Razz feat. Giant Rooks – Deutcher Rock schlägt internationale Konkurenz

Wenn sich zwei der spannendsten Newcomer der letzten beiden Jahre für einen Song zusammenfinden, kann wahrlich nicht viel schief gehen. Haben die aus dem niedersächsischen Emsland kommenden Jungs von Razz 2017 bereits ihr zweites Album Nocturnal veröffentlicht, gelten sie nach wie vor als eines der heißesten Eisen im europäischen Rockzirkus. Dieses Jahr haben sich schließlich auch die, aus dem Nordrhein-Westfälischen Hamm kommenden, Giant Rooks hinzugesellt, die mit ihrer New Estate EP für absolute Begeisterungsstürme gesorgt haben. Klingen die Giant Rooks doch so gar nicht nach deutschem Indie, sondern orientieren sich ganz klar an britischen Vorbildern. zusammen haben diese beiden Bands nun den Song Another Heart / Another Heart veröffentlicht und heben damit die Qualität ihres Sounds nochmal auf ein ganz anderes Level. Wird Another Heart / Another Mind von Razz dominiert, ist gerade der zweite Teil des Songs klanglich eine Reminiszenz an die späten 90er Jahre und hat, durch Europop getragenen Gitarrenriffs, einen ganz besonders nostalgischen Charme. Hierbei klingt Another Heart / Another Mind jedoch nicht altbacken und bietet eine unglaubliche Tiefe. Nach wie vor sind, sowohl Razz, als auch die Giant Rooks ganz oben auf der Liste der Künstler, auf die man in den kommenden Monaten ein Auge werfen sollte, bevor sie den ganz großen Durchbruch haben. Denn dieser ist garantiert.

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RY X – Pure Kunst!

Die Stimme, das Gefühl, der Sound, das Video – pure Kunst. RY X, alias Ry Cumming aus Australien, ist seit jeher ein Garant für emotional hochexplosive Musik. Seine sanften Töne und sein schwerer Sound hatte RY X in der Vergangenheit viel Beachtung geschenkt. Ob seine Songs Berlin, Sweat oder Only – allesamt tragen sie diese Schwere in sich, die RY X dieses magische Gefühl von Verletzlichkeit und Sensibilität verleiht. Dabei kann RY X auch deutlich größer klingen, hört man sich nur seine Kollaboration mit Frank Wiedemann und dem Projekt Howling an, das mit großen, sphärischen Elektrosound dahin wabert. Auf RY X‘ neuer Single Bad Love ist davon nichts zu hören. Viel mehr klingt der Song mit seinen tiefen Bässen und dem tropfenden Sound nach einem gebrochenen Menschen, der versucht das Licht am Ende des Tunnels zu erreichen. Dass RY X damit so unglaublich berührt, ist der Reichhaltigkeit der Produktion zu verdanken. Noch ist kein neues Album angekündigt, doch deuten die regelmäßigen Veröffentlichungen neuer Songs darauf hin, dass es bald wieder für einen Langspieler reichen könnte. Bis dahin hören wir Bad Love in Dauerschleife.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Rudimental feat. James Arthur – Große Popkultur

Rudimental feat. James Arthur – Sun Comes Up

Da treffen sich Welten, die fern sind aber trotzdem zusammenpassen. James Arthur, der mit seiner kratzigen Whiskey-Stimme mit souligen Popsongs seine Fans zum Schmelzen bringt, hat eine Stimme, die für Gänsehaut sorgt. Nun hat er sich zusammen mit Rudimental an einen Song gemacht und herausgekommen ist eine perfekte Elektro-Pop Nummer. Sun Comes Up hat einen starken Beat, viel sommerliches Gefühl mit drin und Arthurs kratzige Stimme. Dabei ist Sun Comes Up nicht mehr ganz so sehr im Drum’n’Bass angesiedelt, sondern bedient sich des heutigen Pops, der eh mit elektrischen Songs überflutet wird. Dabei sind Rudimental eine Art Anker und scharen um sich herum die besten britischen Künstler. Sun Comes Up hört sich nach Sommer an und wurde so produziert, dass das Quartett Rudimental einmal mehr als individuelle und experimentierfreudige Band wahrgenommen wird.

 

Romano – Zurück mit Kurzfilm und derben Beat

Romano – Copyshop

Vom Berliner Romano ist man seit 2015 schon einiges gewohnt. Dass nun allerdings auch ganz offiziell die Marketingabteilung der Stadt Berlin – visitBerlin auf den Köpenicker abfährt, zeigt sich durch das gesponserte Übermut Projects – welches auch mit Hamburg Marketing zusammen finanziert wird. Hier werden, um die verschiedenen Kulturen der Städte zu präsentieren, Künstler zwischen Berlin/Hamburg und Hongkong ausgetauscht. Spannend dabei ist, dass Romano dazu gleich noch ein Kollektiv aus einem Regisseur, Musikproduzenten, einer Produzentin und einem Kameramann um sich vereint hat, um einen fast elf Minuten langen Kurzfilm Copyshop aufzunehmen. Daraus entstanden ist ein derber Elektro-Rap Song mit typischen Romano Rhymes. Von der Produktion schon sehr an amerikanischen Vorstadt-Hip-Hop erinnernd, springt der Beat flippig rum – wie Romano in seinen Videos. Copyshop als Kurzfilm kann dabei in drei Sequenzen aufgeteilt werden. Während der erste und letzte Teil den eigentlichen Song Copyshop präsentiert und nur durch – auf Interview gehaltene – Gesprächsfetzen setzt, wird im Mittelteil ein düsterer, mystischer und experimenteller Sound gespielt, zu dem Romano auf seine ganz eigene Art performt um darauf zu warten, dass im dritten Teil der kantonesische Rapper MastaMic auf kantonesisch rappt. Somit hat sich das Übermut Projects gleich doppelt verdient gemacht, den Austausch der kulturellen Vielfalt zu präsentieren. Romano ist dabei schon lange kein, rein auf Berlin begrenztes, Phänomen mehr und zeigt gleichzeitig auch einen großen Schritt zur Professionalisierung seines einzigartigen Sounds.

Ruelle – Zelebriert epische Momente ganz allein

Ruelle – The Other Side

Ein Jahr ist es her, dass Ihr hier den Listenbee Remix von Ruelles Until We Go Down finden konntet. Nun ist Ruelle – alias Maggie Eckford – mit einem neuen Song zurück und öffnet damit ein Buch, das vorher nur den wenigsten vorlag – denn Ruelle ist keine Newcomerin. Hat sie mit For What It’s Worth (2010) und Show and Tell (2012) bereits zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, folgte Up in Flames (2015) und Madness (2016) unter dem Namen Ruelle. Auch musikalisch veränderte sich ihr Sound vom Indie Pop, hin zu einem elektronisch, mystischen Pop, der episch und melancholisch klingt. Ruelle fährt damit so gut, dass ihre Songs zur Untermalung von Werbeclips und Serien verwendet werden. Auf ihrer neuen Single The Other Side zeigt sie einmal mehr, wie sehr sich ihre Melancholie auf den Hörer überträgt. Beginnend mit einem Klavier und Ruelles zarten Gesang, baut sich The Other Side während der folgenden 4 Minuten stetig auf und treibt die Dramatik so weit, dass eine Träne die Wange hinunter zu rollen scheint. Kraftvoll singt sich Ruelle durch die Zeilen, bei denen nicht klar wird, ob es sich um eine gescheiterte Beziehung handelt oder das Ableben eines wichtigen Menschen behandelt. Eines bleibt allerdings bei beiden gleich – das schwere, tragende Gefühl, das The Other Side transportiert. Ruelle klingt mit ihrem Sound, als wäre sie der perfekte Soundtrack gebrochener Herzen- Und The Other Side ist ein Kapitel daraus.

RY X – Von der Liebe und Sinnlichkeit

RY X – Beacon

Er macht stetig weiter. Der australische Sänger Ry Cuming alias RY X, der zwischenzeitlich in Berlin lebte und mittlerweile überall zu Hause zu sein scheint, kann nicht stillstehen. Da ist das Projekt Howling mit Frank Wiedemann vom Deep-House Duo Âme, mit dem er sphärischen Elektro produziert. Immer wieder arbeitet X auch mit anderen Künstlern zusammen und sorgt für einen stetigen Songoutput. Als Solokünstler RY X hat er allerdings die größte Aufmerksamkeit bisher erhalten und ist mit seinem Song Berlin 2013 sogar in die Französischen, Deutschen und Englischen Charts eingestiegen. Mit einzelnen Songveröffentlichtungen treibt X so immer wieder seine Diskografie voran und bleibt auf konstant hohem Niveau. Nun hat X mit Beacon einen neuen Song veröffentlicht, der auf seinem 2016er Album Dawn zu finden ist. Genaugenommen ist Dawn sogar RY X‘ Debütalbum unter diesem Namen, hat er sein 2010 veröffentlichtes Album noch unter seinem Geburtsnamen Ry Cuming herausgebracht und gänzlich andere Musik gemacht. Mit Beacon setzt X einmal mehr seine intime, verletzliche und zutiefst melancholische Musik fort. Da erstrecken sich zwölf Textzeilen auf ganze 5:38 Minuten und lassen offen, ob hiermit eine vergangene Liebe oder ein aufblühendes Leben besungen wird und bleibt damit dem Hörer selbst überlassen. Am Ende steht ein durch Streicher, Schlagzeug und Klavier gehaltener Song, der verstörend sensibel, reich und warm an Emotionen ist. RY X‘ Musik filtert fast alles heraus und lässt den rohen Moment der Melancholie zurück und bleibt somit genau das übrig, was die Seele zu reinigen scheint.

Róisín O – Stampfend zum Glück

Róisín O. – Warn Me Of Silence

Vor einem Jahr veröffentlichte die irische Sängerin Róisín O. die Single Give It Up welche eine Popsängerin zeigte, die längst dem internationalen Sound entspricht. Doch trotzdem ist sie bisher nur in Irland erfolgreich. Mit ihrem ungewöhnlichen Gesang, der in Wellen kommt und eine enorme Stimmgewalt besitzt, hat Róisín O. ein so markantes Merkmal dabei, dass sie als Alleinstellung zu nutzen weiß. Auf ihrer neuen Single Warn Me Of Silence zeigt sie genau diese Stimme nochmal besonders stark. Erinnert der Song an den Pop starker amerikanischer Sängerinnen, lässt sich Warn Me Of Silence auf eine Reise ein, bei der man gerne zusteigt. Ähnlich wie seiner Zeit die Zusammenarbeit zwischen Delerium & Sarah MacLachlans für den Song Silence, zeigt Warm Me Of Silence eine enorme Geschwindigkeit und pumpende Beats. Anders als Delerium & MacLachlans Trance-Song ist Róisín O’s Song im Pop wiederzufinden. Warn Me Of Silence ist eine große und dramatische Pop-Nummer, die der Iren nun endlich zum europaweiten Durchbruch verhelfen sollte. Denn warum nach Australien, den USA oder Südamerika Ausschau halten, wenn guter Pop von einer Insel direkt vor unserer Nase kommt.

Schwarz – Das Gefühl von Heimat

Schwarz – Home

Es ist immer wieder Teil von aberwitzigen Aufzählungen deutscher Worte, die es in anderen Sprachen nicht gibt. Da wäre zum Beispiel Geborgenheit, Weltschmerz oder Heimweh. Für Letzteres muss es zwingend einen ausgemachten Ort geben, den man als Heimat bezeichnet. Mit diesem tut sich Schwarz schwer. Dabei fällt auf, dass Schwarz, als Bandname, so ungewöhnlich ist und dabei so viel Normalität ausstrahlt. Diese Normalität ist es, die der Kopf hinter Schwarz anstrebt. Steckt doch kein geringerer als Roland Meyer de Voltaire dahinter, der in den frühen 2000ern mit der Band Voltaire zwei deutschsprachige Alben veröffentlichte. Hinzu kommt, dass Meyer de Voltaire als Junge, mit seiner Familie, das beschauliche Bonn verlassen und in die große, laute Stadt Moskau zog. Hier lernte er schnell mit dem Gefühl umzugehen, was es heißt, eine Heimat und eine Zugehörigkeit zu haben. Und eben diese auch zu vermissen. Für Voltaire hatte Meyer de Voltaire lange Jahre Texte geschrieben und Musik gemacht, bis er dieses Schema nicht mehr bedienen wollte. Er sehnte sich nach Tiefe, Empathie und auch Geborgenheit in der Musik. So legte Meyer de Voltaire die Gitarre beiseite, entdeckte das Klavier für sich und komponierte Musik für Filme. Herausgekommen ist eine EP, die den Song Home beinhaltet. Home lehnt sich hierbei stark an frühere Songs von Keane an und trumpft mit der Kopfstimme Meyer de Voltaires auf, die zu Klavier und sanfter Instrumentierung begleitet wird. Im Verlauf des Songs folgen seichte elektronische Elemente aber auch ein drückender Tackt, der Home schwelgerisch werden lässt. Hinzu kommt, dass das zugehörige Musikvideo zu Home, einen Ausschnitt aus Benjamin Kahlmeyers 2010er Dokumentarfilm Meanwhile in Mamelodi – Die Welt zu Gast bei Fremden beinhaltet und das Thema Heimat zusätzlich beschreibt. Home ist ein raffinierter aber zugleich unglaublich sensibler Song, der durch die Schwere und seines massiven Sounds Eindruck hinterlässt.

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

01. Blondie – Fun

02. Alma – Dye My Hair

03. Rihanna – Love On The Brain

04. Philipp Poisel – Zum Ersten Mal Nintendo

05. Giant Rooks – New Estate

06. Claire – End Up Here

07. EMMA6 – Kapitulieren

08. Fenech-Soler – Conversation

09. Missy Elliott feat. Lamb – I’m Better

10. Arcade Fire – I Give You Power

11. Seafret – Blank You Out

12. Ed Sheeran – Castle On The Hill

13. Kiesza – Dearly Beloved

14. Maxïmo Park – Risk To Exist

15. London Grammar – Big Picture

16. Satellite Stories – Confetti

17. Tokio Hotel – What If

18. Goldfrapp – Anymore

19. Gorillaz feat. Benjamin Clementine – Hallelujah Money

20. Snakehips feat. MØ – Don’t Leave

21. Bonaparte – White Noize