First Aid Kit – Mit Chorgesang und Folk zum Erfolg

Es ist dieser Chorgesang, der uns bei First Aid Kit so fasziniert. Ist ihre Mischung aus Folk und Country gerade in Europa doch nicht all zu weit verbreitet, klingen die beiden schwedischen Schwestern Klara und Johanna Söderberg gleichzeitig jedoch nicht nach dem Country der amerikanischen Südstaaten, sondern kommen dem Pop sehr entgegen. Mit My Silver Lining wurde das Duo in den letzten drei Jahren zu einer der absolut gehyptesten Bands im Folk. Was schließlich in einer ausgedehnten Welttournee und anschließend ganz viel Zeit abseits der Medien endete. Des ganzen Rummels etwas überdrüssig brauchten First Aid Kit lange vier Jahre, um nun im Januar 2018 ihr viertes Album Ruins zu veröffentlichen. Mit der ersten Singleauskopplung It’s A Shame haben First Aid Kit gleich mal mit den Befürchtungen aufgeräumt, ihr neues Album könnte sich noch mehr dem Pop annähern. It’s A Shame ist so viel Country, wie Folk, so viel Pop, wie 80er-Jahre-Synthie. Tatsächlich spielen die Söderberg-Schwestern mit den verschiedensten Instrumenten und verbinden alle zu einem so passenden Folksong, dass man gar nicht anders kann, als sich auf die Rückkehr des Duos zu freuen. Musikalisch sind sie mit It’s A Shame zumindest nie besser gewesen.

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Fever Ray – Ein Alias der Kreativität

Es gibt viele Wege, diese Stimme vorzustellen. Karin Dreijer Andersson, Fever Ray, eine Hälfte von The Knife oder Karin Elisabeth Dreijer. Alle führen zur selben Person – denn die schwedische Sängerin ist unter all diesen Namen aktiv. Und selbst hier könnte man die Liste noch verlängern, so hat Dreijer unter anderem bei Songs von Röyksopp und Deus mitgewirkt. Immer gleich bliebt allerdings Dreijers markante, einzigartige Stimme. Diese changiert irgendwo zwischen fernöstlichem Klang und südenglischem Akzent. Mit Fever Ray hatte Dreijer bereits Anfang 2009 ein Album veröffentlicht, das durch dunklen Elektro-Pop auffiel. Dies sollte für Jahre das einzige Album unter diesem Namen bleiben. Doch als sich die Geschwister Dreijer – das Duo The Knife bestand aus Karin und ihrem Bruder Olof Dreijer – schließlich 2014 für eine Auflösung der Band entschieden, wurde wieder Platz für längst vergangene Projekte. Und so gab es vor einigen Tagen die überraschende Veröffentlichung eines zweiten Albums unter dem Alias Fever Ray. Die Zeit zwischen beiden Alben sollte nicht unbemerkt am Sound Fever Rays vorbeigehen. So ist ihr nun veröffentlichtes Album Plunge deutlich mehr von Synthesizern geprägt und hat mehr verfrickelte Nuancen zu bieten. Auch klingt Dreijer stimmlich weicher und präsenter denn je. Die erste Singleauskopplung To The Moon And Back hört sich daher deutlich poppiger und froher an, als man es von Fever Ray bisher gewohnt war. Wagt sich Dreijer musikalisch eh stets mehr als andere Künstler, wird auf To The Moon And Back deutlich, wie weit sich die Sängerin zwischen Pop, Indie und Elektro austobt. Dabei klingt To the Moon And Back modern, schnell und immer auch mit einem Hang nach einem Überhitzen der Synthesizer an – und somit wiederum typisch nach Karin Dreier Andersson.

Franz Ferdinand – Sie blasen uns weg!

Franz Ferdinand sind eine Institution der 2000er Indie-Bewegung. Mit ihrem wegweisenden, 2004 veröffentlichten, Take Me Out wurden sie über Nacht zu Stars der britischen Musikszene. Es folgten teils sehr am Pop orientierte, als auch ambitionierter Artrock Stücke, wie auf dem Album der – als Supergroup aus Franz Ferdinand und Sparks formierten – Band FFS. Jetzt haben Franz Ferdinand, ohne Gründungsmitglied Nick McCarthy, dafür aber mit den beiden neuen Bandmitglieder Dino Bardot und Julian Corrie mit Always Ascending nach fünf Jahren ein neue Album angekündigt – klammert man die Supergroup-Veröfentlichung von FFS einmal aus – und katapultiert dessen gleichnamige, erste Single uns direkt in die Mitte der 2000r zurück. Mit einem hypnotischen Klavierspiel und Alex Kapranos‘ Stimme beginnend, entwickelt sich Always Ascending zu einem stampfenden Indie-Monster. Hierbei gibt das Intro Referenzen an Songs von Queen preis und wird durch einen kurzen elektronischen Bruch getrennt, zu einem klassischen Franz Ferdinand Song, der somit einmal mehr tanz-, wie ausrastbar ist. Immer dabei auch der eingängige Refrain, der zum mitsingen animiert und eine Ohrwurmgarantie bedeutet. In London und Paris produziert, hatten sowohl Philippe Zdar, eine Hälfte des französischen Duos Cassius, als auch deren Landsmänner von Phoenix ihre Hände mit im Spiel. Diese Frische arbeitet sich regelrecht durch Always Ascending und bringt Franz Ferdinand ganz groß zurück auf die Spiel- und Tanzflächen.

Flume – Der globale Sound in Perfektion

Flume feat. KUČKA – Hyperreal

Es braucht einen wallenden Beat, einen Gesangspart – möglichst weiblich und einen guten Rhythmus – und fertig ist der internationale Hit?! Sicherlich – mit dieser Rezeptur gibt es nicht wenige erfolgreiche Künstler, allerdings passt in diese Kerbe ein Künstler wie der Australier Flume bestimmt nicht. Besitzen seine Songs doch eine Tiefe, die durch schwere Bässe und einen tiefen elektronischen Beat erzeugt werden, den man auf den Instant-Hits vergeblich sucht. Mit seinen ersten beiden Alben Flume und Skin hat er in den letzten Jahren so ziemlich alle Kritiker begeistert und für Skin gar eine Grammy-Auszeichnung für das Best Dance/Electronic Album 2017 erhalten. Zusätzlich war die darauf enthaltene Single Never Be Like You (feat. Kai) als Best Dance Recording nominiert. Nun ist Flume mit einem neuen Song zurück und zeigt, wie weit er der elektronischen Musik voraus ist. Mit modernen Elementen, die ihren Weg aus den House-Clubs der Welt schaffen und einer markanten Stimme der australischen Sängerin Laura Jane Lowther alias KUČKA, hebt sich Flume ein weiteres mal von seiner Zunft ab. Hyperreal erinnert dabei ein wenig an Songs vom britischen Duo AlunaGeorge, ist dabei allerdings ausgefeilter und weniger verspielt. Flumes kontinuierlicher Output an Musik und Remixen ist schier unendlich und tut den eigenen Songs hierbei überhaupt keinen Abbruch – was nicht selten bei anderen Künstlern der Fall ist. Damit ist Hyperreal der nächste große Wurf Flumes und wird ab sofort die Clubs weltweit beherrschen – und heute auch unsere Freitag Nacht.

Kraftklub – Der musikalische Mittelfinger

Kraftklub – Fenster

Nach ihrem opulenten Teaser Dein Lied, welchen Kraftklub vor einigen Wochen veröffentlichten, war die Stimmung unter den Fans gereizt. Da motzten sich Hater und loyale Fans in Foren an und schieden sich die Geister an der „neuen“ Kraftklub-Ausrichtung. Dass Dein Lied allerdings nur ein, vielleicht auch, irreführender Vorbote, des kommenden Albums Keine Nacht für Niemand war, zeigt die nun veröffentlichte, erste Single daraus. Auf Fenster besingen Kraftklub die Sorte von Bürgern, die unlängst als Wutbürger den politischen Knock-out verkünden. Als Reaktion auf diese politische Strömung zeigen Kraftklub im Video, mehr als deutlich, was sie von diesem Schlag halten und geben ihnen auch gleich mit auf dem Weg, was diese Menschen tun sollten. Dass es hierbei nicht gerade sanft zugeht, liegt in der Natur Kraftklubs – waren sie doch noch nie für sanfte Töne bekannt. Dabei hört sich Fenster musikalisch an, wie zu frischesten Zeiten der Band 2012. Doch das heißt nicht, dass Kraftklub etwa lange schon nicht mehr frisch sind. Mit schnellen Gitarren und drängendem Gesang springt Felix über die Akkorde und lässt bissig Textzeilen ab, wie: Du kannst was erreichen. Trag auch du zu etwas bei. Spring aus dem Fenster – für mich. Am Ende kommt gar die Stimme des Die Ärzte Frontsängers Farin Urlaubs zum Zuge und zeigt, dass Kraftklub und Die Ärzte vieles gemein haben. Fenster ist Kraftklub und Kraftklub sind bissig wie nie.

Feist – Ein Stimme namens Feist

Feist – Pleasure

Sie ist so klar und betörend, rastlos und genügsam zugleich. Sechs Jahre nach ihrem letzten Album Metals, kommt am 28. April das fünfte Album der kanadischen Sängerin raus. Pleasure ist dabei nicht nur der Name des Albums, sondern auch gleichzeitig der, der ersten Single. Diese begeistert mit Feists klarer Stimme, deutlichen Rockanleihen und hier und da sogar Referenzen an die Riot Grrrl Szene. Klingt Feist sowohl exzentrisch und fast schon hysterisch, werden die Gitarren immer lauter und enden in einem Aufschrei. Die stille Zeit der Leslie Feist gehört der Vergangenheit an. Die Kanadierin möchte laut sein, spielen und sich bewegen. Da ist auf der ersten Single des neuen Albums keine Sekunde lang Platz für Romantik. Diese hatte sie noch auf Let It Die und The Reminder deutlich in den Vordergrund gestellt. Nun ist es also Zeit für die lauten Töne und wir können bestätigen, dass es der 41 jährigen Sängerin steht.

Calvin Harris – Smoother Sunset Sound

Calvin Harris feat. Frank Ocean & Migos – Slide

Calvin Harris überrascht in Folge. Hatte er bereits mit My Way wieder selbst zum Mikrofon gegriffen, zeigt Harris auf seiner neuen Single, dass er auch vor einer Veränderung seines Sounds nicht zurückschreckt. Nun kommt mit Slide eine weitere Single raus, die nicht nur überzeugt, sondern auch ein nahendes, fünftes Album erwarten lässt. Dabei ist Slides der perfekte Song für Calvin Harris, um aus dem Eurodance der letzten Jahre auszubrechen. Bleibt Slides zwar immer noch unverkennbar elektronisch und klingt nach Calvin Harris, hat der Song zeitgleich einen Tropical House Beat und wirkt mit Frank Oceans und Migos‘ Gesang deutlich lockerer. Hier kommen Assoziationen zu Songs wie Fergies Glamorous oder John Legends P.D.A. (We Just Don’t Care) auf, die genau diesen Vibe des locker luftigen Frühlings versprühen, den es heißt draußen zu genießen und unbeschwert zu leben. Dieses Gefühl passt zu Slides und zeigt, dass Harris noch lange nicht eingerostet ist. Wir wären dann für den Frühling bereit!

Fleet Foxes – Die Helden des Indie-Folks sind zurück

Fleet Foxes – Crack Up

6 Jahre! In Worten – sechs Jahre(!) ist es her, dass die amerikanische Indie-Folk Band Fleet Foxes Musik veröffentlicht hat. Es ist fast unglaublich, sind doch Songs wie Mykonos und Grown Ocean auch heute noch ständige Begleiter und lassen den zeitweiligen Split der Gruppe wie nie dagewesen erscheinen. Diese lange Zeit muss umgehend beendet werden, dachten sich die fünf, aus Seattle kommenden, Künstler. Und was macht man, wenn man so lange Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit stand?! Man veröffentlicht als erste Single, ihres im Juni erscheinenden, dritten Albums Crack Up, ein knapp neunminütiges Lyric Video mit der Songs Third Of May/Ōdaigahara. Dieser Doppelsong beginnt mit einem klassischen Fleet Foxes Sound, der aus Mandolinen, Gitarren, Schlagzeug und Flöten besteht und natürlich dem 60’s angehauchten Gesang des Frontsängers Robin Recknold. Überhaupt, klingt Third Of May wie ein Original der 60er Jahre und der Flower Power Zeit. Hinzu kommt, dass Ōdaigahara ganz bewusst als Bruch der ersten Minuten benutzt wird und somit Fleet Foxes‘ Universum des Indie-Folks zeigt. Fleet Foxes machen mit Third Of May/Ōdaigahara klar, dass Unaufgeregtheit und aufrichtiges Songwriting immer noch geschätzt werden und die Fans Schlange dafür stehen.

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

01. Blondie – Fun

02. Alma – Dye My Hair

03. Rihanna – Love On The Brain

04. Philipp Poisel – Zum Ersten Mal Nintendo

05. Giant Rooks – New Estate

06. Claire – End Up Here

07. EMMA6 – Kapitulieren

08. Fenech-Soler – Conversation

09. Missy Elliott feat. Lamb – I’m Better

10. Arcade Fire – I Give You Power

11. Seafret – Blank You Out

12. Ed Sheeran – Castle On The Hill

13. Kiesza – Dearly Beloved

14. Maxïmo Park – Risk To Exist

15. London Grammar – Big Picture

16. Satellite Stories – Confetti

17. Tokio Hotel – What If

18. Goldfrapp – Anymore

19. Gorillaz feat. Benjamin Clementine – Hallelujah Money

20. Snakehips feat. MØ – Don’t Leave

21. Bonaparte – White Noize

The Best Of 2017 Vol.: 01

The Best Of 2017 Vol.: 01

The Best Of 2017 Vol.: 01

 
01. Honne – Good Together

02. The Irrepressibles – In This Shirt

03. Nelly Furtado – Pipe Dreams

04. Wilkinson feat. Karen Harding – Sweet Lies

05. Vessels feat. Anna Of The North – Had A Love

06. London Grammar – Rooting For You

07. She & Him – Winter Wonderland

08. Amy MacDonald – Dream On

09. Jon Bellion – All Time Low

10. Alice Merton – No Roots

11. Lea Porcelain – Similar Familiar

12. Kakkmaddafakka – Lilac

13. Møme vs. Midnight To Monaco – Alive

14. Fenech-Soler – Show Me Love

15. Palace – Break The Silence

16. Jonah – Deep Deep Blue

17. Tokio Hotel – Something New

18. Vianney – Je m’en vais

19. Vaults – One Day I’ll Fly Away