Nathan Ball – Interview (DE)

Vor einigen Tagen hatte ich Euch eine Premiere angekündigt. Nun ist es soweit, mein erstes Interview mit einem britischen Newcomer ist fertig.
Nathan Ball habe ich Euch bereits vor einigen Wochen mit seiner Alternative-/Folkballade ‚Echo‘ vorgestellt. Nun ist es zu einem Interview gekommen, das ich natürlich hier auf meinem Blog posten möchte. Habt also viel Spaß beim lesen und entdecken eines neuen fantastischen Künstlers.

Soundtrack-Of-My-Life: Hi Nathan, erst einmal vielen Dank für das Teilen meines Blogeintrages über Deinen Song ‚Echo‘ auf Deiner Facebook-Seite.

Nathan: Sehr gerne, es freut mich wenn Dir der Song gefällt!

 

SOML: Du scheinst der Blogszene sehr offen gegenüberzustehen und gibst gerne auch kleineren Blogseiten, wie der französischen Bloggerin Lydie’s Crush On TV oder mir, ein Interview. Wie siehst Du die unterschiedlichen Wirkungsgrade von Interviews eines Blogs und die der großen Magazine?

N: Oh ja! Ich selber lese immer wieder gerne, auf kleineren Blogs, Interviews über Künstler die ich mag oder gehe gezielt auf die Suche nach neuen Künstlern. Verliere mich so also auch mal in so manchem Blog. Natürlich haben große Magazine viel mehr Leser, doch mag ich solche kleine Blogs wie Deinen, da sie uns viel früher entdecken als die großen Magazine.

 

SOML: Du wurdest in Buckinghamshire, nordlich von London, geboren. Pendelst jetzt aber immer zwischen London und Cornwell. Ist Cornwell für Dich der Weg raus aus der Schnelligkeit rein in ein Umfeld der Inspiration?

N: Natürlich. In London kann man unheimlich produktiv sein. Die Stadt macht einen aber auch krank und kann Dich total einnehmen. Es ist also wichtig diesem Umfeld auch mal zu entfliehen. In Cornwell leben meine Freundin Nina und eine Menge Freunde. Es ist also immer wieder wunderbar zurückzukehren. Dazu kommt, dass Cornwell, mit all den Klippen, der Menschen und der See auch ein sehr inspirierender Platz ist. Diese Weite und die viele Zeit, die man auf dem Land hat, geben mir daher viel Platz zum Schreiben von Songs.

 

SOML: Du kennst dein Bandmitglied Will bereits seit mehr als zehn Jahren, hast Kitty über Facebook gefunden. Wie kam Nina in die Band und ist sie die Stimme auf ‚Echo‘?

N: Jepp, das ist Nina auf dem Track. Sie hat so eine Hammerstimme und singt im Haus immer Paul Simon Lieder. So sind wir auf die Idee mit den zwei Stimmen auf ‚Echo‘ gekommen. Und ich liebe es!

 

SOML: Eure Musik klingt sehr groß aber auch melancholisch. Wie kommt es dazu und woher beziehst Du die Inspiration für die Texte und den Sound?

N: Ich schreibe alle meine Lieder schon von jeher akustisch mit der Absicht sie dann größer und epischer klingen zu lassen. Nur habe ich das lange Zeit nicht hinbekommen, was mich frustrierte. Doch mit der Band ist dies alles nun möglich. Ich liebe es Songtexte zu schreiben und bin immer wieder überrascht wie sie nur so aus mir heraussprudeln. In meinem Telefon sind hunderte kleiner Notizen und Textschnipsel gespeichert, die mir in den Sinn kamen, als ich in Cornwell auf die See schaute und die Klippen auf mich wirken lies. Man bekommt dort einfach den Kopf frei zum Schreiben, und so landet alles immer erst einmal in meinem Telefon.

 

SOML: Was für einen Einfluss üben da Deine Bandfavoriten wie Bon Iver oder Junip auf Dich aus?

N: Bon Iver’s Lieder sind wahnsinnig gut darin Dich immer wieder zu diesem einen Punkt zu bringen. Seine Stimme ist einfach verrückt und die kineastische Instrumentierung so groß ohne wirklich überladen zu klingen. Eine gute Freundin war mal auf einem Konzert von Bon Iver und berichtete von weinenden Fans, die durch seine Musik zu Tränen gerührt waren und ihren Emotionen freien Lauf ließen. Das hatte mich damals so sehr beeindruckt. Denn das ist doch der eigentliche Sinn von Musik – Emotionen rauszulassen, die man vorher nicht spürte und auch eben mal nicht diesem ganzen materiellem Müll zu folgen. Ich bin auch ein großer Fan von José [José González, Junip-Mitbegründer] und seinem Musikprojekt Junip. Die Texte sind so gut und Lieder wie ‚Rope‘ oder ‚Summit‘ einfach nur irre.

 

SOML: Apropros andere Bands. Wie kam es zu dem Cover ‚Set The Fire To The Third Bar‘ von Snow Patrol? Konntet Ihr ihn Euch aussuchen und wenn ja, warum dieser Song?

N: Wir hatten die Ehre für Daisy Digital und das CoppaFeel’s Christmas Album neben Künstlern wie Newton Faulkner, Rae Morris und Lucy Rose einen Song aufnehmen zu dürfen. Wir hatten uns für den Song von Snow Patrol entschieden da er ein absoluter Juwel ist und einer meiner Lieblingssongs darüberhinaus. Kitty und ich hatten damals den Song eingesungen, was wunderbar funktionierte. Dann fügten wir noch kleine Verzögerungen ein und Max’s Gitarrenspiel und fertig war die nach-einem-‚Nathan Ball Song‘-klingende-Coverversion.

 

SOML: Welche Songs anderer Bands hört Ihr im Tourbus oder um mal eine Pause während der Aufnahmen einzulegen?

N: Was immer geht sind die Alben von The War On Drugs, Foals, Daughter and Matthew and the Atlas. Natürlich darf auch Van Morrisson nicht fehlen. Letztens fand ich eine alte Vinyl von Simon & Garfunkel auf der ‚The Boxer‘ drauf ist. Die läuft gerade bei mir in einer Endlosschleife.

 

SOML: Am 24. November habt Ihr die EP ‚Echo‘ veröffentlicht die drei Songs enthält. Wie kam es zu dem Song ‚Echo‘, dem Sound und der Idee des Frauenparts?

N: Es scheint, als würde sie ganz gut angenommen werden. Die Musikseite The Line of Best Fit wählte ‚Echo‘ zum Song des Tages, was wirklich total krass für uns war. Will produzierte den Song und wir arbeiteten einige Tage an ‚Echo‘ in seinem Studio. Es war also wunderbar zu sehen, dass die Leute endlich etwas von uns zurückbekamen, sind sie doch stets so gut zu uns. Hoffentlich gefällt ihnen der Song!

SOML: Nathan, Du postest viele Bilder von der Küste, von Klippen und vom Wasser – der rauen See. Ich selber fahre, wenn ich nach Irland fliege, immer wieder auf die Insel Achille Island an den Strand Keem Bay und steige auf die Berge und Klippen die dort 200 bis 650 Meter hoch sind. Dieser Blick löst einen völlig von der heutigen Welt. Wie wirkt sich die See und das raue Land auf Dich aus?

N: Du hast es auf den Punkt gebracht. Es ist das Fliehen aus der hektischen Welt, die Dich völlig ohne Grund verrückt macht. Das Gefühl der totalen Überwältigung wenn man in der Natur und auf den Klippen steht und auf die stürmische See blickt. Das ist es was ich liebe. Dieses Gefühl, dass man dort bekommt, kann man nicht steuern, es überkommt einen einfach und das ist wahnsinnig inspirierend. Es ist so einfach in London von unwichtigen Dingen abgelenkt zu werden aber wenn Du an das Meer fährst, spürst Du mit jedem Meter wie eine Last von Dir abfällt. Ich fliege bald nach Frankreich um für unsere nächste EP ein Video mit einem guten Freund, Chris Nemes, aufzunehmen. Wir haben vor die raue See in dem Video festzuhalten und wollen versuchen unseren Fans das Gefühl zu übermitteln, das als Inspiration für unsere Lieder dient.

 

SOML: Ihr seid 2014 auf unzähligen Festivals aufgetreten und habt mindestens ebenso viele Konzerte gegeben. Das ‚Barn On The Farm Festival‘ hatte neben Euch 2014 auch Acts wie Hozier, Luke Sital-Singh, Dan Croll, James Bay und Catfish & The Bottleman im Line-Up. All diese Bands und Künstler haben in den letzten Monaten ihren Durchbruch geschafft. Wie sieht bei Euch die Zukunft aus?

N: Barn on the Farm ist ein so grandioses Festival, der Veranstalter Josh Sanger ist eine absolute Legende. Barn on the Farm hat in den letzten Jahren ein so fabelhaftes Line-Up gehabt, da ist es eine Ehre mit Acts wie Hozier, und James Bay auf einem Plakat zu stehen. Wir stehen noch ganz am Anfang und finden uns gerade was unsere Livequalitäten angeht. Wir fiebern also schon sehnsüchtig der Festivalsaison 2015 entgegen, wo wir unseren Sound präsentieren können. Wie bereits erwähnt sind Will und ich gerade wieder im Studio um an unserer nächsten EP zu arbeiten, welche im April erscheinen soll. Wir spielen in ein paar Tagen (am 17. Februar) auch noch eine Show im Ronnie Scott und am 8. April im Sebright Arms die beide in London sind und dann geht es auch noch auf eine Alpentour. Du siehst, es wird in den nächsten Wochen also einige Termine geben und wir werden viel Spaß haben.

 

SOML: Wie kam es dazu, dass Ihr als Support-Act von Alt-J und Gabrielle Aplin auftreten durftet?

N: An der Uni in Exeter, auf die ich ging, organisiert eine gute Freundin immer Musiknächste. Eine der Bands waren Alt-J, kurz bevor sie mit dem Song ‚Tesselate‘ durch die Decke gingen. So fragte mich meine Freundin damals, ob ich Lust hätte als Supportact von Alt-J zu spielen. Das war so surreal, da standen die Jungs und spielten vor 180 Leuten und kurz danach entdeckte sie ganz Großbritannien und sie veröffentlichten ihr fantastisches Album. Bei Gabrielle Aplin war es so, dass mich die Modemarke Jack Wills für einen Auftritt gebucht hatte auf dem auch Gabrielle sowie Emily and the Woods und Frank Hamilton auftraten. Das war ein Spaß!

 

SOML: Ich habe in einem Studentenmagazin gelesen, dass Du deutschen Techno magst. Wenn das wahr ist, kannst Du uns ein paar DJ’s und Namen Deiner Favoriten sagen?

N: Oh ja! Ich liebe deutschen Techno. Speziell die Acts vom Plattenlabel Innervisions wie die Berliner DJ‘s Âme, Dixon oder Henrik Schwarz sind einfach fantastisch. Ihre Sets sind so ausgeklügelt und schwanken immer zwischen melancholischen und euphorischen Momenten. Ich versuche mir daraus Inspiration für meine eigene Arbeit zu ziehen.

 

SOML: Weißt Du um Deinen musizierenden Zwilling Nathan Ball aus Wookey Hole und wie oft hörst Du von Leuten, dass sie auf der Homepage des anderen Nathan gelandet sind?

N: Pah! Klar, das ist aber auch ganz schön nervig. Wir haben das erst vor kurzem mitbekommen und auch, dass Fans wohl oft irritiert sind, wenn sie auf der falschen Homepage landen. Ich habe allerdings auch schon das ein oder andere Mal, bei einem Interview, vom Reporter Fragen gestellt bekommen, die gar nichts mit mir zu tun hatten, da der Reporter sich vorab Informationen von der Homepage des falschen Nathan Balls geholt hat. Das ist dann immer sehr amüsant. Aber hey, er scheint ein netter Kerl zu sein. Doch ich hoffe, dass es nicht für all zu viele Probleme sorgen wird.

 

SOML: Sind 2015 Shows in Europa und Deutschland geplant?

N: Natürlich! Wie schon erwähnt werden wir Ende März unsere Alpentour in Morzine starten. Es gibt auch schon Gespräche mit Veranstaltern in Deutschland und Paris. Hier würden wir natürlich sehr gerne live spielen. Also drückt uns die Daumen, wenn es klappt sehen wir uns vielleicht schon im April.

 

SOML: Gibt es schon konkrete Pläne für ein Album und wenn ja, wann wollt ihr es veröffentlichen?

N: Natürlich gibt es Pläne für ein Album, doch arbeiten wir aktuell nicht konkret daran. Wir gehen das langsam an und schreiben gerade Songs ohne uns selbst unter Druck zu setzen. Das genieße ich gerade und momentan sieht es wohl danach aus, dass wir erst einmal ein paar EP’s veröffentlichen werden bevor es soweit ist an einem Album zu arbeiten.

Nathan Balls EP ‚Echo‘ ist hier zu finden

iTunes: Nathan Ball – Echo EP
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