Rudimental – Mit der vollen Ladung Diversität

Das britische Kollektiv Rudimental steht seit jeher für Diversität. Stets suchen die vier Kernmitglieder Piers Egget, Amir Amor, Kess Dryden und Leon Rolle neue Künstler, um ihnen eine Plattform zu geben. Dabei haben sie bereits mit Acts, wie MNEK, John Newman, Alex Clare, Emeli Sandé, Ed Sheeran oder James Arthur zusammengearbeitet. Auch politisch setzen Rudimental immer wieder bewusst ihre Bekanntheit ein, um auf Schieflagen aufmerksam zu machen. So haben sie ihr, am 7. September erscheinendes, Album Toast to Our Differences benannt und mit der gleichnamigen Single gerade Acts wie Hak Baker und Shungudzo mit ins Boot geholt. Als Gegenpol zum Protektionismus der heutigen Zeit, singen sie von Diversität, vom zelebrieren der Individualität und hochhalten von verschiedenen Ansichten. Dass dies mehr denn je gilt, zeigen nicht zuletzt die vielen politischen Strömungen und der immer größer werdende Schwall an Information aus immer geringer werdenden Quellen. Rudimental haben diese Gefühle zu einem Post-Soul-Elektro-Song verarbeitet, der absolut entspannt klingt. Unterschiede entstehen in unseren Köpfen, nicht in unseren Herzen. Und genau da setzen Rudimental an und arbeiten mit ihrem Song an einem Aufbau von Gemeinsamkeiten. Fast schon nebenbei haben die Briten dabei auch gleich einen satten Sommerhit abgeliefert.

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Rüfüs Du Sol – Ein Name für Alle

Acht Jahre haben sie es durchgehalten, doch am Ende hat ein Name alles vereinfacht. Und so wird aus Rüfüs, Rüfüs Du Sol. Wurde der längere Name seit der Gründung 2010 ausschließlich für den US-Amerikanischen Markt verwendet, wird das australische Trio mit seinem dritten Studioalbum nun unter diesem Namen weltweit auftreten. Mit dieser Ankündigung einher, geht die Veröffentlichung des ersten Songs No Place, aus dem kommenden Album. War ihr Sound auf dem 2016er Album Bloom noch von Weite geprägt, klingt No Place nun deutlicher nach Club-Atmosphäre. Dabei greifen Rüfüs Du Sol in den ersten 40 Sekunden die Basis des Welthits Insomnia auf, welcher die britische Band Faithless über Nacht zu weltweiten Stars machte. Mit melodischen Bässen und mehrfachen Breaks geben Rüfüs Du Sol einmal mehr das, was wir von ihnen verlangen – treibende Beats und große, elektronische Emotionen.

DJ Koze feat. Roísín Murphy – Eleganter Tanz

Mehr als 50 Jahre Musikerfahrung haben die beiden Künstler DJ Koze und Roísín Murphy im Gepäck. Sie – war zehn Jahre lang als House-Duo Moloko erfolgreich und begründete damit ihre spätere Solokarriere. Er – war Anfang der 90er Jahre Teil der deutschen Hip-Hop Band Fischmob und wurde nach deren Auflösung zu einem der angesagtesten House-DJ’s Europas. Beide stehen für melodischen bis harten House, der sich auch nicht scheut einen Popanteil zu haben. Obendrein ist die irische Sängerin Murphy besonders für ihre Bühnenshows bekannt. Nun haben sich beide Künstler für den Song Illumination zusammengetan. Dabei stellt Illumination für DJ Koze, alias Stefan Kozalla, nicht nur die zweite Single aus seinem Anfang Mai erscheinenden Album Knock Knock, sondern auch den ersten Song mit Gesangsanteil dar. Dass es keine bessere Künstlerin, als Murphy dafür geben kann, betont er daher auch in jedem Interview nur zu gerne. Auf Illumination treffen sich so fließende Housebeats mit Murphys engelsgleicher Stimme und lassen dabei den Vibe der 70er Jahre aufkommen. Modern und klassisch zugleich ist Illumination DER Song für Sonnenaufgänge und -untergänge oder für die Afterhour. Sprich – ein perfekter Begleiter.

Moby – Das Wunderkind ist zurück

Zugegeben – die Überschrift ist etwas reißerisch. Schaut man sich Moby’s Output in den letzten Jahren an, war er nie produktiver und bringt mittlerweile fast jährlich eine neue Platte raus. Doch sind die Intentionen des New Yorker DJ’s andere. Waren die letzten drei Alben sehr kantig und den Fans der 18 und Play Ära eher schwierig zu erschließen, kommt nun mit der ersten Single Like A Motherless Child Hoffnung auf, dass Richard Melville Hall – alias Moby – wieder ein deutlich moderateres Album veröffentlichen könnte. Hier kommt ein rhythmischer Beat, der sogar etwas an Lift Me Up erinnert, zum Einsatz und singen Raquel Rodriguez und Moby in einer hypnotisierenden Art, dass man gespannt verfolgt, wie der Song weitergeht. Moby hat mit Like A Motherless Child seit langem wieder einen Song veröffentlicht, der sowohl den eingefleischten Elektro-Fans, als auch den Pop-Fans gefallen wird.

Razz feat. Giant Rooks – Deutcher Rock schlägt internationale Konkurenz

Wenn sich zwei der spannendsten Newcomer der letzten beiden Jahre für einen Song zusammenfinden, kann wahrlich nicht viel schief gehen. Haben die aus dem niedersächsischen Emsland kommenden Jungs von Razz 2017 bereits ihr zweites Album Nocturnal veröffentlicht, gelten sie nach wie vor als eines der heißesten Eisen im europäischen Rockzirkus. Dieses Jahr haben sich schließlich auch die, aus dem Nordrhein-Westfälischen Hamm kommenden, Giant Rooks hinzugesellt, die mit ihrer New Estate EP für absolute Begeisterungsstürme gesorgt haben. Klingen die Giant Rooks doch so gar nicht nach deutschem Indie, sondern orientieren sich ganz klar an britischen Vorbildern. zusammen haben diese beiden Bands nun den Song Another Heart / Another Heart veröffentlicht und heben damit die Qualität ihres Sounds nochmal auf ein ganz anderes Level. Wird Another Heart / Another Mind von Razz dominiert, ist gerade der zweite Teil des Songs klanglich eine Reminiszenz an die späten 90er Jahre und hat, durch Europop getragenen Gitarrenriffs, einen ganz besonders nostalgischen Charme. Hierbei klingt Another Heart / Another Mind jedoch nicht altbacken und bietet eine unglaubliche Tiefe. Nach wie vor sind, sowohl Razz, als auch die Giant Rooks ganz oben auf der Liste der Künstler, auf die man in den kommenden Monaten ein Auge werfen sollte, bevor sie den ganz großen Durchbruch haben. Denn dieser ist garantiert.

RY X – Pure Kunst!

Die Stimme, das Gefühl, der Sound, das Video – pure Kunst. RY X, alias Ry Cumming aus Australien, ist seit jeher ein Garant für emotional hochexplosive Musik. Seine sanften Töne und sein schwerer Sound hatte RY X in der Vergangenheit viel Beachtung geschenkt. Ob seine Songs Berlin, Sweat oder Only – allesamt tragen sie diese Schwere in sich, die RY X dieses magische Gefühl von Verletzlichkeit und Sensibilität verleiht. Dabei kann RY X auch deutlich größer klingen, hört man sich nur seine Kollaboration mit Frank Wiedemann und dem Projekt Howling an, das mit großen, sphärischen Elektrosound dahin wabert. Auf RY X‘ neuer Single Bad Love ist davon nichts zu hören. Viel mehr klingt der Song mit seinen tiefen Bässen und dem tropfenden Sound nach einem gebrochenen Menschen, der versucht das Licht am Ende des Tunnels zu erreichen. Dass RY X damit so unglaublich berührt, ist der Reichhaltigkeit der Produktion zu verdanken. Noch ist kein neues Album angekündigt, doch deuten die regelmäßigen Veröffentlichungen neuer Songs darauf hin, dass es bald wieder für einen Langspieler reichen könnte. Bis dahin hören wir Bad Love in Dauerschleife.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Rudimental feat. James Arthur – Große Popkultur

Rudimental feat. James Arthur – Sun Comes Up

Da treffen sich Welten, die fern sind aber trotzdem zusammenpassen. James Arthur, der mit seiner kratzigen Whiskey-Stimme mit souligen Popsongs seine Fans zum Schmelzen bringt, hat eine Stimme, die für Gänsehaut sorgt. Nun hat er sich zusammen mit Rudimental an einen Song gemacht und herausgekommen ist eine perfekte Elektro-Pop Nummer. Sun Comes Up hat einen starken Beat, viel sommerliches Gefühl mit drin und Arthurs kratzige Stimme. Dabei ist Sun Comes Up nicht mehr ganz so sehr im Drum’n’Bass angesiedelt, sondern bedient sich des heutigen Pops, der eh mit elektrischen Songs überflutet wird. Dabei sind Rudimental eine Art Anker und scharen um sich herum die besten britischen Künstler. Sun Comes Up hört sich nach Sommer an und wurde so produziert, dass das Quartett Rudimental einmal mehr als individuelle und experimentierfreudige Band wahrgenommen wird.

 

Romano – Zurück mit Kurzfilm und derben Beat

Romano – Copyshop

Vom Berliner Romano ist man seit 2015 schon einiges gewohnt. Dass nun allerdings auch ganz offiziell die Marketingabteilung der Stadt Berlin – visitBerlin auf den Köpenicker abfährt, zeigt sich durch das gesponserte Übermut Projects – welches auch mit Hamburg Marketing zusammen finanziert wird. Hier werden, um die verschiedenen Kulturen der Städte zu präsentieren, Künstler zwischen Berlin/Hamburg und Hongkong ausgetauscht. Spannend dabei ist, dass Romano dazu gleich noch ein Kollektiv aus einem Regisseur, Musikproduzenten, einer Produzentin und einem Kameramann um sich vereint hat, um einen fast elf Minuten langen Kurzfilm Copyshop aufzunehmen. Daraus entstanden ist ein derber Elektro-Rap Song mit typischen Romano Rhymes. Von der Produktion schon sehr an amerikanischen Vorstadt-Hip-Hop erinnernd, springt der Beat flippig rum – wie Romano in seinen Videos. Copyshop als Kurzfilm kann dabei in drei Sequenzen aufgeteilt werden. Während der erste und letzte Teil den eigentlichen Song Copyshop präsentiert und nur durch – auf Interview gehaltene – Gesprächsfetzen setzt, wird im Mittelteil ein düsterer, mystischer und experimenteller Sound gespielt, zu dem Romano auf seine ganz eigene Art performt um darauf zu warten, dass im dritten Teil der kantonesische Rapper MastaMic auf kantonesisch rappt. Somit hat sich das Übermut Projects gleich doppelt verdient gemacht, den Austausch der kulturellen Vielfalt zu präsentieren. Romano ist dabei schon lange kein, rein auf Berlin begrenztes, Phänomen mehr und zeigt gleichzeitig auch einen großen Schritt zur Professionalisierung seines einzigartigen Sounds.

Ruelle – Zelebriert epische Momente ganz allein

Ruelle – The Other Side

Ein Jahr ist es her, dass Ihr hier den Listenbee Remix von Ruelles Until We Go Down finden konntet. Nun ist Ruelle – alias Maggie Eckford – mit einem neuen Song zurück und öffnet damit ein Buch, das vorher nur den wenigsten vorlag – denn Ruelle ist keine Newcomerin. Hat sie mit For What It’s Worth (2010) und Show and Tell (2012) bereits zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, folgte Up in Flames (2015) und Madness (2016) unter dem Namen Ruelle. Auch musikalisch veränderte sich ihr Sound vom Indie Pop, hin zu einem elektronisch, mystischen Pop, der episch und melancholisch klingt. Ruelle fährt damit so gut, dass ihre Songs zur Untermalung von Werbeclips und Serien verwendet werden. Auf ihrer neuen Single The Other Side zeigt sie einmal mehr, wie sehr sich ihre Melancholie auf den Hörer überträgt. Beginnend mit einem Klavier und Ruelles zarten Gesang, baut sich The Other Side während der folgenden 4 Minuten stetig auf und treibt die Dramatik so weit, dass eine Träne die Wange hinunter zu rollen scheint. Kraftvoll singt sich Ruelle durch die Zeilen, bei denen nicht klar wird, ob es sich um eine gescheiterte Beziehung handelt oder das Ableben eines wichtigen Menschen behandelt. Eines bleibt allerdings bei beiden gleich – das schwere, tragende Gefühl, das The Other Side transportiert. Ruelle klingt mit ihrem Sound, als wäre sie der perfekte Soundtrack gebrochener Herzen- Und The Other Side ist ein Kapitel daraus.