Everything Everything – Verquerer Indie-Sound

Everything Everything – Can’t Do

Art-Pop beschreibt das Indie-Rock Quartett Everything Everything wohl am besten. Sind ihre Songs doch so speziell, dass man immer wieder zwischen Popkultur und einem eloquenten Kunstwerk pendelt – niemals ganz sicher, was man hier gerade vorgesetzt bekommen hat. Mit Songs wie Regret, Distant Past und Cough Cough beweisen sie immer wieder aufs Neue, dass sie sich nur schwer auf ein Genre festlegen können. Da hört man opernhafte Songparts genauso wie Synthies, Gitarren und Schlagzeug. Nicht zu überhören ist dabei der wunderbar, changierende Gesang von Frontsänger Jonathan Higgs und Background-Sänger Jeremy Pritchards – die sich mal mit Kopfstimme, mal rappend durch ihren neuen Song Can’t Do arbeiten. Dabei ist Can’t Do gleichzeitig noch elektronischer geworden und lässt die Band total verrückt spielen. Einmal mehr liefern Everything Everything damit eine Indie-Hymne ab, die sich durch den Sommer ziehen wird. Auch nicht verpassen solltet Ihr das dazugehörige Video, dass Everything Everythings Art-Pop noch ein deutliches Ausrufezeichen dransetzt.

Advertisements

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

01. Blondie – Fun

02. Alma – Dye My Hair

03. Rihanna – Love On The Brain

04. Philipp Poisel – Zum Ersten Mal Nintendo

05. Giant Rooks – New Estate

06. Claire – End Up Here

07. EMMA6 – Kapitulieren

08. Fenech-Soler – Conversation

09. Missy Elliott feat. Lamb – I’m Better

10. Arcade Fire – I Give You Power

11. Seafret – Blank You Out

12. Ed Sheeran – Castle On The Hill

13. Kiesza – Dearly Beloved

14. Maxïmo Park – Risk To Exist

15. London Grammar – Big Picture

16. Satellite Stories – Confetti

17. Tokio Hotel – What If

18. Goldfrapp – Anymore

19. Gorillaz feat. Benjamin Clementine – Hallelujah Money

20. Snakehips feat. MØ – Don’t Leave

21. Bonaparte – White Noize

Elbow – Rock in der friedlichsten Form

Elbow - Gentle Storm

Elbow – Gentle Storm

Elbow sind keine gewöhnliche Band. Gibt es das Quartett bereits seit 20 Jahren, haben sie mit ihren bisher veröffentlichten sechs Alben stetig den Erfolg ausbauen können. Schließlich landete ihr letztes Album The Take Off and Landing of Everything (2014) sogar erstmals auf Platz 1 der britischen Albumcharts. Nur ein Jahr später, brachte Frontsänger Guy Edward John Garvey sein erstes und bisher einziges Soloalbum Courting the Squall raus. Wurde dieses Album von den Kritikern durchweg voll des Lobes aufgenommen, stand Elbow seit jeher bei den Musikjournalisten hoch im Kurs. Überzeugte doch nicht nur der Sound, sondern auch Garveys Songwriting und gewannen sie damit gleich zwei mal den renommierten Ivor Novello Award für das beste Songwriting. Nun haben sie mit Little Fictions Album Nummer sieben und gleich auch eine weitere Single veröffentlicht. Diese überrascht mit einem noch geradlinigeren und zurückhaltenden Sound. Dabei ist Gentle Storm so unglaublich warm und reich an Gefühl, wie es wohl nur durch Garveys Stimme sein könnte. Begleitet wird der Sänger von einem stetigen Schlagzeug und einem Klavier, das konträr zur Geschwindigkeit des Songs erklingt. Gentle Storm ist zum schwelgen, träumen und fallen lassen und lässt das Gefühl von Geborgenheit aufkommen.

EMMA6 – Beim Kapitulieren alles richtig gemacht

EMMA6 - Kapitulieren

EMMA6 – Kapitulieren

Wenn in Deutschland von Deutschpop gesprochen wird, hat dieser Begriff immer noch ein leicht verstaubtes Image. Denkt man allerdings an Bands wie Wir Sind Helden, wird auch klar, wie unterschiedlich Deutschpop klingen kann. Im Falle der Nordrhein-Westfälischen Band EMMA6 gilt dieses Beispiel einmal mehr. So hat die dreiköpfige Band mit Soundtrack für dieses Jahr und Passen bereits zwei Alben veröffentlicht und kündigt nun mit der Leadsingle Kapitulieren ihr drittes Album an. Dabei lässt sich Kapitulieren stimmlich bei dem ehemaligen Jupiter Jones Frontsänger Nicholas Müller und musikalisch bei Songs wie Alles von Wir sind Helden einordnen. So klingt Sänger Peter Trevisans Stimme unglaublich warm und herzlich. Mit dem dazugehören Gitarren- und Schlagzeugspiel wirkt Kapitulieren melancholisch und nachdenklich. Diese Mischung lässt Kapitulieren zu einem Referenzsong für EMMA6 werden und findet hoffentlich schnell den Weg in die Radiostationen.

Ed Sheeran – je größer, desto besser

Ed Sheeran - Castle On The Hill

Ed Sheeran – Castle On The Hill

Manchmal vergeht die Zeit doch viel zu schnell. Schaut man sich an, dass Ed Sheerans zweites Album X bereits vor drei Jahren erschienen ist, wundert es nicht, dass viele Fans des britischen Sängers mit den Worten ..endlich.., auf seine nun veröffentlichten Songs reagieren. War das Debütalbum + (2011), ein Überraschungserfolg und mauserte sich zu einem internationalen Hitalbum, kam mit dem Album X (2014) der weltweite Aufstieg zu einem der erfolgreichsten Künstler. Nun hat Sheeran die ersten beiden Songs, seines dritten Studioalbums ÷ veröffentlicht und bedient damit gleich zwei Arten von Fans. Shape Of You wird den Fans des ersten Albums mehr gefallen, lebt der Song doch von einem Dancehall und Tropical House beeinflussten Sound und hat damit wieder mehr Vielfalt als noch zuletzt zu hören war. Der zweite Song, den Sheeran veröffentlicht hat, heißt Castle On The Hill und ist in Manier Coldplays und Indie-Rock Bands produziert. So folgt auf einen schnellen Beat, der euphorische Gesang Sheerans, der sich bis zum Ende zu einem Ausbruch aufbaut. Mit einsetzen des Refrains hebt Scheeran dann gänzlich ab und liefert eine astreine Stadionhymne ab. Diese Konstellation aus zwei so grundverschiedenen Songs zeigt, worauf sich die Fans freuen dürfen – nicht weniger als auf ein abwechslungsreiches, großes Album Nummer drei.

Liam X – Unterschwellige Anklage

Liam X feat. Egon Holz - Herbst

Liam X feat. Egon Holz – Herbst

Wenn ein Plattenlabel einen Künstler als Mischung aus SOHN und Woodkid ankündigt, sollte der Künstler mit diesem Druck klarkommen. Denn beide Acts stehen für ungewöhnliche und freigeistige Musik. Im Falle des Wahlberliner Liam X kann von Druck keine Rede sein, produziert er doch Songs, die auch von Chet Faker stammen könnten. Mit seinem dunklen Dub-Step und deutschen Texten hatte Liam X bereits vor gut einem Jahr für Aufmerksamkeit gesorgt. Hatte er doch den Song Teil Von Mir veröffentlicht. Nun kommt er mit seinem neuen Song Herbst zurück und kündigt gleichzeitig für das Frühjahr 2017 sein Debütalbum an. Auf Herbst thematisiert er den aktuellen Rechtsruck der Gesellschaft und zieht Parallelen zum zweiten Weltkrieg. Mit dabei ist OK KID Frontsänger Jonas Schubert, der als Egon Holz mit seiner Reibeisenstimme wie Casper klingt. Was Liam X macht ist tatsächlich Kunst. Nicht Pop, nicht berechenbar. Seine Songs sind modern, international und experimentell. Damit wird das Debütalbum nicht nur richtungsweisend für die deutsche Popkultur sein, sondern auch eines der wichtigsten Alben 2017 werden. Ob Liam X diesem Druck gewachsen ist, stellt sich bei Songs wie Herbst gar nicht erst.

Emiliana Torrini – die Sympathie in Persona

The Colorist & Emiliana Torrini - When We Dance

The Colorist & Emiliana Torrini – When We Dance

Mit ihrem Jungle Drum ist die sympathische Isländerin auch sieben Jahre nach Veröffentlichung ganz Deutschland noch ein Begriff. Diese Unbeschwertheit und der hypnotisierende, fröhliche Beat ließen Torrini bis auf Platz 1 der deutschen Singlecharts steigen. War dieser Song für die Einen ein absoluter Hit, wurde er zum Nervsong des Sommer 2009 für Andere. Doch hört man sich Torrinis Alben einmal genau an, wird man feststellen, dass Jungle Drum eine extreme Ausnahme auf ihren Alben darstellt. Vielmehr sind es Torrinis intime, ruhige und positiv-melancholische Songs, die ihre Diskografie ausmachen. Nun ist es schon wieder dreieinhalb Jahre her, dass Torrini mit Tookah ein Studioalbum veröffentlichte und seitdem ist viel passiert. Hatte sie noch vor der Veröffentlichung des Albums Tookah (2013) im Jahr 2011 ein Kind bekommen, trennte sie sich 2014 von ihrer kompletten Band und reiste um die Welt. Sie selbst wollte sich damit komplett öffnen und jeglichen Einfluss zulassen. Daraus entstanden ist die Zusammenarbeit mit dem belgischen Duo The Colorist Orchestra, welches dafür bekannt ist, Songs gestandener Musikgrößen neu zu interpretieren und in ein klassisches Gewandt zu hüllen. Im Falle Torrinis ist so ein komplettes Livealbum entstanden, das zwei neue Songs beinhaltet. Einen davon – When We Dance – wurde nun als Single veröffentlicht und zeigt einmal mehr, dass Torrini in der ruhigen Musik deutlich stärker wirkt als auf Uptempo-Nummern. Mit einer fragilen Songstruktur fängt When We Dance an zu wachsen und wird immer wieder von einem so unglaublich anziehenden Satz durchbrochen, den Torrinis Sohn bei den Aufnahmen des Songs sagte. When we dance together our mind shines. Den grammatikalisch nicht ganz korrekten Satz beließ Torrini dann auch so, um die Unbedarftheit ihres Sohnes einzufangen. When We Dance ist so Emiliana Torrini, dass man sich vorkommt, als würde eine beste Freundin zu einem sprechen.

Kungs – Soul-House führt zum Erfolg

Kungs feat. Ephemerals- I Feel So Bad

Kungs feat. Ephemerals- I Feel So Bad

Kungs hatte bereits mit seinen ersten beiden Singles This Girl und Don’t You Know international abgeräumt. Nun kommt seine dritte Single auf den Markt und überzeugt erneut mit einem eingängigen House-Beat der durch Trompeten und Gitarren unverwechselbar nach Kungs klingt. Genau diese Mischung machte ihn in den vergangenen 12 Monaten so unglaublich erfolgreich. Weg ist der Sound der ewig gleichen David Guetta und Avicii Produktionen. Gut ist, was frisch und lebendig klingt. Kungs macht Musik, die zum tanzen und Spaß haben animiert. Mit der aktuellen Single I Feel So Bad hat sich der französische DJ wohl durch Tarantino-Sounds inspirieren lassen. So gibt es wieder viele Gitarren, viele Trompeten und stampfende Beats. Dazu singt und musiziert die Soul-Band Ephemerals aus London, die mit ihrem Retro-Sound genau den Nerv treffen. Zusammen machen Kungs und Ephemerals auf I Feel So Bad alles richtig, um ein Stück Pop zu manifestieren. Darum, auf in den Club und stampfend tanzen!

Endlich August – Sympatische Großstadthymne

Endlich August - Das ist Berlin

Endlich August – Das ist Berlin

Einen ganz großen Coup – den hat wohl die Berliner Morgenpost gelandet. Denn für den Launch ihrer Tabloit-Ausgabe haben sie einfach mal einen satten Berlin-Song produzieren lassen. Und der kann sich sehen und hören lassen. Denn mit im Boot ist unter anderem die langjährige Partner-Werbeagentur der Berliner Morgenpost, Römer Wildberger, der Musikvideo-Produzent David Mohn, der für Musikvideos von den Beginnern, Boy, Sammy Deluxe oder Frittenbude verantwortlich ist. Als Sänger wurde der Berliner Nico Rebscher mit ins Boot geholt, der neben seiner Band Lauter Leben auch als Songwriter aktiv ist. Nun sind diese Profis also zu einem Projekt zusammengekommen und nennen sich Endlich August. Vom Sound her, orientiert sich, der daraus entstandenen Song Das ist Berlin am aktuellen Deutsch-Pop und sorgt mit einem hymnenhaften Refrain für ganz viel Spaß. Das dazugehörige Video zeigt die Gegensätze dieser Stadt sympathisch, sowie auch mit einer wahrhaftig, überspitzten Sicht der Dinge. Getreu des Songtextes „… das ist Berlin, Berlin Berlin“

Empire Of The Sun – Durch Höhen und Tiefen

Empire Of The Sun - Two Vines

Empire Of The Sun – Two Vines

2008 mit einem grandiosen ersten Album, Walking On A Dream, gestartet, brauchte das australische Duo fünf Jahre um den Nachfolger, Ice On The Dune – das hinter allen Erwartungen zurückblieb, 2013 zu veröffentlichen. Ganz so lange brauchen wir auf das dritte Album nicht zu warten. Steht doch der 28. Oktober 2016 als Veröffentlichungstermin von Two Vines fest. Mit High & Low haben Luke Steele und Nick Littlemore nun die erste Single veröffentlicht. Und – was soll man sagen – liegen goldrichtig mit diesem Song. So singen sie von dem Gefühl langer Nächte im Sommer, nicht enden wollender Partys und dem Gefühl einfach mal alles zu genießen. Und genau dieses Gefühl kann man auch in jedem einzelnen Song Empire Of The Suns wiederfinden. Nicht fehlen darf natürlich ein sommerlich, treibender Beat und Luke Steele’s hallende Stimme. So startet der Song erst noch ruhig um dann nach einer Minute in eine euphorischen Klangexplosion überzugehen. So machen Empire Of The Sun alles wieder gut, was ihr zweites Album vermissen lassen hat.

Empire Of The Sun - High & Low

Empire Of The Sun – High & Low