Declan J Donovan – berührend, beruhigender Pop

Gerade einmal 20 Jahre alt geworden, hat der Brite Declan J Donovan mit Fallen So Young bereits einen Song in seiner Diskographie, der über anderthalb Millionen Streams vorweisen kann. Dabei singt er so intim, wie sensibel. Dies alles ist nun knapp drei Jahre her und bei dem, aus Essex kommenden, Sänger ist seitdem viel passiert. Mit einem Plattenvertrag im Gepäck hat Donovan mit Better eine neue Single veröffentlicht, die so gelassen und charmant klingt und gleichzeitig berührt und kräftig ist. Dabei bewegt sich Donovan im gleichen musikalischen Bereich, wie die Iren von Kodaline. Mit über 10 Millionen Streams auf Spotify ist er damit einer der Künstler, die es 2018 ein Auge drauf zu werfen gilt. Mit Better könnten wir nicht besser angeteasert werden um uns dem wohlig warmen Gefühl Donovans hinzugeben.

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David Byrne – Ein Held macht diplomatisch Politik

Die Überschriften sind groß. Er ist zurück, Comeback nach 14 Jahren, Erste Soloplatte seit 2014ließt man heute überall. Dass große Headlines bei niemanden geringeren als David Byrne angebracht sind, steht indes außer Frage. War er von 1977 bis 1991 Sänger der Talking Heads, hat er in dieser Zeit die Popkultur, mit Songs wie Burning Down The House, Once In A Lifetime oder Road To Nowhere geprägt. Hier stand er und seine Band wie nur wenige Andere für das Verschmelzen von den Siebzigern und Achtzigern und hat musikalische Grenzen aufgesprengt. Doch auch nach dem Ende der Talking Heads wurde es um Byrne nicht still. So hat er mit Künstlern wie Philip Glass, X-Press 2, Paul Van Dyk, Arcade Fire oder De La Soul ein wunderbares Potpourri aus den verschiedensten Musikgenres in seiner Diskografie angehäuft. Zwischenzeitlich sogar Alben mit St. Vincent und seinem langjährigen Produzentenfreund Brian Eno veröffentlicht, hat Byrne nun für den 9. März 2018 mit American Utopia ein neues Album angekündigt. Die erste Single daraus, wurde zusammen mit Brian Eno und Sampha produziert. Everybody’s Coming To My House heißt der erste Vorgeschmack des Albums, welches sehr diplomatisch Politik betreibt. Anders, als seine Kollegen von Arcade Fire, Moby oder den Gorillaz, hält sich Byrne mit direkter Kritik gegen bestimmte Personen zurück. Vielmehr fängt er die Stimmung auf den Straßen und stellt die Frage We look around and we ask ourselves—well, does it have to be like this? Is there another way? These songs are about that looking and that asking. Dabei klingt Byrne verspielt, groovig und gleichzeitig kantig. Sein Art-Pop hält die Erinnerung an David Bowie hoch und öffnet sich dem heutigen Pop. David Byrne ist Referenz so vieler, heute höchst erfolgreicher, Künstler. Daher ist ein wenig Superlative bei einer neuen Veröffentlichung des Schottisch-Amerikanischen Sängers durchaus angebracht.

dePresno – Wenn Carrie Mr. Big sucht

Als 2004 die finale Folge der Serie Sex And The City weltweit über die Bildschirme flimmerte, war der Norweger Bjarte De Presno Borthen gerade einmal 8 Jahre alt. Also nicht unbedingt die Inspiration, um einen Song Mr. Big zu nennen. Wenn man allerdings, wie dePresno – so nennt sich der Sänger schlicht – einmal durch die Serie binged, liegt es nahe, sich diese markante Bezeichnung zur Brust zu nehmen. Mit seinem aktuellen Song Mr. Big singt sich der Norweger nun gekonnt, lässig in die Herzen und besticht dabei mit einem markanten Bariton. Auf seiner EP The Last of the Romantics, auf der Mr. Big enthalten ist, verwundert jeder einzelne Song. Denn jeder dieser vier Songs klingt so unterschiedlich, dass man annehmen müsste, es seien vier verschiedene Sänger zu hören. Dieser Einfluss kommt nicht von ungefähr – wohnt dePresno doch in Bergen und damit in der Stadt, aus der auch Kygo, Röyksopp und die Kings Of Convenience kommen. Ebenso, ist er mit Aurora, Sigrid und den Jungs von Kakkmaddafakka befreundet. Somit decken diese Bands alle Genres ab, die dePresno vereint. Mr. Big ist eine flotte, Popnummer, die durch einen flippigen Hip-Hop-Beat bereichert wird und dadurch direkt ins Ohr geht. Dabei kommt Mr. Big perfekt, um auf der Weihnachtsfeier für jede Menge Spaß zu sorgen.

Daniel Docherty – Im Stile Ben Howards

Eine Gitarre und eine warme Stimme – mehr braucht es nicht. Dies hat Ben Howard bereits eindrucksvoll auf zwei Alben bewiesen. Nun hat der Schotte Daniel Docherty sein einfühlsames Hold Me veröffentlicht und verzaubert damit ganz Großbritannien. Mit einem schnellen zupfen der Gitarrensaiten und dem Anschwellen der Akustikgitarre singt sich der, aus der Nähe Glasgows kommende, Sänger gerade in die Herzen. Mit seiner warmen und weichen Stimme erzeugt Docherty damit eine Art Lagerfeuerstimmung und steht dabei noch ganz am Anfang. Auf der Fundraising-Homepage Pledge Music, die für Musiker gemacht wurde, um sie zu unterstützen, hatte Docherty 2014 noch um Unterstützung für Aufnahmen seiner ersten EP geworben. Drei Jahre später, kann er sich sein eigenes Musikvideo auf den Internetportalen ansehen. Der 25 jährige Sänger steht somit vor einem großen Schritt, wurde er doch auf dem Niederländischen Eurosonic International Showcase Festival vom Plattenlabel PIAS entdeckt und unter Vertrag genommen – dies war nur eine Frage der Zeit. Und so dürfen wir uns mit Hold Me über seine Debütsingle freuen und lauschen den warmen Klängen und der weichen Stimme Dochertys an kalten Novemberabenden und können uns sicher sein, dass da bald noch mehr kommen wird.

Dean Lewis – Fernab der australischen Sommer-Sonne

Als junger Singer/Songwriter nutzt man eigentlich jede Chance seine Musik zu spielen. Der Australier Dean Lewis hat sich für seinen Traum einen etwas komplizierteren Weg gesucht. So zog er von der australischen Sommer-Sonne Sydneys ins trübe Wettergemisch nördlich von London, um an Songs für sein Debütalbum zu schreiben. Inspiration fand er hier auch genügend – fühlte er sich doch in Australien zu weit ab vom Popgeschehen der Welt. Dass es nun ganz anders kam, zeigt der Erfolg seiner Debütsingle Waves, mit der er es in die Top-15 der australischen Singlecharts schaffte und in drei amerikanischen Serien gespielt wurde. Mit seiner aktuellen Single Lose My Mind wiederholt er jetzt diesen Erfolg. Hier trifft wunderbar, euphorischer Singer/Songwriter-Sound auf ruhige, intime Momente. Doch die Euphorie und die Intimität finden sich nicht etwa im selben Song – Lewis hat Lose My Mind einmal in großer Popmanier aufgenommen, sowie auch als Akustikversion veröffentlicht. Dass beide Versionen absolute Hits sind, kann man sich nach den ersten Sekunden vorstellen. Deshalb findet Ihr hier beide Versionen. Ich bin gespannt welche Euch besser gefällt. Dean Lewis ist zumindest auf dem besten Weg – nach Australien – auch Europa zu erobern.

Dagny – Norwegian’s next big thing!

Wir können uns gar nicht weit genug aus dem Fenster lehnen, um zu sagen, dass Dagny Norvoll Sandvik, oder kurz Dagny, das nächste große Ding sein, welches einen Hit nach dem anderen veröffentlicht, sein wird. Ihre Art Musik, Bilder und Videos zusammenzubringen, beschreibt den Erfolg schwedischer und norwegischer Musiker wie Robyn, Tove Lo und auch Abba. Denn zu der legendären schwedischen Popband lassen sich bei Dagny doch recht viele Übereinstimmungen finden. Vom musikalischen Aufbau der Songs, über eine klassische Popstimme, bis hin zu den farbenfrohen Musikvideos, gibt sich Dagny dem Pop vollkommen hin. Dabei entstehen Songs, wie ihre aktuelle Single Wearing Nothing die mit einer euphorischen Unbeschwertheit begeistern. Da hören wir einen kräftigen Dancebeat, zu einer singenden Dagny, die auf einem College-Schulhof passen würde. Wearing Nothing ist eine große Popnummer, die hoffentlich auch bald in den Deutschen Radios ankommen wird.

Casper – Mit Drangsal zur Ikone

Casper feat. Drangsal – Keine Angst

Kurzzeitig hatte man einen Schreck, ja fast schon Angst bekommen – waren doch die ersten Töne des neuen Albums ungewohnt schroff. Sirenen oder auch Lang Lebe Der Tod gingen in eine Richtung, die für Casper ungewöhnlich hart und elektronisch klangen und mit brachialer Gewalt ihren Weg zu den Fans fanden. Nun gibt es mit der dritten Single vom neuen, im Herbst erscheinenden, Album Lang Lebe Der Tod möglicherweise eine Kehrtwende. Denn auf Keine Angst ist Casper wieder so zurück, wie wir ihn lieben, mit rauer, starker Stimme und dieses Mal mit einer Gegenstimme, die vom Rheinländer Drangsal kommt. Die volle Ladung Indie ist bei Casper genauso vertreten, wie der schnelle Sound und die neue Suche nach elektronischen Einflüssen. So verbindet Kein Angst Indie, Rap und Synthies miteinander und gibt ein Tempo vor, dass sich an der Tanzwut der Fans orientiert. Casper ist eine Ausnahme im Deutschen Indie/Rap und zeigt, dass man viele – scheinbar unpassende – stilistische Hilfsmittel zu einem homogenen Song zusammenbringen kann – man sollte nur keine Angst haben es zu probieren.

Disciples – Sie spielen sich in die Charts

Disciples – On My Mind

Das Produzenten-Trio Disciples wird vor allem für seine tiefen Housebeats gefeiert. So hatten sie mit They Don’t Know 2015 bereits einen Top-30 Hit in ihrer Heimat Großbritannien und landeten mit Calvin Harris‘ How Deep Is Your Love sogar auf Platz 2. Nun kommen sie mit On My Mind zurück und begeistern damit abermals alle Liebhaber von poppiger Housemusik. Stets bereit für die Party und den Club haben Disciples mit On My Mind eine volle Ladung Sound veröffentlicht, der sich gar nicht danach richten möchte, ob man gerade tanzen kann oder nicht. Die Disciples holen damit den Sommer direkt aus dem Mittelmeer zu uns und überzeugen mit einem satten Bass und einem Gesang, der sich sofort zum Ohrwurm entwickelt. Immer wieder unterbrochen durch den kräftigen Refrain und dem Wechsel zwischen hoher Stimme und tiefen Sound hat On My Mind den perfekten Mix um sowohl im Radio, als auch im Club zu funktionieren und ist damit für den kommenden Sommer gesetzt.

Dreamcar – Wenn aus No Doubt und AFI purer 80’s-Sound wird

Dreamcar – Kill For Candy

Was passiert, wenn Künstler etablierter Bands müde ihres eigenen Sounds werden? Die einen resignieren und geben sich mit dem Erfolg ab und machen einfach weiter, die anderen erfinden etwas Neues. Als sich die Band No Doubt, nach neun Jahren der Stille 2012 wieder zusammenfand und das Album Push And Shove veröffentlichte, viel den Bandmitgliedern auf, dass sie zwar als Band noch funktionieren, allerdings die Einflüsse der vergangenen Jahre eine größere Rolle spielen sollte. Was dazu führte, dass sie bis heute kein weiteres No Doubt Album veröffentlichten, sondern mit diversen Projekten kontinuierlich Input sammeln. Ähnlich ging es dem Frontsänger der amerikanischen Rockband AFI, Davey Havok. So fingen Tony Kanal, Tom Dumont und Adrian Young von No Doubt und Davey Havok von AFI vor etwa zwei Jahren fast ganz von vorne an. Da fanden Jam-Sessions in der Garage statt und stand kein Manager bereit mit dem ganz großen Vertrag. Es waren einfach vier Jungs in den 40ern, die Musik spielen und sich einfach treiben lassen wollten. Dass hierbei eine Energie entstand, die an frühere Zeiten, für die Jungs, erinnerte, kann man sich vorstellen. Dreamcar, wie sie sich als Band mittlerweile nennen, hat allerdings kein bisschen mit dem Rocksound der eigenen Bands zu tun. Was man auf ihrer Debütsingle Kill For Candy hören kann. Denn diese erinnert an den ganz großen Sound von Duran Duran, The Cure und Tears For Fears. Satter 80er Jahre Sound, mit Synthies und der passenden Gesang mit Haarlackattitüde von Havok. Da werden Abschlussbälle hip und Brillengestelle wieder größer.

Burak Yeter – Stampfend in den Sommer

Burak Yeter feat. Danelle Sandoval – Tuesday

Mit einem absoluten Ohrwurm erobert der türkisch-stämmige DJ und Produzent Burak Yeter gerade Europa im Sturm. In Amsterdam lebend hat er seinen Song Tuesday bereits im Sommer 2016 veröffentlicht, doch erst in diesem Frühjahr zündete er so richtig. Basierend auf dem 2014er Tuesday von ILoveMakonnen feat. Drake hat Yeter einen Deep-House-Sound um die Lyrics gelegt und zusätzlich mit einem südosteuropäischen Beat für die passende Sommerstimmung gesorgt. Dabei kriecht Tuesday schwer vor sich hin und stampft uns den Sommer förmlich in den Körper. Bereits in 13 Ländern in den Top 10, ist er in jedem anderen europäischen Land zumindest in den Charts. Könnte das sogar ein früher Sommerhit für ganz Europa werden?! Das Feeling stimmt zumindest.