Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

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KLAN – Zwei Brüder, eine Entscheidung

KLAN gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. Und doch haben sie erst jetzt, am 12. Oktober, ihr Debütalbum Wann Hast Du Zeit veröffentlicht. Ihr fragt Euch, was eine Band bitte von 1988 bis 2018 an Zeit benötigt, um ihr Debütalbum fertigzustellen?! Das Aufwachsen! Denn KLAN besteht aus den beiden Leipziger Brüdern Michael und Stefan Heinrich. Nach Jahren des brüderlichen Zusammenlebens im Elternhaus folgte der Weg in bürgerliche Jobs. Blieb Stefan in Leipzig um Medienpädagogik zu studieren, zog es Michael nach Berlin für ein Medizinstudium. Doch damit nicht glücklich werdend, folgte Stefan seinem Bruder einige Zeit später nach Berlin und beide entschlossen, ihre Berufe vorerst ruhen zu lassen, um sich der Musik zu widmen. Denn die hatten sie bereits seit der Jugend für sich entdeckt. Somit stand im Jahr 2016 der Eintrag in das Grundbuch deutscher Bandfindungen an und KLAN kam zur Welt. Nun haben sie mit der aktuellen Single Mama das Thema der Findung und Abnabelung behandelt und, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Familie umgegangen sind. Dabei klingen sie so angenehm ruhig besonnen und singen reflektieren die Befürchtungen der Eltern, vom Weg abzukommen, sollten sie ihre Jobs für die Musik an den Nagel hängen. KLAN klingen frisch und doch irgendwie nach einem gewohnten Begleiter. Auf alle Fälle sind sie damit eine der heißesten Anwärter auf einen nächsten, großen Hit.

Kytes – Indiehit erster Klasse

Wenn schon die Briten aktuell keinen Indie mehr hervorbringen, tut sich in den letzten Jahren so einiges in Deutschland. Mit Razz, den Giant Rooks und Kytes auf der Überholspur, werden auch ihre Songs immer öfter von den Radiostationen gespielt. Dabei kommt letztere Band aus München und stellt nun mit Remedy die neueste Single der im Januar erscheinenden EP Frisbee vor. Hierauf klingen Kytes so unfassbar locker und haben mit dem zugehörigen Musikvideo eine amüsante Indoor-Sommeratmosphäre geschaffen. Mit digitalem Pool, Bildeinstellungen irgendwo zwischen – von amerikanischen Hip-Hop Videos inspirierten – Nahaufnahmen Eis essender Badenixen und weiteren weirden Aktionen begeistern Kytes nicht nur durch das Video, sondern natürlich auch mit einem satten Indieohrwurm. Mit groovigen Gitarrenriffs und einer eingängigen Beatfolge ist Remedy ein absoluter Hit und lässt Michael Spieler, Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek – alias Kytes – ins Rampenlicht der deutschen Indieszene treten. Die nächste Indiedisco-Nacht kann also kommen!

Kiesza & Chris Malinchak – Zwei, die wissen was sie tun

Man möchte fast sagen, dass es eine ungewöhnliche Zusammenarbeit war – wäre da nicht bereits die Single Mother, die den New Yorker DJ Chris Malinchak und die kanadische Sängerin Kiesza Anfang des Jahres veröffentlichten. Dabei entstand eine berufliche Freundschaft, bei der es nicht nur bei einem Song bleiben sollte. Nun haben die beiden gestern Abend ihr Versprechen eingelöst und mit Weird Kid die zweite Zusammenarbeit veröffentlicht. Hier zeigt sich Kiesza mit einer glasklaren Stimme und passt wunderbar zum Tropical-House Sound Malinchaks. Darüber hinaus gibt der Song durch den hallenden Gesang Kieszas eine gewisse Melancholie preis, die zu den letzten warmen Sonnenstrahlen des verabschiedenden Sommers passt. Weird Kid ist eine angenehme Popnummer, die einen nicht fordert aber dafür deutlich im Kopf festsetzen wird.

Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

Krystal Klear – Irland auf dem Weg in den Disco-Olymp

Es ist dieser Beat, der uns zum Ausrasten bringt. Wie einst Pop Muzik von M oder Inspector Norse von Todd Terje, hat auch der irische Produzent und DJ Krystal Klear nun einen Song produziert, der seit geraumer Zeit durch die Clubs Europas geistert. Mit Neutron Dance entfacht der in Dublin lebende DJ Dec Lennon, wie er bürgerlich heißt, ein wahres Klangfeuerwerk und besitzt dabei eine Geschwindigkeit, die zum Durchdrehen animiert. Als Liebhaber von Boogie, Funk und House stellt sich Neutron Dance als genau dieser Hybrid heraus, der die verschiedenen Einflüsse aus den 70ern mitnimmt und so arrangiert, damit auch 40 Jahre später der Club noch kocht.

The Kooks – Der Sound der ersten Stunde

Lange war er weg, der typische Indiesound der Brightoner Band The Kooks. Hingen die Fans doch an Songs wie Sofa SongNaïveShe Moves In Her Own Way oder Ooh La und tanzten dazu ganze Nächte durch. War die Veränderung des zweiten Albums Konk noch moderat, fielen vor allem die Alben Junk Of The Heart und Listen durch. Nach ihrem 2017er The Best Of… So Far läuteten die Vier nun mit ihrem kommenden, fünften Studioalbum Let’s Go Sunshine eine Wende ein und besinnen sich auf den Sound ihrer ersten Stunden. Bereits auf der Single All The Time konnte man diese Wendung deutlich heraushören. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Four Leaf Clover sind sie endgültig zurück und lassen die Tanzschuhe zappeln. Mit schnellem Gesang Luke Pritchards und zitternden Gitarren klingt Four Leaf Clover so frisch, wie einst vor 13 Jahren, als die rotzfrechen Jungs noch mit provozierenden Äußerungen die Indiewelt eroberten. Dass eine Band nach 13 Jahren so frisch und wach klingt, ist keine Selbstverständlichkeit und zeigt, dass sich die Band mit sich selber auseinandergesetzt hat und – im Falle der Kooks – nicht davor zurückschreckt, sich zu wiederholen.

Kungs – Der Sommer kann kommen

Mit Tropical House an die Spitze – das galt vor zwei Jahren für den jungen französischen DJ Kungs. Waren doch seine Songs This GirlDon’t You Know und I Feel So Bad Sommerhits par excellence und landeten in ganz Europa auf den vordersten Charträngen. Nun hat sich Kungs in den letzten zwei Jahren an die Arbeit für neue Songs gemacht und präsentiert uns mit Be Right Here seinen neuesten Hit, der in den kommenden Wochen wohl auch in Deutschland einschlagen wird. Gewohnt sommerlich und mit ganz viel frischen Elektrobeats hat sich Kungs mit dem norwegischen Produzentenduo Stargate und dem Sänger GOLDN zusammengetan und den Überhit Be Right Here produziert. Mit Trompeten, Percussions und einer Geschwindigkeit, die für die Tanzfläche gemacht ist, erobert Be Right Here, gerade die Franzosen. Da wird es nicht mehr lange dauern, bis auch wir überall dazu tanzen und uns zur warmen Sommerluft bewegen.

Kovacs – Mit mehr Groove durch das zweite Album

Mit ihrem Debütalbum Shades Of Black gelang es der niederländischen Sängerin Kovacs 2014 direkt auf Platz 1 der niederländischen und Platz 8 der deutschen Albumcharts einzusteigen. Ihre Mischung aus rauchig, kratziger Stimme, dem Auftreten einer zierlichen Frau und dem James Bond’schen Klang der Singles My Love und 50 Shades Of Black brachte ihr vor vier Jahren von Berlin bis Amsterdam viel Aufmerksamkeit ein. Ihr zweites Album jedoch ließ länger auf sich warten als geplant. Hatte sie das Debütalbum mit dem Produzenten Oscar Holleman realisiert – der sich für Produktionen für Within Temptation, Ayreon und Krezip verantwortlich zeichnet – zog der sich mitten im Prozess des zweiten Albums plötzlich zurück und nahm die Band, die Kovacs seit dem Debüt begleitete mit. Mit diesem Gefühl, wieder komplett alleine dazustehen und von vorne beginnen zu müssen, wandte sich Kovacs an den britischen Produzenten Liam Howe, der nicht nur bereits mit Adele, Lana Del Rey und FKA Twigs zusammengearbeitete hat, sondern Kovacs auch die Freiheit gab, sich wieder selbst zu finden, um den Sound zu realisieren, den sie nun auf ihrer neuen Single Black Spider präsentiert. Dabei ist das Gefühl, einen James Bond-Soundtrack zu hören verschwunden – hin zu einem deutlich poppigeren und groovigeren Sound, der sich unweigerlich im Körper festsetzt. Schneller und mit vielen peripheren Instrumenten, wie Saxophon, Trompeten und Geigen klingt Black Spider ungewöhnlich offen und befreiend. Kovacs scheint sich in ihrem neuen Sound wohlzufühlen und begeistert mit sehr viel Frische.

Kimberose – Next Big Thing

Bereits im letzten Jahr hatte die Französin Kimberose mit einer ersten EP für einen Sturm der Begeisterung gesorgt. Darauf enthalten war die Single Sorry, die nun auch auf ihrem, am Freitag veröffentlichten, Debütalbum Chapter One zu finden ist. Hierbei glänzt die Tochter eines Briten und einer aus Ghana kommenden Mutter mit Soulmusik der alten Schule. Nina Simone und Amy Winehouse als Einflüsse genannt, singt Kimeberose so ergreifend und emotional, dass man sich mit einem Glas Rotwein zu ihr setzen möchte. Kimberose hat diese Stimme und den Sound, wie ihn nur alle paar Jahre eine Künstlerin hervorbringt, reiht sich in eine Reihe mit Amy Winehouse, Joss Stone oder Kovacs ein und überzeugt als Ausnahmetalent. Die 26 Jährige peilt damit nicht nur die Top-5 der französischen Albumcharts an, sondern sorgt auch für ausverkaufte Hallen und muss ihre Konzerte aktuell ständig in größere verlegen – nicht die schlechtesten Vorraussetzungen, um ganz groß zu werden. Mit Kimberose hat der Jazz und Soul einen neuen Star am Himmel und sie dürfte auch hierzulande nicht mehr lange unbekannt bleiben.