaublichen Stärke, die Tom Walker in seine Song steckt. Seine Stimme ist stark, klingt pressend, anklagend und wirkt! Ebenso empfehlenswert ist hier die Live Session-Version des Songs.

Someone – Eine ganz neue musikalische Welt

Im Sommer überraschte uns die Niederländerin Tessa Rose Jacksons mit ihrem neuen Musikprojekt Someone. War sie bis dahin im Indiepop, vor allem mit dem Song Change Time, der für einen IKEA-Werbespot verwendet wurde, aufgefallen. Mit einer frechen und unterhaltsame Art sorgte sie so 2012 für ein erstes Aufhorchen. Allerdings konnte sich Jackson auf Dauer nicht mit diesem Sound identifizieren und suchte andere Wege, sich musikalisch auszudrücken. Der im Sommer veröffentlichte Song The Deep war der Beginn dazu. Mit verschwimmenden Klängen, einem elektronischeren Sound und eine Referenz an Portishead krempelte sie ihre musikalische Ausrichtung einmal völlig um. Auf ihrer neuen Single Forget Forgive führt sie diesen Sound konsequent weiter, wird dabei allerdings noch ruhiger und schwimmt auf einem Klangbett aus tiefen Gitarrenriffs. Jackson klingt hierbei ruhig und entspannt. Mit dem dazugehörigen Musikvideo, welches 6:16 Minuten lang ist und einen Kampf der Geschlechter zeigt, fügt sie dem Song einen Clip hinzu, der widersprüchlicher kaum auf ihre Musik wirken könnte. Nach The Deep hat Tessa Rose Jackson, alias Someone, mit Forget Forgive eine starke zweite Single veröffentlicht, die Lust auf ein ganzes Album macht.

Tash Sultana – Unglaublicher Crossover Sound

Bereits im Mai präsentierte SOML Euch hier die Australierin Tash Sultanas und ihren Song Murder To The Mind, der mit einem fantastischen Mix aus Pop und Rock begeisterte. Dabei hatte es Sultana 2017 nicht leicht, ging ihre Musik in Australien förmlich durch die Decke, musste sie diesen Sommer viele Konzertauftritte – aus gesundheitlich gründen – absagen. Nun ist ihr Berliner Konzert für den 1. November angesetzt und pünktlich dazu bringt sie auch gleich neue Musik mit. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Australierin nämlich mit Mystik einen neuen Song und haut damit abermals alle vom Hocker. Mystik fesselt mit einem spannenden Crossover-Sound aus Pop, Rock und Jazz und präsentiert dabei wieder wunderbar Sultanas soulige Stimme. Zum Ende bricht der Song schließlich aus und wird, mit seinem treibenden Instrumental-Part, nochmals richtig groß. Wer die Gelegenheit ergreifen möchte und am 1. November noch nichts in seinem Kalender zu stehen hat, sollte sich eine Karte für das Berliner Konzert besorgen und sich Tash Sultana nicht entgehen lassen.

Thirty Seconds To Mars – Wer kann übers Wasser laufen?!

Thirty Seconds To Mars – Walk On Water

Angekündigt hatten Thirty Seconds To Mars ihr fünftes Album bereits im Frühjahr, nun hatte sich diese Ankündigung in den letzten Wochen nochmals konkretisiert und wurde gestern schließlich, durch die Veröffentlichung der ersten Single Walk On Water zum Fakt! Mit dieser ersten Single seit 4 Jahren verbindet das amerikanische Trio den American Dream mit der Frage, wie weit das gehen darf. Dabei stellen sie mit der Aussage Time’s are changing immer wieder fest, was sich in den letzten Monaten in den USA verändert hat. Von den Far Right Gruppen, über den Umgang mit der Wahrheit und dem Traum der Amerikaner, stehts das Richtige zu machen. Dabei klingen Thirty Seconds To Mars zwar immer noch deutlich nach Rock, haben allerdings auch mehr elektronische Beats hinzugefügt. Groß waren sie schon immer. Konnte man bei Thirty Seconds To Mars Songs auch immer gut mitsingen, haben sie mit Walk On Water noch einen oben draufgesetzt und eine Mitgröll-Hymne veröffentlicht, die in Zeiten von einem äußerst gespaltenen Amerika klar zeigt, wo sich die Band positioniert.

Someone – Namenswechsel und musikalische Neuausrichtung

Someone – The Deep

Sie hat den Rundumschlag gewagt. Tessa Rose Jackson aus den Niederlanden hatte 2012 für einen Überraschungshit gesorgt. Wurden ihre Songs Change Time (2012) und Now I See (2013) für internationale Werbespots verwendet, hatte Jackson vorher bereits in London die renommierte The London School for Performing Arts & Technology besucht – auf der auch Adele, Kate Nash, Katie Melua oder Imogen Heap studierten. Zurück in Amsterdam veröffentlichte sie erste Songs und traf damit schließlich genau ins Schwarze. Das war zwischen 2012 – 2014. Dann wurde es still um Jackson. Bis ihre Facebookseite Mitte Mai 2017 schließlich einen Neuanfang verkündete. Mit den Worte …Die Welt hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Ihr habt euch vielleicht auch verändert. Meine Musik hat sich verändert und dadurch auch mein Name. Dass die Namensgebung mutig ist, zeigt ein klick auf Google – findet man unter ihrem neuen Namen Someone so ziemlich alles, nur keine Musik. Fügt man das Wort Musik hinzu, wird Google hier schon konkreter. Doch auch dann bleibt die Trefferquote gering. So bleibt zu hoffen, dass Someones Debütsingle The Deep viele Fans finden und von den Radiostationen in die Playlisten aufgenommen wird. Denn für The Deep wäre es zu schade, einem größeren Publikum verborgen zu bliebe. The Deep erinnert an Bands wie Portishead und beginnt mit dunklen Synthies und einem rauen Schlagzeug, bis schließlich Jacksons Stimme weich und lieblich einsetzt. Dabei hat sich Jackson vom Indie-Pop ihrer früheren Veröffentlichungen losgelöst und zeigt sich fast schon mystisch und introvertiert. The Deep ist ein Traum und passt perfekt zu einer emotionalen Serienszene. Tessa Rose Jackson hat sich neu erfunden und das steht ihr äußerst gut.

Tash Sultana – Lass Dich nicht täuschen

Tash Sultana – Murder To The Mind

Hört man zum ersten Mal den Song Notion der 21 jährigen Australierin Tash Sultana, wird man an ein junges, unbedarftes und zierliches Mädchen denken. Doch weit gefehlt – sieht man Sultana einmal live, wird man seinen Augen kaum glauben können. Da steht eine tätowierte, gepiercte Frau vor einem, die ihre lange Lockenmähne mit einem Basecap in Zaum hält und Gitarrensolis abliefern kann, bei dem einen die Spucke wegbleibt. Mit ihren 21 Jahren hat sie es schließlich geschafft, ein aufregendes Leben hinter sich zu haben – gab es mit 17 Jahren die Entzugsklinik, mit 18 die ersten Auftritte als Straßenmusikerin, mit 20 die ersten ausverkauften Konzterhäuser und schließlich heute eine Top-10 EP und ausverkaufte Konzerte in Australien, Großbritannien und den USA, sowie Millionen Klicks für ihre veröffentlichen Songs auf YouTube. Dabei setzt sich ihre Musik aus dem Spiel einer Loop-Machine zusammen, bei der man einzelne Sequenzen in einen Computer einspielt und dieser die dann in Endlosschleife abspielt. Sultana kreiert damit einen Mix aus Dub, Pop und Rock und beeindruckt mit einer warmen Stimme und beachtlichen Gitarrenspiel. Mit dieser Musikmischung und Lebensgeschichte hat Tash Sultana alles, um für Furore zu sorgen und Gesprächsthema zu werden.

Tom Grennan – Wenn der Ball zur Nebensache wird

Tom Grennan – Praying

So hatte es sich der Brite Tom Grennan sicherlich nicht vorgestellt. Noch als Teenager hatte er sich dem Profifussball verschrieben und spielte bereits in einigen namenhaften Vereinen. Es war allerdings der Weg nach London, der Grennan zur Musik bringen sollte. Diese Entscheidung fiel, als er das Angebot bekam, für den Fussball in den Vereinigten Statten zu gehen. Schließlich zog es Grennan wegen eines Studiums nach London, wo seine musikalische Reise beginnen sollte. Hatte er bereits von einigen Menschen aus seinem Umfeld gehört, dass seine Stimme geradezu dafür gemacht ist, eine Gesangskarriere zu starten, griff er zur Akustikgitarre und spielte in London, wo er nur konnte. Schnell wurde er durch seine soulige Reibeisenstimme immer bekannter, bis schließlich das Londoner Produzenten-Duo Chase & Status auf ihn aufmerksam wurde und ihn für den Song All Goes Wrong ins Boot holte. Grennans tiefe, soulige Stimme ist darauf das perfekte Gegenspiel zum schnellen Drum’n’Bass-Sound der Londoner. Mit seiner Single Praying zeigt sich Grennan nun auch als Solokünstler äußerst positiv. Praying besticht durch Pop und Soul und zeigt Grennan mit seinen 20 Jahren und dass tiefer Soul nicht erst mit dem Alter kommt. Mit seiner ersten offiziellen Single bestätigt Grennan, warum er vom BBC Radio 1 zu einem der Künstler gewählt wurde, auf die man sich 2017 gefasst machen sollte.