James Bay – Runderneuert

Ein Hut, eine Gitarre und langes Haar – das waren James Bays Markenzeichen, als er im Winter 2014 mit Hold Back The River seinen Durchbruch feierte. Leise, intensiv und berührend zeigte er sich dann auch auf Let It Go. Drei Jahre sind seitdem vergangen. Drei Jahre bei denen man sich um den Newcomer fast schon Sorgen gemacht hatte, dass er ein One-Hit-Wonder werden könnte. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn nun ist der Brite mit der ersten Single seines 2018 erscheinenden, zweiten Albums zurück. Wild Love ist dabei anders – und nicht nur einfach anders, sondern weist vielmehr eine derartige Veränderung des Sounds auf, dass wir regelrecht von den Socken sind. Wild Love klingt von der Soundästhetik wie die männliche Form eines Jessie Ware Songs. Hier liegt viel Soul in der Luft, wird die E-Gitarre und ein satter Klang von Synthesizern übereinandergelegt und lässt Wild Love voll und intensiv klingen. James Bay hat damit wohl alle überrascht und klingt dabei so stimmig wie sensationell!

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Jonah – neue Single, weiter Sound

Mit dem Album Wicked Fever haben sich die beiden Jungs von Jonah 2017 einen Traum erfüllt. Die eigene Musik zu einem Album zusammenzustellen und in die weite Welt veröffentlichen. Mit einem Sound der eine ganz besonderer Weite trägt, wurden sie schließlich auch bei den Radiostationen gefeiert. Nun veröffentlichen Jonah aus diesem Album mit Love Lost eine weitere Single die etwas Folk, Pop und einen treibenden Gitarrensound enthält und damit ganz vorne dabei ist. Ein Soundtrack für die Weite, fürs Fliegen, für Aussichten und das Gefühl sich zu verlieren und doch zu finden. Love Lost ist genau dieser Begleiter.

Jack Grace – Minimalistisch schön mit neuer Single

Vor 15 Monaten hatte Jack Grace mit All Lost alle überrascht – war seine Mischung aus Trip-Hop, Elektro und Gospel doch im September 2016 wie ein komplett neues Genre. Nun hat Grace zu Beginn des neuen Jahres mit Row Me Home einen neuen Song veröffentlicht und zeigt sich damit noch reduzierter. Hier hören wir Grace‘ Stimme Eingangs nur von einem Klavier begleitet, ehe sein Gesang irgendwo zwischen Vocoder und Synthieblase aufzuweichen scheint. Bereits 2014 am Genfer See geschrieben, fragen wir uns, was den Australier damals beeinflusst haben muss, um Row Me Home so fragil und irritiert klingen zu lassen. Glücklicherweise kommt Grace auch hier nicht ohne seinen gospelhaften Gesang aus, der Row Me Home zeitweilig wirken lässt, als würde er direkt aus einer Kirche mit Gospelchor übertragen. Jack Grace macht emotionale, Singer/Songwriter Musik und vermischt sie mit Elektro und Soul. So scheint es fast, als hätte Grace die Zeit des Songwritings am Genfer See, im Winter verbracht – passt die Stimmung doch perfekt zur kalten, dunklen Jahreszeit.

Justin Timberlake – Irritierender Futurepop

Er ist zurück – Justin Timberlake hat mit seiner, am Freitag veröffentlichten, Single Filthy für ein euphorisches Stirnrunzeln gesorgt. Denn entgegen seiner Ankündigung und des Namens seines fünften Studioalbums Man Of The Woods – bei dem sich die Fans und Kritiker gleichermaßen einen reduzierten und akustisch reduzierten Sound erwartet hatten – ist mit Filthy eine futuresker Song der Popmusik geworden, der mit Elektro-Funk beschrieben werden kann. Hier stolpern wir über brechende Beats, die typisch für Produzentenfreund Timbaland sind und werden immer wieder durch abbrechend klingende Stilwechsel rausgerissen. Dabei wechselt Timberlake zwischen Gesang und Rap und hat immer auch R&B in der Stimme. Timberlake hat so, knapp 4,5 Jahre nach seinem 2013er Doppelreleasejahr mit The 20/20 Experience ein neues Album am Start, das er nicht nur am 2. Februar 2018 veröffentlicht, sondern Filthy gleich auch noch am 4. Februar 2018 in der Halbzeitshow des Super Bowl präsentieren wird – und er somit 14 Jahre nach seinem Skandalauftritt mit Janet Jackson wohl als rehabilitiert bezeichnen werden kann.  Tanzbar trotz der Beatwechsel ist Timberlakes Filthy wahrlich Zukunftsmusik und damit dem Pop unserer Zeit erneut weit voraus.

James Hype – Wenn der Name Programm ist

James Hype feat. Kelli-Leigh – More Than Friends

Es sollte der größte Hit der amerikanische R&B-Girlgroup EnVogue werden. Don’t Let Go (Love) schaffte es 1997 in über 13 Ländern in die Top-10 der Singlecharts. Dass die 90er Jahre heute wieder aktueller denn je sind, zeigt sich seit ein, zwei Jahren vor allem in der britischen Houseszene. Nun gesellt sich mit James Hype ein weiterer DJ dazu, der nicht nur mit seinem Namen zum Hype wird. Denn Hype hat sich als Debütsingle keinen geringeren Song als den EnVogue-Klassiker Don’t Let Go (Love) vorgenommen und als gesangliche Unterstützung die Britin Kelli-Leigh dazugeholt. Herausgekommen sind 2:20 Minuten voll gepackt mit tiefen Bässen, einem klaren Gesang Kelli-Leighs und einem modernen Beat. Damit tourt Hype gerade durch die europäischen Clubs und lässt seine Version More Than Friends zu einem absoluten Grower werden, der gerade auf der britischen Insel in die Top-20 eingestiegen ist. Dass More Than Friends zum Hypesong – in zweifacher Hinsicht – wird, ist auch Hypes Nähe zum Publikum zu verdanken, spickt er seine Facebook-Seite doch fast täglich mit kurzen Videoclips von Auftritten und Erlebnissen. Damit ist Hype nicht nur unglaublich sympathisch, sondern sorgt auch dafür, dass sich More Than Friends wie ein Lauffeuer verbreitet.

Jata – Zwischen Saudade und Monster

Jata – Monster

Ein wahrer Weltenbummler ist Jata, alias Jacob Vetter, schon immer gewesen. Arbeit seine Frau für die UN und muss viel reisen, hatte Jata bereits früh seine Liebe für das Reisen entdeckt und wohnte so bereits in Washington, Mexiko, Frankreich und der Schweiz. Washington war es dann aber, das als ein großer Einfluss auf Jatas spätere Musik ausschlaggebend sein sollte. Denn klingt seine Musik nach einer Mischung aus Pop und modernem R&B, den er in Washington kennenlernte, legt er einen starken Elektrobeats über seine Songs. Von seinem Aufenthalt in Mexiko hatte er sich die Beschreibung Saudade eingeprägt. Dieses Wort umfasst das Gefühl aus Wehmut, Melancholie, Sehnsucht und Nostalgie. Genau hier setzt Jatas Musik ein – dunkle, schwere Beats mit fast schon klagendem Gesang und einer ordentlichen Ladung Soul sind so zum Markenzeichen für Jata geworden. Seine, im Herbst 2016 veröffentlichte Single Ebony war dabei bereits ein großartiger Vorgeschmack auf das am 1. September erscheinende Album Mexico. Die Single Monster büßt hier kein bisschen ein und ist eher noch stärker im R&B und Soul zu Hause als im Elektropop. Hierbei erinnert der Beat irgendwie an Ginuwines Pony und unterstreicht somit, welchen Einfluss Washingtons R&B-Szene auf ihn hatte. Alles selbst geschrieben, produziert und eingesungen, ließ Jata nur zum Abmischen den Briten Ash Workman an seine Musik – der bereits Christine And The Queen, Tensnake und Metronomy produziert hatte. Herausgekommen ist eine starke Single und ein Album, das die Vorfreude durch Songs wie Ebony und Monster deutlich wachsen lässt.

Jessie Ware – Die Emanzipation einer Britin

Jessie Ware – Midnight

Mit bereits zwei veröffentlichten Alben ist Jessie Ware sicherlich kein Newcomer mehr, doch behält sie weiterhin ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Denn Ware will nicht so ganz in eine Schublade passen. Arbeitet sie gerne mit Künstlern der elektronischen Szene Großbritanniens, wie SBTRKT und Disclosure, zusammen, hört man auf ihren Soloplatten Soul, R&B und Pop. Dabei ist Ware mit dieser Mischung allgegenwärtig – hat allerdings bis heute den ganz großen Durchbruch noch nicht erlebt. Vielleicht ändert sich das mit ihrem dritten Album. Dazu könnte Wares neue Single Midnight beitragen. Denn so laut, so soulig und so ungewöhnlich direkt haben wir Ware bisher noch nicht gehört. Während Midnight einer großen Liebeshymne nahe kommt, erinnert sie auch an die Zeit, als Alicia Keys mit ihrem reinen R&B ihren Durchbruch feiert. Wurde Keys‘ künstlerische Karriere durch immer mehr Singles mit enormen Schrei-Anteil ausgebremst und besann sie sich deshalb mit ihrem aktuellen Album wieder zu mehr Natürlichkeit zurück, hört man genau diese Natürlichkeit aktuell auch auf Jessie Wares neuer Single. Zwar ist Wares Stimme deutlich lauter geworden und singt sie viel direkter, kommt der Sound allerdings dem eines 80er/90er Soulsongs nahe. Damit überrascht und begeistert Ware gleichzeitig, war sie bisher doch eher durch indirekten Gesang und einem allgegenwärtigen Sound bekannt. Midnight greift dich dort, wo Du nach einer musikalischen Untermalung für emotionale Momente suchst und schlägt dann umso stärker ein.

Jain – Das Wunderkind des französischen Pops

Jain – Dynabeat

Die französische Sängerin Jain in ein bestimmtes Genre einzuordnen dürfte nach den Singles Come und Makeba schwer sein. War die Erste ein waschechter Radiohit und zuckersüßer Pop, hatte Makeba einen deutlichen Anteil Weltmusik und afrikanischen Einfluss. Nun hat die aus Toulouse kommende Sängerin ihr Debütalbum Zanaka noch einmal in einer Deluxeversion veröffentlicht, auf der auch die neue Single Dynabeat zu finden ist. Dynabeat ist damit Jains vierte Singleauskopplung aus dem 2015 veröffentlichten Debüt und weist ein weiteres Mal musikalisch in eine Richtung, die neu für die 25-Jährige ist. Mit leichtem Pop und einem Indie-Beat der locker von The Ting Tings Debütalbum hätte kommen können, startet Dynabeat, und schreckt sogar vor einen Rap-Part nicht zurück. Dabei kommt der Song so sommerlich und frisch rüber, dass man sich mit Jain glatt aufmachen möchte, den Sommer zu genießen. Hier müssen die Beine unweigerlich mitgehen – alles andere wäre vergeudete Zeit.

Rudimental feat. James Arthur – Große Popkultur

Rudimental feat. James Arthur – Sun Comes Up

Da treffen sich Welten, die fern sind aber trotzdem zusammenpassen. James Arthur, der mit seiner kratzigen Whiskey-Stimme mit souligen Popsongs seine Fans zum Schmelzen bringt, hat eine Stimme, die für Gänsehaut sorgt. Nun hat er sich zusammen mit Rudimental an einen Song gemacht und herausgekommen ist eine perfekte Elektro-Pop Nummer. Sun Comes Up hat einen starken Beat, viel sommerliches Gefühl mit drin und Arthurs kratzige Stimme. Dabei ist Sun Comes Up nicht mehr ganz so sehr im Drum’n’Bass angesiedelt, sondern bedient sich des heutigen Pops, der eh mit elektrischen Songs überflutet wird. Dabei sind Rudimental eine Art Anker und scharen um sich herum die besten britischen Künstler. Sun Comes Up hört sich nach Sommer an und wurde so produziert, dass das Quartett Rudimental einmal mehr als individuelle und experimentierfreudige Band wahrgenommen wird.

 

Jonah – Mit Wicked Fever zum Debütalbum

Jonah – Wicked Fever

Sie haben es geschafft – möchte man ihnen zurufen! Das Berliner Duo Jonah, hinter dem Angelo Mammone und Christian Steenken stecken, hat in den letzten Jahren mit All We Are und Deep Deep Blue bereits für durchweg positive Kritiken gesorgt. Jetzt haben sie mit ihrer neuen Single Wicked Fever nicht nur einen neuen Song veröffentlicht, sondern auch gleich ihr gleichnamiges Debütalbum, das am 28. Juli erscheinen wird, und eine Tour im September angekündigt. Wicked Fever ist dabei so viel – ein trauriger und verletzter Freund, eine absolut elektrisierende und euphorische Liebe und eine Suche nach sich selbst. Lange, schwelgende Sounds mischen sich mit hallendem Gesang und der fast schon zart, zurückhaltenden Stimme Mammones. Dies mündet in einen treibenden Ansatz eines Versuches auszureißen, doch ehe man sich versieht ist alles verstummt. Damit haben Jonah nicht nur ein weiteres Kapitel zu ihrer starken Diskografie hinzugefügt, sondern verstärken sogar noch das Gefühl selber wegzutreiben – und wie von Geisterhand, drückt man auf Repeat.